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Anna Seghers war in ihrem Heimatland eine Außenseiterin, als sie 1947 aus dem Exil in Mexiko zurückkehrte. Und sie blieb es bis zu ihrem Tode: im Osten wie im Westen. Sie wollte zu einem Neuanfang in Deutschland beitragen, doch die zunehmende Frontenbildung in Politik und Kultur enttäuschte und desorientierte sie stärker als bisher angenommen.
Sie, die Frau mit den Wurzeln am Rhein, Kindern in Paris, dem Mann in Mexiko, Freunden und Verwandten in aller Welt, hatte Verbindung, nicht Trennung erwartet. Hoffnung und Pflichtgefühl banden sie gleichermaßen an das innerlich wie äußerlich zerstörte Land. Ihr Engagement für den neuen gesellschaftlichen Entwurf, den sie von der DDR erwartete, stand bei ihr nie zur Debatte. Doch ihr gewöhnlich nüchterner Blick und ihre stets präsente Skepsis ließen sie tiefer sehen und mehr fürchten, als sie vordergründig sagen konnte und wollte. Sie setzte auf Geduld und Zeit. So war und blieb sie eine wichtige Stimme der Mäßigung gegen Reglementierung von Literatur und Kunst, oft zu leise und um Vermittlung bemüht. Aber sie hoffte darauf, daß ihre literarischen Texte sprechen würden, wo sie schwieg.
Ob mit Recht und für welchen Preis, ist eine der wichtigsten und schwierigsten Fragen, die sich Christiane Zehl Romero in diesem 2. Band ihrer Seghers-Biographie stellt. Sie stützt sich auf neues, noch nicht ausgewertetes Material wie Briefe, unveröffentlichte Texte, Arbeitskalender, Kader- und Stasiakten. Ihre behutsam und akribisch recherchierte Analyse bietet neue, überraschende Einblicke in die faszinierende zweite Lebenshälfte der Anna Seghers.
Sehr tiefgründig und ausführlich!Ich habe mir dieses Buch im Zuge meiner Facharbeit über Anna SeghersŽ"Transit" bestellt. Dazu benötigte ich eben auch viel Hintergrundinformationen über Anna Seghers besonders im Exil, da das Buch ebenfalls im französischen Exil spielt. Da sich dieses Buch auf diesen Lebensabschnitt konzentriert ist es für mich sehr hilfreich. Alle Informationen sind sehr ausführlich geschildert und bis ins kleinste Detail recherchiert. Ich habe den eindruck bekommen, ich sei eine Freundin der Autorin und bekomme ihre Lebensgeschichte erzählt, es ist wirklich sehr tiefgründig und genau. Weitere Biographien waren für mich danach uninteressant, denn hier habe ich alles Wissenswerte erfahren.
Kompakt und kompetentAuf nur knapp 160 Seiten entwirft Romero ein tiefgründiges, wohlwollend
differenziertes Bild dieser Autorin, deren Erzählband "Sonderbare
Begegnungen" mich so faszinierte, dass ich mehr von ihr und über sie lesen
wollte. Der Schwerpunkt liegt auf Seghers Zeit im Exil, aber auch noch ihre
später wachsende Verzweiflung über das DDR-Regime wird gut greifbar
gemacht. Romero beherrscht offensichtlich ihr Handwerk und kann sich auch
literarisch fundiert zu Seghers Schlüsselromanen äußern. Eindeutig
empfehlenswert, auch für Literaturstudenten.