Kleist, Heinrich von

Sämtliche Werke und Briefe

Sämtliche Werke und Briefe
  • Verlag: Dtv
  • Erscheinungsdatum: 2001-03
  • Bindung: Taschenbuch
  • Seitenzahl: 1119
  • ISBN: 3423129190
  • EAN: 9783423129190
  • Amazon.de Verkaufsrang: 16.549
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Beschreibung von buecher.de

Die berühmte Kleist-Ausgabe von Helmut Sembdner - zum ersten Mal in einem Band!
Als 1961 die nach den Erstdrucken und Handschriften von Helmut Sembdner besorgte und kommentierte zweibändige Kleist-Ausgabe erschien, feierte man dies als Durchbruch der Kleist-Philologie. Endlich konnte man einen unverfälschten Kleist lesen, bis hin zum Komma. Die mustergültige Edition von Helmut Sembdner wurde inzwischen zum Standardwerk, das durch zahlreiche Revisionen stets auf den neusten Stand der Forschung gebracht wurde. Die vorliegende einbändige Taschenbuchausgabe ist text- und seitenidentisch mit der 9., vermehrten und revidierten Auflage von 1993. Mit Anmerkungen, einem Nachwort des Herausgebers, einer Lebenstafel zu Kleist und einem Personenregister.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von fschulenbg fanden 21 von 25 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Sembdner-Ausgabe erstmalig in einem handlichen Taschenbuch

Die zwei Bände der bewährten Sembdner-Ausgabe erstmalig in einem handlichen Taschenbuch vereint: der Verlag hat die verläßliche und gut kommentierte Kleist-Ausgabe Sembdners für alle diejenigen verfügbar gemacht, deren Geldbeutel nicht für die gebundene Ausgabe reicht, die sich aber trotzdem - sei es aus Studiengründen oder reiner Neugier - für das Gesamtwerk Heinrich von Kleists interessieren. Hohe Qualität zu einem geringen Preis, dabei noch seitenidentisch mit der in der Forschung gebräuchlichen Ausgabe - für Studenten der Germanistik beinahe ein Muß!

Diese Rezension von Axel Rocholl fanden 20 von 28 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Kleistausgabe auch für Laien?

Ich habe dieses Buch als Laie erworben, aus Interesse an Kleist. Somit möchte ich auch die Rezension nicht über die Ausgabe halten - diese ist sicherlich in Gestaltung, Umfang und Übersichtlichkeit vorbildlich (5 Sterne) - sondern über Kleist. Also: Ist der Inhalt des Buches empfehlenswert für einen an der Person Kleists, an der Literatur der Zeitepoche und dem politschen wie gesellschaftlichen Umfeld Interessierten zu empfehlen?

Kurz Zusammengefaßt: Zum großen Teil ja (3 und ein halber Stern).

Das Buch enthält zunächst Gedichte (Seite 9-46). Besonders die kriegerischen verraten, daß Kleist zur Zeit der Reformation, dessen frühe Folge Napoleon und den Frühwehen eines deutschen Nationalstaates lebte, wobei sehr klar herauskommt, auf welcher Seite - pro/contra Nationalstaat - Kleist steht: pro.

Danach die Dramen (Seite 49-709). Besonders interessant fand ich hier "Die Familie Schroffenstein", sozusagen als "Romeo und Julia" mit Schwerpunkt auf der zerstörerischen Kraft des Mißtrauens und der Zwietracht, statt auf der Liebe.

Interessant ist bei den Dramen die Themenbreite. Von Antiken Stoffen "Amphitryon" (Verwechslungs-Lustspiel), "Penthesilea" (Liebes-Trauerspiel vor Troja-Kulisse), über zeitgenössisches "Der zerbrochene Krug" (dörfliches Lustspiel), "Das Käthchen von Heilbronn ... Ein großes historisches Ritterschauspiel" im Schwabenland und "Prinz Friedrich von Homburg", bis zu dem Fragment des "Robert Guiskard" (Die Normannen vor Konstantinopel) und der "Hermannsschlacht" (Thematik siehe Gedichte).

Darauf folgen Varianten und Anmerkungen (Seite 711-961) der Gedichte und Dramen, die der Laie geflissentlichen überschlagen kann.

Womit auch schon der erste Teil der aus ürsprünglichen zwei Büchern zusammengefaßten Ausgabe beendet ist.

Der zweite Teil beginnt mit Kleists Erzählungen (Seite 7-261), mit "Michael Kohlhaas" (Selbstjustiz zu Zeiten der Reformation), "Die Marquise von O..." (Über das damalige Problem ein Kind zu bekommen, ohne verheiratet zu sein) u.a. Geschichten, die sich auch mal nach Südamerika verirren.

Insgesamt sind die Erzählungen nichts für bezüglich Grammatik und Satzwürmern schwach besaiteten Gemütern.

Es folgen Anekdoten (Seite 262-298), die man allerdings nur versteht, wenn man sich ein bisschen tiefer in die Kleist-Materie einarbeitet, und ein paar Seiten Varianten zu den Erzählungen.

Nun kommen "kleine Schriften" (Seite 299-460) bezüglich Stoffen wie "Kunst- und Weltbetrachtung", "Politische Schriften des jahres 1809", "Berichterstattung und Tageskritik 1810/1811", u.a. Insgesamt wieder für Leute, die sich ein bischen näher mit der Zeit und Kleist befassen wollen.

Den krönenden Abschluß bildet der - soweit erhalten gebliebene -Briefwechsel Kleists (Seite 461-891). Dieses ist wahrscheinlich der gehaltvollste Teil, wenn jemanden wirklich die Person Kleist interessiert. Wenn schon nicht besonders viel über Kleist im allgemeinen überliefert ist, steckt das meiste in diesen Briefen. Allerdings entpuppte sich Kleist als sehr eigenwilliger Charakter, was somit zu seinem dichterischen Schaffen paßt, da er ja auch dort keiner Schule angehörte.

Aus Familientradition war Kleist erst beim Militär. Als er erkannte, daß ihn dies nicht interessiert, widmete er sich den Wissenschaften. Allerdings überzeugte ihn Kants Werk, daß ein Mensch eigentlich nichts wissen kann, womit er sich in der Schweiz niederließ und sich erst hier primär der Literatur widmete. Obwohl er versuchte sich in den Staatsdienst einzupassen, blieb das dichten sein Lebensinhalt bis zum Tod. Allerdings auch immer wieder von Rückschlägen gebeutelt. Das Kunst"magazin" Phöbus und die "Berliner Abendblätter" sind nur mehrmonatige Episoden, bis er sich am Ende zusammen mit Henriette Vogel erschießt.

Insgesamt also ein niemals sich selbst gefunden habender, kränkelnder, "auf Pump lebender", Dichter, der sich am Ende selbst erschießt. Kein Vorbildcharakter aber interessant.Zusammengefaßt: Es steckt wohl mehr in dem Buch drin, als der Laie braucht, aber bei dem Preis: lieber ein bisschen zuviel, als etwas zu wenig.

Diese Rezension von Axel Rocholl fanden 11 von 15 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Grenzen testen

Heinrich von Kleist (1777-1811) hat in seinen Werken immer wieder den problematischen Zusammenstoß von Idee und Wirklichkeit thematisiert. Mit äußerster sprachlicher Präzision hat Kleist seine Personen in den Erzählungen, Novellen und Dramen in extreme Grenzsituationen des menschlichen Daseins geführt. Ob PENTHESILEA, DIE MARQUISE VON O. oder AMPHITRYON: Frauen spielen eine Hauptrolle in seinen Werken und sie präsentieren Lösungen auf entscheidende Menschheitsprobleme wie Liebe und Tod, die konsequent von Kleist geschildert werden. Obwohl Heinrich von Kleist selbst immer an menschlichen Bindunngen gezweifelt hat, gibt sein Werk eine Lebenshilfe für Menschen in Extremsituationen ihres Daseins.

Diese Rezension von Camille Des-Esseintes fanden 10 von 11 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Philologisch anfechtbar, für das Gesamtwerk Kleists dennoch maßgeblich

Diese Rezension beschränkt sich auf die Bewertung der vorliegenden Edition, nicht auf eine Stellungnahme zu Rang und Gehalt des Kleistischen Werkes: Hier ist zunächst festzuhalten, dass es sich bei der Werkausgabe Helmut Sembdners um ein zweischneidig Ding handelt. Als kostengünstiges Exempel einer Ausgabe, die durchaus historisch-kritische Ansprüche verfolgt, ist sie jedem Philologen wie interessierten Laien zunächst grundsätzlich zu empfehlen, da sie einerseits im Wissenschaftsbetrieb zitierfähig ist, was (zumindest hierfür) den Gang in die Fachbibliothek erspart, andererseits einen nützlichen Stellenkommentar, der auf das nötigste beschränkt worden ist, enthält. Zudem werden Varianten und Vorstufen (etwa zur "Familie Schroffenstein") in aller Ausführlichkeit wiedergegeben und dokumentiert. Neben den Dramen und Gedichten, die den ersten Teil des Bandes ausmachen, liefert der zweite Großabschnitt sämtliche Erzählungen, Anekdoten und Briefe, sodass damit alle wesentlichen Textzeugnisse Kleist zusammengetragen worden sind. Doch stellen sich den Kaufargumenten Vollständigkeit und Preisgünstigkeit leider auch einige Makel entgegen: Zum einen bleibt der Kommentarteil in vielen Detailfragen, die einer eingehenden Behandlung bedürfen, Auskunft schuldig, Erläuterungen zu Entstehungs- und Wirkungsgeschichte und selbst der Stellenkommentar fallen vergleichsweise knapp und in ihrem Informationsgehalt recht wenig ergiebig aus. Dies wäre angesichts der wuchernden Sekundärliteratur zu Kleist freilich noch zu verschmerzen und machte allenfalls den Griff zu ergänzenden Erläuterungen nötig, wäre da nicht eine weit größere Unpässlichkeit: In die Orthographie wurde bei der Textkonstitution teils massiv eingegriffen, sodass eine intensive und kritische Beschäftigung mit den Texten leider das Hinzuziehen der Erstdrucke oder auch in dieser Hinsicht sorgfältigerer Parallelausgaben erfordert: Derjenige, der sich allein mit den Prosatexten und Gedichten Kleist auseinandersetzen möchte, sei hier vor allem an die Ausgabe im Deutschen Klassiker Verlag (Hrsg. von Klaus Müller-Salget) verwiesen. Diese orientiert sich an genaueren und nachvollziehbareren editorischen Grundsätzen und verfügt überdies über einen geradezu überwältigenden Kommentarteil, der nur wenige (Grundsatz-)Fragen offenlassen dürfte. Als Taschenbuch fällt sie zudem in dieselbe Preisklasse wie die vorliegende Ausgabe von Sembdner, die indes insbesondere für die Dramen Kleist nach wie vor eine kostengünstige und empfehlenswerte Alternative darstellt.

Diese Rezension von kpoac fanden 10 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Talent ohne Lebenssinn

Der Oduktionsbericht vom 22.11.1811: Als man versuchte, den Schädel der Leiche zu öffnen, zerbrach die Kopfsäge und musste für einen Taler und 12 Groschen repariert werden. - Einen Tag zuvor hatte sich Kleist mit seinem Seelen-Du Henriette Vogel am Berliner Wannsee aus dem Leben freiwillig verabschiedet. Kleists Kampf um Anerkennung gab er selbst verloren, sein dämonisches Streben erstarb in Maßlosikeit und Unfruchtbarkeit. Nur Schiller konnte wie Kleist dramatische Werke verfassen und doch in ganz anderer Weise. Kleist schaffte nicht einen Wallenstein, seine Werke bleiben thesenhaft, experimentell und häufig offen in der letzten interpretatorischen Konsequenz (Starke Ironie in der Marquise O.). Die Hauptfiguren sind des öfteren Frauen, die dort siegen, wo in seinem Leben Hoffnung scheiterte. Sein Ehrgeiz blieb immer ungeteilt, einzig in der dämonischen Übertreibung fand er seine Henriette. So wie er sich strebsam und ehrgeizig verglich mit den Werken, so mit der eigenen Person gegenüber anderen. Sein Bestreben nach Teilhabe und Anerkennung verlief ohne Widerhall im Sande und bestimmte ihn zum großen Einzelgänger der deutschen Literaturgeschichte.

Diese Zusammenfassung seines Werkes ist eine runde Sache, weil nichts fehlt. Kommentare Dritter natürlich, da sie über Kleist berichten, doch hier bis zu den Briefen und den kurzen Essays wie "Die Verfertigung der Gedanken beim Reden" zeigen Klarheit seines Denkens.

Die Erzählungen sind Spiegelbild seines Lebens, sie sind einfach nur Spass an der beabsichtigten Verwechselung wie im Amphitryon, sind Macht im Kampf der Geschlechter bei Penthesilea oder Ambivlalenz zwischen der Vernunft und dem Gefühl an der Wiege zwischen Klassik und Romantik insbesondere im Erdbeben von Chili. Sein Sehen auf Menschen ist geblendet wie Graf Strahls Sicht auf das Käthchen von Heilbronn, seine Abkehr vom Militär ist im Prinzen von Homburg aufgearbeitet und nochmals sei die Penthelisea erwähnt, mit der er die Hommage an das alte Griechenland in die Waagschale werfen wollte gegen Goethes Iphigenie oder Schillers Gedichte. Kleist ist nicht in Arkadien geboren, diese idealistische Denkweise war nicht seine, eher die vernünftig preußische, die ihn in den Kerker der Konventionen versuchte zu halten. Sein Leben ist versuchter Ausbruch, am Ende in Geldnot erlangte er Verachtung seiner Schwestern.

Die Gesamtausgabe ist allemal eine Bereicherung. Über Kleist finden Sie in den Biographien (z.B. bei Gerhard Schulz) und über Kleists o.a. Stücke diverse Rezensionen von kpoac.




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