Murdoch, Iris

In guter Absicht

In guter Absicht
  • Verlag: Deuticke
  • Erscheinungsdatum: 1999
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 717
  • ISBN: 3216304809
  • EAN: 9783216304803
  • Amazon.de Verkaufsrang: 885.073
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Beschreibung von buecher.de

Edward Baltram wird von Selbstvorwürfen geplagt: Sein bester Freund ist nach einem Experiment mit Drogen auf tragische Weise ums Leben gekommen, und er gibt sich selbst dafür die Schuld. Auf der Suche nach Erlösung gerät er in einen Strudel sich überschlagender Ereignisse. 'Spielerisch wie immer lässt Iris Murdoch den Leser mit ihren Figuren durch einen Alptraum aus Liebe und Haß, aus Schuld und Sühne taumeln.'

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Bernd Giehl fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die Vatersuche

Iris Murdochs Buch "In guter Absicht" ist ein Roman über eine Gottsuche. Mit den Worten des verlorenen Sohns aus dem biblischen Gleichnis fängt es an: "Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir und bin fortan nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen." Es ist Edward Baltram, die Hauptfigur des Buches, der diese Worte denkt, und erst nach und nach erfährt der Leser, auf wie vielen Ebenen dieser Satz zu lesen ist. Und ebenso merkt man erst nach und nach, dass dieses Buch, das so schwer und tragisch anfängt, nämlich mit dem tödlichen Sturz des besten Freundes von Edward, an dem der nicht unschuldig ist, weil er ihm Rauschgift gegeben hatte und im entscheidenden Moment nicht da war..., dass also dieses Buch mit seiner Thematik von Schuld und Sühne auch seine wunderbar komischen Seiten hat. Das beginnt mit der skurrilen Familie des schon bald gefundenen Vaters, die als Selbstversorger auf dem Lande leben und sich von Kräutertee und selbstgebackenem Brot ernähren und ihren Haushalt wie eine Religion betreiben. Das geht weiter mit Edwards Vater, Jesse Baltram, den nicht nur Edward, sondern den auch seine Frau May und die beiden Töchter wie einen Gott verehren, und der doch, als er in der Mitte des Buches nach langer Abwesenheit endlich auftritt, sich als alles andere als ein Gott herausstellt. In manchen Augenblicken scheint er schwer krank und völlig unzugänglich und in anderen kraftvoll und geistig völlig normal zu sein. Nur die Vergebung, die Edward so dringend sucht, die findet er bei diesem Vater nicht. Komisch ist nicht zuletzt diese sterbliche Variante eines Gottes, die aber durchaus glaubwürdig ist: Es ist nicht einfach zu ihm zu gelangen, er verhält sich mal so und mal so; kurzum er hat fast alle Attribute eines Gottes, wie wir ihn kennen. Wobei Jesse Baltram eher Zeus oder Jupiter ist als der christliche Gott.

Komisch (und auch ein bisschen tragisch) ist schließlich auch die leidenschaftliche Affäre zwischen Edwards (Stief)Vater Harry und Edwards Tante Midge, die mit Harrys bestem Freund Thomas verheiratet ist. Als die heimliche Affäre schließlich durch einen dummen Zufall auffliegt, lässt Midge am Ende einen weiteren Zufall entscheiden, wem sie sich schließlich zuwendet (ihrem Mann Thomas).

Auch die beiden Nebenstränge, nämlich die Affäre von Midge und Harry und die Bemühung von Edwards Halbbruder Stuart, ein guter Mensch zu werden, wenn auch ohne den Glauben an einen Gott, haben mit der Suche nach Gott zu tun. Vielleicht nicht ganz so exemplarisch aber doch auch als Suche nach dem, was dem Leben einen Sinn gibt.

Ob sie alle drei daran scheitern, dass es sterbliche Götter sind, denen sie nachlaufen? Bei Edward zumindest ist es überdeutlich. Sein Gott Jesse ist mehr als zwiespältig; ein Weiberheld, der hin und wieder nicht bei Sinnen ist und doch zugleich von seinen Anhängern (er war einmal ein bekannter Maler) völlig überhöht wird. Aber auch Harrys verzweifeltes Festhalten an Midge, die schließlich zu ihrem Mann zurückkehrt, hat zumindest Züge des Religiösen. Ob Iris Murdoch sagen will, dass am Ende jede Suche nach Gott scheitert? Möglich. Aber die Sehnsucht nach dem Heiligen und Vollkommenen scheint dennoch unauslöschlich. Dieser Sehnsucht gibt Iris Murdoch sehr eindringlich Ausdruck.




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