Scherer, Martin

Der Gentleman

Der Gentleman
  • Verlag: Dtv
  • Erscheinungsdatum: 2003-09
  • Bindung: Taschenbuch
  • Seitenzahl: 137
  • ISBN: 3423206497
  • EAN: 9783423206495
  • Amazon.de Verkaufsrang: 97.533
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Beschreibung von buecher.de

Auf keinen Fall ein Relikt aus vergangenen Zeiten, meint Martin Scherer und legt dies anhand von vielen Beispielen aus Literatur und Film sowie konkreten Anregungen und Tipps dar. Amüsant und anschaulich beschreibt er eine Haltung, in der sich Selbstbeherrschung und soziale Kultur aufs Angenehmste verdichten. Zugleich ist dieser Band Plädoyer für eine Lebenskunst, die vielleicht noch nie so plausibel war wie heute.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von soya13 fanden 32 von 35 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Ein sehr schönes Buch

Scherers Buch trennen Welten vom anderen aktuellen Buch zum Thema, Asfa Wossen-Asserate's Traktat „Manieren". Bei Wossen-Asserate wird man den Anfangsverdacht, dass sein Buch antiquierte Inhalte behandelt, nie ganz los, was mit daran liegt, dass seine Wahrnehmung des Zeitgeschehens irgendwo in den frühen 70er Jahren stehen bleibt. Scherer hingegen springt nicht nur leichtfüßig durch Jahrhunderte der Kulturgeschichte, sondern er schafft es auch immer wieder mühelos, Bezüge zur gesellschaftlichen Aktualität herzustellen. Er ist bei aller Belesenheit ein Mensch von heute. Sein Gentleman ist kein nostalgisches Relikt, sondern zeitlos und damit aktuell. Noch wichtiger ist folgender Unterschied: „Manieren" steht in der Tradition zahlloser Benimm-Fibeln, die Manieren als Techniken vermitteln, die dann mit pekuniären oder sonstigen Absichten verbunden eingesetzt werden können. Demgegenüber geht es Scherer vielmehr um die hinter dem Verhalten stehende Haltung. Während z.B. die Höflichkeit eine Haltung ist, sind Manieren bestenfalls ein Ausdruck dieser Haltung, schlechtestenfalls jedoch hohle Form. Was den Gentleman ausmacht ist nicht die Form, sondern die Haltung. Scherer charakterisiert diese Haltung und die daraus resultierenden Eigenschaften. Und er zeigt auf, weshalb der so skizzierte Gentleman gerade in der heutigen Zeit eine adäquates und attraktives Leitbild darstellt, was schon im Untertitel „Plädoyer für eine Lebenskunst" anklingt.Ein sehr schönes Buch, eines, das bezaubert, inspiriert und zum Wiederlesen und Weiterlesen (viele Hinweise auf weiterführende Literatur) anregt.

Diese Rezension von Helga König fanden 27 von 34 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Der Gentleman

Ein brillant verfasstes Plädoyer für bessere Umgangsformen und in diesem Zusammenhang auch eine fundierte Fürsprache für wirkliches Bemühen um Understatement und Contenance sowie sicheres Stilempfinden : somit eine erfreuliche Aufwertung des bereits etwas antiquiert anmutenden Begriffs des " Gentleman "!

Der Autor stellt zunächst differenzierte Betrachtungen über Höflichkeit an und verdeutlicht, weshalb diese Verhaltensform für den Umgang untereinander so wichtig ist, nicht zuletzt, weil sie dem Gegenüber den nötigen Respekt erweist und damit das Zusammenleben einfach netter gestaltet.

Von Ästhetik ist die Rede und hier grenzt Scherer das Verhalten des " Gentleman " scharf ab von dem des " Dandy". Es geht um " Bella Figura " nicht aber um " Inszenierungsklamauk "! Ob nun Oscar Wilde, Beau Brummell oder schrille Snobs der heutigen Zeit, sie alle können mit dem Begriff " Gentleman " nicht in Verbindung gebracht werden, weil ihr überzogener Habitus der auf Balance bedachten Grundhaltung eines " Gentleman " ganz offenkundig widerspricht.

Bereits Konfuzius, Aristoteles, Platon, Seneca und Marc Aurel plädierten für gefälliges, großherziges Verhalten und Wohlgeratenheit, lässt der Autor den Leser wissen.

Casanova brachte neben aller Höflichkeit, noch Charme und Weltläufigkeit mit ins Spiel, aber auch Esprit, der den geistvollen Umgang untereinander so ungemein kurzweilig zu gestalten vermag.

Erich Kästner beschreibt in seinem Roman " Fabian" , wie Scherer verdeutlicht , ebenfalls einen Menschen der feineren Art und weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass zuviel " ästhestische Distanz" durchaus des " Ehrgeiz Tod " bedeuten kann.

Im Film war es Cary Grant, der " die beste Besetzung für einen Gentleman- Darsteller " verkörperte. Ein " skeptischer Feingeist mit Hang zur Güte ", ein Menschenkenner mit leicht ironischem Gesichtsausdruck, ein Vertreter der Zivilisation, der frei von Verbissenheit durch zutiefst kulturelles Verhalten alle, die guten Willens sind , zur Nachahmung auffordert!

In einer Zeit, in der der Umgang untereinander immer rüder wird und die Wolfsgesellschaft die Errungenschaften der Zivilisation beiseite zu drängen droht, ist es lohnenswert, sich mit verstaubten Begriffen, wie dem des "Gentleman" neu zu befassen und die dem Begriff innewohnende Lebenssicht in sein persönliches Verhalten einzubauen, völlig unabhängig vom Geschlecht natürlich!

Martin Scherer schreibt sehr feinsinnig ! Sein vorliegender Text bereitet allein schon deshalb großes Lesevergnügen ! Scherer lädt ein, sich dem Kreis der kulturell Verwurzelten anzuschließen und auf diese Weise dem Irrgarten der "coolen" Gestik den Rücken zu kehren. Man sollte seine Einladung annehmen!

Diese Rezension von Anna Teichert fanden 17 von 19 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Für alle Lebenslagen

Dieses Buch ist für mich in den vergangenen Wochen wie eine Art "Brevier" gewesen. Es verlockt zu einem Lebensstil voller Gleichmut, Aufmerksamkeit und Lebensgenuß. Dabei wirkt es nicht hastig, nicht wie aufgedrängte Ratgeberliteratur. Man braucht Zeit zur wiederholten Lektüre, freut sich an kleinen Ironien und liebevollen Beschreibungen. Kurz: Ein Buch für manche schwierigen ebenso wie heiteren Lebenslagen voller Anregungen und Verführungen.

Diese Rezension von saschaamahl fanden 13 von 14 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Ein schrecklich lesenswertes Buch!

Das unpassendste an diesem wunderbaren Buch ist die Bezeichnung "Plädoyer". Im Allgemeinen versteht man unter einem Plädoyer eine abschließende, zusammenfassende Rede. Meist die eines Advokats vor Gericht. Martin Scherer tritt zwar tatsächlich als Anwalt für die Lebenskunst des Gentleman auf, doch sein Buch ist eher zu vergleichen mit der noch etwas holprigen Beweisaufnahme des Prozesses - keinesfalls jedoch als abgerundet und zusammenfassend.Wie dem auch sei - wer sich schon einmal gefragt hat, was einen echten Gentleman eigentlich ausmacht, für den wird dieses Buch eine Bereicherung sein! Es liefert unendlich viele Gedankenanregungen und Gesprächsstoff. Es hilft, die eigene Meinung gründlicher zu überdenken und zu formulieren, ohne dem Leser dabei etwas aufzudrängen. Der Autor hat sich umfangreich nach Beispielen für den Typus Gentleman umgesehen und bietet eine grobe Analyse seiner Haupteigenschaften Höflichkeit, Zurückhaltung und Charme. Nicht alle Beispiele sind "abschließend" gründlich recherchiert worden, denn sonst wäre es nicht zu dem Irrtum gekommen, den griechischen Philosophen Epikur als Exempel für Gentleman zu zitieren (Seite 86). Natürlich übte sich jener Hellene im Maßhalten - aber lediglich aus egozentrischen Beweggründen, völlig frei von Tugend und Moral. Die wenigsten werden sich einen Gentleman als Egozentriker vorstellen können. Eher doch als das Gegenteil. Und genau darum geht es unter anderem auf Seite 95, auf der Herbert Grönemeyer mit seinem Lied "Mensch" erwähnt wird. Grönemeyer singt: "Er wärmt, wenn er erzählt". Ein Gentleman verströmt zwischenmenschliche Wärme. Das ist seine größte Stärke. Diese Stärke deutlich zu machen ist dem Autor hervorragend gelungen!Und das, obwohl der sprachliche Ausdruck des Buches selbst jene Wärme leider vermissen läßt. Es scheint sogar etwas arrogant mit zu vielen Fremdwörtern und komlizierten Schachtelsätzen prahlen zu wollen. Ungewöhnlich und angenehm überraschend wird "Der Gentleman" durch die deutliche Feststellung, dass nicht ein bestimmter Kleidungsstil und die richtigen Accessoires einen Gentleman ausmachen, sondern dass viel tiefere Qualitäten ausschlaggebend sind. Insgeheim weiss das eigentlich jeder, aber die meisten von uns haben dieses Buch nötig, um mal wieder deutlich darauf aufmerksam gemacht zu werden. In einer materialistischen Welt wie der unseren vergisst und übersieht man menschliche Werte viel zu oft. Deswegen, trotz aller Kritik: Dieses Buch ist schrecklich lesenswert!

Diese Rezension von Falk G. Schulte fanden 12 von 14 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Eine weitere "Benimm-Fibel"? Nein!

Was erwartet der Leser von einem Buch mit dem Titel "Der Gentleman"?

Erwartet er eine weitere „Benimm-Fibel", wie sie derzeit in Mode sind, wird er sicher enttäuscht werden. Martin Scherer gibt in seinem „Plädoyer für eine Lebenskunst" - so der Untertitel - nämlich keine Tipps für das stilsichere Auftreten in der Gesellschaft. Vielmehr wird man spätestens nach der Lektüre des Buchs erkennen, dass dies ein wahrer Gentleman überhaupt nicht nötig hat.

Für Scherer geht der Begriff „Gentleman" viel tiefer: es wird eine Geisteshaltung charakterisiert, aus der sich „gutes Benehmen" wie von selbst ergibt. Der Gentleman wird zu einer Figur, die sich durch Höflichkeit, Understatement, Contenance und Charme, aber auch Ironie - so auch die Überschriften einiger Kapitel - in einer Welt auszeichnet, in der Hektik und Oberflächlichkeit vorherrschen. Er wird somit zu einem Ideal, auch indem er sich von jeder Ideologie innerlich distanziert.

Der Autor zieht für seine Beschreibung zahlreiche Beispiele aus Geschichte, Literatur und Film heran, so z. B. Casanova, Sir Peter Ustinov oder Figuren aus den Werken Erich Kästners. Leider wird - nicht nur dadurch - das Buch an manchen Stellen sehr langatmig und anstrengend, während es überwiegend angenehm und interessant zu lesen ist. Einige Passagen lassen auch etwas an Klarheit vermissen; es wird nicht immer deutlich, welche der dargestellten Charakterzüge nun nach Meinung des Autors einen Gentleman beschreiben und welche nicht.

Trotzdem ist das Buch eine Hilfe für jeden, der sich mit dieser nicht im Mindesten anachronistischen Lebenskunst identifizieren kann und möchte und noch ein paar tiefgehende Ratschläge sucht.




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