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Der LehrerschreckMelvin Burgess ist der Autor, der - zumindest in England - am heftigsten umstritten ist. Er schreibt Literatur für junge Erwachsene, die selbst von geduldigen Pädagogen und von redlich bemühten Jugend-Buch-Autoren, wie wir sie bislang kennen, nicht mehr erreicht werden. Seine Bücher sind extra mit einem „parental guide" versehen, einem vorschriftsmäßigen Aufkleber, der klar macht, dass es sich um starken Tobak handelt, so als hätte ein Jugendlicher von heute noch nie etwas von Eminen gehört, als wäre er noch nie an einer mit Graffiti besprühten Wand vorbei gelaufen - und wenn, dann nur, um ganz schnell wieder weg zu gucken. Aber so ist es in diesen ach-so-besorgten Zeiten, in denen ständig vor möglichen Risiken und Nebenwirkungen gewarnt wird; ja, in Australien habe ich sogar mal eine alte Lennon-CD mit neuer Warnung vor „explicit lyrics" gesehen (was auch immer damit gemeint sein könnte). Für die Scheinheiligkeit einer prüden Welt der political correctness ist das sowieso nichts. Das weiß man spätestens seit dem Buch ‚Junk' über Drogenabhängige, das Melvin Burgess schlagartig berühmt gemacht hat. Er hat Feinde, aber er hat auch das, was man „street credibility" nennt; er schreibt so, dass die Betroffenen das selber gerne lesen - und wenn es das einzige Buch ist, das sie jemals in die Hand nehmen. Die Heldin des neuesten Buches ist eine echte Schlampe, ein laszives Luder, eine „bitch" (wie nennt man das?), eine „Hundsfrau" eben, die auf jemanden stößt, der tatsächlich Menschen in Hunde verwandeln kann. So wird auch der Leser gleich mit verwandelt und erlebt das Hundeleben des Menschen aus der Sicht einer Hündin mit all der sabbernden Sinnlichkeit und dem lässigen Lust-Leben, das damit verbunden ist. Hier im vermeintlich falschen Leben fühlt sich Sandra richtig - sie, die endlich „schnell und glücklich" leben will. Hund oder Mensch? Das ist hier die Frage? Und die Antwort? Es ist auf jeden Fall gute Literatur.
Nichts für die OmaDas ist 'Die Verwandlung' für unser Jahrtausend, ein ziemlich ordinäres, aber auch lustiges und echtes Buch in dem Sinn, dass die Gefühle der Hauptperson sowohl als junges Mädchen als auch als Hündin absolut glaubhaft sind. Gut gefallen hat mir, dass hier die weibliche Hauptperson einmal nicht in Gram und Seelenschmerz versinkt, sondern das Leben richtig genießt. Die Sache mit der Verwandlung ist übrigens gar nicht albern, Burgess macht das sehr plausibel ... wie bei Gregor Samsa eben. Zuviel über den Inhalt will ich nicht verraten, dann ist der Spaß weg.