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Kurswechsel notwendig!!!Dieses Buch ist eine echte Offenbarung. Bereits 1999 sah Todd die Probleme der europäischen Einheitswährung und der sich ausbreitenden Globalisierung voraus. Zwar wirken seine aus der Anthropologie hergeleiteten Schlussfolgerungen zu den Utopien des Freihandels und der Einheitswährung manchmal etwas weit hergeholt, erweisen sich aber als durchaus schlüssig. Todd erklärt warum ein 'intelligenter Protektionismus' unausweichlich ist, um den sozialen Ungleichheiten in den Industrieländern angemessen zu begegnen.
Wer eine gänzlich realistische Sichtweise auf die gegenwärtigen Wirtschaftsprobleme haben möchte, muss nur dieses Buch lesen - am besten gleich zwei Mal.
Über die Stagnation der entwickelten GesellschaftenDer Neoliberalismus ist zum Religionsersatz geworden. Alles hat sich einem engen ökonomischen Denken unterzuordnen. Doch wirtschaftliche Phänomene sind oft nur ein Spiegel wesentlich tieferer kultureller Muster. Niedergang der Bildung in den USA, malthusianischer Schock in Europa, verschärfte Ungleichheit bedeuten mehr als eine wirtschaftliche Krise, sie sind Zeichen einer Krise der westlichen Zivilisation. Beugen sich die entwickelten Gesellschaften in den USA, Europa und Japan den wirtschaftlichen "Sachzwängen", heute "Globalisierung" genannt, ist ihr Untergang gewiss. Die Ohnmacht der Nationen und damit der Politik kann nur überwunden werden, wenn die Idee der gesellschaftlichen Solidarität einen neuen Rahmen findet.
Die Verkünder einer glücklichen globalisierten Welt sehen in den wachsenden Ungleichheiten, der Flexibilisierung der Arbeit und der Zerschlagung des Sozialstaates den Preis, der für eine höhere Effizienz der Wirtschaft zu zahlen ist. Für ihre Gegner, die immer häufiger mit dem altmodischen Etikett des "Widerstandslagers" versehen werden, ist dieser Preis inakzeptabel und bedeutet einen Rückfall in die Barbarei. Die wirtschaftliche Effizienz der Globalisierung wurde dagegen kaum je angezweifelt.
Knapp ein Jahr später wagt niemand mehr, die Globalisierung als effizient und modern zu bezeichnen. Börsen- und Währungsfluktuationen erregen die Gemüter der besorgten Besitzenden, während die Grundindikatoren der realen Wirtschaft langsam, aber unerbittlich eine stagnative Welle beschreiben, die von Asien ausgehend durch die sinkenden Rohstoff- und Fertigwarenpreise auf Russland und Südamerika übergreift und neuerdings auch die europäischen und amerikanischen Wachstumsraten bedroht. Während die Pariser Presse aus Lokalpatriotismus den vorübergehenden Wiederaufschwung des französisch-deutschen Blocks feierte, widmete sich die angelsächsische Wirtschaftspresse 1998 hellsichtig der weltweiten Krise, die sie Schritt auf Schritt mitverfolgte. Immer selbstverständlicher wurden auch Keynes' Kommentare zur wirtschaftlichen Depression des Jahres 1929 zitiert.
Am 5. September 1998 leitete der "Economist" eine Analyse zu der als katastrophal eingeschätzten aktuellen Lage mit einem Zitat des Meisters aus dem Jahr 1931 ein: "Wir befinden uns heute inmitten der größten Wirtschaftskatastrophe der modernen Welt... Man fühlt sich an die Prophezeiungen Moskaus erinnert, dies sei die entscheidende und finale Krise des Kapitalismus, der als gesellschaftliche Ordnung nicht überleben werde..."
Der Neoliberalismus ist die letzte Großideologie des 20. Jahrhunderts. Wie seine feindlichen Brüder lässt er keine historische Erfahrung und keine theoretische Reflexion gelten, die seinen Glaubenssätzen widersprechen könnte. Diese dogmatische Enge ist ein Makel seiner Herkunft. Er ist ein kämpferischer Anti-Anti-Liberalismus, konzipiert in den Zeiten der schwersten Niederlage der liberalen Ideale. Dies prägt seine Begriffsbildung und seine Kampfesweise. Er musste seinen
Feinden auf gleicher Augenhöhe entgegentreten. So übernahm er, insbesondere vom Marxismus, die Grundkonzeption einer "geschlossenen wissenschaftlichen Weltanschauung". Er zwingt alle Weltprobleme in ein einfaches Korsett, hat auf alle Fragen einfache Antworten (im wesentlichen immer dieselbe). Er verfügt über ein simples Menschenbild und er propagiert eine utopische Geschichtsphilosophie. Seine dogmatische Enge und sein utopischer Glaube hindern ihn allerdings daran, für die relevanten wirtschaftlichen Probleme pragmatische Lösungen zu finden. Dies macht ihn ebenso realitätsuntauglich, wie es der Marxismus war. Mit seinem Scheitern ist daher zu rechnen.
Der Neoliberalismus ist zu einem Gutteil die Ideologie der anglo-amerikanischen Medienwelt..
Mitsamt diesem gesamtem Elitentheater, Eliteunis und der sozialen Separierung in einer raubtierkapitalistischen neoliberalen Kastengesellschaft.
Emmanuel Todd, geboren 1951, lebt in Paris. Diplom am "Institut d'études politiques" in Paris und Doktorat in Geschichtswissenschaft an der Universität Cambridge. Autor zahlreicher Bücher. 1976 prophezeite er in seinem Buch "La chute finale" den Untergang der Sowjetunion.
Inhalt des Buches:
Vorwort zur deutschen Ausgabe. 7
Einleitung: Das Wesen der Krise. 15
Kapitel 1: Ein wenig Anthropologie für Ökonomen. 31
Kapitel 2: Am Bildungslimit. 49
Kapitel 3: Zweierlei Kapitalismus. 71
Kapitel 4: Die Wende der neunziger Jahre, oder: Ist die amerikanische Wirtschaft dynamisch? 101
Kapitel 5: Das Wiederaufkommen von Ungleichheiten und die
Fragmentierung der Nationen. 135
Kapitel 6: Die Freihandelsutopie. 161
Kapitel 7: Die Währungsutopie. 197
Kapitel 8: Soziologie des Nulldenkens. 223
Kapitel 9: Rückkehr der Konflikte und Glaubensbezüge. 255
Schlusskapitel: Glaube und wirtschaftliches Handeln. 283
Wichtiges BuchDieses Buch soll aufzeigen, dass spezifisch ökonomische Gesetze - deren Bedeutung keineswegs in Abrede gestellt werden soll - nur im Rahmen eines umfassenden kulturellen und anthropologischen Ganzen zum Tragen kommen können. Verschiedene Grundfaktoren wie Bildung, Bevölkerungsentwicklung und althergebrachte familiale Werte stecken im Hintergrund einen Rahmen ab, in dem die Menschen ihre Ziele und Möglichkeiten realisieren und ohne die das Handeln des Homo oeconomicus keinen Sinn ergibt. Wie im Buch ausgeführt, ist das Wirtschaftsleben auf einer bewussten, die Bildungsstruktur auf einer unterbewussten und das familiale System auf einer unbewussten Ebene anzusiedeln.
Aus Anlass der deutschen Veröffentlichung dieses Buches, knapp ein Jahr nach seinem Erscheinen in Frankreich, scheint es kaum nötig, all die Bereiche zu aktualisieren, die diese tieferliegenden Schichten des Unter- und Unbewussten, der Bildung und der Familienstrukturen betreffen. Auf dieser Ebene ist ein Jahr eine völlig unbedeutende Größe. Die Entwicklungen erfolgen in großen Zeiträumen, die sich in Generationen messen, wenn es um die Bildung geht, aber auch in Jahrtausenden, was etwa die familialen Werte betrifft. Dagegen scheint es sehr wohl sinnvoll, die Beschleunigung der weltweiten Krise auf der strukturübergreifenden, bewussten Ebene der Wirtschaft zu kommentieren. Die in der "neoliberalen Illusion" diagnostizierte stagnative Tendenz wurde durch die jüngsten Ereignisse reichlich bestätigt, und das Bewusstsein über das generelle Missfunktionieren des Weltwirtschaftssystems nimmt spürbar zu.
Der Neoliberalismus ist zum Religionsersatz geworden. Alles hat sich einem engen ökonomischen Denken unterzuordnen. Doch wirtschaftliche Phänomene sind oft nur ein Spiegel wesentlich tieferer kultureller Muster. Niedergang der Bildung in den USA, malthusianischer Schock in Europa, verschärfte Ungleichheit bedeuten mehr als eine wirtschaftliche Krise, sie sind Zeichen einer Krise der westlichen Zivilisation. Beugen sich die entwickelten Gesellschaften in den USA, Europa und Japan den wirtschaftlichen "Sachzwängen", heute "Globalisierung" genannt, ist ihr Untergang gewiss. Die Ohnmacht der Nationen und damit der Politik kann nur überwunden werden, wenn die Idee der gesellschaftlichen Solidarität einen neuen Rahmen findet.
Der Neoliberalismus ist zum Religionsersatz geworden ("die unsichtbare Hand des Marktes", "der Markt regelt alles", man darf das Kapital nicht verschrecken", "Geiz ist geil"). Dabei wird übersehen: Wirtschaftliche Phänomene sind oft nur ein Spiegel wesentlich tieferer kultureller Muster.
Wie im Buch ausgeführt, ist das Wirtschaftsleben auf einer bewussten, die Bildungsstruktur auf einer unterbewussten und das familiale System auf einer unbewussten Ebene anzusiedeln.
Das Familien-System auf einer unbewussten Ebene als psychosoziale Prägung ist eine direkte Analogie zu den Ergebnissen, die Heilpraktiker bei Familien-Aufstellungen als Therapie-Formen erzielten.
Ich empfehle weiterhin: "Wie das Kapital die Wirtschaft ruiniert" von Franz Groll.
Im Jahre 1993 veröffentlichte Norbert Walter sein Buch "Der Neue Wohlstand der Nation". Es enthält bereits "das ganze neoliberale Kampfprogramm", so die Neue Solidarität im April 1995 in einem Artikel.
Der Titel ist eine Art neoliberales Glaubensbekenntnis: Der Neue Wohlstand der Nationen soll Assoziationen an den Gründer dieser "Religion", Adam Smith, erwecken, der 1776 sein Werk Wealth of Nations veröffentlichte. Prof. Walters Stellung bei der Deutschen Bank, dem wichtigsten wirtschaftlichen Machtzentrum in Deutschland, legt nahe, daß sein Buch keineswegs zur "akademisch-literarischen Meinungsbildung" gedacht war, sondern als wirtschaftspolitisches Programm der "Konservativen Revolution", wie sie damals schon im Schwange war.
Dieser neoliberale Ideologie wird von Emmanuel Todd fundiert widerlegt!
Weltweite Oligarchie-GefahrMeiner Meinung nach hat der Demograph, Statistiker und Politologe Emmanuel Todd ein sehr gut lesbares und lesenswertes Buch geschrieben.
Er hofft auf eine positive Entwicklung, weist aber auch (bei unbegrenztem Freihandel und weiterer neoliberaler Wirtschaftspolitik) auf die mögliche gefährliche Entwicklung der europäischen Gesellschaften hin zu einer Oligarchie bzw. Plutokratie der Vermögensoberschicht und der transnationalen Konzerne hin.
Tatsächlich ist Globalisierung ein soziales Erdbeben: die Lösung eines entscheidenden Teils des Kapitals von ihren Gesellschaften (und Nationalstaaten), also die Emanzipation von jener Form der politischen Organisation der Menschheit, die das Kapital mitgeschaffen hatte. Zwischen 1985 und 1995 entstanden mehr transnationale Konzerne als in den zweihundert Jahren zuvor. Sie erwirtschaften heute fünfzig Prozent der Wertschöpfung. Da ist eine Ökonomie entstanden, die sich jedem politischen Zugriff entzieht.
Die rechten Neocon-Revolutionäre um Wolfowitz & Kristol und die Bush-Administration glauben, dass die Menschheit vor der Alternative steht, entweder mit der Marktwirtschaft zu brechen - was sie nicht wollen - oder mit zunehmenden sozialen Differenzen, zunehmender Gewalt, dem molekularen Bürgerkrieg zu leben. Dafür rüsten sie. Die Burg zieht die Zugbrücke hoch. Gated Communities sind das künftige Lebensmodell für die Eliten. Amerika sucht keine territoriale Ausdehnung. Sein Imperialismuskonzept ist nicht mehr amerikanisch - es ist das Unterfangen, sich den globalisierten Eliten als Gewaltmonopolist anzubieten. Um das durchzusetzen, werden Feinde geschaffen.
Die US-Gesellschaft ist mittlerweile de facto eine Medien-Oligarchie und Plutokratie in der Hand der transnationalen Konzerne und des Privat-Banken Syndikates hinter der FED.
Wirtschaftlich de facto, durch Verlagerung der Produktivität nach Mexiko, Kanada, Japan, Ostchina und die EU-Länder, abgesehen vom militärisch-industriellen Komplex, ausgezehrt.
Ferner macht Emmanuel Todd auf die hohe Analphabetisierungsrate in den USA aufmerksam. Ähnliche Entwicklungen drohen weltweit.
ExzellentDieses Buch ist eine echte Offenbarung. Bereits 1999 sah Todd die Probleme der europäischen Einheitswährung und der sich ausbreitenden Globalisierung voraus. Zwar wirken seine aus der Anthropologie hergeleiteten Schlussfolgerungen zu den Utopien des Freihandels und der Einheitswährung manchmal etwas weit hergeholt, erweisen sich aber als durchaus schlüssig. Todd erklärt warum ein 'intelligenter Protektionismus' (etwa nach Vorbild des deutschen Nationalökonomen Friedrich List, diesmal auf die Gesamt-EU übertragen) unausweichlich ist, um den sozialen Ungleichheiten in den Industrieländern angemessen zu begegnen.
Wer eine gänzlich realistische Sichtweise auf die gegenwärtigen Wirtschaftsprobleme haben möchte, muss nur dieses Buch lesen - am besten gleich zwei Mal.
Weiterhin empfehlenswert: Michael C. Ruppert "Crossing the Rubicon" und Albrecht Müller "Die Reformlüge".
Emmanuel Todd (geb. 1951) ist ein französischer Historiker, Demograf und politischer Autor. Er studierte Geschichte und Anthropologie in Paris und promovierte in Geschichtswissenschaften an der Universität Cambridge. In seinem Buch "Vor dem Sturz" sagte er bereits 1976 den Untergang des Sowjetsystems voraus.
DamenConvLex-1834: Illusion, Täuschung
Eisler-1904: Illusion · Ästhetische Illusion
Heiligenlexikon-1858: Emmanuel, B. (4) · Emmanuel, B. (3) · Emmanuel, S. (2) · Emmanuel, S. (1) · Emmanuel Trien, V. (5) · Emmanuel d'Abreu (8) · Emmanuel (7) · Emmanuel Neri (9) · Emmanuel Hoa, V. (6)
Herder-1854: Illusion · Victor Emmanuel II. · Victor Emmanuel I. · Karl Emmanuel
Kirchner-Michaelis-1907: Illusion
Meyers-1905: Illusion · Emmanuel Papa
Pagel-1901: Sédillot, Charles-Emmanuel · Duplay, Simon Emmanuel