Gäng, Peter

Tantrischer Buddhismus

Tantrischer Buddhismus
  • Verlag: Theseus
  • Erscheinungsdatum: 2001-03-01
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 304
  • ISBN: 3896201557
  • EAN: 9783896201553
  • Amazon.de Verkaufsrang: 68.196
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Beschreibung von buecher.de

Über die Aufhebung der Trennung von Körper und Geist
Die Erforschung des tantrischen Buddhismus ist wie eine Reise in ein unbekanntes, faszinierendes Land, in dem die Grenzen zwischen mystischer und sinnlicher Erfahrung aufgehoben sind.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 24 von 24 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine Fundgrube für den tantrischen Buddhismus

In dem Buch:"Was ist Buddhismus" von Peter Gäng (campus 1996), einer knappen aber sehr präzisen Darstellung des Buddhismus, die in erster Linie von indischen Originaltexten ausgeht, gibt es ein Kapitel (ca. 40 Seiten) über den tantrischen Buddhismus. In diesem Kapitel merkt der Leser, dass es sich beim tantrischen Buddhismus um ein überaus komplexes System psychologischer Erkenntnis und experimenteller Mystik handelt, aber es lässt einen am Ende nur voller Neugier zurück. Jetzt ist endlich Peter Gängs neues Buch "Tantrischer Buddhismus, Experimentelle Mystik - Radikale Sinnlichkeit".erschienen. Es ist wieder sehr dicht geschrieben und geht wieder aus von den klassischen indischen Texten, von denen bislang nur ganz wenige in europäische Sprachen übersetzt sind. In diesem Buch stellt Peter Gäng die Vielfalt der Lehren des tantrischen Buddhismus dar, wobei er sich auf zwei Themenbereiche konzentriert. Der eine Bereich ist die Meditation mit Mandalas, die als ein multidimensionales Symbolsystem beschrieben werden, das den menschlichen Organismus mit seinen Dimensionen Körper, Rede und Geist und seinen Verhaltenspotenzialen Gier, Hass und Verblendung ebenso abbildet wie den Kosmos, in den der Mensch eingebunden ist. Der zweite Bereich ist das Verhältnis von männlich und weiblich und von Männern und Frauen im tantrischen Buddhismus. Hier wird die komplexe Vielfalt besonders deutlich. Dem tantrischen Buddhismus war die Unterdrückung der Weiblichkeit im Mann ebenso deutlich, wie die Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft, und der Zusammenhang zwischen diesen beiden Phänomenen. Und es werden auch Lehren und Methoden des tantrischen Buddhismus aufgezeigt, die diese Probleme benennen und deutlich machen und zu deren Aufhebung führen sollen. Das Buch ist außerdem sehr schön aufgemacht. Es ist für jeden, der sich für dieses Thema interessiert, eine wahre Fundgrube.

Diese Rezension von Dr. Thomas Lautwein fanden 19 von 22 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Hervorragend

Die zunehmende Verbreitung des tibetischen Buddhismus im Westen hat auch zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit den Lehren und Praktiken des tantrischen Buddhismus (Vajrayana) geführt. Insbesondere die Rolle der Frau steht dabei im Mittelpunkt der Diskussion, bei der dem buddhistischen Tantra entweder extreme Frauenfeindlichkeit (Trimondi, Campbell) oder im Gegenteil geradezu feministische Züge bescheinigt wurden.

Peter Gäng, der schon 1981 und 1988 zwei wichtige Tantras übersetzt hat, hält beide Bewertungen für zu einseitig. In seinem Buch versucht er, eine kritische Darstellung der tantrischen Inhalte und Methoden zu geben, die sich ausschließlich auf indische Quellentexte stützt. Seinen Entschluss, sich nicht auf die tibetische Überlieferung zu beziehen, begründet er damit, dass die Tibeter nur einen Teil der indischen Überlieferung übernahmen, ihn an tibetische Gegebenheiten anpassten, die Rolle des Gurus überbetonten und sich zu sehr in Ritualismus und Magie verstrickten (S. 24-28). Gäng hingegen möchte durch eine psychologische Lektüre der indischen Urtexte den ursprünglichen Impuls der Tantras freilegen. Er konzentriert sich dabei auf Texte, die im tibetischen System zur Klasse des Maha-Anuttara-Yoga-Tantra gezählt werden.

Zunächst gibt Gäng eine gedrängte Darstellung buddhistischer Grundlehren (Kap. 2), um dann zu zeigen, wie sich aus der Theorie, dass auch das Negative ein unvollkommener Ausdruck der Buddhanatur sei, und dem meditativen Nachvollzug der Erleuchtung des Buddha die tantrische Meditationspraxis entfaltet. Eindrucksvoll weist Gäng nach, dass diese ursprünglich anarchisch war und dass den 4 brahma-viharas eine Schlüsselrolle für den Zugang darstellen (Kap. 3). Anschließend skizziert Gäng (Kap. 4) die Geschichte des Vajrayana in Indien, die Entstehung von Vater- und Mutter-Tantra sowie der 4 "Tantra-Klassen".

Im zweiten Teil seiner Untersuchung (Kap. 5-7) analysiert Gäng Grundelemente der tantrischen Meditation, die er als mythisches Drama begreift, bei dem archaische unbewusste Inhalte angesprochen werden. Anhand des Guhyasamaja-Tantras werden die Grundelemente des Mandalas (5 Ur-Buddhas, 4 Elemente, Palast usw.) und die Funktion der Mantras dargestellt, wobei Gäng das Übergewicht männlicher Gottheiten kritisiert und auf die Gefahr hinweist, eine allzu ritualistische Ausgestaltung der Mandala-Meditation führe wieder zu einer Spaltung in eine ritualkundige Priesterkaste (Lamas) und ignorante Laien. Anschließend behandelt Gäng unter dem Titel "Männlich und weiblich" die tantrische Auffassung der Sexualität, die sagenumwobene "Karma-Mudra" und die Lehren über den subtilen Energiekörper, der in der sog. "Vollendungsstufe" ja eine große Rolle spielt. Die Entfachung des "inneren Feuers" (Candali") deutet er als Reintegration der Weiblichkeit, Läuterung der Gier und als "Verbrennen" der fünf Skandhas und der Ich-Illusion.

Schließlich kommt Gäng auch auf den wohl düstersten Aspekt des Tantrismus zu sprechen, nämlich den Umgang mit Hass und Magie. Dabei kommt er zu dem Schluss, dass Texte, in denen vom magischen Töten die Rede ist, nicht Anleitung zum realen Mord sind, sondern den eigenen Hass in seiner ganzen Destruktivität erleben lassen sollen, um ihn dadurch zu überwinden. Dennoch hat die tantrische Magie ein Doppelgesicht: Sie ist nicht nur Selbsterfahrung, sondern auch Realitätsgestaltung, und daher anfällig für Missbrauch, wie die Geschichte zeigt.

Gängs Buch ist insgesamt gesehen eine einfühlsame, authentische Darstellung der tantrischen Gedankenwelt. Manches, vor allem die psychologischen Interpretationen, wird man noch kritisch diskutieren müssen, aber insbesondere Tantra-Praktizierenden kann es wertvolle Anregungen zur Reflexion geben. Nicht empfehlen kann man es hingegen Lesern, die sich bisher noch wenig mit Buddhismus beschäftigt haben. Dass es nicht als Anleitung zur Meditation geeignet ist, betont der Autor selbst (S. 13).

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