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In Kambodscha hält die UNTAC nach dem Bürgerkrieg einen labilen Frieden aufrecht. Trotzdem sind in Phnom Penh Waffenhandel, Schmuggel und Raubüberfälle an der Tagesordnung, überall herrscht Korruption, ein Menschenleben ist nichts wert. Jede Nacht hört man Schüsse an illegalen Checkpoints. Hier soll Vincent Calvino einen Mann namens Hatch ausfindig machen, den Geschäftspartner eines Ganoven in Bangkok. Doch Calvino ist nicht der Einzige, der Hatch sucht.
Stunde null in Phnom Penh. Vincent Calvino erhält den Auftrag, in einem durch Prostitution, Gewalt und Betrügereien geprägten Milieu den Amerikaner Mike Hatch zu finden. Christopher G. Moore vermag die vibrierende und aufgeheizte Atmosphäre der kambodschanischen Hauptstadt nach Pol Pots Völkermord eindruckvoll zu dokumentieren. Kambodscha nach dem Bürgerkrieg. Die verfeindeten Parteien halten einen trügerischen Waffenstillstand. Pol Pots Rote Khmer, noch immer bis an die Zähne bewaffnet, und ihre kambodschanischen und vietnamesischen Kriegsgegner werden von einer Friedenstruppe der Vereinten Nationen auf Distanz gehalten, so gut es geht. Es gärt in dem Schmelztiegel, aus dem eine halbwegs funktionstüchtige Demokratie hervorgehen soll. Mord, Raub, Betrug und Prostitution bestimmen den Alltag Phnom Penhs. Ein jeder möchte seine recht- oder unrechtmäßig erworbenen Schäfchen rechtzeitig ins Trockene bringen. In dieser aufgeladenen Atmosphäre sucht Privatdetektiv Vincent Calvino im Auftrag des zwielichtigen Geschäftsmanns Patten nach dem Waffenhändler Mike Hatch. Er ist nicht der Einzige, wie er bald merkt. Calvino entkommt nur knapp einem Mordanschlag und hätte er nicht Freunde mit umfangreichen Vollmachten, würde er kaum überleben. Doch immer mehr kommt ihm zu Bewusstsein, dass er den Fährtensucher für andere spielt. Christopher G. Moore hat das schwierige Kunststück fertig gebracht, einen enervierenden hochspannenden Thriller zu schreiben, der zugleich als große Dokumentation eines vergessenen Krieges zu lesen ist. Ihm gelingt es, die verzweifelte Situation eines geschundenen Volkes überzeugend zu schildern. Harter Stoff, wenngleich alles andere als humorlos und ironiefrei -- jedenfalls uneingeschränkt empfehlenswert. --Ulrich Deurer
Ein echter Christoper G. MooreChristopher G. Moore im bekannten Stil: hautnah, real und doch Fiktion. Für jeden Kenner und Liebhaber Südostasiens, bzw. Thailands im besonderen, wärmstens zu empfehlen. Gerade der 'echte' Kenner wird sich möglicherweise in so mancher Statistenrolle wiederfinden. Diese geradezu genial verpakten Geschichten machen CGM einzigartig und stellen ihn auf eine Stufe mit Topautoren wie James Clavell. Bei welchen Autoren kann man sonst solch einfühlsam, zugleich entblössenden Realitätssinn erleben? Bisher hatte ich zwar nur das Vergnügen die Orginalausgabe zu lesen, die letzen beiden Übersetzungen deuten allerdings auf professionelle Arbeit hin.
Hard-boiled-KitschBei Christophers Moores Kriminalroman stößt schon bald unangenehm auf, daß hier ein erzählerisches Mißverhältnis herrscht zwischen der noch realen Gegenwartsproblematik des Völkermords in Kambodscha und dem relativ hilflosen Versuch des Autors, einer gesellschaftlichen Katastrophe mit einem Hard-Boiled-Krimi beizukommen. (Autoren wie Yasmina Khadra und seine Algerien-Romane bieten positive Gegenbeispiele.)
Moore bietet so nur Hard-boiled-Kitsch, wie man ihn selten so naiv antrifft. Mit nur klischeehaft wirkenden Mustern des hartgesottenen Detektivromans und einer relativ simplen wie wirren Kriminalgeschichte kommt er der ungeheuren Realität des Völkermords in Kambodscha nicht bei. Genauer betrachtet fällt Moore nämlich nur wenig zum Thema Kambodscha ein. Seine erzählerische Kraft erschöpft sich in der wiederholten Klage über den alptraumhaften Schrecken und zynischen Feststellungen darüber, wie die Schuldigen nicht nur nicht bestraft wurden, sondern bereits wieder im Geschäft sind.
Sein bemühter Versuch, die berüchtigten „Killing Fields" mit einer Story um Waffenschmuggel, Prostitution und Juwelenraub heraufzubeschwören, bleibt eher oberflächlich und ist leider nicht zwingend mit dem vorgeblichen Hauptthema verknüpft. Der Held Calvino wirkt überdies sehr ambivalent. Vor dem Hintergrundbild Völkermord weiß man nicht so recht, was Calvino in Pnomh Penh zu suchen hat. Die Figur bewegt sich eher motivationslos durch den Roman. Die Beschreibung des kriminellen und mörderischen Großstadtsumpfes in Pnomh Penh unterscheidet sich kaum von dem zuvor ganz ähnlich dargestellten Großstadtsumpf in Bangkok/Thailand. Im übrigen fällt dabei auf, dass der Autor keine besondere Liebe zum Fernen Osten zu hegen scheint. Wenn dann schließlich selbst eine Protagonistin angesichts der ungeheuren Völkermordverbrechen ausdrücklich von dem - gelinde gesagt - coolen Gequatsche des Helden Calvino genervt ist (vgl. S. 243: „Seine flapsige Bemerkung störte sie."), verwundert es nicht weiter, daß es den Leser/innen genauso ergehen kann.
Zu allem Überfluß legt Moore seinem Helden dann noch Sätze wie diesen in den Mund: „Calvino wusste nicht, was er sagen sollte, und damit trat sein Gesetz in Kraft: Wenn du nichts zu sagen hast, versuchs erst gar nicht, denn dann kommen doch nur Plattitüden heraus." (vgl. S. 292 f.) - Hätte sich der Autor doch nur daran gehalten...
Die Bestie ist losgelassenWie viele der besten Kriminalromane ist Stunde Null in Pnomh Penh weit mehr als ein simpler Krimi. Der eigentliche Auftrag, der Vincent Calvino, Moores Seriendetektiv, nach Kambodscha geführt hat, tritt rasch in den Hintergrund, während er seine Ermittlungen in einem Land ohne Vergangenheit aufnimmt, einer entwurzelten Nation. Kambodscha steht unter Kontrolle der UNO, die gerade freie Wahlen vorbereitet, aber herrscht immer noch Anarchie, und nackte Gewalt regiert, während die Freibeuter des Krieges ihren Profit suchen. Ein Dschungel, in dem Calvino mehr als einmal den richtigen Weg und sein Leben zu verlieren droht.
Die 'Killing Fields' sind uns allen noch gut in Erinnerung. Aber was ist aus den Überlebenden geworden? Moore zeichnet ein beklemmendes Bild der Realität und man fragt sich unwillkürlich, ob es gleichzeitig eine Vision ist von der Zukunft, die Afghanistan und dem Irak bevorsteht.
Oder wie es in einem anderen Calvino-Roman heißt: Die Welt steckt voller kranker Menschen, und die alltägliche Gewalt erinnert uns pausenlos daran, wie unberechenbar ihre Krankheit ist.
Kambodscha KlischeesDen Ausführungen von Scheffelmeier kann man sich nur anschließen. Eine exotische Kulisse ergibt noch keinen guten Krimi. Den motivationslos durch die Fremde jagenden Helden findet man deutlich besser gezeichnet in den Romanen des deutschen Autors Klaus Sebastian. Er lässt seine Figuren bewusst verstört und "entfremdet" durch Asien taumeln; die Erfahrung des Verlusts der eigenen Wurzeln wird hier psychologisch plausibler in Szene gesetzt. Sebastian gibt im übrigen nie vor, Krimis zu produzieren. Bei Moore wird Asiens Exotik zur schmückenden Krimi-Kulisse; bei Sebastian erfährt man quasi nebenher einiges über Länder, Leute, Sitten und deren Verfall.
Calvino, bleib lieber in BangkokNach 'Nana Plaza' und 'Haus der Geister' hatte ich mich schon sehr auf die nächste Übersetzung gefreut. Leider wurde ich enttäuscht. Die Story wirkt halbherzig und in Kambodscha irgendwie fehl am Platz. C.G. Moore hatte Kambodscha vor Veröffentlichung dieses Buches besucht. Man merkt dem Buch zwar an, dass der Autor durch den Besuch sehr bewegt wurde, ich - als Leser - weiß aber nach der Lektüre kaum etwas Neues über Kambodscha. Moore sollte lieber in vertrautem Terrain (sprich: Bangkok/Thailand) bleiben. Andere Bücher aus der Calvino-Reihe (z.B. Mio Noi) hätte - meine Ansicht nach - eher eine Übersetzung verdient.