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Pflichtlektüre für alle, die wissen möchten, welche Mächte im 21. Jahrhundert nach der Weltherrschaft greifen werden - und welche dem Abstieg entgegentaumeln.
Ökonomische Potenz als Basis des militärischen Aufstiegs?Basierend auf seiner Kernthese, dass eine relative ökonomische Stärke den Aufstieg der verschiedenen europäischen Staaten begünstigt hat, bietet Paul Kennedy einen ambitionierten Überblick über die letzten fünfhundert Jahre europäischer Machtgeschichte. Gleichzeitig wagt er auch auf der Grundlage der These, dass eine spätere Überdimensionierung des militärischen Apparates ohne zureichende ökonomische Basis auch den Abstieg dieser Mächte zur Folge hatte, eine Prognose für die Entwicklung im 21. Jahrhundert.
Was sich zunächst sehr spannend anhört, erweist sich leider bei näherer Betrachtung als sehr essayistisch und zum Teil sogar fehlerhaft ausgeführt. Ganz abgesehen davon, dass Kennedy mit seiner Überbetonung des Ökonomischen die persönliche Rolle so bedeutender und erfolgreicher Herrscher wie Friedrich II. in Preußen oder Peter I in Rußland kaum würdigen kann, stößt man sich als Historiker an zahlreichen Ungenauigkeiten und Fehlern. Dass der Ausbau des russischen Eisenbahnnetzes in den 1830iger Jahren begonnen haben soll, ist mindestens eine Ungenauigkeit, die Kennedy selbst offenlegt, als er nur eine Seite später dem Leser mitteilt, dass in den fünfziger Jahren die russischen Bahnlinien nur eine Gesamtlänge von 800 Meilen hatten. Auch war der österreichische Staatskanzler Metternich keineswegs ein Gegner moderner Technik, was durch die Tagebucheintragung des Hofratspräsidenten v. Kübau eindeutig belegt ist. Solche Urteile scheinen mir vor allem dadurch zustande gekommen zu sein, dass Kennedy ausschließlich Sekundärliteratur meist angloamerikanischer Autoren benutzt hat, die ihrerseits überwiegend ohne die Nutzung von Primärquellen gearbeitet haben. So werden Irrtümer und Fehlbewertungen ungeprüft von einem Autor zum anderen weitergereicht. Obwohl sich in Kennedys Buch manche interessante Analyse im Einzelnen findet, legt man als Leser, der einiges über die besprochenen Epochen auch aus Originalquellen kennt, unbefriedigt zur Seite.
Dreizehn Jahre die viel ausmachenIch denke ich nicht, dass in diesem Buch die Bedeutung einzelner wichtiger historischer Figuren zuwendig gewürdigt wird. Auch Friedrich der Große hätte ohne entsprechende Ressourcen wenig bewegen können. Interessant wäre natürlich durchaus die Frage wie charismatische Persönlichkeiten es schaffen, ein Land zu mobilisieren. Doch das lag erklärtermaßen nicht im Fokus dieses Buches. Etwas ärgerlicher fand ich jedoch den letzten Abschnitt in dem ein Ausblick auf das 21. Jahrhundert unternommen werden sollte. Zwar ist die deutsche Erstausgabe von 2000. Die Originalausgabe ist jedoch von 1987 und seither nicht aktualisiert. Daher sorgt sich der Autor hier über den wirtschaftlichen Abstieg der Sowjetunion und den eisernen Vorhang in Europa ebenso, wie über das rasche und enorme Wirstschaftswachstum im mittlerweile schon chronisch unter der Rezession leidenden Japan. Dadurch wirkt das Buch teilweise schon fast etwas anachronistisch. Leider wird im gesamten Kontext des Buches auch immer von einer offenen Expansionsfähigkeit der Weltwirtschaft ausgegangen. Die vielzitierten "Grenzen des Wachstums" mit Ihren immer stärker sichtbar werdenden Implikationen für die gesamte Weltpolitik werden nicht einmal ansatzweise diskutiert. Insgesamt überwiegt ein positiver Eindruck. Das Buch ist unterhaltsam und gut verständlich geschrieben. Die Kernaussagen sind klar und ohne übertriebene Redundanz, der man in amerikanischen Sachbüchern häufig begegnet, hausgearbeitet.
Zyklentheorie nicht auf neuestem ForschungsstandDer amerikanische Historiker Kennedy hat 1987 - also zwei Jahre vor dem Zerfall der UdSSR - ein sehr interessantes Buch über den Aufstieg und Fall großer Mächte vorgelegt. Er argumentiert im Sinne der sogenannten "Zyklentheorie" der sogenannten Neo-realistischen Schule in den Internationalen Beziehungen dar. Ausgehend von einem wahrgenommenen Verfall der amerikanischen Hegemonie während der 70-ger Jahre (Stichwort: Vietnam, Watergate) und dem Problemdruck, den das sowjetische Imperium seit Ende der 1970-ger Jahre offensichtlich in die Krise taumeln ließ (und dann 1991 zu seinem implosiven Zerfall führte), gewannen Studien an Interesse, welche Gesetzmäßigkeiten im Zerfall der Imperien analysierten. Gerade jetzt, nach Ende des Ost-West-Konfliktes und dem weltweit wahrgenommenen amerikanischen Hegemonieanspruch unter Präsident George Bush jr. dürfte diese Studie erneut auf Interesse stoßen, da sie ganz eindeutig die Begrenztheit von Imperien aufzeigt und damit aufzeigt, dass längerfristig nur eine multipolare oder bipolare Weltordnung, jedoch keine Macht alleine herrschen kann. Dies haben jüngst Joseph S. Nye mit seinem "Paradox der amerikanischen Macht" , Charles Kupchan mit seinem Buch: "Die europäische Herausforderung" oder Peter Bender: "Weltmacht Amerika : Das neue Rom" gezeigt. Insbesondere Bender zieht in seinem Werk direkte Parallelen zwischen dem heutigen Amerika unter Bush und der antiken Weltmacht Rom. Beginnt in der Weltgeschichte eine längere Vorherrschaft Amerikas oder geht sie - wie Kupchan meint - zu Ende? Um solche Einschätzungen historisch zu untermauern, sind Werke wie das vorliegende von Paul Kenney von großem Interesse. In Anlehnung an G. Modelski: Long Cycles in World Politics (1987) untersucht Kennedy die Frage, warum insbesondere das zersplitterte Europa im 19. Jahrhundert aufstieg und benennt primär wirtschaftliche und handelspolitische Gründe dafür. Wie Modelski betont auch Kennedy die Hegemonialstellung der europäischen Mächte Portugal, Niederlande, Großbritannien und der USA. Der jeweilige Hegemonialstaat war dann in der Lage, eine Weltordnung zu schaffen, die weitgehend den eigenen Interessen entsprach, bis dessen Macht zerfiel und er durch eine neue Großmacht abgelöst wurde. Erklärungen für diesen konstatierten zyklischen Verlauf gibt es bislang nur in Ansätzen. Michael Zürn fast im "Lexikon der Politik" zutreffend zusammen, dass gesellschaftliche Verkrustungen, überzogene Konsumorientierungen und vor allem wachsende Kosten, das jeweilige Imperium zusammenzuhalten, den Niedergang der Imperien und ihre Ersetzung durch Konkurrenten verursachten.Dies zeigt auch Kennedy, der seine Darstellung mit vielen Fakten und Daten belegt. Jedoch sieht Kennedy die Staaten als einheitliche Akteure und vernachlässigt die Wechselwirkung politischer, militärischer und gesellschaftlicher Elemente. Zu sehr wird der Machtpolitik der Einzelstaaten - auch der ökonomischen Macht - sein Augenmerk geschenkt. Der Historiker Kennedy geht zu wenig auf den Forschungsstand in den Internationalen Beziehungen ein, die bereits 1987 - zum Zeitpunkt des Erscheinens des Buches - bekannt waren. Zweiter Kritikpunkt ist, dass der Zerfall der UdSSR, 1987 sicherlich noch nicht voraussehbar, in der Ausgabe von 2000 nicht erwähnt wird. Die Ausgabe von 1987 wurde nämlich nicht aktualisiert.Fazit: eine gute Einführung aus Sicht der neo-realistischen "Zyklentheorie", die sich jedoch bereits 1987 nicht auf dem neuesten Forschungsstand, insbesondere der politikwissenschaftlichen Forschung in den Internationalen Beziehungen, befand. Daher für Laien und Geschichtsinteressierte durchaus interessant, für Wissenschaftler jedoch nur eingeschränkt empfehlenswert, da es aus heutiger Sicht veraltet ist.
faszinierender Nachvollzug geschichtlicher MachtentwicklungPaul Kennedy interpretiert den Aufstieg und Fall der Weltmächte vom 16. bis zum Ende des 20. Jahrhunderts unter wirtschaftlichen und militärischen Gesichtspunkten. Es geht ihm darum, den Einfluß von Ökonomie und Militärtechnik auf das globale Machtgefüge und die Positionierung der einzelnen Mächte aufzuzeigen. Kennedy gelingt dies in einer faszinierenden, trotz vieler Fakten niemals langweiligen Weise. Von der Entwicklung Ming-Chinas bis in die Zeiten des Ost-West-Konfliktes werden die ökonomischen und militärischen Momente nachvollzogen, die dazu beigetragen haben, daß sich die globale Machtverteilung immer wieder geändert hat. So wechselt der Fokus von Asien nach Europa, Afrika und Amerika. Das Buch ist keine Enziklopädie der Weltgeschichte, sondern ein gelungener sowie anregender Diskussionsbeitrag zur internationalen Politik und Geschichte, der angenehm zu lesen, jedoch mit Vorkenntnissen wesentlich besser nachzuvollziehen ist.
Eine sehr gute Einführung in die Geschichte der ModerneJedem, der einen Einblick in die jüngere Geschichte Europas und der Welt gewinnen will, sei dieses spannend geschriebene Werk von Paul Kennedy empfohlen. Ausgehend von der Fragestellung, warum im 18. und 19. Jahrhundert das in zahlreiche Staaten zersplitterte Europa und nicht die noch Anfang des 16. Jahrhunderts in ökonomischer und militärischer Hinsicht viel mächtigeren Reiche Asiens die konkurrierenden Mächte der Welt überflügelten, analysiert der Autor die politischen, ökonomischen und militärischen Ursachen dieses Aufstiegs. Dabei kommt der historisch interessierte Leser zu zahlreichen, zum Teil auch überraschenden Einsichten. Wer etwa hätte gedacht, dass die Siege Großbritanniens und Hollands über Frankreich und Spanien im 16.-19. Jahrhundert auch etwas mit den besseren Möglichkeiten dieser Staaten zu tun hatten, an den Weltmärkten zu günstigeren Zinsbedingungen an Kredite gelangen zu können, und dies wiederum mit den ökonomisch freieren Verfassungen dieser Staaten sowie den daraus resultierenden wirtschaftlich vorteilhafteren Rahmenbedingungen und Wachstumsaussichten zusammenhing? Solche Zusammenhänge werden dem Leser bei der Lektüre von Aufstieg und Fall der großen Mächte durch den Autoren unentwegt aufgezeigt und tragen zur Schärfung seines historischen Bewusstseins und der Einsicht in die geschichtliche Bedingtheit der heutigen globalen politischen und ökonomischen Strukturen bei. Sicherlich kann man die Konzentration des Autoren auf Ökonomie und Militär als einseitig bemängeln. Andererseits ist diese Einseitigkeit aber geradezu erfrischend und bringt Zusammenhänge ans Tageslicht, die sonst allzu leicht verborgen bleiben. Fazit: die Lektüre dieses Buches kann jedem historisch Interessierten, darüber hinaus aber auch Studenten der Geschichts-, Politik- und Kulturwissenschaften sowie Gymnasialschülern mit dem Leistungsfach Geschichte empfohlen werden.
Brockhaus-1809: Die Bourbonischen Mächte
Brockhaus-1911: Fall [3] · Fall [4] · Horseshoe Fall · Fall · Fall River · Fall [2]
Goetzinger-1885: Fall, Totfall
Herder-1854: Kennedy · Fall [2] · Fall [1]
Lueger-1904: Fall · Erzbringer, -fall, -führung · Belastungsart, -fall, -fläche
Meyers-1905: Kennedy · Fall [4] · Fall. · Im Fall · Fall [1] · Fall River · Fall [3] · Fall [2]
Pierer-1857: Aufstieg · Kennedy [1] · Kennedy [2] · Fall-River · Fall-Topp · Fall · Fall [1] · Fall ins Boot · Fall [2] · Fall-Creek · Fall [3]