Khadra, Yasmina

Herbst der Chimären

Herbst der Chimären
  • Verlag: Unionsverlag
  • Erscheinungsdatum: 2002-07
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 144
  • ISBN: 3293202403
  • EAN: 9783293202405
  • Amazon.de Verkaufsrang: 213.288
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Beschreibung von buecher.de

Der unbestechliche Kommissar Llob wird aus dem Polizeidienst entlassen: Er hat unter Pseudonym Kriminalromane geschrieben, die wegen ihrer schonungslosen Offenheit den korrupten Mächtigen von Algerien gefährlich werden könnten. Llob ist geächtet, verliert seine letzten Freunde und entgeht nur knapp einem Anschlag. Als ihm jemand die Rehabilitation anbietet, lehnt er ab. Von nun an ist er ganz allein. Khadra lässt noch einmal in intensiven Bildern das vom Terror verwüstete Algerien entstehen - es ist zugleich eine Liebeserklärung an sein Land.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Nur wenige Flugstunden von Mitteleuropa entfernt, spielt sich seit mehr als einem Jahrzehnt das Drama eines nordafrikanischen Landes ab -- Algerien. Dort tobt ein "unsichtbarer Bürgerkrieg", inzwischen kaum beachtet von unseren Nachrichtenorganen, mit unklaren und für uns kaum erkennbaren Fronten über den Konflikt zwischen Regierung, Militär und islamischen Fundamentalisten hinaus. Ein Autor hat diesem Konflikt unter dem Pseudonym Yasmina Khadra in literarischer Form zu neuer Aufmerksamkeit verholfen. Khadra hat sich mittlerweile als hochrangiger Offizier der algerischen Armee mit dem tatsächlichen Namen Mohammed Moulessehoul zu erkennen gegeben und ist ins Exil nach Paris gegangen, weil er sich dort sicherer fühlen kann. Er wird aber den tapferen Frauen seines Heimatlandes zu Ehren weiterhin unter dem weiblichen Pseudonym veröffentlichen. Mit Herbst der Chimären ist die inhaltlich zusammenhängende Trilogie um den Schriftsteller und Commissaire Brahim Llob in Deutschland nun komplett. Im Gegensatz zu den ersten Bänden Morituri und Doppelweiß, die Llob als ermittelnden Kommissar in verworrenen Mordfällen schilderten, wird der Polizist im vorliegenden Buch seiner schriftstellerischen und aufklärerischen Tätigkeit wegen vom Dienst suspendiert. Drohungen und Anschläge auf sein Leben lassen nicht lange auf sich warten und dem Charakter dieses undurchsichtigen und grausamen Krieges entsprechend ist keineswegs klar, wem diese Gewaltakte zuzuschreiben sind. Brahim Llob jedenfalls wird einen hohen Preis für seine Aufrichtigkeit und den jahrelangen Kampf um Gerechtigkeit bezahlen. Auch Herbst der Chimären ist ein ungewöhnlich fesselnder Politkrimi mit einer ungemein starken Hauptfigur. Stark aber keinesfalls im Sinne von überlegen, clever und stets obenauf. Stark vielmehr in ihrer Gebrochenheit, ihren Freuden und Ängsten und ihrer zunehmenden Hilflosigkeit. Brahim Llob repräsentiert das Schicksal vieler algerischer Intellektueller, indem er selbst wie die meisten von ihnen zur Zielscheibe wird. Yasmina Khadra teilt nunmehr das Schicksal seines Alter Ego. Seine brillante literarische Dokumentation des algerischen Dramas zeigt beispielhaft das Befinden einer Welt, die seit dem 11. September 2001 einen neuen Albtraum gigantischen Ausmaßes erlebt, aus dem sie wohl für eine lange Zeit nicht wird erwachen können. --Ulrich Deurer

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Ewald Judt fanden 4 von 4 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Teil 3 einer algerischen Tragödie: das Finale

"Herbst der Chimären" (UT metro 240 - "L'automne de chimères", 1998) ist nach "Morituri" (UT metro 209 - "Morituri", 1997) und "Doppelweiß" (UT metro 224 - "Double blanc", 1997) der dritte Teil der algerischen Krimi-Trilogie mit Kommissar Brahim Llob. Autor ist der ehem. algerische Offizier Mohammed Moulessehoul, der unter dem Namen seiner Frau diese Bücher geschrieben hat. Sie sind eigentlich nur nebenbei Kriminalromane, sie behandeln vor allem die Situation des heutigen Algerien, das - obwohl es weitgehend von den Titelseiten der Zeitungen verschwunden ist - sich mitten in einem veritablen Bürgerkrieg befindet. Inmitten einer Szenerie, woe die, die alles haben, das Land ausplündern, die, die völlig verarmt sind, keine Zukunft sehen, und die aus dem Untergrund agierenden Islamisten eine morbide Gier zur Zerstörung zeigen (um es mit Yasmina Khadra in Zeitungsinterviews geäußerten Worten auszudrücken), handelt "Herbst der Chimären". Brahim Llob, Kommissar in Algier, wird aus dem Polizeidienst entlassen, da er unter einem Pseudonym Kriminalromane geschrieben hat, die wegen ihrer schonungslosen Offenheit den korrupten Mächtigen von Algerien gefährlich werden können. Als ihm - gegen eine öffentlich geäußerte Entschuldigung - eine Rehabilitation angeboten wird, lehnt er ab und ist von nun an ganz allein und dem Willen seiner Feinde ausgeliefert. Insgesamt ist dieses Buch noch viel weniger ein Krimi als seine beiden Vorgänger in der Trilogie. Nichtsdestoweniger ist es spannend zu lesen.

Diese Rezension fanden 9 von 11 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen 6 Sterne! Hoch brisant, spannend, aktuell und sehr politisch

nicht nur ein hervorragender Krimi sondern hoch politisch und aktuell. wohl kaum ein anderer Autor hat so viel Licht in das Dunkel islamisch-fundamentalistischer Machenschaften und verbrecherischer Organisationen unter dem Deckmäntelchen Allahs gebracht, wie dieser ausgezeichnete Autor. Bleibt zu hoffen, dass der Autor auch nach der Preisgabe seiner Identität keine Rachefeldzüge fundamentalistischer Vollidioten zu spühren bekommt und er uns noch sehr viel mehr Bücher dieser Art präsentieren kann.

Unbedingt lesenswert!!!

Diese Rezension von Stephanie Philipp fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Systemtreue ist alles

Nichts ist wichtiger als Patriotismus. Wer gegen den Strom schwimmt, wird gnadenlos niedergemetzelt.

Diese Erfahrung macht Kommissar Brahim Llob aus Algier, nachdem er unter dem Pseudonym Yasmina Khadra ein Buch geschrieben hat, was die Missstände im Land aufdeckt und auch die Fehler der Polizei, also seiner Kollegen, deutlich macht. In Algerien herrscht Krieg, permanent werden Bomben auf Algier abgeworfen. Ein Mensch bringt den Mut auf, sich gegen das eingefahrene System zu stellen und bezahlt dafür einen hohen Preis.

Zunächst wird er aus dem Polizeidienst in die Pension entlassen, dann wird er von vermeintlich guten Freunden nur benutzt, dass sie ihre Ziele erreichen können und schließlich entgeht er selbst immer wieder nur knapp Anschlägen, so dass irgendwann klar wird, dass es sich dabei nicht um Zufälle handeln kann - Kommissar Llob ist zum Ziel geworden.

Yasmina Khadra alias Mohammed Moulessehoul liefert mit "Herbst der Chimären" einen sehr tiefgründigen und bewegendes Roman. Man bekommt als Leser einen sehr detaillierten Einblick in das Denken des Protagonisten und seine teilweise melancholische Stimmung überträgt sich zeitweise sogar auf den Leser, was das Lesen selbst sehr angenehm gestaltet.

Schwierig ist es, sich die verschiedenen Namen der Personen zu merken, da sie durch den Handlungsort bedingt in weitern Teilen arabisch sind und für europäische Verhältnisse sehr kompliziert sind und dann auch noch teilweise sehr ähnlich klingen.

Für mich ist das Buch kein "typischer" Kriminalroman. Es ist eher eine sehr gelungene und gut dosierte Mischung zwischen Krimi und Politik. Die gesellschaftlichen Aspekte werden in den Vordergrund gestellt, während der kriminalistische Anteil doch ziemlich in den Hintergrund rückt. Dies tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch. Man sollte sich nur vorher im Klaren darüber sein, ob man sich auf diese in meinen Augen doch eher ungewöhnliche Mischung einlassen kann.

Als etwas störend habe ich die Fußnoten im Text empfunden, durch die immer wieder Erklärungen zu Begriffen geliefert werden oder Bezug auf andere Romane des Autors genommen wird. Natürlich waren die Begriffserklärungen nötig, da im Text häufig einzelne arabische Wörter auftreten, teilweise hätte aber zur Erklärung meines Erachtens nach auch ein Nebensatz genügt. Wie gesagt - teilweise. An einigen Stellen sind die Fußnoten absolut notwendig. Die Verweise auf die anderen Bücher des Autors wären auch nicht unbedingt nötig gewesen, ermöglichen es aber Lesern, die auch die anderen Bücher kennen, vielleicht noch einmal nachzulesen.

Insgesamt betrachtet ist "Herbst der Chimären" nach einer wirklich sehr kurzen Eingewöhnungsphase ein sehr gutes Buch, was sich nicht mit einer oberflächlichen Betrachtung der Missstände in Algerien zufrieden gibt und die eine oder andere Überraschung für seinen Leser bereit hält.

Diese Rezension von Fantomas fanden 3 von 4 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen absolut lesenswert

Auch der dritte Band der Trilogie ist absolut lesenswert. Vielleicht sollte man die drei Bände weniger unter dem Aspekt "Krimi", lesen. Sie geben einen tiefen Einblick in die mafiösen und fundamentalistischen Verhältnisse dieses Landes während der bürgerkriegsähnlichen Zustände der Neunziger. Sprachlich übrigens hervorragend!

Diese Rezension fanden 3 von 7 Kunden hilfreich:
2 von 5 Sternen kein Krimi

Eigentlich kein Krimi, sondern eben der letzte Teil einer (sehr gut geschriebenen) Trilogie von Erzählungen mit dem Thema des Algerien-Konfliktes.

Fazit: Tolle Sprache, aber nichts für Leser, die nicht schon die ersten beiden Teile kennen und ebenso gar nichts für echte "Krimi"-Freunde.

Herbst der Chimären

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