Holloway, John

Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen

Die Welt verändern, ohne die Macht zu übernehmen
  • Verlag: Westfälisches Dampfboot
  • Erscheinungsdatum: 2006-09
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 255
  • ISBN: 3896915142
  • EAN: 9783896915146
  • Amazon.de Verkaufsrang: 309.932
Bestellen Sie über obige Links! Sie fördern dadurch die Digitalisierung weiterer Bücher, da Zeno.org eine Provision von dem Sponsor erhält. Wann immer Sie etwas bestellen möchten - prüfen Sie vorher die Millionen von Angeboten, die im Zeno.org-Shop beschrieben sind. Bookmarken Sie die Einstiegsseite in den Zeno.org-Shop für spätere Gelegenheiten. Vielen Dank für Ihre Unterstützung.
Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von nils_w_jakob fanden 34 von 35 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Wir SIND der Kapitalismus. Oder?

Wie genau das gehen soll, die Welt zu verändern, ohne die Macht zu übernehmen, verrät Holloway auch nicht - jedenfalls nicht in Form einer Betriebsanleitung. Das ist aber nicht der Grund für mich, seinem Buch volle 5 Sterne zu geben.

Viel wichtiger ist für mich, was schon auf den ersten paar Dutzend Seiten geschieht. Dort schreibt der Autor, welche Gefühle in ihm besonders akademische Diskurse auslösen, oder genauer: Welche Gefühle in ihm verborgen bleiben sollen, weil in der "exakten" Welt der Wissenschaft dafür kein Platz ist. Holloway bebildert diese Gefühle, die tägliche Ungerechtigkeiten und Verbrechen (durch unser eigenes Verhalten und Konsumieren!) in ihm auslösen, mit der Metapher eines "Schreis". Sehr nah an dem, was ich selber dazu empfinde, folgt er diesem Schrei und sieht nach, wie er behandelt wird in Medien, an Universitäten, in der Politik. Und ist wütend darüber, wie wenig elementaren Gefühlen Achtung geschenkt wird. Aber genau das ist ja das Problem: Dass die Gefühle eines überwältigenden Teils der Menschheit ignoriert werden, und Armut und Wut sollen durch irregeleitete Theorien über das Heil des "Marktes" abgewiegelt werden.

Holloway setzt dem eine andere Sicht entegegen. Er erklärt, warum die "Macht" zu übernehmen nicht gelingen kann, warum dieser revolutionäre Ansatz zum Scheitern verurteilt ist: Weil er in den Denkmustern verhaftet bleibt, die ihn hervorgebracht haben! Das Buch schwingt dann über zu sehr ansprechend, teils kompliziert zu lesenden Schilderungen und endet mit einer sehr einfachen Antwort.

Wir selber, so Holloways verständliche These, reproduzieren unser Wirtschaftssystem. Tag für Tag tragen wir dazu bei, dass sich der Kapitalismus selbst erhält. Dass er ausgebaut wird. Dass er mehr Zerstörung produziert. Dass er noch mehr Macht erhält. Dies ist ein aktiver Prozess, den wir, jede und jeder einzelne, mit tragen. Und wir können ihn ebenso einfach stoppen: Indem wir aufhören, den Kapitalismus zu reproduzieren.

Manchem mag diese Antwort zu einfach erscheinen. Für mich ist sie bestechend und zwingend logisch.

Diese Rezension von Hubert Herfurth fanden 3 von 5 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen ein sehr widersprüchliches Buch, das zum Nachdenken rausfordert

mit einer sehr berechtigten und aufrüttelnden Kritik am Staats- und Parteisozialismus im Mittelpunkt. Seine "Schrei" Metapher macht deutlich, daß der Marxsche Ausgang im Kommunistischen Manifest, eine Veränderung im Interesse und durch das Handeln "der übergroßen Mehrzahl" sei so nötig wie möglich, noch nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Leider transportiert er eine Lösung, die so tut, als wäre eine den Kapitalismus ablösende Gesellschaftlichkeit schon immer diesem vorausgesetzt, der Kapitalismus hinderte 'uns' also immer nur daran, diese Gesellschaftlichkeit aus zu leben. Wofür seine so fein- wie unsinnige Unterscheidung zwischen TUN und Arbeit steht, denn natürlich ist dieses TUN real nirgendwo zu entdecken. Mit seiner Lösung "aufhören, den Kapitalismus zu reproduzieren" kommt er über den Voluntarismus des Staats- und Parteisozialismus selbst nicht hinaus, weil er übersieht, daß dafür die neue, den Kapitalismus ersetzende Gesellschaftlichkeit zuvor zumindest in Ansätzen - wenn nicht produziert, so zumindest aber antizipiert worden sein muß, wenn der Antikapitalismus mehr sein soll als Attitüde und leere Redewendung. Zu einem Tun, daß dann wirklich die Ablösung des Kapitalismus ermöglicht, hat er leider keinen Zugang, ja er sieht nicht mal das Problem (Gleichgültigkeit etwa war schon für Marx hier der wichtigste Begriff in der Beschreibung der ungesellschaftlichen Gesellschaftlichkeit", den der Marxismus allerdings total 'vergessen' hat).

Grandios widersinnig oder sarkastisch zu Beginn die längste mir bekannte Danksagung als 'Rollenspiel' intellektuell-akademischer Hierarchien und im Kontrast dazu die Beruhigung für die Nichtgenannten, denn Identifikation "ist ja Herrschaft".




Empfehlungen
Lochmann, Dominik
39,00 €

Baltes, Anna Maria / Hofer, Manfred / Sliwka, Anne (Hgg.)
34,90 €

Burchert, Stefan
7,50 €



Barth, Karl; Stoevesandt, Karl; Stoesandt, Dorothee
19,90 €
Bookmarks
delicious wong linkarena google