Weid, Jean-Noel von der

Die Musik des 20. Jahrhunderts

Die Musik des 20. Jahrhunderts
  • Verlag: Insel, Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 2001-05-09
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 743
  • ISBN: 3458170685
  • EAN: 9783458170686
  • Amazon.de Verkaufsrang: 395.837
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Beschreibung von buecher.de

Ein Werk von Anton Webern in ein Konzertprogramm aufzunehmen, ruft zwar nicht mehr Entsetzen hervor, bedarf aber noch immer der Begründung gegenüber einem breiteren Publikum. Warum wird diese (atonale) Musik als 'etwas ganz anderes' angesehen als die 'echte' Musik, die tonale, die von 1600 bis 1900 entstand? Liegt es am Zerfall der Melodie, an der Spaltung der Kadenzen, am Aufgeben von Symmetrie und einfachen Metren? Von der Weids Buch, das diesen und vielen anderen Fragen nachgeht, stellt zum ersten Mal umfassend die Entwicklung der neuen Musik des 20. Jahrhunderts dar, von Debussys Nachmittag eines Fauns bis zur Medea (1999-2001) von Mich le Reverdy (- 1943), nach einem Text von Christa Wolf. Von der Weid stellt die Komponisten und ihre Werke vor, die neuen Techniken und Instrumente, den Zusammenhang von Musik und Zeitgeschichte. Die Darstellung reicht von Claude Debussy (1862-1918) bis Brian Ferneyhough (- 1943) und Olga Neuwirth (- 1968). Der Weg der Musik durch das 20. Jahrhundert aber ist nicht geradlinig. Seine vielfachen Wendungen, vor und nach der Zäsur von 1945, zeichnet das Buch nach, bietet ausführliche Analysen der maßstabsetzenden Komponisten, behandelt nationale und internationale musikästhetische Fragen. Mehr als 300 Komponisten und ihre Werke werden in diesem Handbuch charakterisiert. In die durchgehende Darstellung der Musikentwicklung sind Abschnitte eingefügt, die Fachbegriffe erklären, besondere Themen und musikalische Techniken beschreiben, historische Verläufe zusammenfassen oder musikprogrammatische Texte zitieren. Bibliogra- phien, Diskographien und Videographien beschließen jedes Kapitel. Damit dient von der Weids Buch als Einführung und Nachschlagewerk zugleich.

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Wie hört das breite Publikum nur Musik," seufzte Anton Webern, "offensichtlich muss es sich an gewisse bildliche Vorstellungen oder 'Stimmungen' hängen können; es ist verloren, wenn es sich keine grüne Wiese, keinen blauen Himmel oder etwas dieser Art vorstellen kann". Auch Adorno zeterte gegen den "neurotischen Mechanismus der Dummheit", war erzürnt über "die hochmütig ignorante Ablehnung alles Ungewohnten". Was war geschehen? Nichts. Das 20. Jahrhundert wurde nur eingeläutet von Strawinskys Le sacre du printemps und Alban Bergs Altenberg-Liedern. Ein musikalischer Quantensprung. Das Publikum allerdings schmerzte das plötzliche Fehlen vertrauten Wohlklangs, der Wegfall von Melodie, Symmetrie und einfacher Metrik fand keine wohlwollende Aufnahme. "Die Wiener Schule", in Gestalt von Schönberg, Berg und Webern, löste im Bereich der Komposition einen erdbebenartigen Umbruch aus -- von den tumultartigen Szenen im Konzertsaal ganz zu schweigen. In ihrer Hilflosigkeit verpassten Kritiker der neuen Musik das Etikett "intellektuell"; Jean Cocteau witterte gar "schulmeisterliche Musiker" am Werk, mit einem Hang zu "heftiger arithmetischer Selbstbefriedigung". Auf der anderen Seite des Ozeans vernichtete Edgar Varèse, ein radikaler Klangsucher, derweil sämtliche traditionellen Partituren und entbot in seinem 1925 geschaffenen Werk Hyperprism dem geschockten Publikum lediglich noch karge Bläserklangflächen. von der Weids Handbuch (dim., musikalisch gesprochen, für ein an die 800 Seiten starkes Kompendium), bietet einen wichtigen Schlüssel zum Verständnis der Musikentwicklung des 20. Jahrhunderts. Behutsam, in einem fast philosophisch anmutenden Exkurs führt er uns ein in die Klangwelten eines Ligeti, Stockhausen, Cage und Rihm, hält aber auch mit seiner Abneigung gegen "ästhetisch nachlässige" Esoterik-Tonschmiede wie Arvo Pärt, John Adams und deren "euthanasierenden Schmeicheleien" nicht hinterm Berg. Begleitet wird jedes Komponistenporträt von einer sorgfältigen Bibliografie und Diskografie. Schwieriges, aber großartiges Werk! --Ravi Unger

Die Musik des 20. Jahrhunderts



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