Theokrit

Gedichte

Gedichte
  • Verlag: Artemis & Winkler
  • Erscheinungsdatum: 1999-03-15
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 292
  • ISBN: 3760817149
  • EAN: 9783760817149
  • Amazon.de Verkaufsrang: 727.685
Bestellen Sie über obige Links! Sie fördern dadurch die Digitalisierung weiterer Bücher, da Zeno.org eine Provision von dem Sponsor erhält. Wann immer Sie etwas bestellen möchten - prüfen Sie vorher die Millionen von Angeboten, die im Zeno.org-Shop beschrieben sind. Bookmarken Sie die Einstiegsseite in den Zeno.org-Shop für spätere Gelegenheiten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Beschreibung von buecher.de

Beginnt, liebe Musen, beginnt mit dem bukolischen Gesang!' In der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts v. Chr. hat Theokrit mit seinen 'Idyllen' jene Kunstform des Hirtengedichts geschaffen, die zum Vorbild von Vergils 'Bucolica' sowie der Schäferpoesie des 18. Jahrhunderts wurde. Neben Szenen aus der Welt der sizilischen Hirten stehen solche aus dem Leben der niederen städtischen Kreise, aber auch Episoden mythologischen Inhaltes: Dem Honigdieb Eros hat eine Biene die Finger zerstochen. seine Mutter Aphrodite verweigert lachend den eingeforderten Trost: 'Bist du nicht gleich wie die Bienen, wo du zwar winzig bist, doch die Wunden so groß sind, die du schlägst?'

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von M. Thomas fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Süße Lieder auf der Leier

"Beginnt, liebe Musen, beginnt mit dem bukolischen Gesang!". Der Name Theokrit ist dem Kenner der griechischen Dichtung als Schöpfer der Bukolik oder Hirtendichtung bekannt. Vergil war es vorbehalten, diese Gattung zur Vollendung zu führen. Doch Bernd Effe, der Herausgeber und Neu-Übersetzer weist zu Recht auf die "thematische und formale Vielfalt" des Werkes hin. Neben den Hirtenliedern werden in den Gedichten auch die Liebe verherrlicht sowie Helden- und Herrschermythen und das Alltagsleben geschildert. Effes Übersetzung orientiert sich am Text und nicht an der vorhandenen Versform, denn diese betrachtet er als zu Recht als künstlerisches Privileg.

Über das Leben des Theokrit wissen wir wenig. Geboren wurde er in Syrakus auf Sizilien. Einen Aufenthalt in Alexandria und der Kontakt zu den dort lebenden Schriftstellern Kallimachos und Apollonios Rhodios gilt als sicher. Ein Gedicht legt auch den Besuch eines Freundes in Milet nahe. Theokrit lebte in einer Zeit des Übergangs. Literatur wurde nicht mehr öffentlich, sondern in privater Atmosphäre, im kleinen Kreise vorgetragen oder allein gelesen. Statt der epischen Langform verwendete Thoekrit kurze, literarische Gedichte mit gemischten Versformen. So kann er gezielt einen metrischen Hexameter für würdevolle Mythen einsetzen oder die Prosaform für die Beschreibung eine Alltagsszene.

Die Hirtenlieder werden oft in der Form eines lyrischen Wettkampfes dargestellt, der zwischen Ziegen-, Schaf- und Rinderhirt ausgetragen wird. Daphnis, der mythische Rinderhirt, wird in vielen Gedichten besungen: "Süß ist dein Mund und lieblich, Daphnis, deine Stimme. Besser ist's, dich singen zu hören als Honig zu schlecken. Nimm die Syringen, denn du hast gesiegt im Singen ... Und so wurde Daphnis der Erste bei den Hirten, und er heiratete die Nymphe Nais, noch in der Blüte der Jugend." Er prahlte, den Eros niederzuringen und wird "auch im Hades ein schlimmes Ärgernis sein für Eros".

Liebe und Liebeskummer liegen oft eng beisammen. Theokrit greift beide Themen in seinen Gedichten auf. Die "Zauberin" heißt ein Gedicht, in dem eine Frau von ihrem Geliebten verlassen eine Magierin zu Hilfe ruft: "Zauberrad, ziehe du diesen Mann zu meinem Haus!". Genau beschrieben werden die verschiedenen Zaubermittel. Ein Brandopfer soll den Geliebten der einst selbst Entbrannten zurückbringen. Für den Fall, dass der Liebeszauber nicht wirkt droht sie den Angebeteten "an das Tor des Hades" klopfen zu lassen. Wir wissen leider nicht, ob der Zauber zum Erfolg führte!

In dem Gedicht "Die Syrakusanerinnen oder Frauen beim Adonisfest" belauschen wir zwei Frauen, die sich auf den Besuch eines Festes vorbereiten. Das Gespräch kreist um ganz gewöhnliche Dinge: der geizige Ehemann, die zu kleine Wohnung, Neid und Missgunst. Auf dem Weg zum Festplatz hören wir vom Stoßen und Drängen der Menge ("Drängeln sich wie Schweine") und dem Unmut darüber, dass der Mantel zerrissenen wird. Es folgt der Auftritt der Sängerin, die Adonis aus der Unterwelt heraufbeschwört. Diese rituelle Szene wird von der ganz profanen Sorge über die Zubereitung des Essens für den Ehemann unterbrochen. Die weihevolle Szene wird von den Sorgen des Alltags gleichsam umschlossen.

Von der Armut der Dichter und vom Geiz der Menschen handelt das Gedicht "Chariten oder Hieron". Theokrit bemängelt, dass der Held gerne gerühmt werden will "und nicht ruhmlos klagen musst am kalten Acheron", doch dafür zahlen will er nicht. "Wer hört schon einem anderen zu? Genug für alle ist Homer. Der von den Sängern ist der Beste, der von mir nichts kriegen will", lautet der lapidare Kommentar der Menge. Wer, so fragt er, wird aber die Namen und Taten der Helden kennen, wenn nicht die großartigen Werke der Dichter erhalten blieben: "vergessen lägen sie, all diesen Segen zurücklassend ... wenn nicht ein göttlicher Sänger ... bunte Weisen zur vielsaitigen Leier vortragend, ihren Namen bekannt gemacht hätte."

Den beiden Söhnen des Zeus und der Leda, Kastor und Polydeukes ist das Gedicht "Die Dioskuren" gewidmet. Theokrit erzählt den Teil der Argonautensage, in dem Polydeukes in einem Zweikampf den Bebryker Amykos besiegt. Theokrit beschreibt Amykos als einen übermächtigen Mann mit gewaltiger Brust, "ein mit dem Hammer geschmiedeter Koloss". Kastors Heldentat ist meiner Meinung nach nicht so rühmlich. Die beiden Dioskuren rauben die Bräute ihrer Vettern Lynkeus und Idas. Obwohl die beiden Beraubten an die Einsicht appellieren, sucht Kastor den Kampf und tötet Lynkeus. Als Idas Kastor mit einem Grabstein bedroht, kommt Vater Zeus zu Hilfe und schleudert einen Blitzstrahl gegen Idas.

Fazit: Auch wenn man der altgriechischen Sprache nicht mächtig ist, bleibt die Lektüre Theokrits ein literarischer Genuss. Nur muss man genügend Zeit und Muße mitbringen.




Empfehlungen
Bookmarks
delicious wong linkarena google