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Bis in die sechziger Jahre wurden nur Vertreter des 'künstlerischen Terrorismus' (Richard Wagner) als Kulturhelden gefeiert - so besangen Futuristen Bombenexplosionen; Brandvisionen und Zerstörungsorgien wurden zu Bühnenereignissen. Danach verehrten die Kulturgemeinschaften bombenwerfende Kämpfer, die sich ihrer barbarischen Mittel wegen des großartigen Zwecks, der Verbesserung der Welt, bedienten. Seit 20 Jahren untersucht Bazon Brock den Barbaren als modernen Kulturhelden Seine Darstellungen sind umso wichtiger, als täglich an vielen Orten von Nordirland bis Palästina systematisch und kontinuierlich solche Barbaren in Aktion treten und als Märtyrer ihrer Kulturen gefeiert werden.
Bazon Brock hat im vergangenen Jahrzehnt mit Schriften , Ausstellungen, Filmen, Action Teachings die Barbarisierung in allen Lebensbereichen, in den Künsten und Unterhaltungsgenres aufgespürt. So wie in der Vergangenheit werden sich seine Prognosen wieder als treffsicher erweisen. Der 1986 prognostizierten Herrschaft der 'Gottsucherbanden' und dem Anfang der achtziger Jahre gegeißelten Fundamentalismus in Kunst und Kultur setzt Brock die 'Zivilisierung der Kulturen' entgegen. Seine Ausgrabung Berlins als 'Troja unseres Lebens' stimuliert Kulturbosse zur Nachrede; von der neuronalen Begründung der Ästhetik war bei ihm schon die Rede, als dies heutige Verfechter noch für Blödsinn hielten. Seine Avantgardetheorien und Bestimmungen des Ästhetischen erwiesen sich als nachhaltiger als die der linken und rechten Seilschaftskonkurrenz.
Gottsucherbanden, Identifikationsproduzenten, UnterlassungenWuppertal beherbergt(e) Bazon Brock (eigentlich: Jürgen Brock, *1936, in Stolp, Pommern) in seinen Mauern aber auch Friedrich Engels, Else Lasker-Schüler sowie Gertrud Höhler, Johannes Rau und Pina Bausch, Tuffi und die Schwebebahn, Alice Schwarzer und auch mich selbst, 1945 von einer Durchreisenden in einem dortigen Kinderheim abgegeben. Friedrich Engels hatte bessere Startchancen als ich, aber Tuffi bekrabbelte sich nach seinem Sturz aus der Schwebebahn auch wieder und lief trompetend im knöcheltiefen Wasser herum. Was ist aber mit Bazon Brock? Mittlerweile 70. Kein Bundespräsident geworden. Kein Leiter eines Tanztheaters. Vielleicht hätte er besser seine Nase in die Bibel gesteckt als in Kunstbücher. Vielleicht hätte er besser mit SPD-Mitgliedern Skat gespielt als sich vor Fernsehkameras damit abzumühen, dem Publikum zu erklären, wer Künstler sei, wer aber nicht. Bazon Brock kritisierte die „Gottsucherbanden" und deren Chance, zum Kult(ur)objekt zu werden. Das erscheint bei den Altarschnitzern noch nicht so schlimm wie bei den islamistischen Terroristen unserer Gegenwart, die Allah dadurch schneller zu finden meinen, dass sie eine vollbesetzte Boeing ins World Trade Center steuern. Bazon Brock mühte sich diesem Trend entgegenzusetzen die Zivilisiertheit des Unterlassens. Wurde bei Albert Speer effektiv erzwungen. KUNST sieht Brock immer als sozio-politisches Phänomen: Nationale oder religiöse Identitäten werden geschaffen (und durch Preisgerichte honoriert; so viel zu Hollywood und seinen oft politisch-tendenziösen Oskar-Verleihungen). Wir erinnern uns an die Kunst des Dritten Reiches und an Triumphbögen in arabischen Staaten. Karikaturen, besonders solche aus Dänemark, werden gerne zensiert - zumindest von den Bewohnern des kritisierten (muslimischen) Lagers. Ginge es uns besser, wenn sich zum Beispiel der Wuppertaler Johannes Rau in der Kunst des Unterlassens geübt hätte - oder der von einigen als „Kreuzzügler" eingestufte George W. Bush? Oder Friedrich Engels? Bazon (übersetzt: „der Schwätzer") schwärmt von der „Strategie der Selbstfesselung" und einer „Ästhetik des Unterlassens". Nimmt man das Ernst, ist Brock der oberste Künstler, der, der die längste Liste des Unterlassens vorlegen kann. „Deutsch sein heißt schuldig sein" - mit diesem Slogan hat sich Bazon Brock durch zahlreiche Applause hindurchgeschwatzt, von Deutschland bis Japan, von Amerika bis Israel. Vielleicht heißt Deutschsein aber auch, traumatisiert sein bis zur selbstquälerischsten Abstinenz. Heißt Furcht zu haben davor, auch nur halbwegs optimistisch eine greifbare Identität anzunehmen, heißt, in einer Art vorauseilendem Gehorsam des Nicht-Seins jede Gefährlichkeit zu meiden. Auf diese Weise macht man sich allerdings erneut zum Opfer, zum Pantoffelhelden der Provinz-Talkshows. Erfolgreiche Täter bleiben ungeschoren dann die „Gottsucherbanden" und ihre Claqueure. Bleiben die Heroen von Washington oder Teheran, die mit dem Kriegspielen immer noch liebäugeln. „Maikäfer flieg, dein Vater ist im Krieg, Pommerland ist abgebrannt..." - das waren auch meine Anfangseindrücke zu Lebensbeginn. Vielleicht ist es das, was mich mit Bazon Brock verbindet und weshalb ich untersuche, wie einer mit Handlungsstrategien darauf reagiert, unter diesen spezifisch deutschen Bedingungen seine Lebensbahn begonnen zu haben... "Nie empfinden wir die Sehnsucht nach der heilen Welt stärker als zwischen Trümmern..." schrieb Brock. Dem muss ich vorbehaltlos zustimmen. Nur: Kann Kunst weitere Zertrümmerungen durch Selbstfesselung verhindern? Vielleicht wäre engagierte Ironisierung von Machtstreben und Gottmächtigkeit wichtigste Aufgabe des widerstandsfähigen Künstlers. Vielleicht sollte sich Bazon Brock dafür einsetzen, dass die jüngst beanstandeten 12 Mohammed-Karikaturen einen würdigen Platz in einem Museum fänden - vielleicht sogar im Wuppertaler Von der Heydt-Museum. Er könnte sich auf diese Weise nachträglich endlich dafür bedanken, dass er nach dem zweiten Weltkrieg zwei Jahre in dänischer Internierung verbringen durfte.
Adelung-1793: Barbār, der · Barbar, der · Als
Brockhaus-1911: Barbar · Brock · Blut ist dicker als Wasser
Lueger-1904: Schwerer als Luft · Flüssige Luft als Sprengstoff
Meyers-1905: Barbār · Blut ist dicker als Wasser · Achterlicher als dwars
Pierer-1857: Barbar [1] · Barbar [2] · Barbār · Barbar Pascha · Brock [3] · Brock [2] · Brock [1]