Millu, Liana

Der Rauch über Birkenau

Der Rauch über Birkenau
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 2005-06
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 189
  • ISBN: 3596140218
  • EAN: 9783596140213
  • Amazon.de Verkaufsrang: 17.987
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Beschreibung von buecher.de

Eines der eindrucksvollsten europäischen Zeugnisse aus dem Frauenlager Auschwitz-Birkenau, ganz gewiß das bewegendste' schrieb Primo Levi zu Lina Millus 1947 entstandenem, auf eigenen Erfahrungen beruhendem Buch. Es enthält sechs Erzählungen, die die Dimensionen des Ausweglosen, die Unsagbarkeit des Grauens ausloten und den Frauen von Birkenau ein literarisches Denkmal setzen.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 14 von 14 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Bewegende Erfahrungen einer Frau im KZ Birkenau

Liana Millu schildert ihren Lesern ihr bewegendes und erschütterndes Schicksal im KZ Birkenau. Dabei geht sie schonungslos mit dem Leser um. Es ist allerdings traurig, daß es so lange gedauert hat, bis Millus Buch auch in deutscher Sprache erscheint. Warum traute sich keine Verleger an ihr Werk heran? Trotz der Kürze des Buches braucht das Lesen seine Zeit. Von Episode zu Episode erwachte in mir das Entsetzen über die Zustände im KZ Birkenau neu. Das Lesen schmerzte und dauerte dementsprechend sehr lange. Die Geschehnisse bleiben lange im Kopf und ich werde sie wohl nie vergessen. Für alle, die sich für diese Zeit interessieren und einmal eine andere Sichtweise kennenlernen wollen, sollte dieses Buch Pflichtlektüre sein. Als Primärquelle ist Millus Buch unersetzlich.

Diese Rezension von Bruno Hafner fanden 6 von 6 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen anders geschrieben - aber überaus excellent !

Nach zahlreichen Büchern über die Shoah (insbesondere über Auschwitz I und Auschwitz II Birkenau) möchte ich dieses Buch jedem interessierten empfehlen. Ich lege meine Empfehlung vor allem auch "Neueinsteigern/innen" nahe.

Aus dem Frauenlager von Birkenau schildert Liana Millu das Gesehene und Miterlebte aus ihren Augen. Sie drängt sich jedoch nie auf - sondern lässt vor allem ihre Mitleidensgenossinnen im Mittelpunkt des Geschehens und dies in 6 verschiedenen Erlebnissen mit jeweils anderen Personen (auf 190 Seiten).

Obwohl aus dieser brutalen Welt geschrieben - schildert sie es in einer plastischen, genauen und doch irgendwie "angenehmen" und sehr leserlichen Schreibweise.

Auf seine Art anders. Sehr sehr eindrücklich. Das Buch ist dermassen excellent geschrieben, dass ich gerne weitergelesen hätte ...

Somit meine Höchstbewertung für dieses Buch.

Diese Rezension fanden 9 von 10 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen tief beeindruckend und wahrhaftig

Dieses Buch ist nicht leicht zu verkraften. Eine Geschichte pro Tag war genug. Aber die Bilder sind mir noch Wochen später tief in der Erinnerung eingeprägt. In diesem Buch habe ich viel über Frauensozialisation und menschliche Brutalität gelernt. Aber auch Hoffnung geschöpft. Denn Menschen bleiben auch Menschen im KZ, mit allen Schwächen und Stärken. Das macht das Buch zu einem wahren Klassiker über Menschen.

Diese Rezension von Lars Gothard fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Der Alptraum und seine sozialen Dimensionen

*uff*. Es gibt etwas, das ich beim Nachdenken und Lesen über die Konzentrations- und Vernichtungslager nicht berücksichtigt habe und das dieses Buch in einer eindringenden Entsetzlichkeit zeigt, die mir beim Lesen das Gefühl gab, ständig tief ein- und ausatmen zu müssen, um nicht an Übelkeit zu ersticken:

Das sind Menschen.

Und das bedeutet, im Lager gibt es auch all das, was Abschaum ist, doch kann man dort davor nicht flüchten. Wie erhält sich ein intelligenter Mensch seine Integrität? Was stirbt zuerst? der Überlebenswille oder die schwer erarbeitete Moral? Millu sagt, die Menschlichkeit stirbt zuerst, doch wenn man darüber intensiv nachdenkt, wird einem schlecht. Kriminelle Elemente, der "white trash" übernimmt im Lager nicht nur die Macht, sondern bestimmt auch die meisten einzelnen Interaktionen. Da, wo die seltenen wirklichen Menschen aufeinander treffen, gibt es kurze Augenblicke der Hoffnung, ansonsten geht das selbstkünstlerische Individuum in der Masse unter. Verrohung, das ist ein Aspekt, den man selten bedenkt, werden Ausschwitz, Birkenau, Bergen-Belsen, Treblinka u.a. zum Thema. Wie überlebt man das? Wie kann ein Mensch, der sich selbst im Lager verlor, sich jemals wieder im Spiegel anschauen? Wieviele gute Psychen wurden zerstört, unheilbar erkrankt und kaputt für den Rest ihres Lebens?

Das ist vielleicht das wahre Grauen, und es gibt kein Buch, das dieses so schonungslos und wahrhaftig präsentiert wie Der Rauch über Birkenau.

Lesenswert, aber mit Warnung: das ist kein Buch für Ignoranten und Gruselsüchtige. Wer hierauf nur mit "schrecklich, schrecklich" reagieren kann, hat die Lektion nicht verstanden.

Ich bin nach all den Büchern, die ich nun mittlerweile dazu gelesen habe, zunehmend einer bestimmten Meinung: Man muss sich selbst hinterfragen, ehrlich mit sich sein. Nur wenn man wirklich versteht und sich wirklich die Frage stellt, wie man selbst wohl reagieren, sich verhalten, sich erhalten würde, kann man verstehen, welch wichtige Symbolik für alle Menschen für immer in diesem Thema steckt. Und man kann nur jenen danken, die so ehrlich wie Liana Millu erzählen. Wieviel Mut muss dahinter stecken, aber auch wieviel Hoffnung?

Diese Rezension von Kaffeehausleserin fanden 6 von 7 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen weiblicher Widerstand

In sechs Geschichten schreibt die Italienerin Liana Millu über ihre Zeit in Birkenau.

In jeder Geschichte steht jeweils eine Frau im Mittelpunkt.

Eine Frau, die versucht ihre Schwangerschaft geheim zu halten, eine Frau, die ihren Sohn auf der anderen Seite des Zauns sieht. Sie umarmen einander durch den Hochspannungsdraht und sterben

Es geht um Frauensolidarität und Zusammenhalten.

Mich hat das Buch fasziniert. Einmal wegen der ausschließlichen Frauensicht, wegen der Form weiblichen Widerstands im KZ, und aber auch wegen der literarischen Aufarbeitung dieser schrecklichen Geschehnisse.

Liana Millu schreibt sehr konzentriert. Sie spitzt die Geschichten jeweils auf eine Aussage zu.

Anders als in Büchern männlicher Autoren über die Konzentrationslager, hatte ich hier nicht so stark den Eindruck der Entmenschlichung. Es ist immer noch eine Form von Zusammenhalten, von Einstehen für den anderen, bzw. die andere vorhanden.

Hier geht es nicht um Survival of the fittest, sondern um Solidarität und um eine menschliche und soziale Gemeinschaft trotz verheerender Rahmenbedingungen.

Und es geht um Widerstand im Verborgenen. Nicht, um sich selbst günstigere Bedingungen zu erschaffen, sondern um jemand anders zu helfen.

Der Rauch über Birkenau



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