Mulisch, Harry

Zwei Frauen

Zwei Frauen
  • Verlag: rororo
  • Erscheinungsdatum: 2000-12-01
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 192
  • ISBN: 3499226596
  • EAN: 9783499226595
  • Amazon.de Verkaufsrang: 112.233
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Beschreibung von buecher.de

Eine Frau erzählt von der Liebe zu einer Frau. Als Laura der jungen Sylvia begegnet, hat sie bereits eine gescheiterte Ehe mit einem Theaterkritiker hinter sich, und so erlebt sie zum ersten Mal, was leidenschaftliche Liebe wirklich bedeutet. Doch eine unvorhergesehene Wendung scheint geradewegs in die Katastrophe zu führen: Sylvia verläßt ihre Freundin, um mit deren früherem Mann zusammenzuleben.
Ein Roman über die Liebe zweier Frauen, die an der Vergangenheit und dem Unverständnis ihrer Umwelt zerbricht.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Inion@web.de fanden 7 von 7 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen ...wer liebt hat Recht...

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich zunächst etwas skeptisch war, als ich das Buch in der Hand hielt. Eine Liebesgeschichte zwischen zwei Frauen, und das auch noch von einem männlichen Autor?

Gelesen habe ich es trotzdem - zum Glück, denn bereits nach wenigen Seiten wird klar, dass es hier weniger darum geht, auf den Zug "Sex sells und Bi-Sex erst recht" aufzuspringen, als darum, eine etwas ungewöhnliche aber aufrichtige Beziehung zu schildern. Zumindest für Laura und Sylvia ist dabei das Geschlecht vollkommen nebensächlich. Lauras gutsituierter Umwelt und ihrem geschiedenen Mann fällt es dagegen etwas schwerer, ihre neue Liebe zu akzeptieren.

Harry Mulisch macht dabei erfreulicherweise nicht den Fehler, sich in sensationellen Darstellungen von Lesbensex zu ergehen, und auch die Probleme gleichgeschlechtlicher Paare in der Öffentlichkeit oder die Konfrontation mit der eigenen Homosexualität sind hier kein Hauptthema. "Zwei Frauen" ist eine einfühlsame Erzählung über Beginn und Ende einer großen Liebe, die Grenzen zu sprengen versucht.

Auf Menschen, die sich mit der Auffassung anfreunden können, dass die große Liebe beliebigen Geschlechts sein kann wartet hier eine bittersüße Kostbarkeit.

Diese Rezension von Roland Freisitzer fanden 4 von 5 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen KEIN Schundroman !

Nicht das beste Buch von Harry Mulisch, aber ein gutes, daher 4 Sterne. Gäbe es eine Mulisch-interne Rangordnung, so wäre dieses Buch ziemlich weit hinten...aber, ein "schwacher" Mulisch ist noch immer Meilen besser als "Durchschnittsware"... und ein Schundroman, wie ein anderer Leser hier schrieb, ist es bei weitem nicht... Es ist schön, auch Romane von Harry Mulisch zu haben, die man in U und S-Bahn lesen kann (und das ist nicht zynisch gemeint) !!!

Diese Rezension von jacquelinemeier@addcom.de fanden 4 von 5 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Dieses Buch ist wie ein Weihnachtskalender

"Zwei Frauen" handelt von der 35jährigen Laura, die sich zum ersten Mal in ihrem Leben in eine Frau verliebt. Diese Frau ist Sylvia, und Laura schreibt die Geschichte ihrer kurzen Liebe auf, scheinbar in der Mitte der Ereignisse: sie ist auf dem Weg zu ihrer verstorbenen Mutter - eine Ablenkung, über die sie froh ist, denn sie läßt ihre tote Geliebte hinter sich. So wird die Zukunft für Laura wohl mit einer Beerdigung beginnen. Ich war neugierig: wie schreibt ein Mann, noch dazu Harry Muhlisch, aus der Perspektive einer Frau über so ein Thema? Er schreibt es einfach so, dass es glaubwürdig und nachvollziehbar ist. Es sind also zwei Frauen, die zueinander finden, wobei Sylvia als eine Person beschrieben wird, die "eigentlich nicht zum Leben anderer Menschen dazugehört, ein Gast ist, und sich Menschen auswählt, um zu existieren". Das hatte auch Laura gespürt aber auf den Punkt bringt es Alfred, ihr geschiedener Ehemann, an den sie Sylvia scheinbar verloren hat. Gerissen wie Sylvia ist auch der Zeitenwechsel in Muhlischs Buch. Da sitzt Laura auf den Stufen eines Denkmals mitten in der Stadt "umgeben vom brodelnden Verkehr mit seinem Gestank und seinen Wutanfällen", weil sie über ihr Leben nachdenken will. Da kommt jemand auf sie zu und noch in dem Moment, in dem der Fremde überlegt, "ob sie es ist oder nicht", ist man schon mittendrin in der erinnerten Geschichte, als sie mit diesem Jungen, der jetzt ein Mann ist, in der vierten Klasse war. So als würde auf diesem Platz einfach eine Tür ins Klassenzimmer geöffnet und genauso unvermittelt wieder geschlossen werden. Dieses Buch ist wie ein Weihnachtskalender, an dem sich wie von selbst Türchen öffnen. Erst am Schluss sieht man das ganze Bild. Und zwischendurch durfte man, wie Laura, köstliche Süssigkeiten naschen. Nur der letzte Bissen bleibt einem im Halse stecken...

Diese Rezension fanden 14 von 24 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Liebe in Philosophie und Psychologie

Harry Mulisch wurde am 29. Juli 1927 in Haarlem, Niederlande als Sohn einer Jüdin aus Frankfurt und einem ehemaligen Offiziers aus Österreich-Ungarn geboren. 1935 schrieb Harry Mulisch bereits seine erste Geschichte. Er zog 1958 nach Amsterdam und wurde Redakteur der Zeitschrift "Podium". Er schrieb viele Romane, Erzählungen, Essays, Gedichte und Theaterstücke, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Durch zahrlreiche Auszeichnungen wurde er geehrt, unter anderem erhielt er für sein Buch "Strafsache 40/61" den Vjverberg - Preis. Sein größter Erfolg ist sein Buch "Das Attentat", dass sich weit über 200.000 Mal verkaufte und dessen Verfilmung von 1987 mit dem Golden Globe und einem Oscar ausgezeichnet wurde. Sein Roman "Zwei Frauen" ist, bereits 1978 erstmals in Amsterdam und zwei Jahre später auch in Deutschland erschienen, der bisher unbekannteste Roman von Harry Mulisch. Die junge Sylvia begegenet Laura zum ersten Mal auf der Straße. Es ist das erste Mal für Laura, dass sie eine fremde Person einfach anspricht und sie zu sich mit nach Hause nimmt. In Verbindung mit Sylvia erscheint es für Laura häufig ein erstes Mal zu geben. Denn mit ihr geht sie zum ersten Mal in ihrem Leben mit einer Frau ins Bett und sie verlieben sich ineinander. Sofort frägt Laura sie, ob sie bei ihr einziehen wolle und dies geschieht auch. Gleich zu beginn wird klar, dass beide nicht sehr gesprächig sind. Es ist das Schweigen, die die Nähe zwischen ihnen darstellt. Von den beiden Frauen ist Laura diejenige, die ihre Liebe zu Sylvia nicht versteckt. Als Sylvias Mutter aber eines Tages zu Besuch kommt, mimt Laura die Mutter des Verlobten von Sylvia. Sylvia's Eltern sind konservativ und ihnen würde die Wahrheit über das Liebesleben ihrer Tochter nicht gefallen. Genausowenig weiß auch die Mutter von Laura von deren Beziehung zu Sylvia Bescheid. Doch als Laura ihre Mutter besucht und Sylvia plötzlich auftaucht, geht die Mutter mit dem Stock auf Sylvia los, ohne das sie sich überhaupt vorgestellt wurden. Die beiden Frauen lieben sich sehr. Daran kann auch die Unverständnis der Umwelt nichts ändern. Doch plötzlich verläßt Sylvia Laura - um mit Alfred, Laura's geschiedenen Ehemann zusammenzuleben. Für Laura bricht eine Welt zusammen. Ihr wird während sie völlig verzweifelt und abmagert bewusst, dass Sylvia die Liebe ihres Lebens bleiben wird. Eines Tages steht Sylvia wieder vor der Tür. Sie ist schwanger, von Alfred. Um dadurch von Laura ein Kind zu bekommen. Alfred fühlt sich in seinem Stolz verletzt und es kommt zur Tragödie.Dies alles erzählt Laura, während einer Autofahrt zu ihrer toten Mutter.In diesem Buch werden die Emotionen Lauras, der Ich-Erzählerin, aus einer zeitlichen und auch emotionalen Distand erzählt. Immer wieder geschieht es, dass sie während ihrer Erzählung abschweift und sich in eine weiter zurückliegende Zeit aus ihrer Kindheit erinnert. Die Beziehung zwischen Laura und Sylvia lebt vom schweigen. Gespräche scheinen das Verhältnis zwischen ihnen schon beinahe zu stören. Sie beide sind einsam in ihrer Zweisamkeit. Das Buch steckt voller Philosophie und Psychologie, der den Wert erheblich erhöhen dürfte. Ich empfinde es trotzdem als eine Schwäche, das in Laura, die Entdeckung der eigenen Homosexualität, keine Erschütterung hervorruft. So wie Laura nämlich geschildert wird, hätte dies der Fall sein müssen. Im Gegenzug wird in diesem Buch sehr stark die Reaktion der gesamten Umfeld auf diese Liebe aufgezeigt.

Diese Rezension von frankkeizer1987 fanden 3 von 6 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Die Tiefe der Oberfläche

"Die Geschichte ließe sich mit 3 Sätzen zusammenfassen und der Rest sind oberflächliche Nebenhandlungen..gähn"Das scheint nur so. Mulisch versucht genau die blosse Geschichte der zwei Frauen, die den Anschein hat melodramatisch und Klichee zu sein, mit dem Mythos des Orpheus und Oedipus zu 'beladen' (das mussen sie, der/die ich oben zitiert habe, übergesehen haben); hierdurch wird die Geschichte über das Melodramatische ausgeheben. Dabei ist Mulisch m.E. sehr erfolgreich gewesen. Übrigens, diese Apologie/Meinung/Interpretation stimmt durchaus überein mit der Aussage des Schrifstellers dass 'es nur die Oberfläche gibt; die Oberfläche ist das tiefste was es gibt (...) es interessiert ihm (dem Künstler) die Tiefe der Oberfläche.'(1)(1) Aus: Voer voor psychologen ("Futter für Psychologen"), 1961 (Übersetzung erwünscht)

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