Tucholsky, Kurt

Schloß Gripsholm, Großdruck

Schloß Gripsholm, Großdruck
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • Erscheinungsdatum: 2001-10
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 247
  • ISBN: 3499331799
  • EAN: 9783499331794
  • Amazon.de Verkaufsrang: 852.433
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Beschreibung von buecher.de

Eine Sommerliebe in Schweden: Kurt, Publizist und Schriftsteller, verbringt mit seiner 'Prinzessin' Lydia einen schier endlosen Sommer in Schloß Gripsholm. Als die Sängerin Billie und der Flieger Karlchen dem Paar nach Schweden folgen, sind die Turbulenzen nicht mehr aufzuhalten.
Die unvergeßliche Liebesgeschichte, 1950 eines der ersten rororo-Taschenbücher, wurde mit Heike Makatsch, Ulrich Noethen und Jasmin Tabatabai neu verfilmt.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 17 von 19 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Schrecken hinter schöner Fassade

1933 war Kurt Tucholsky eine der kritischtesten Stimmen in der untergehenden Weimarer Republik. Nachdem das Naziregime an die Macht gelangte, machte es dem Schriftsteller und Journalisten in seiner Abwesenheit den Prozess. Seine Bücher wurden letztlich verbrannt.Tucholsky selbst erlebte Machtübernahme und Prozessbeginn aus der Ferne. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin verlebte er zu dieser Zeit gerade einen Sommerurlaub auf dem dänischen Schloss Gripsholm. Am Ende dieses Urlaubs, nachdem die Liebesbeziehung zu Lydia gescheitert war, nahm sich Kurt Tucholsky im dänischen Exil das Leben.Die schreckliche Realität in seiner von ihm so sehr geliebten deutschen Heimat zerbrach seinen Glauben an die Menschheit und den Willen zu leben.Das letzte Werk der "Stimme des Volkes" bildet die hier rezensierte Sommergeschichte "Schloss Gripsholm". Wer die scheinbar seichte Liebesgeschichte vor diesem Hintergrund liest, dem wird sich die tiefsinnige Traurigkeit hinter der Geschichte erschließen. Die Zerissenheit einer deutschen Schriftstellerseele, die sich persönlich mit dafür verantwortlich fühlte, was im Deutschland seiner Zeit passierte.Insgesamt bildet Tucholskys "Schloss Gripsholm" ein unvergleichliches Erlebnis für den sensiblen Leser. Ein besseres Beispiel dafür, wie zwischen den Zeilen einer schönen Geschichte die Grausamkeiten der Realität durchschimmert, findet sich nur selten in der europäischen Literatur.

Diese Rezension von weiser111 fanden 29 von 45 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Nachrichten aus dem Zauberparadies auf Zeit

Eine nette kleine Liebesgeschichte möchte der Verleger gern haben von Tucholsky, denn "die Leute wollen neben der Politik und dem Aktuellen etwas haben, was sie ihrer Freundin schenken können" -- schon der fiktive Briefwechsel, mit dem Tucholsky 1931 seine Sommergeschichte einleitet, ist nicht so harmlos, wie sie daherzukommen scheint. Aber keine Sorge: "Schloss Gripsholm" ist meilenweit entfernt von jedweder enervierenden Problemhuberei.

Der Erzähler Peter reist zusammen mit seiner Freundin Lydia, der "Prinzessin", für den Sommer nach Schweden und bezieht nach langwieriger Quartiersuche eine freundliche kleine Ferienwohnung in einem Nebentrakt von Schloss Gripsholm. Die beiden genießen unbeschwerte Tage, gewürzt mit pointierten Frotzeleien und klugen Überlegungen, und mit am witzigsten sind die Unterhaltungen mit den mehr oder minder Missingsch-durchsetzten Wortwechseln.

Ein Freund von Peter kommt zu Besuch, auch eine Freundin von Lydia findet sich für einige Tage ein, es kommt sogar zu einem erotischen Zwischenspiel ohne anschließende Eifersüchteleien oder sonstige Nachwirkungen. Und außerdem wird ein Kind aus einem bedrückend düsteren Kinderheim gerettet.

Die perfekte Sommergeschichte über perfekte Ferien, tatsächlich.

Tucholsky erweist sich dabei aber auch wieder einmal als scharfer Beobachter: Er erkennt z.B. den Zauber fremder Ortsnamen, "geladen mit alter Sehnsucht und bepackt mit tausend Gedankenverbindungen", doppelt so schön wie die Wirklichkeit der dahintersteckenden Orte, leider; er weist auf die sich abzeichnende Uniformität der Städte aller Länder hin; er liebt den regionalen Eigensinn des Ländlichen mit seiner "Käfersammlung von Leuten, die alle nur einmal vorkommen". Hier und noch öfter kann man einen Augenblick lang die tiefe Melancholie erkennen, die auch während der sorglosen Ferientage nicht ganz verschwunden ist. Schließlich haben sie die Kümmernisse "in der Gepäckaufbewahrungsstelle abgegeben" -- und von dort werden sie sie am Ende auch unverändert wieder abholen. Aber zunächst einmal sind sie die los.

Eine leichtfüßige und dennoch nicht oberflächliche Geschichte, eine Idylle auf Zeit, in die es nicht hineinregnet und die doch nicht kitschig ist -- dafür sorgen Tucholskys geistreicher Stil und sein lakonischer Witz, ganz im Stil der Neuen Sachlichkeit.

Aber Tucholsky wäre nicht Tucholsky, wenn er nicht auch hier, mitten hinein in die perfekte Sommergeschichte, seine treffsichere Kritik an der ganz bestimmt nicht perfekten Gegenwart außerhalb der Sommeridylle auf Zeit einfließen ließe: Nicht von ungefähr ist die verbiesterte Herrscherin über die Kinderheim-Kinder (die meisten kommen aus Deutschland) eine Deutsche, deren Tyrannei jeden Anflug von Mitgefühl und Menschlichkeit abwürgt und stattdessen Denunziation und Misstrauen fördert. Ein so versierter Autor wie Tucholsky flicht schließlich das Kinderheim-Intermezzo nicht in die Idylle ein, um Seiten zu schinden.

Unterschwellig spürt man den Unterton gleich, aber auf die Schliche kommt man dem Autor erst nach und nach. Der eigentliche Zauber dieser zeitlos scheinenden Sommergeschichte besteht nämlich gerade in ihrer von vornherein feststehenden Vergänglichkeit.

Aber egal -- den ganz besonderen Charme von "Schloss Gripsholm" macht einfach die lakonische, unpathetische und kitschfreie Sprache aus, in der Tucholsky dieses Paradies auf Zeit erschafft.

Und nun der Hinweis, dass die vorliegende Ausgabe nicht die empfehlenswerteste ist. Von all den vielen verschiedenen Ausgaben ist nämlich die billigste von Reclam auch die preiswerteste, denn deren Herausgeberin hat ganze Arbeit geleistet, und zwar informativ und klug, und vor allem ihr Nachwort, der Anmerkungsapparat mit seinen Sach-/Worterklärungen (und zwar nicht nur mit Kuriosa über die Könige Gustav den Verstopften und Adolf den Unrasierten), mit den Übersetzungen schwedischer und missing'scher Passagen und den Hinweisen auf biographische Bezüge im Roman.

Diese Rezension von Bookoholic fanden 6 von 17 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Einfach wunderbar!!

Das Büchlein ist das Hübscheste, was Tucholsky geschrieben hat.

So eine wunderbare Geschichte - für die Zeit der Entstehung sogar ein wenig "frivol".

Sprachlich sowieso brillant - nicht umsonst werden noch heute einige wunderbare Sätze immer wieder zitiert, z. B.: "mit der Seele baumeln"....

Schloß Gripsholm, Großdruck



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