Balzac, Honore de

Die Frau von dreißig Jahren

Die Frau von dreißig Jahren
  • Verlag: Manesse-Verlag
  • Erscheinungsdatum: 2002-03
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 340
  • ISBN: 3717519344
  • EAN: 9783717519348
  • Amazon.de Verkaufsrang: 554.298
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Beschreibung von buecher.de

In jenem schönen Alter von dreißig Jahren, jenem poetischen Gipfel im Leben einer Frau', lernt die unglücklich verheiratete Pariserin Julie D'Aiglement einen Diplomaten kennen, dessen Leidenschaft sie nicht widerstehen kann. Bitter muss sie für ihren Fehltritt büßen. Dieser Roman ist ein künstlerisches Seelen- und Sittenbild des frühen 19. Jahrhunderts. Zum ersten Mal wird das Problem der unglücklich verheirateten Frau in mittleren Jahren als Opfer ihrer Unerfahrenheit und der sozialen Zwänge mit aller Schärfe und Komplexität dargestellt.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 19 von 22 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Am schönsten, als die Heldin dreißig ist

Balzacs Roman 'Die Frau von dreißig Jahren' schildert das Leben einer Frau in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Heldin Julie hat die Freiheit, ihren Bräutigam selbst auszuwählen und fällt ihre Entscheidung zwar gegen die Meinung, jedoch schließlich mit der Zustimmung ihres Vaters. Schon sehr bald beginnt sie, die Heirat mit dem Marquis d'Aigelement zu bereuen: Als Halbwaise hatte sie keine Mutter, die sie auf die 'ehelichen Pflichten' hätte vorbereiten können. Mit ihrem egozentrischen Gatten erlebt sie eine böse Überraschung, die nicht mehr enden soll. Sein Verhalten ist in jeder Hinsicht von Gleichgültigkeit gegenüber ihren Gefühlen und Bedürfnissen geprägt. Julie ergibt sich in ihr Schicksal und nach langen Jahren der Passivität, der Depression, der körperlichen Schwäche und der Verleugnung ihrer Leidenschaft lässt sie sich im Alter von dreißig Jahren auf eine Affäre ein, die von Liebe und emotionaler Nähe erfüllt ist. Die Lebensgeschichte Julie d'Aiglements wird bis zu ihrem Tod im Alter von etwa fünfzig Jahren verfolgt. Leider verpackt der Autor dabei offenbar delikate Details in verwirrenden Andeutungen, die seinen Zeitgenossen zugänglich sein mochten, deren Bedeutung sich aber nicht jedem heutigen Leser voll erschließen wird. In ihren Anmerkungen am Ende des Buches erklärt Erika Wesemann, dass die sechs Kapitel des Romans ursprünglich als eigenständige literarische Werke geplant gewesen sind. Das erklärt, weshalb jedes Kapitel - obwohl die Geschichte fortgesetzt wird - isoliert erscheint.Im ersten und zweiten Kapitel gewährt Balzac tiefe Einblicke in das Innenleben von Julie d'Aiglement. Im dritten Kapitel - jetzt ist sie dreißig Jahre alt - sieht der Leser sie aus der Sicht ihres künftigen Liebhabers. Überraschend wechselt der Autor im vierten Kapitel in die Ich-Erzählform und schildert eine tragische Episode aus Julies Leben, als sei er selbst zufällig Zeuge des Vorfalls geworden. Das fünfte Kapitel ist so fantastisch und idealistisch, dass es die Glaubwürdigkeit der gesamten Erzählung in Frage stellt. Im sechsten Kapitel erfahren wir wieder etwas über das Seelenleben von Julie, nun fünfzig Jahre alt, vom Leben gezeichnet, doch leider nicht am Leben gereift. Das gibt der Geschichte einen unbefriedigenden Ausgang.Etwas langatmig und blähend wirken die ausführlichen Landschaftsbeschreibungen. Erstaunlich dafür sind Balzacs Menschenkenntnis und sein Einfühlungsvermögen in das Gefühlsleben eines jungen Mädchens und einer 30jährigen Frau.

Diese Rezension von Michael Angrick fanden 1 von 4 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Wieder Balzac

Natürlich hatte mir der zufällig ausgesuchte erste Roman, den ich von Balzac gelesen habe Appetit auf mehr gemacht. Also habe ich mir einen weiteren Roman aus der Menschlichen Komödie ausgesucht: Die Frau von dreißig Jahren.

Es ist zu früh, über das Werk dieses Sprachmagiers und Schreibgiganten wirklich zu urteilen, jedoch ist es auffällig, wie er an einen Roman herangeht. Häufig kommt er über die Beschreibung einer Landschaft, ähnlich Fontane, der sich aber immer auf das Brandenburgische beschränkte, daher. Balzac scheint in ganz Frankreich zu Hause zu sein. Er muß bei seinen zahlreichen Reisen immer Auge gewesen sein, für Landschaften, für die Kunst und - vor allem - für Menschen.

Er muß Menschen, deren Verhalten genau studiert haben und dann eine Geschichte darum konstruiert haben. Wundervoll.

Der Roman der Frau von dreißig ist, verzeih mir Honoré, schwach. Er ist zerfasert, ein Handlungsstrang ist natürlich vorhanden, aber eigentlich ist es eine Sammlung von Kurzgeschichten, die mit dem gleichen Personal ausgestattet worden sind. So simpel, wie die Botschaft hinter der Geschichte lautet, ist das Leben nicht. Eine Frau kann, da bin ich sicher, ein Kind auch lieben, wenn es nicht von dem geliebten Manne stammt, sondern von einem anderen. Sofern sie nicht vergewaltigt wurde, was in dem vorliegenden Fall nicht der Fall ist. Die Frau hat eine ungeliebte Tochter und sonst nur Kinder der Liebe, aber alle diese Kinder, bis auf eine Tochter, werden vor ihrer Mutter sterben. Am lächerlichsten, weil an den Haaren herbeigezogen ist eine Begegnung auf See zwischen Tochter und Vater, die Tochter ist das ungeliebte Kind ihrer Mutter, weil es von dem falschen Manne stammt. Nun ja, es ist ein schwacher Roman; hätte ich ihn als erstes Produkt von Balzac gelesen, vielleicht hätte ich den Wunsch auf mehr nicht verspürt, so sage ich mir, es wird bessere geben, man muß sie nur in diesem großen Angebot finden.

Diese Rezension von Rolf Dobelli fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die Ehe, ein Hort des Unglücks

Die bezaubernde, junge Julie schlägt die Warnungen ihres Vaters in den Wind, heiratet den Marquis von Aiglemont – und ihr lebenslanges Unglück nimmt seinen Lauf. Die Ehe mit dem anständigen, aber erzlangweiligen Offizier wird zum Gefängnis, aus dem es kein Entrinnen gibt. Zwar lässt sich Julie auf mehrere Liebschaften ein, aus denen z. T. sogar Kinder hervorgehen, doch mehr als vorübergehende Linderung verschafft ihr dies nicht. Sie ist das Opfer ihrer eigenen Glücksbedürfnisse und die Leidtragende einer Gesellschaft, die Frauen in ein enges Korsett aus herzlosen Konventionen steckt. Julie verliert ihre Tochter an einen Verbrecher und wird am Ende ihres Lebens vom Glauben überwältigt, alles falsch gemacht zu haben. Das 1842 erschienene Werk gehört zu Balzacs großartigem Romanzyklus Die menschliche Komödie. Es ist ein vielschichtiges, ergreifendes Psychodrama, das zahlreiche literarische Grundthemen des 19. Jahrhunderts aufgreift und in lose verbundenen Szenen die Stationen eines verzweifelten Lebens schildert. Mit seinen feministischen Zügen ist Die Frau von dreißig Jahren bis heute ein äußerst lesenswertes, modern anmutendes Werk geblieben.

4 von 5 Sternen Kleiner Roman zwischendurch

Es macht immer wieder Spaß, sich zwischendurch mit einem Werk von Balzac zu befassen. Auf den Inhalt des vorliegenden Romans möchte ich nicht näher eingehen, denn er wurde an dieser Stelle bereits sehr gut zusammengefasst.

"Die Frau von dreizig Jahren" macht auf den Leser einen etwas unzusammenhängenden Eindruck, da die Art der Erzählweise mit den einzelnen Abschnitten wechselt. Wie man nachlesen kann mag dies daran liegen, dass der Roman in einem Zeitraum von vier Jahren aus mehreren, voneinander unabhängigen Erzählungen entstanden ist.

Trotz dieses kleinen "Schönheitsfehlers" habe ich die Geschichte sehr gern gelesen. Was mich an Balzac immer wieder fesselt ist zum einen sein für die damalige Zeit recht schnörkelloser Schreibstil, der seinen Werken einen gegenwartsnahen und zeitgemäßen Charakter verleiht sowie die absolut spitze Feder, mit der er die Mißstände seiner Epoche beschreibt. (Victor Hugo tat ähnliches, aber für meinen Geschmack wesentlich "weichgespülter").

Zum anderen beeindruckt mich die Brillanz der tiefenpsychologischen Ausleuchtung seiner Protagonisten. Auch der Seelenzustand der "Frau von dreizig Jahren" wird von ihm mit großem Einfühlungsvermögen Stück für Stück analysiert. Er muss ein hervorragender Beobachter gewesen sein.

Balzac zeichnet nicht nur den Leidensweg dieser unverstandenen und verletzten Frau, sondern versucht gleichzeitig einen Ausweg zu weisen, indem er sie gegen die bestehenden gesellschaftlichen Konventionen ankämpfen lässt. Sie durchbricht schließlich den bürgerlichen Moralkodex und versucht somit zu einem glücklicherem und ausgefüllterem Leben zu gelangen.

Die Frau von dreißig Jahren

Lexikalische Einträge zum Thema

Adelung-1793: Jahren · Jähren · Sabbaths-Frau, die · Chor-Frau, die · Frau, die

Brockhaus-1809: Gabriel Honore' Riquetti Graf von Mirabeau · Francisca, Frau von Maintenon

Brockhaus-1911: Dreißig Tyrannen · Balzac [2] · Balzac · Weiße Frau · Unsere Liebe Frau · Frau

DamenConvLex-1834: Rebecca, die Frau Isaak's · Lepelletier-Rosando, Frau von · Staal, Frau von · Weisse Frau · Venus, Frau · Lea, Jakob's Frau · Elme, Frau von Saint · Aischah, Frau Muhamed's · Holbein, Frau von · Hulda, Frau Holle · Holtei, Frau von

Eisler-1912: Fabri, Honoré

Herder-1854: Balzac [2] · Balzac [1] · Weiße Frau · Frau

Meyers-1905: Dreißig Tyrannen · Balzac · Saint-Honoré · Salvo honōre · Weiße Frau [1] · Weiße Frau [2] · Unsere Liebe Frau · Frau · Damen Unsrer Lieben Frau von der christlichen Liebe

Pataky-1898: Arendt-Morgenstern, Frau Olga · Arens von Braunrasch, Frau Gerichtsrat Auguste · Arnim, Frau Gisela v. · Andreas-Salomé, Frau Lou · Andresen, Frau Stine · Arand, Frau Cäcilia · Astl-Leonhard, Frau Anna · Bach-Gelpcke, Frau Marie · Bacmeister, Frau Lucie · Arnim, Frau Hauptmann M. v. · Arx-Stegmüller, Frau Fanny v. · Assmuss, Frau Elise · Adlersfeld, Frau Eufemia v. · Akermann-Hasslacher, Frau Bertha · Albertini, Frau Laura v. · (Belmonte)-Groag, Frau Carola · Abel, Frau Clementine · Adams-Lehmann, Frau H. B. · Ambrosius, Frau Joh. · Amelung, Frau Leopoldine · Anderssen, Frau Marie · Albrecht, Frau · Album einer Frau · Allesch, Frau Elly

Pierer-1857: Dreißig Tyrannen · Neun u. dreißig Artikel · Balzac · Honöre · Honore



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