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Handel und Konsum von Drogen ist in den meisten westlichen Demokratien strafbar. Lässt sich dies rechtfertigen? Diese Frage kann nur unter Berücksichtigung einer Vielzahl von Disziplinen, wie Pharmakologie, Medizin, Psychologie, Psychiatrie oder Ethnologie sachgerecht beantwortet werden.
Der vorliegende Band liefert dazu die wesentlichen Informationen über Gebrauch, Wirkung und Gefahren von bewusstseinsverändernden Stoffen.
Vor- und Nachteile der Drogen-Prohibition können auf dieser Wissensgrundlage fundiert beurteilt werden.
Kritische AnmerkungenDas Buch fordert die kritischen Anmerkungen leider heraus. Da es aus mehreren Teilen verschiedener Autoren besteht, muß die Kritik wohl danach gegliedert werden. Christian Rätsch läßt uns am Schluß seiner Betrachtungen zu Cannabis wissen: "...Alle Erfahrungen und Studien aller Zeiten bezeugen, daß Hanft die harmloseste Droge ist, die der Menscheit bekannt wurde. ..." Ich empfehle dazu den Artikel von Klaus Habschick in der Deutschen Apotheker Zeitung Nr. 36 vom 4. 9. 1997, Seiten 51 bis 58, zu lesen. Er zitiert einen Hochschullehrer wie folgt: "... Alle Leute, die uns weismachen wollen, Cannabis sei unschädlich, sollten psychiatrische Abteilungen aufsuchen. ..." Diese Doppeldeutigkeit ist wohl beabsichtigt, denn man kann diese Abteilungen aufsuchen entweder um die Patienten zu untersuchen oder um sich selbst behandeln zu lassen. Nach den Hinweisen dieses Hochschullehrers ist THC ein klassisches Gift. Im Gegensatz zum Alkohol treten Hirnschäden recht schnell ein und Cannabiskonsumenten sollten zum Schutz Dritter wegen ihrer Hirnbeeinträchtigungen konsequent vom motorischen Straßenverkehr ausgeschlossen werden. Ein Zellbiologe teilte mit, er hätte niemals irgendeine andere Droge erlebt, einschließlich Heroin, die ähnlich schlimme DNA-Schäden - mit dem Risiko der Vererbung auf die Kinder - hervorgerufen hat wie Marihuana. Manche Leute, die über Drogenprobleme schreiben, meinen offenbar, vorhandene Forschungsergebnisse nicht berücksichtigen zu müssen. Die von Politikern einmal vorgeschlagene Abgabe von Haschisch über die Apotheken ist vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte nicht zugelassen worden. Rätsch betreibt also schwerwiegende Desinformation, die die Frage aufwirft, ob das Buch noch seriös ist. Und so geht es weiter mit Kokain und Opium. Was nun die von ihm beklagte "Entheiligung der Natur" anbelangt, so empfehle ich ihm eine Reise in das Naturschutzgebiet Spitzbergen. Den Ort Longyearbyen darf man nur bewaffnet verlassen, und zwar mit Gewehren, die für die Großwildjagd geeignet sind. Man wird dort nämlich unter Umständen sehr schnell mit der "heiligen Natur" - den Eisbären - konfrontiert und gefressen, wenn man sich nicht wehrt. Mit meinem Arzt war ich vor einiger Zeit bei meiner Lungenentzündung einig, daß wir eine chemische Kriegführung gegen die Natur betreiben - glücklicherweise sind das heute nicht mehr die Seuchenzüge der Pest. Und wie ist das mit AIDS? Ist das auch heilige Natur? Rätsch befaßt sich auch mit Praktiken der Katholischen Kirche, die in früheren Jahrhunderten geübt worden sein sollen. Ich darf darauf hinweisen, daß sich die Päpste in der Drogenpolitik seit Paul VI auf moderne medizinische und pharmakologische Forschungsergebisse stützen - in wissenschaftlicher Hinsicht sollte er sich an diesen Päpsten ein Beispiel nehmen. Lorenz Böllinger befaßt sich eingehend mit dem Betäugungsmittelstrafrecht. Er weigert sich dabei offensichtlich strikt, die wirtschaftswissenschaftlich interpretierbaren Aspekte der Probleme zu behandeln und den Entscheidungen der Legislative den richtigen Rang zuzuordnen. Die Mehrheit der Bürger ist sicher - und das ist keine Willkür - , daß bestimmte Drogen nicht aus Jux und Tollerei verboten worden sind. Man muß auf Verstöße gegen da BTMG auch nicht unter allen Umständen mit dem Strafrecht reagieren. Günter Amendt schreibt vom Krieg gegen die Drogen. Es wäre schon sinnvoll, wenn Amendt und seine Freunde mit der Sprache einigermaßen vernünftig umgehen würden. Illegale Leistungszusammenhänge sind kein Krieg, sondern eine ordnungspolitische Herausforderung. Und wenn wir schon von dem Desaster der Politik sprechen wollen, dann kann es ja durchaus daran liegen, daß die Strategien nicht stimmen. Hermann Ladwig