Binder, Hannes

Die Schwarzen Brüder

Die Schwarzen Brüder
  • Verlag: Sauerländer
  • Erscheinungsdatum: 2002-09-24
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 144
  • ISBN: 3794149009
  • EAN: 9783794149001
  • Amazon.de Verkaufsrang: 301.150
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Beschreibung von buecher.de

Eher Sklaven als Arbeiter sind die Knaben, welche im Mailand des 19.Jh. als 'spazzacamino' in die Kamine steigen müssen. Giorgios Vater ahnt, was seinen Sohn erwartet, doch die Armut lässt ihm keine Wahl. Der Junge muss dahin. In Locarno sammelt der Mann mit der Narbe die Buben aus den Tessiner Bergdörfern und bringt sie in die Großstadt. Neben Not und Krankheit drohen jetzt auch Bandenkriege unter Gleichaltrigen und Hetzjagden der Polizei. Doch Giorgio erlebt auch Freundschaft und die Solidarität im Geheimbund der Schwarzen Brüder. Lisa Tetzner ging von einer alten Zeitungsnotiz aus und begann zu recherchieren. Hannes Binder folgt diesem Ansatz, indem er in jahrelanger Arbeit im Tessin und in Mailand vor Ort skizzierte und für die Figuren historisches Material nutzte. Das Resultat ist kein illustrierter Klassiker, sondern ein in Bildern erzählter Roman. »Ein aufregender Comic-Roman in dunklen, holzschnittartigen Bildern, der die Jugendsaga von 1941 wieder aufleben lässt.« Die ZEIT »Der Jugendbuch-Klassiker als faszinierende Bildererzählung.« Focus »... mit Zeichnungen von eindrucksvoller Schönheit.« Süddeutsche Zeitung. Auszeichnungen: Eselsohr , 'Fällt aus dem Rahmen' (10/2002) Liste der besten 7 Bücher für junge Leser von DeutschlandRadio und Focus (12/2002) Katholischer Kinder- und Jugendbuchpreis , Empfehlungsliste (03/2003) Luchs des Monats (ZEIT und Radio Bremen) (12/2002) Troisdorfer Bilderbuchpreis (02/2004) 'Schnapp dir ein Buch!'-Schülerhitliste , Platz 4, 5.-7. Klasse (05/2004) Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik , Illustrationspreis, Empfehlungsliste (2004) Heinrich-Wolfgast-Preis. Jugendliteratur zur Arbeitswelt , Auswahlliste 2005 (2005)

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Dr. Mehrens fanden 1 von 2 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Oliver Twist auf Italienisch

Im Grenzgebiet zwischen dem Schweizer Kanton Tessin und Norditalien spielt der dramatische Jugendroman von Lisa Tetzner und Kurt Kläber, von dem auch eine liebevoll aufgemachte Bildroman-Variante existiert, auf die sich diese Rezension bezieht. Mit den expressionistisch anmutenden Zeichnungen des Schweizer Künstlers Hannes Binder und zusammenfassenden Textpassagen wurde der Roman als höchst unkonventionelles Bilderbuch neu interpretiert.

Die Geschichte selbst liest sich wie eine italienische Variante der großen Dickens-Romane mit jugendlichen Helden. Auch Erinnerungen an S. Gottas "Il piccolo alpino" ("Mino") werden wach. Mit düsterem Realismus schildert das Buch die Geschichte des kleinen Giorgio, der unter ärmlichen Bedingungen in einem kleinen Bergdorf im Tessin aufgewachsen ist und den sein Vater eines Tages aufgrund einer materiellen Notlage einem unheimlichen narbengesichtigen Mann anvertraut, der Kinder aus armen Gegenden für Schornsteinfeger-Hilfsdienste in Mailand rekrutiert und dafür Provisionen einstreicht. Während der abenteuerlichen Reise von Locarno nach Mailand erleidet die Gruppe Jugendlicher auf dem Lago Maggiore Schiffbruch. Giorgio und sein Freund Alfredo können sich retten und retten dabei sogar dem Narbengesicht das Leben. Der dankt es ihnen schlecht und schlägt sich mit ihnen weiter bis Mailand durch, wo Giorgio an den feisten Schornsteinfeger Rossi verkauft wird, dessen Frau und Sohn zu den hassenswertesten Kreaturen der Jugendliteratur gehören dürften. Einzig die todkranke Angeletta, Tochter des Hauses und, wie ihr Name verheißt, in der Tat ein rettender Engel, ist Giorgio freundlich gesinnt. Sie hilft ihm aus der Klemme, als ihr garstiger Bruder Giorgio verleumdet. Ihre Mutter hingegen lässt Giorgio darben, sperrt ihn ein und verprügelt ihn regelmäßig. Am Ende ist der Junge halb verhungert. Als es bei einem schwierigen Einsatz im Kamin einer begüterten Familie zu einem Unfall kommt (die Aufgabe der Jungen ist, in den Kaminschacht zu steigen), tritt der mildtätige Arzt Dr. Casella in das Leben des Jungen und animiert Giorgio, der inzwischen zum Vizechef der Jugendbande der "Schwarzen Brüder" ernannt wurde, zur Flucht. Seinen Kampfgefährten Alfredo, der die Strapazen des gefährlichen Kaminkehrerhilfsdienstes nicht überlebt hat, muss Giorgio zurücklassen, als ihm am Ende mit drei anderen Schwarzen Brüdern die abenteuerliche Flucht nach Lugano gelingt, wo Casella eine Villa besitzt.

Einziger Schwachpunkt des Werks ist das etwas verhuschte Ende, das dafür allerdings das erwartete (und erhoffte) Klischee der glücklichen Heimkehr vermeidet. Angemerkt sei ferner, dass das anspruchsvoll gestaltete Buch sich aufgrund der schwermütig-düsteren Illustrationen für Kinder unter zehn Jahren nicht eignet.

3 von 5 Sternen Tolle Bilder - Schwacher Text

Das Buch ist eine Mischung aus Comic und Roman: Oft illustrieren die recht dunkel gehaltenen, aber fein gezeichneten Bilder den Text, oft erzählen sie aber auch selbst die Handlung (der Origninaltext von 1941 ist hier stark gekürzt).

Während die Bilder, insbesondere die Hell-Dunkel-Kontraste durchaus ansprechend sind, zeigen der Text und die Handlung deutliche Schwächen: die Sprache ist sehr einfach gehalten (aneinander gereihte Hauptsätze, einfache Wortwahl), die Figuren, vor allem zum Ende hin, märchenhaft angelegt: Als Retter treten auf die unendlich gute Angelina (der Name spricht bereits Bände) und der wohltätige Dr. Casella.

Die titelgebenden Schwarzen Brüder treten erst relativ spät auf und bleiben eher blass: Nur in Ansätzen erfährt man ihre gegenseitige Unterstützung und Solidarität.

Ein gut Teil der inhaltlichen Schwächen ergibt sich allerdings auch daraus, dass der Text die stark gekürzte Version der gleichnamigen Vorlage ist.

Was das Buch leistet, ist ein durchaus bewegender Einblick in einen eher unbekannten Aspekt der Wirtschaftsgeschichte, nämlich Kinderarbeit, hier am Beispiel eines Kaminfegers in Mailand. Was das Buch nicht leistet, ist eine wirklich plausible Handlung.

Für junge Leser ist das Buch wegen der Sprache und der idealisierten Handlung sicher durchaus geeignet, für ältere Leser eher wegen der Bilder.

Die Schwarzen Brüder



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