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Folglich ist, was immer geschehen ist, geschieht und geschehen wird. Bestens und daher notwendig, aber wie gesagt auf Grund einer Notwendigkeit, die der Freiheit nichts benimmt, weil sie auch nicht den Willen und den Vernunftgebrauch einschränkt.
Gelungene Verständnisstütze zur OriginallektüreLeibniz ist einer jener Philosophen, die es dem denkfreudigen Laien oder auch studentischen Neueinsteiger durch die Geschlossenheit und logische Stringenz ihres Systems nicht eben leicht machen, einen Zugang zum komplexen Gedankengebäude zu finden. Und selbst der in solchen Fällen - oftmals mithin recht fruchtbare - Quereinstieg in den Primärtext, die unmittelbare Hinwendung zu den Leibnizschen Schriften, wird dem wissbegierigen Uneingeweihten wohl zunächst nur ein Räuspern entlocken: Die Monadologie stemmt sich ihm als unbequemes Thesenpapier" in 90 scheinbar trockenen Paragraphen in den Weg und auch die Nouveaux Essais in ihrer prätentiösen, gekünstelt wirkenden Dialogform laden nur bedingt zum Lesen ein. Die tiefsten Gedanken wollen auch im Falle Leibniz erst ausgegraben sein - doch wie, wenn das archäologische Rüstzeug fehlt? Eine Einführung soll Abhilfe schaffen. Und die hier von Michael-Thomas Liske vorgelegte tut tatsächlich not. Denn an grundlegender und gleichzeitig lesbarer Literatur zum großen Rationalisten des 17./18. Jahrhunderts, zum Entdecker des Unbewussten, zum bedeutsamen Mathematiker und Universalgelehrten ermangelt es dem Buchmarkt. Die wegbereitende Einführung Bertrand Russells (A Critical Exposition To The Philosophy Of Leibniz) - bisher immer gern als Standardwerk angeführt - hat einerseits beinah einhundert Jahre seit ihrer Veröffentlichung hinter sich, ist andererseits nur in englischer Sprache erschienen und seither im Detail nicht mehr über jedwede Kritik erhaben.
Nun also diese handliche, systematisch aufgebaute Abhandlung des Philosophiedozenten Liske, der übrigens über Leibniz' Freiheitslehre promovierte und damit als einer der derzeit führenden Experten in der Materie angesehen werden darf. Liske nähert sich dem Mann, der - wie ein Zeitgenosse meinte - eine Akademie für sich" war, auf die einzig mögliche und fruchtbringende Weise: nämlich von mehreren Seiten. Er beginnt mit der Herausarbeitung der Eigenheiten Leibnizschen Denkens, dem systematischen, enzyklopädischen und dialogischen Aspekt seines Werkes und reduziert die biographischen Angaben bewusst auf das notwendige Minimum eben jenes Gehaltes, der sich als einflussreich auf die philosophischen Konzeptionen erwies - keine unnötigen und langwierigen Schilderungen, nur das Wesentliche kommt hier zur Sprache. Es folgt die Herleitung der metaphysischen Prinzipien aus der Subjektauffassung Leibniz', die wesentlichen Thesen zur Metaphysik individueller, substantialer Formen, der Monaden, werden nicht nur aufgereiht, sondern in ihrer Folgerichtigkeit aus den Grundintuitionen nachgewiesen und einer kurzen historischen Einordnung unterzogen. Zu den großen Vorteilen der hier vorliegenden Darstellung gehört gleichsam ihr problembewusster Zugang, der Schwachstellen und Fragwürdigkeiten - etwa in der Freiheitstheorie, die entgegen Leibniz eigener Intention auch als reiner Determinismus gelesen werden kann oder in der berüchtigten Theodizee-Frage mit ihren Gottesbeweisen - namhaft macht, anstatt sie zu verschleiern oder auf die Kehrseite des Nichtbesprechungswürdigen" fallen zu lassen.
Kurzum: Liske nutzt die in der Natur der Beckschen Denker-Reihe liegende Platzbeschränkung nahezu optimal um den wichtigsten Ansätzen zu einer sinnvollen, systematischen Interpretation und Neuentdeckung der Leibnizschen Einheitsphilosophie Rechnung zu tragen. Eine anregende Ergänzung und Verständnisstütze zur Lektüre der Originaltexte, die stellenweise zwar größeren gedanklichen Aufwand und erhöhte Durchdringung erfordert, niemals aber die Eminenz und Würde, die Tragweite und den mehr denn nur historischen Wert des Stoffes unzulässig beschneidet.
Einführung?Wenn es sich bei diesem Buch um eine Einführung handeln soll, dann ist dieses Unterfangen deutlich misslungen. Eine Einführung sollte meiner Meinung grundsätzlich immer leichter verständlich sein sein als das Original. Wer aber dieses Buch versteht, braucht keine Einführung mehr. Wer also erst den Einstieg in Leibniz sucht, sollte die Finger davon lassen.