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Nach drei Jahren im Gefängnis kann sich Joseph dank seiner Fähigkeit zur Traumdeutung befreien. Er ist der einzige, der die Träume des Pharao versteht und als mythische Ankündigung sieben fetter und sieben magerer Jahre auslegt. Er gibt dem Pharao den Rat, die Fülle der fetten Jahre zum Vorrat für die mageren zu nutzen, der dankbare Pharao überträgt diese Aufgabe Joseph, dem Ernährer. Die Dürre der mageren Jahre treibt die Hirten Kanaans nach Ägypten, es kommt zum Wiedersehen mit den Brüdern und mit Jaakob. Der abschließende vierte Teil der 'Josephs'-Romane erschien 1943 bei Bermann-Fischer in Stockholm.
Wunderbare BücherDiese Bücher sind einfach wunderbar. Wer Sinn für gelungene Formulierungen hat, sich an der Verwendung auch nur einzelner Wörter erfreuen kann, der fühlt sich in jedem der "Joseph" Bücher zu Hause. Sicher muss man sich an den Stil gewöhnen, bleibt am Anfang an der ein oder anderen Stelle hängen. Doch das Lesevergnügen stellt sich ein. Am Ende eines Buches angekommen will man gleich zum nächsten greifen und nach dem letzten Band bedauert man, dass nicht die ganze Bibel in dieser Form nacherzählt wurde. In den gesamten Büchern schwingt immer eine zarte Ironie im Hintergrund mit, die Schwächen der Figuren werden fein herausgearbeitet. Die Bücher unterhalten auf einem wunderbaren Niveau.
GenialIn der Joseph-Tetralogie zeigt Thomas Mann sich als der ganz große Geschichtenerzähler, der er ist. Nicht eine, nein, tausend Geschichten werden in diesen vier Büchern erzählt, Geschichten, die ineinander greifen, die abschweifen, jede für sich lesenswert und liebenswürdig. Überhaupt: liebenswürdig, das sind sie fast alle, die vielen Menschen, die dem Leser in dieser Mammutgeschichte begegnen.
Natürlich findet man auch die typisch Mann'schen Themen wieder: das Erwähltsein (Joseph, ebenso wie Gregor, Adrian Leverkühn, Klaus Heinrich - und in ihnen letztlich Thomas Mann -, ist ein Erwählter), das Sich-selbst-Aufgeben aus Liebe, der Dualismus zwischen Kunst und Leben, zwischen dem Künstlich-künstlerisch-Verstiegenen und dem Natürlich-Unbedarften, zwischen dem geistig Schaffenden, Inerten und dem Lebendigen, Aktiven...
Ich ziehe die vier Joseph-Bände mit ihrem grundsätzlich verschmitzt-heiteren Grundton, der immer wieder die Oberhand gewinnt, der düsteren Atmosphäre des Doktor Faustus und dem etwas schwül-dekadenten Verwesungsgeruch des Zauberbergs vor (ohne diesen beiden Werken die ihnen zweifellos gebührende Bewunderung zu versagen...). Verwandt ist der Erzählton in dieser Hinsicht eher dem des Erwählten und der Königlichen Hoheit.
Zauberhaft und genial - wie immer bei Mann, aber hier vielleicht auf besonders charmante Weise - ist natürlich die Sprache: die wunderbar wallenden, fließenden Sequenzen, die meisterhaft durchgehaltene Leitmotivik, der stets zu erwartende jähe Umschwung von hohem Pathos, tiefer Tragik oder schmerzlicher Leidenschaft (eine andere gibt es bei Mann kaum) in ein verschmitztes Augenzwinkern, die allem zugrundeliegende subtile Ironie - all dies ist eine helle Freude für den Leser, der hohe Sprachkunst zu schätzen weiß.
Ausdauer, das sei zugegeben, braucht man für dieses Meisterwerk der Erzählkunst: bei insgesamt etwa 1800 Taschenbuchseiten hat auch der schnelle und begeisterte Leser durchaus etwas zu tun. Doch es lohnt sich! Auch denjenigen, denen der Erzählstil anfangs etwas ungewohnt vorkommen möge, sei die Lektüre wärmstens empfohlen, denn in die Mann'sche Sprache kann man sich "einlesen", und wer Spaß an gut erzählten Geschichten hat, der wird seine Freude an dem Werk haben.
Der Josephsroman von Thomas MannWelcher Schriftsteller hat eine Einleitung zu einem Roman wie die Höllenfahrt je geschrieben? Ich kenne keinen.
In welchem Werk wird die Anteilnahme des Lesers mit den Haupt- und Nebenfiguren des Romans zu Dutzenden von Malen aufs höchste erregt? Wer leidet nicht mit mit einem Jakob, einer Lea oder Rachel, einem Esau oder Ruben, einem Potiphar, einer Mut, einem Juda oder einer Thamar?
Man kann man sich aber auch vor Lachen den Bauch halten, wenn sich die beiden Zwerge in die Haare kommen.
Wo kann man deutsch in seiner erlesensten Ausdrucksform bewundern? Mir ist jedenfalls nichts vergleichbares bisher untergekommen. Die Reden Josephs mit seinem Vater, mit Potiphar und vor dem Pharao seien als Glanzpunkte herausgestellt.
Wo steht das Menschliche der Hauptfigur in seiner positiven Ausprägung im Zentrum eines Gesamtwerks?
Wie ist es möglich, dass beim x-tenmal Lesen die Ergriffenheit beim Herannahen der Höhepunkte nicht abnimmt sondern ganz im Gegenteil sich diese ganz besondere Mischung aus Leid und Freude immer wieder eher noch verstärkt einstellt ähnlich wie beim Hören eines begnadeten Sängers?
Wenn überhaupt kann sich mit diesem Opus nach meiner Meinung nur noch der Zauberberg messen.
Der Weg zur HumanitätKaum jemand kennt sie nicht aus der Bibel, die Geschichte der grausamen Brüder Josephs, die ihn aus Eifersucht in einen Brunnen warfen und dem Vater Jakob das vom Tierblut getränkte Gewand Josephs zum Zeichen seines Todes vorlegen.
Doch Reisende einer Karawane retten Joseph und verkaufen den hübschen Jungen in Ägypten in die Sklaverei. Mit vielen Talenten ausgestattet gelingt es Joseph nach freud- und leidvollen Erfahrungen zum Pharao vorzudringen und als dessen Reichsverweser große Reichtümer zu erringen. Am Ende rettet er seine Familie vor dem Hungertod, bereitet so den Boden für das Volk Israel, das viele Jahre später aus Agypten ausziehen wird, um seine religiös-geschichtliche Aufgabe zu erfüllen. Diese Geschichte erzählt Thomas Mann in seinem vierteiligen Romanzyklus "Joseph und seine Brüder". Das Thema des Romans ist der Kampf Jakobs um und mit Gott und die Stellung Josephs im göttlichen Heilsplan. Eingebettet in die wunderbar erzählte Geschichte von Liebe, Haß und Eifersucht liegt die qualvolle Suche Jakobs nach dem Heiligen, sein Ringen um die Erkenntnis Gottes, die Formung einer Idee des Höchsten. In kunstvollster Sprache überträgt Mann den Mythos in das Humane. Für junge Leser wird es nicht einfach sein, sich auf die Sprache Manns einzulassen. Die langen Sätze erfordern hohe Konzentration, das Thema ist vielschichtig und komplex. Doch wer diese Hürden nimmt, wird reicher sein, wenn er den Roman am Ende zuklappt. Mann hat ihn auf verschlungenen Wegen zu sich selbst und zu den Wurzeln einer humanen Gesellschaft geführt. Peter Hünten
GenialIn der Joseph-Tetralogie zeigt Thomas Mann sich als der ganz große Geschichtenerzähler, der er ist. Nicht eine, nein, tausend Geschichten werden in diesen vier Büchern erzählt, Geschichten, die ineinander greifen, die abschweifen, jede für sich lesenswert und liebenswürdig. Überhaupt: liebenswürdig, das sind sie fast alle, die vielen Menschen, die dem Leser in dieser Mammutgeschichte begegnen.
Natürlich findet man auch die typisch Mann'schen Themen wieder: das Erwähltsein (Joseph, ebenso wie Gregor, Adrian Leverkühn, Klaus Heinrich - und in ihnen letztlich Thomas Mann -, ist ein Erwählter), das Sich-selbst-Aufgeben aus Liebe, der Dualismus zwischen Kunst und Leben, zwischen dem Künstlich-künstlerisch-Verstiegenen und dem Natürlich-Unbedarften, zwischen dem geistig Schaffenden, Inerten und dem Lebendigen, Aktiven...
Ich ziehe die vier Joseph-Bände mit ihrem grundsätzlich verschmitzt-heiteren Grundton, der immer wieder die Oberhand gewinnt, der düsteren Atmosphäre des Doktor Faustus und dem etwas schwül-dekadenten Verwesungsgeruch des Zauberbergs vor (ohne diesen beiden Werken die ihnen zweifellos gebührende Bewunderung zu versagen...). Verwandt ist der Erzählton in dieser Hinsicht eher dem des Erwählten und der Königlichen Hoheit.
Zauberhaft und genial - wie immer bei Mann, aber hier vielleicht auf besonders charmante Weise - ist natürlich die Sprache: die wunderbar wallenden, fließenden Sequenzen, die meisterhaft durchgehaltene Leitmotivik, der stets zu erwartende jähe Umschwung von hohem Pathos, tiefer Tragik oder schmerzlicher Leidenschaft (eine andere gibt es bei Mann kaum) in ein verschmitztes Augenzwinkern, die allem zugrundeliegende subtile Ironie - all dies ist eine helle Freude für den Leser, der hohe Sprachkunst zu schätzen weiß.
Wer mit dieser Sprache nicht zurecht kommt, ist sehr zu bedauern, denn es entgeht ihm einer der größten Lesegenüsse der Literaturgeschichte. Ebenso wie die übrigen Werke Manns ist auch die Joseph-Tetralogie wohl keine Lektüre "fürs Volk". Der mit eher unterdurchschnittlicher Intelligenz gesegnete Leser wird dem Werk denn auch nicht viel abgewinnen können. Allen übrigen sei die Lektüre wärmstens empfohlen, denn in die Mann'sche Sprache kann man sich "einlesen", und wer Spaß an gut erzählten Geschichten hat, der wird seine Freude an dem Werk haben.
Ausdauer, das sei zugegeben, braucht man ebenfalls für dieses Meisterwerk der Erzählkunst: bei insgesamt etwa 1800 Taschenbuchseiten hat auch der schnelle und begeisterte Leser durchaus etwas zu tun. Doch es lohnt sich!
Adelung-1793: Martins-Mann, der · Mann, der
Brockhaus-1809: Die Seine · Das Seine- und Oise-Departement · Das Seine- und Marne-Departement · Der Mann mit der eisernen Maske
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