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Der Friseursalon als Panoptikum. Eine furiose Erzählung über die Kunst des Haarschneidens, über Mozarts Perücke und eine Reihe von Sonderlingen, zu denen auch Thomas Bernhard gehört. Wondratschek beschreibt den Friseursalon als Ort der Verwandlung: Auf jeden Fall verlässt ihn keiner so, wie er ihn betreten hat.
Ein Friseursalon ist bekanntlich der ideale Umschlagplatz für Klatsch und Tratsch, umso mehr, wenn sich deren bevorzugt prominente Objekte selbst vorort einfinden. Einen eigenen kleinen Kosmos, in dem die Grenzen zwischen Sein und Schein nicht viel gelten, bildet der illustre Salon der namenlos bleibenden Titelfigur. Wer diesen Friseur in der Wiener Griechengasse besucht, betritt ein "Zauberreich", in dem das Haareschneiden nur als Vorwand dient, "einen orientalischen Basar, getarnt als Friseursalon". In diesem Theater mit allgemeiner Publikumsbeteiligung gastiert ein wechselndes Ensemble kurioser Gestalten. Zum Fixpersonal zählt unter anderem ein junger Mann namens Karotte, dessen offensichtliche Hauptbeschäftigung darin besteht, den Fön auf Maximalleistung zu schalten, wenn Gäste über die Maßen ausfällig werden. Das ist keine Seltenheit, zählen doch exaltierte Künstler zur Kundschaft wie etwa das sexuell frustrierte Fräulein von Lehnhart-Kilany oder der alternde Bürgerschreck Tinti Berger. Nackenhaare lässt hier auch Thomas Bernhard, und Joe Pichler, der beträchtliche Ähnlichkeit mit Udo Proksch hat, bestellt ein Toupet. Als ruhiger Mittelpunkt des exzentrischen Treibens fungiert der Friseur, der sogar unbeeindruckt bleibt, als ihn der seit 200 Jahren tote Mozart besucht und seine Perücke gegen einen Bürstenschnitt tauscht. Mit allerlei fantastischen Einfällen garniert Wolf Wondratschek seine humoristische Milieustudie eines Wiener Friseursalons, in dem sich die örtliche Hautevolee ein Stelldichein gibt. Das reale Vorbild bot der Salon des Starfriseurs Erich Joham, zu dessen prominenten Gästen auch der Autor zählt. Mit Insiderwissen dürfte sich Mozarts Friseur sicherlich besonderere Reize abgewinnen lassen, ansonsten bleibt immerhin die Möglichkeit freudigen Wiedererkennens von mehr oder weniger verschlüsselt dargestellten (lokalen) Berühmtheiten. Sein Zweitwohnsitz Wien scheint die Fantasie Wondratscheks, der nach Die große Beleidigung den einstigen Pop-Poeten nun noch weiter hinter sich lässt, jedenfalls angeregt zu haben: zu einem leichten, ironischen, bisweilen nahezu barock sich gerierenden Text, dessen sprachliche Virtuosität weit gehend ins Leere läuft. Für Erheiterung durch all das skurrile Treiben ist zwar gesorgt, aber auch manch trefflicher Seitenhieb, etwa auf die Kunstszene, kann nicht verhindern, dass der Humor etwas zu sehr mit den Augen zwinkert, um satirischen Scharfblick zu entwickeln. --Mathis Zojer
Ein Basar, der eigentlich ein Friseursalon ist ...Wolf Wondratschek erzählt eine wirklich wunderbare Geschichte. Nein, eigentlich sind es viele Geschichte. Zwar nicht aus 1001 Nacht - doch aus einem Basar der eigentlich ein Friseursalon in Wien ist. Und von diesem Friseur und seinem Salon, sowie von seinen Kunden und Besuchern gibt es wahrlich viele Geschichten zu erzählen. Und dass auch noch Mozart zweihundert Jahre nach seinem Tod in die Griechengasse kommt um sich einen klassischen Kurzhaarschnitt verpassen zu lassen, ist eigentlich nur das Tüpfchen auf dem i, das Schlagobers auf dem Einspänner. :-)Möglicherweise begeistert dieses Buch nur WienerInnen und hier vielleicht auch nur wirklich jene, die diesen Friseursalon und diesen Friseur, sowie dessen Kunden und Besucher, die alle Vorbild für Wondratscheks Buch *MOZARTS FRISEUR* waren, kennen.
Ich habe das Glück in Wien zu Leben und hatte während der Lektüre viele *Aha-Erlebnisse* und mich köstlichst amüsiert und viel geschmunzelt.
Und dazu kommt noch, daß es in der Art des wirklichen Erzählens geschrieben ist ....
Nur für FansAus stilistischer Sicht sicherlich sehr kunstfertig geschrieben, bietet dieses Buch leider nur eingeschränktes Lesevergnügen. Einem Wiener mag sich der anscheinend vorhandene Humor der Anekdoten ja erschließen. Den Nicht-Wiener erwartet eine eher anstrengende Lektüre, die weder eine Identifikationsfigur bietet noch einen roten Faden oder gar Spannungsbogen aufweist. Fazit: Nur Wienern und Wondratschek-Fans zu empfehlen.
Worum geht's da??Ein überaus schwaches Buch, dass zudem schwer zu lesen ist, weil es keinen erkennbaren Inhalt hat. Vielleicht soll das märchenhaft oder poetisch wirken, m.E. ist es nur langweilig und zusammenhangslos. Für den Stil mag sich der eine oder andere ergötzen - man muss dann aber schon einen Faible für eine nicht enden wollende Aneinanderreihung (rhetorischer, uninterssanter und nie beantworteter) Fragen haben!