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Die moderne Gesellschaft ist 'ein Unternehmen der Zusammenarbeit zum gegenseitigen Vorteil' (J. Rawls). Anhand der ökonomischen Methode der Anreizanalyse erklären Karl Homann und Andreas Suchanek, wie dieses Unternehmen funktioniert.
Nichts Neues von der InstitutionenethikLeider erwartet den Leser in diesem vermeintlichen Lehrbuch nichts Neues, was man nicht schon in früheren Werken Homanns und seiner Schule gelesen hat. Ein übersichtlicher Aufbau ist für den Studierenden aber nützlich. Doch man vermißt eine differenzierte Weiterführung wirtschaftsethischer Fragen, so eine intensive Auseinandersetzung mit alternativen Ansätzen der Wirtschaftsethik (P. Ulrich, A.F.Utz u.a.). Man lese bei UTB Homann/Blome-Drees (1992) : Wirtschafts- und Unternehmensethik und man ist auf knapperem Raum über diesen zweifellos ideologischen (und deshalb für ein Lehrbuch problematischen) Ansatz schneller informiert.
Ökonomischer Imperialismus von seiner besten SeiteHomann und Suchanek liefern mit diesem Buch eine Einführung in die Ökonomik, die die bisher bekannten Einführungen nicht nur außerordentlich gut ergänzen, sondern auch das dokumentieren, was man „ökonomischen Imperialismus" nennt: Die systematische Anwendung des ökonomischen Ansatzes zur Erklärung menschlichen Verhaltens sowohl auf wirtschaftliche (Arbeitsmarkt, Börse, Unternehmen) als auch außerwirtschaftliche (Staat, Demokratie) Bereiche.Damit zeichnet sich dieses Buch durch den besonderen Blick auf die Wirklichkeit aus und vermittelt gerade dadurch Perspektiven, die ein Einführungsbuch beispielsweise zur Mikroökonomik, Konjunktur- und Wachstumstheorie oder zur Makroökonomik nicht leisten kann, allerdings auch nicht will. Dieser besondere Blick hat seinen Ausgangspunkt in der Beobachtung, dass nicht die einzelne Handlung, sondern die Interaktion bzw. die Gestaltung menschlicher Kooperationsmöglichkeiten das zentrale Untersuchungsobjekt für Ökonomen oder auch für Sozialwissenschaftler im weiteren Sinne darstellen sollte. Zu fragen sei also, welche Punkte empirisch eine Ausweitung der Kooperation zwischen zwei oder mehreren Menschen behindern, und wie sich diese Behinderung durch Änderung der Spielregeln aufheben lassen. Bei diesen theoretischen Ausführungen bleiben Homann und Suchanek aber nicht stehen, sondern sie veranschaulichen ihre Argumente stets an konkreten Beispielen und an unterschiedlichen ökonomischen (z.B. Bananenmarktordnung, Auktionen) und außerökonomischen (Rolle des Minimalkonsenses für ein Gemeinwesens, politischer Wettbewerb) Sachverhalten.Auch wenn man den ökonomischen Ansatz zur Erklärung menschlichen Verhaltens in seinem Alleinerklärungsanspruch kritisieren mag, so verdeutlicht dieses Buch doch überzeugend, dass man mit dem „ökonomischen Imperialismus" sehr viel erklären kann, und dass die Auseinandersetzung mit diesem fruchtbare Einsichten ermöglicht und zu weiteren Forschungen herausfordert. Interessanterweise sehen dies auch die Autoren selbst, denn in einem abschließenden Kapitel über die „Methodologie der Ökonomik" betonen sie ausdrücklich, dass die in diesem Buch beschriebene Sicht lediglich eine von zahlreichen möglichen darstellt, allerdings eine, die zumindest gegenüber vielen anderen in Bezug auf Erklärungskraft überlegen ist.
WeitläufigWeitläufig ist diese Abhandlung zur, vor allem auf Interaktionstheorie beruhenden, Ökonomik. Wichtig und aufschlußreich sicherlich die notwendige Abgrenzung der verschiedenen Theorien voneinander und gleichzeitig das Aufzeigen derer Interdependenzen. Auch wichtig die Abkehr von der klassischen Knappheit und vom homo oeconomicus. Von der Theorie her also eher progressiv. Allerdings ist der Stil des Werkes nicht wirklich so, daß man gerne liest. Es bedarf einer gewissen Grundmotivation, um sich durch manchmal langatmige Erklärungen und Begründungen zu wühlen und dabei zu versuchen, die Essenz des eben gelesenen zu entdecken. Das ist schade, aber es tut dem Gesamturteil nur wenig Abbruch. Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Beitrag, der interessante Denkperspektiven der Ökonomik aufzeigt.