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Ehe- und Politikroman zugleichIn diesem Roman von Yukio Mishima durchschreitet die Protagonistin Kazu Fukuzawa gewissermaßen einen Kreislauf. Unverheiratet und ohne nahe Angehörige, jedoch schon um die fünfzig, fürchtet sie, zu Lebzeiten als unterhaltsame und geistvolle Gastgeberin in ihrem Tokyoter Restaurant geschätzt, nichts so sehr, wie nach ihrem Tod einsam begraben und für immer vergessen zu werden.
Als eines Tages bei einem Bankett in ihrem Restaurant der alternde, verwitwete Diplomat und Politiker Yuken Noguchi auftaucht, verliebt sie sich in ihn; bald darauf heiratet sie ihn, zum Teil aus Liebe, zum Teil aus der Motivation heraus, zur renommierten Familie von Noguchi gehören zu können, um so dem Vergessen nach ihrem Tod zu entgehen.
Die Heirat stellt sich jedoch für beide als Fehltritt heraus: der altbackene Noguchi will mit Kazu einen ruhigen Lebensabend verbringen; Kazu unterstützt hingegen die Idee von Noguchis Freunden, daß dieser im Rahmen von Wahlen zum Stadtparlament in Tokyo wieder in die Politik eintreten solle. Noguchi geht - halbherzig - darauf ein. Daher schätzt er auch Kazus Unterstützung und Aufopferung wenig; am Ende geht er als Verlierer aus der Wahl hervor, sein Ansehen bröckelt. Daraufhin, von Kazus permanenter Energie und Initiative enerviert, verlangt er von ihr, daß sie ihr Restaurant verkaufen solle, um die Wahlkampfkosten aufzufangen, und mit ihm aufs Land ziehen solle - was sie als junggebliebende Frau jedoch nicht mit sich vereinbaren kann, sodaß die Scheidung logische Folge ist. Daraufhin eröffnet Kazu ihr Restaurant wieder - nach dem Bankett ist vor dem Bankett.
Trotz seiner traurigen und ernsten Note ein gelungenes Buch, dem auch eine gewisse Kraft innewohnt, die sich in Kazus Lebensenergie offenbart, die sich letzten Endes keinem äußeren Zwang wie dem der Ehe mit Noguchi unterwerfen kann; darüber hinaus gewährt der Roman interessante Einblicke in die politischen Machenschaften im Tokyo der 60er Jahre. Obwohl hie und da ein paar japanische Begriffe auftauchen, wird beim Leser keine spezielle Japankundigkeit vorausgesetzt.
Mishimas Bankett - die Geschichte eines IrrtumMein besonderer Liebling unter den japanischen Autoren ist Mishima Yukio. Dieser äußerst faszinierende und zugleich abstoßende Autor verrannte sich in ein krudes nationalistisches Weltbild. Seine öffentlichen Auftritte waren stets konsequent durchgeführten Inszenierungen. Letztendlich zerbrach er aber an dem inneren Gegensatz zwischen seiner Homosexualität und den politischen Wahnvorstellungen. Dann, im Zuge eines kläglich scheiternden Operettenputsches, machte er sein Leben vollends zum bizarren Kunstwerk das folgerichtig mit dem dissonanten Schlusspunkt seiner öffentlich inszenierten (traditionell japanischen) Selbsthinrichtung endet. (Also ein richtiger Spinner! Aber mit was für einer Begabung gesegnet!)
"Nach dem Bankett" erzählt die Geschichte einer selbstbewussten lebenslustigen Frau mittleren Alters. Sie betreibt als eigenständige Unternehmerin mit großem Erfolg einen Gasthof. In ihrem Hause treffen sich viele bekannte Größen aus Politik und Wirtschaft (was im japanischen Filz ein und die selben Personen sind). Doch etwas fehlt, denn schon lange quält sie die Angst allein zu sterben, vergessen und ohne Familie. Der überraschende Heiratsantrag eines aus höheren Kreisen stammenden Gastes erscheint ihr wie die allerletzte Chance der Einsamkeit zu entfliehen. Insbesondere fühlt sie sich durch Kultur, Eleganz und sein weltläufige Auftreten angezogen. So willigt sie ein. Ihr neuer Ehemann, ein etwas älterer ehemaliger Minister, lässt sich von seiner Partei zur Kandidatur überreden. Um den teuren Wahlkampf zu finanzieren verkauft die Frau ihren gesamten Besitz und stürzt sich in denn Wahlkampf des Mannes. Zunächst kann sie mit großem Erfolg die Herzen der Bevölkerung erobern, dies gelingt ihr umso mehr, da sie selbst aus einfachen Verhältnissen stammt und deren Nöte und Ängste aus eigener Erfahrung kennt. In allen Belangen ordnet sie sich ihrem Ehemann unter, um dann mit Schrecken zu erkennen, dass er hinter steifen Ritualen und förmlichem Gehabe einen fantasielosen leeren Geist verbirgt. Als sie dies erkennt ist es zu spät.Der politische Gegner findet und nutzt, in kühler Berechnung, einen dunklen Makel ihrer Vergangenheit. Durch den ausgelösten Skandal geht die Wahl verloren und der Ehemann flüchtet in erhabene Lethargie, zieht sich ins Privatleben zurück. Ganz selbstverständlich setzt er voraus das die Ehefrau sich reuig an seiner Seite fügt, denn schließlich hat sie ja sein Debakel verursacht, hat seine Ehre verletzt. Als sie erkennt, dass ihr Leben fortan das eines alten Ehepaares sein wird, dass alle Hoffnungen und Träume auf ein ehrenvolles Begräbnis reduziert werden, bricht sie aus. Hinter dem Rücken des Mannes leiht sie Geld von ihren ehemaligen Kunden, scheut dabei nicht einmal den Kontakt zum politischen Widersacher und versucht so rücksichtslos ihr altes Gasthaus, ihr eigenes Leben zurück zu fordern. Noch ist sie nicht bereit eine alte Frau zu werden. Dies ist die Geschichte eines Irrtums. Es bleibt die Erkenntnis das die öde Leere innerhalb einer Beziehung erdrückender wirken kann, als die Einsamkeit in Freiheit.
Erfüllung in der Einsamkeit...Kazu findet (endgültig und ohne Zweifel) zu sich, indem sie sich gegen Noguchi entscheidet... Ist es nicht wirklich besser für beide, wenn man aus einem "Nebeneinanderleben" ausbricht und durch Trennung zwar alleine aber erfüllt ist? Hart aber wahr. Ein geniales Buch, ich habe es an zwei Abenden gelesen und mir sofort weitere Bücher von Mishima bestellt. Zum Inhalt haben andere vor mir schon alles gesagt. Einziger Schwachpunkt ist hier die etwas mangelhafte Papierqualität von Suhrkamp, aber das ist keinen Punkteabzug wert !
Sensible ErzählungEine wunderschöne Erzählung, in der die Charaktere der Hauptpersonen sehr gut beschrieben werden und einen Einblick in die japanische Gesellschaft gewähren.
Adelung-1793: Bankett, das · Nach-treten · Nach-treiben · Nach-Trieb, der · Nach-Trupp, der · Nach-trillern · Nach-tragen · Nach-Trab, der · Nach · Nach-traben · Nach-Trag, der · Nach-trachten
Brockhaus-1911: Bankétt · Nach Sicht · Nach uns die Sintflut · Eulen nach Athen tragen · Nach Kanossa gehen wir nicht
Meyers-1905: Bankett · Nach uns die Sündflut! · Zug nach dem Westen · Eulen nach Athen tragen · Nach Canossa gehen wir nicht
Pierer-1857: Nach Sicht · Nach Wechselrecht · Reise nach Jerusalem · Fortdauer nach dem Tode · Gestalter Sachen nach · Nach dato