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Neun (von fast 100.000) ehemaligen Mitarbeitern des ehemals omnipräsenten Ministeriums für Staatssicherheit berichten vom Alltag in der wichtigsten Behörde der DDR. Die Ex-Führungskräfte - Generäle und hohe Offiziere - geben einen beklemmenden Einblick in Techniken und die tägliche Routine der Geheimdienstarbeit, enthüllen bei Verhören angewandte Psycho-Tricks und geben Einsichten in die prekäre 'Führung inoffizieller Mitarbeiter'. Dabei sind sich die wackeren Genossen keiner moralischen Schuld bewusst... Den Regisseuren Christian Klemke und Jan N. Lorenzen geht es in ihrer bemerkenswerten Dokumentation nicht um eine detaillierte Spurensuche oder sensationelle Enthüllungen. Sie geben vielmehr einen Einblick in das indoktrinierte Menschenbild, Selbstverständnis und die Rechtfertigungsstrategien der Mitarbeiter. Dabei nutzen sie bei der Montage die selbstgerechten Auskünfte der Täter geschickt dazu, die menschenverachtenden Techniken der Überwachungsbehörde zu entlarven. Politikinteressierte sollten zugreifen.
Quelle/Copyright: Entertainment Media Verlag
Interessante Doku auf DVDInhalt
"Das Ministerium für Staatssicherheit - Alltag einer Behörde" Nichts war in der DDR so geheim, wie die Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Bedrohung, die vom MfS ausging, war unbestimmt und unkalkulierbar. Selbst Betroffene ahnten oft nicht, wie weit der Arm des MfS reichte. Für fast 100.000 hauptamtliche Mitarbeiter war das MfS jedoch täglicher Arbeitsplatz. Neun von ihnen, zuletzt Generäle oder hohe Offiziere, traten nun vor die Kamera und erzählten vom Innenleben des MfS-Apparates, vom Lebensgefühl seiner Mitarbeiter und von den Techniken der zur täglichen Routine gewordenen Geheimdienstarbeit. Wie verlief eine Verhaftung, wie ein Verhör, wie die Anwerbung eines Inoffiziellen Mitarbeiters, und was waren die Praktiken in der Untersuchungshaft?"
Bildbewertung:
Wir schreiben das Jahr 2009 und in den Medien und deren Berichterstattung findet ein historisch geschichtliches Ereignis besondere Beachtung. Ganze zwanzig Jahre sind vergangen, seit dem Mauerfall und der friedlichen Revolution in der damaligen DDR. In vielfältigster Form und Art wird und wurde seit dem Ende der DDR über diesen Staat mit seinen politischen und privaten Wesenszügen und den Menschen in ihm berichtet.
Um einen selbst heute noch nicht in gänzlich allen Bereichen offengelegten und daher auch immer noch geheimnisumwitterten und unheimlichen Teil der Geschichte der DDR, geht es in dieser Dokumentation. In der DDR war wohl nichts so perfektioniert und bis in das kleinste Detail hinein miteinander verstrickt wie das krakenähnliche System der Bespitzelung und Überwachung der eigenen Bürger in seiner fast uneingeschränkten Willkür und menschenverachtenden Art. Verantwortlich für diese, wie es im DDR-Phrasen-Deutsch hieß "dem Wohle des real existierenden Sozialismus dienenden Maßnahmen" war das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), die im Volksmund als "Stasi" oder auch "Die Firma" bezeichnete Organisation, offiziell hieß.
Die Salzgeber & Co. Medien GmbH, seit mehr als 25 Jahren bekannt für die Veröffentlichung und Förderung anspruchsvoller Dokumentation, die sich auch abseits des Mainstreams um ungewöhnliche und wichtige Themen bemühen, bringt mit "Das Ministerium für Staatssicherheit - Alltag einer Behörde" eine beklemmende und tief bewegende, aufwühlende Dokumentation, zuzüglich informativer Extras, zur Veröffentlichung auf DVD. Dabei wählen die beiden Filmemacher Christoph Klemke und Jan N. Lorenzen in dieser im Jahr 2002, in einer Ko-Produktion der e-Motion Picture Baden-Baden mit dem MDR und in Zusammenarbeit mit arte entstandenen Dokumentation, einen bewusst von ähnlich gelagerten Dokumentationen abweichenden dramaturgischen und konzeptionellen Stil. Legen andere Dokumentationen ihr Hauptaugenmerk auf Aussagen von Zeitzeugen und Opfern, welche die Auswirkungen der Stasi als Repressionsinstrument der DDR-Macht erfahren mussten, so kommen hier die eigentlichen Täter, in Person von Generälen und hohen Offizieren, die bis zuletzt ihre Tätigkeit innerhalb des MfS-Apparates inne hatten, zu Wort.
Sie erzählen über ihr Leben als Mitarbeiter in einem der bestorganisiertesten Geheimdienste der Welt. So erfährt der Zuschauer brisante und zugleich erschreckende Details über die Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit, deren Innenleben derart komplex und umfassend war, das nicht einmal selbst Betroffene erahnen konnten, wie weit der Arm des MfS reichte. Selbst so viele Jahre nach dem Ende der DDR und damit auch dem Aus für den gewaltig aufgeblähten MfS-Apparat mit seinen allein fast 100.000 hauptamtlichen Mitarbeitern, läuft es einem schaudernd kalt den Rücken hinab, wenn die ehemaligen MfS-Größen über die Arbeit und die Methoden der Arbeit des MfS berichten. Erzählen über das Anwerben von inoffiziellen Mitarbeitern, über Untersuchungshaft, Verhören und Verhaftungen. Berichten, wie sich selbst Eheleute untereinander denunzierten und bespitzelten.
Geradezu spürbar schwingen in ihren Reden noch immer der Stolz und der Glaube an sich selbst, als damalige "Elite des Sozialismus" mit.Ohne ein Zeichen der Regung von Mitleid oder gar Bedauern gegenüber ihren Opfern, nicht einmal ein Wort der Rechtfertigung, berichten sie kalt und punktgenau über die Fakten ihrer Arbeit. Erzählen stolz von ihrem Dienst und persönlichen Verhältnissen zu Erich Mielke, einem Mann der 1931 am Mord zweier Polizisten beteiligt gewesen war und über 32 Jahre lang als Minister für Staatssicherheit ihr einziger und unmittelbarer Befehlshaber war, der in privaten Gesprächen gerne über die Feinde des Sozialismus sinnierte und dann gerne mal in Hasstiraden und Ausdrücke wie "kurzen Prozess machen" und "einige erschießen lassen" verfiel. Die Stasi entwickelte im Laufe ihrer Geschichte eine solche Eigendynamik, dass selbst die eigenen Mitarbeiter, bis hoch in die oberste Regierungsebene bespitzelt wurden. Selbst der Staatschef Erich Honecker wusste nichts davon, dass sämtliche, egal ob private oder dienstliche Telefonate von ihm, abgehört und aufgezeichnet wurden.
Eine allumfassende Aussage zur Bildqualität zu machen, ist bei den verschiedensten in dieser Produktion zum Einsatz kommender Materialien nicht möglich. Neben zum Teil mehrere Jahrzehnte zurückliegender Filmaufnahmen aus den Archiven der Staatssicherheit, in Form von Schulungsfilmen und Aufnahmen von Überwachungskameras, größtenteils noch in schwarz - weiß, kommen ebenfalls alte Ton- und Bilddokumente sowie neu erstellte Filmaufnahmen mit Gesprächspartnern zum Einsatz.
Es ist gelungen aus diesen vielen Elementen ein stimmiges Ganzes zu machen. So kann das Bild dieser 90 Minuten dauernden Produktion im Bildformat 4:3 (1.33:1), aus dieser Sichtweise gesehen, als überzeugend und qualitativ gelungen betrachtet werden.
Die übersichtliche Gestaltung der DVD-Menüs mit Animationen und Soundeffekten, ermöglicht ein problemloses und einfaches aufrufen der angebotenen Möglichkeiten von der DVD dieser Veröffentlichung. Neben dem Filmstart und einer Kapitelauswahl finden sich noch einige Extras auf der DVD. Neben in Form von Texttafeln abrufbaren Informationen zu den Biografien der Regisseure, finden sich noch ein ca. 40 Minuten laufendes Interview mit Wolfgang Schwanitz (1986 bis 1989 stellvertretender Minister für Staatssicherheit der DDR und von 1989 bis 1990 Leiter des Amtes für Nationale Sicherheit der DDR) und der Original Trailer, nebst Informationen zu weiteren Veröffentlichung der "Salzgeber & Co. Medien GmbH" auf der DVD.
Tonbewertung:
Ein stets sehr gut verständlicher Ton im Dolby Digital 2.0 kommt von der DVD dieser Veröffentlichung zu Gehör. Die beiden Sprecher Hubertus Bengsch (Synchronstimme u.a. von Richard Gere und Nicolas Cage) und Hans Mittermüller, prägen sehr gekonnt den Stil dieser Dokumentation mit. Für mich sehr eindrucksvoll und gelungen die bei dieser Dokumentation zum Einsatz kommende Musik von Klaus Burger. Seine Musik und Klangelemente vermögen es das bedrohliche und unheimliche welches dem Thema dieser Dokumentation zu Grunde liegt, beeindruckend zu unterstreichen und in seiner darstellenden Aussage zu unterstützen.
Gesamturteil:
Aus einer ungewöhnlichen Perspektive und Betrachtungsweise der Thematik heraus, entlarvt diese Dokumentation packend, bedrückend und in einer den Zuschauer fordernden Art, die Wahrheit über das Ministerium für Staatssicherheit, als eine Institution eines erschreckend menschenverachtenden omnipräsenten Überwachungsstaats. Eine sehr gelungene Dokumentation mit der die "Salzgeber & Co. Medien GmbH" ihrem selbst gestellten hohen Anspruch an die Veröffentlichung anspruchsvoller Dokumentationen, die sich auch abseits des Mainstreams um ungewöhnliche und wichtige Themen bemühen, gerecht wird. Sehr zu empfehlen.
Autor: Torsten
www.Fernseh-Serien-Auf-DVD.de
Gelungene DokumentationEine wirklich sehr spannende und informative Dokumentation über das MfS.
Für jeden Interessierten ein Muss. Die Doku zeigt das teilweise immer noch alte Denken der ehemaligen Angehörigen des MfS.
Als Extra ist noch ein ca. 30min. Interview mit einem MfS-General, das auch den Alltag der Behörde widerspiegelt.
Zur Aufarbeitung der Vergangenheit vorallem für BetroffeneIn diesem Dokumentarfilm sprechen hochrangige Mitarbeiter des MfS über ihre Arbeit im Ministerim. Für mich war es sehr wichtig zu sehen, wie sehr diese Menschen von ihrer Arbeit und ihrem System überzeugt waren und es immer noch sind. Die Interviews zeigen, dass niemand von ihnen heute davon überzeugt ist, dass sie sich geirrt haben. Es lässt mich das System und auch die Dauer des Systems verstehen.
Die Industrialisierung der Lüge.In der Zeit des kalten Krieges, in einem Land, deren Bürger lieber fliehen, als verweilen, hatte eine Behörde den Auftrag für Staatsicherheit, sollte also die Sicherheit des Staates gewährleisten. Umgeben von inneren und äußeren Feinden infiltrierte diese Behörde seine komplette Bevölkerung und bespitzelte alles und jedes, was sich so ergab. Die zu Wort kommenden Führungskräfte geben sachlich und politisch überzeugt Auskunft über ihre Tätigkeiten und Aktionen. Dabei ist die Lüge zu einem gängigen, alltäglichen Handwerkszeug geworden.
Die eingesetzten Mittel waren selten offen oder gar gewaltsamer Natur. Filigran spann das Ministerium sein Netz in einer Bevölkerung, die bald keinem mehr trauen konnte. Was zu Tage kommt, übertrifft vergleichbare Science Fiktion um Längen und wirkt um so beklemmender, da es vierzig Jahre Geschichte sind.
Der Dokumentarfilm zeigt die Aussagen von neun Führungskräften aus dem Ministerium für Staatssicherheit des untergegangenen Staates DDR. Sie berichten glaubhaft von ihrer Arbeitsweise im Alltag. Was fehlt, sind Fragen, ob sie selber einmal Gegenstand einer Ermittlung waren, und wie sie sich dabei fühlten.
Drastische EhrlichkeitHoch -und höchstrangige Offiziere des MfS der ehem. DDR geben in fast schockierender Offenheit und Selbstverständlichkeit Details zum MfS an sich, zur Arbeitsweise der Behörde und zu ihrer eigenen persönlichen Sicht der Dinge wieder. Der Doku-Film mischt perfekt die persönlichen Ansichten der führenden Offiziere durch Interviews mit den Sachdokumentationsteilen über Vorgangsweisen, Methoden und perfektionierten Standardabläufen im MfS.
Neben den Sachinformationen über die Funktionsweise eines perfiden Unterdrückungsinstruments gibt der Film die Ansicht der "Täter" wieder. Die Filmemacher beabsichtigen damit, dass sich die Interviewten durch ihre Aussagen selber richten. Es stimmt schon, dass diesen Offizieren jegliches Unrechtsbewustsein fehlt.
Was jedoch in einer Endbewertung abgeht ist die Klärung der Frage, ob diese - wie viele andere auch - Personen aus tiefer innerer Überzeugung an das System "DDR" gehandelt haben, (also im guten Glauben), oder aus Oportunismus zum System. Wer Einblick in die ministerialbürokratische Arbeitsweise heutiger westeuropäisch-demokratischer Behördenapparate hat, wird viele Parallelen finden in hirarchischen Strukturen, Aktenläufen, Gehorsamsmustern (aber natürlich nicht der Tatbestände, die wir heute zu Recht verurteilen und aus heutiger Nachschau als strafwürdig betrachten).
Somit hin ist dieser Film aus dreierlei Gründen absolut sehenswert für Menschen der betroffenen Generation ais auch für Nachgeborene:
1.: Große Fülle an dokumentarischen Fakten über die Methoden der Unterdrückung und Bespitzelung der Bevölkerung der ehem. DDR.
2.: Eine Fülle von zum Teil schockierend offenen Outings von Personen, die wir heute zu Recht als Täter bezeichnen.
3.: Diskussionsgrundlage zu Fragen des Kadavergehorsams, des Überzeugungstätertums, der Treue zum Eid (vgl. Widerstand im 3. Reich) und zur Vergangenheitsbewältigung.