Rahimi, Atiq

Erde und Asche

Erde und Asche
  • Verlag: List Tb.
  • Erscheinungsdatum: 2003-06
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 104
  • ISBN: 3548603491
  • EAN: 9783548603490
  • Amazon.de Verkaufsrang: 75.471
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Beschreibung von buecher.de

Was tun, wenn ein Krieg alles vernichtet? Wie dem eigenen Sohn sagen, dass das Dorf zerstört ist, dass die geliebten Menschen tot sind? Mit seiner anrührenden und erschütternden Parabel hat Atiq Rahimi ein Werk von zeitloser Gültigkeit geschaffen. Denn in dem Schicksal eines afghanischen Großvaters, der mit seinem Enkel unterwegs ist, um dem Sohn vom Tod aller Verwandten zu berichten, spiegelt sich der Schmerz und das Leid all jener, die unter Gewalt und Verfolgung leiden.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension fanden 23 von 25 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Sinnlosigkeit des Krieges

Selten hat mich ein Buch so nachhaltig bewegt wie dieses Buch. Bei der Lektüre sieht man förmlich den hungrigen,staubigen Großvater mit seinem taub gewordenen Enkel Yassin durch die Wüste wandern. Ein Bild was an Trost-und Hoffnungslosigkeit nicht zu steigern ist. Die kurzen Sätze steigern diese entsetzliche Leere noch. Der Enkel ist das Einzigste was dem Großvater noch geblieben ist. Er muß nun seinem Sohn, der in einer Mine arbeitet, mitteilen, das die Russen das ganze Dorf zerstört haben und die ganze Familie ermordet ist. Er hat Angst vor der Reaktion seines Sohnes, trifft ihn aber letztlich nicht an. Die Vorarbeiter haben seinem Sohn etwas anderes erzählt. Seine ganze Familie sei getötet worden, auch der Vater. Sie wollen ihn zu einem Alphabetisierungskurs schicken und ihn zu einem jungen, fleißigen und revolutionären Arbeiter machen. Ob er den Vater und seinen Sohn je wieder sieht, bleibt offen.

Immer wieder stellt sich mir die Frage:WESHALB? Weshalb Krieg, Zerstörung, Tod, Vergewaltigung, Hunger, Albträume, Schlaflosigkeit...Irrsinn.

"Die Toten sind glücklicher als die Lebenden. Die Menschen haben jegliche Würde verloren." Welch ein Wahnsinn!

Die Kernaussage findet sich für mich in dem Abschnitt:" Die Logik des Krieges ist das Opfer. Da gibt es kein weshalb. Was zählt ist seine Durchführung, nicht die Gründe oder Folgen."

Ich finde, dieses Buch müßte eine Pflichtlektüre an den Gymnasien werden, ein Buch als Anklage gegen den Krieg und seinen Folgen.

Diese Rezension von Heinz Müller fanden 7 von 10 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen die Stille

Der Krieg hat ein Dorf durch Bomben ausgelöscht. "Verschont" worden sind von einer Familie der Großvater und sein Enkel.

Der Enkel ist durch die Detonation der Bomben taub geworden.

Beide machen sich auf den Weg zu Murad,der weit ab vom Dorf in einer Mine arbeitet. Der Großvater möchte seinem Sohn das schreckliche Ereignis mitteilen.

Mit dieser Geschichte taucht man in die Seiten des Buches ein. Sehr gefühlvoll werden die Gefühle des Großvaters beschrieben. Die Hilflosigkeit und die nie zu beantwortende Frage des „Warum" haben auch mich begleitet. Je näher der Großvater seinem Sohn Murad räumlich näher kommt, desto auswegsloser scheint ihm die Situation, das Schreckliche seinem Sohn erzählen zu können. Seine Gedanken wehren sich gegen das Näher kommen. da er keine Worte für dieses grausame Schicksal der Dorfbewohner findet

Gleichzeitig werden vom Großvater Signale gesendet, endlich sich einem anderen Menschen anzuvertrauen, um die erdrückende Last des Schicksals nicht mehr alleine tragen zu müssen.Als Leser wird man sensibel für die schreckliche Situation der Familie. Still habe ich die Romanfigur begleitet. Für das Schreckliche gibt es keine Lösung des Vergessens, allerdings zeigen auch die schmalen Einblicke in die afghanische Kultur, dass Menschen andere Menschen benötigen, um zumindest diesen unvorstellbaren Schmerz nicht alleine tragen zu müssen.

Diese Rezension von sauvignon fanden 4 von 6 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Authentisch und ergreifend

Der afghanische Schriftsteller Atiq Rahimi hat mit „Erde und Asche“ ein sehr kurzes, aber daher umso eindringliches Buch geschrieben, ein Buch, das über einen Mann erzählt, der seine ganze Familie bis auf den Sohn und einen Enkel durch einen Krieg verloren hat. Dieser alte Mann, vor Trauer erschöpft und verzweifelt, versucht während der ganzen Geschichte, mit dem Gräuel, die ihm und seiner Familie angetan wurden, umzugehen, und den Lebenssinn wieder zu finden. Er begibt sich mit seinem Enkel Yassin auf die Reise zu seinem Sohn, der in einer entfernten Mine arbeitet, um sich sein Geld zu verdienen. Während dieser Fahrt versucht der Protagonist seinem Enkel, der durch die Bomben taub geworden ist, den Tod dessen Eltern und Onkel beizubringen, was sich als überaus schwierig herausstellt. Ein großer Teil des Buches konzentriert sich auf das Innere des Mannes, der eine überaus schwierige Situation zu bewältigen hat: die Überwindung seiner Trauer, die Erziehung seines Enkels Yassin und der Weg zu seinem Sohn bilden alle ein Hindernis.

„Erde und Asche“ ist zwar ein sehr kurzes Buch, doch es spiegelt umso überzeugender die Schwierigkeiten, die der Mann aufgrund seiner Verluste hat, wider. Es ist ein bedrückendes, erleuchtendes und trauriges Werk geworden, das die Kraft ausstrahlt, dem Leser in einigen Punkten die Augen zu öffnen. Es beschreibt auf beeindruckende Art und Weise die tiefe Qual der Trauer und die ständige Angst während und nach dem Krieg. Aufgrund der kargen Sätze und der spartanischen Erzählweise Rahimis erlebt der Leser die Gefühle, die im Buch beschrieben werden, umso authentischer.

Diese Rezension von lindenhof fanden 8 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine eindrückliche Antikriegslektüre

Ein afghanisches Dorf wurde bei einem Rachefeldzug von russischen Truppen zerstört. Überlebt haben ein Grossvater und sein Enkel, der dabei allerdings ertaubte.

Beide machen sich auf den Weg, um dem Vater, der auswärts arbeitet, diese Neuigkeiten zu überbringen. Wie kann er, der Grossvater, seinem Sohn die Nachricht vom Tode seiner Frau, seiner Mutter, seines Bruders überbringen? Um diese Frage kreist dieses kleine Büchlein. Eine Art innerer Monolog.

Afghanistan, ein fernes Land aus den Nachrichten, der Tagesschau, bekommt mit diesem Buch ein menschliches Antlitz. Man leidet mit dem Grossvater, man möchte ihm in seinem Leid helfen und ihn trösten. Aber wie?

Eine eindrückliche Antikriegslektüre.

Diese Rezension von lecroixdusud fanden 4 von 9 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Kummer!

Das Buch "Asche und Erde" von Atiq Rahimi aus dem Jahre 1999 beschreibt die Situation, in dem sich ein Mann nach der Zerstoerung seines Dorfes befindet. Dastagir, die Hauptperson dieser Geschichte, ist mit seinem Enkel Yassin unterwegs zu seinem Sohn Murad, um ihn zu berichten, dass sein Dorf durch die Russen zerstoert wurde und alle anderen dabei ihr Leben verloren haben.

Hauptproblem ist der Gefuehlszustand und die innere Zerrissenheit des Vaters gegenueber seines Sohnes. Er macht es sich durch seine Gedanken zum Problem, wie er ihm vom Schicksal des Dorfes berichten soll.

Desweiteren erfaehrt man knapp ueber Haendler und kurrupte Minenarbeiter. Insgesamt wenig Darstellung von Land und Mentalitaet. Wenn man von Islam und Afghanistan Wissen hat kann man die Bezuege zum Epos Schanam und anderen persischen Metaphern verstehen.

Mir scheint, als ob leider durch die Uebersetzung einiges an Ausdruck und Mentalitaet verloren gegangen ist. Der Leser wird als Dastagir in der zweiten Person angesprochen, was nicht bei jedem das Verstaendnis foerdert und moegicherweise abschreckend wirkt.

Wenn man des Persischen maechtig ist, sollte man es auf alle Faelle im Original lesen. Schon um die Wortspiele und Metaphern zu verstehen. Ich koennte mir auch vorstellen, dass eine engliche Version der deutschen auch vorzuziehen ist.

Fazit: Fuer Persisch-Sprechende, Afghanistankrieg interessierte lesenswert, aber nicht fuer jedermann zu verstehen.

Erde und Asche



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