Walser, Martin

Meßmers Reisen

Meßmers Reisen
  • Verlag: Suhrkamp
  • Erscheinungsdatum: 2003-07
  • Bindung: Gebundene Ausgabe
  • Seitenzahl: 152
  • ISBN: 3518414631
  • EAN: 9783518414637
  • Amazon.de Verkaufsrang: 484.654
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Beschreibung von buecher.de

Meßmers Reisen ist eine Selbst- und Welterkundung von geradezu bestürzender Radikalität.
Was der Autor hier vorstellt, ist nichts weniger als eine Art Autobiographie der 4. Dimension. Er bezieht nicht den Schutzraum einer erzählten Geschichte, sondern erfindet sich die Figur Meßmer, an die er sich nachdenklich, aggressiv, erkenntnissüchtig wendet; immer wieder wechselt er dabei vom 'er' zum unverstellten 'ich', das sich weder Maske noch Schonung gönnt.
Walser läßt seinen Meßmer unterwegs sein, etwa auf Lesereisen im Deutschland der Jahre 1989/90 und danach, als Gastprofessor in Kalifornien, als jemand, der seine Erfahrungen nicht geringschätzt und doch mit schärfster Neugier alles und sich selbst in Frage stellt - eben, um neue Erfahrungen zu machen jenseits des Meinens.
Der erste Satz heißt: »Phantasie ist Erfahrung.« Und der letzte Satz heißt: »Alles, was ich mir sagen kann, ist nichts gegen das, was ich mir nicht sagen kann.«
Mit Meßmers Reisen knüpft Martin Walser an sein 1985 erschienenes Buch Meßmers Gedanken an (und führt es fort), über das die Kritik durchgehend nur in Superlativen sprach.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Seit den 1980er-Jahren hat Martin Walser einen kleinen Mann im Kopf und wird ihn nicht mehr los. Dieser kleine Mann flüstert ihm Ideen ein, versorgt ihn mit Gedankensplittern, und stellt seine Gedanken selbst wieder auf den Kopf. "Phantasie ist Erfahrung", flüstert der kleine Mann, der auf den schönen Namen Tassilo Herbert Meßmer hört, oder: "Wer dich betrügt, ist wenigstens interessiert an dir." Walser kann sich nur befreien, indem er diese Kopfgeburten niederschreibt. Zuerst in Meßmers Gedanken (1985), nun in Meßmers Reisen. Und das ist Lesevergnügen auf höchstem Niveau. Nur in seinen schlechtesten Momenten reagiert Meßmers Reisen mit zwar verständlicher, aber wenig produktiver Verbitterung auf die unsägliche Walser-Debatte im Umfeld des Romans Tod eines Kritikers -- und rechnet ab mit den scheinheiligen Attacken des Feuilletons: "Solange man Zeitung liest, ist einem nicht zu helfen", steht da zu lesen. Ansonsten changiert das Buch gekonnt zwischen politischem Bonmot, literarischem Aphorismus und autobiografisch gefärbter Stellungnahme hin und her. An einer Stelle wird die "überall gegenwärtige deutsche Minderwertigkeit" bemängelt; an anderer Stelle ist sehr privat von der "Niederlage des Alters" die Rede. Überhaupt ist Meßmers Reisen ein ungemein persönliches Buch geworden. Folgerichtig hat Walser den gedankenwendigen Protagonisten des Bandes in einem Interview einmal als "meine innerste Figur" bezeichnet: "In Meßmer stelle ich mich bloß." Aber nicht nur Walser-Freunde wird die messerscharfe Kurz- und Kürzestprosa des Buches begeistern. Denn dank der vom altersweisen Autor erdachten Ideenfahrten Meßmers durch die fulminanten Höhen und Tiefen seines Hirns ist Meßmers Reisen wieder einmal auch literarisch geglückt. Und natürlich geht es auch viel ums Reisen in Walsers Buch: Reisen, bei denen der Held oftmals nicht weiß, "fährt er hin oder zurück". Dieses Drehen und Wenden -- die "Spaziergänge" der Gedanken -- war laut Michel de Montaigne der Wesenszug des Essays. Walser hat ihn in Meßmers Reisen hinüber gerettet, durch seinen Mann im Kopf, der immer wieder alles in Frage stellt, was er kurz zuvor konstatierte. Hier ist aus Fantasie tatsächlich Erfahrung geworden. Ein kleines Meisterwerk. --Thomas Köster

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Frank Farenski fanden 4 von 5 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Die Welt auf sich wirken lassen

Ein Mann hat die Welt auf sich wirken lassen und zieht mit kurzen Sätzen Bilanz. Mit "Meßmers Reisen" hat offenbar das definitive Alterswerk von Walser begonnen. "Jeder Lebende ist wichtiger als jeder Tote." schreibt Walser. Manchmal klingen die gesammelten Lebensweisheiten banal, widersprechen kan man ihnen in den meisten Fällen nicht. Warum nicht einmal lesen, was Meßmer (Walser) nun im Leben für wirklich wichtig hölt. Im zweiten Teil beschreibt er einen Aufenthalt in Amerika als belangloses Kasper-Theater. Warum nicht? Man muss nicht über 70 sein um zu begreifen, dass die gesellschaftliche Arithmetik zu einem großen Teil pures Theater ist.Dieses Buch ist kein zusammenhängender Text, gerade das gefällt mir. Ich habe das alles auf mich wirken lassen. Keine Weltliteratur, aber es ist immer interessant in einer solch direkten Form an den Gedanken eines Menschen teil zu haben. Wahrscheinlich sind alle Sätze sogar ganz ehrlich gemeint. Wo gibt es das heute schon noch?

Diese Rezension von Max Schwurbel fanden 4 von 7 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Ja, und? Wird ihn bloß wieder keiner verstanden haben?

Was nützt der klügste Kopf, die geschliffenste Sprache, die brillanteste Erkenntnis, wenn sie doch zu nichts mehr taugt als zum Räsonieren, zum Resignieren? Interessant, allemal, lesenswert, allemal, dieses unsortierte Durcheinander und Hintereinanderweg des Denkers, so als hätte Walser sein Notizbuch ohne Überarbeitung einfach in Druck gegeben. Gelbe-Marker-Sätze in Notizbuch-Form, trotzdem so etwas wie eine Rahmenhandlung ergebend, gesellschaftskritisch, müde, gelangweilt, angeekelt. Kostprobe? "Ich vertue die Zeit, die meine Zeit gewesen sein wird", "Alles, was ich mir sagen kann ist nichts gegen das, was ich mir nicht sagen kann" (literarische Aufbereitung von "Ich weiß, dass ich nichts weiß"?) "Die Entschlossenheit Entgegenkommender dreht mich um". Interessant. Ja, und? Werden wieder alle sagen, es versteht ihn einfach keiner mehr richtig, den Walser? Aber wer will sich schon berauschen an Sprachgewitter, das runterzieht, sonst nichts? Am dunklen Existanzialismus. Die Verzweiflung des Atheisten im Angesicht der Kürze noch verbleibender Zeit. Ach, er tut mir leid. Jetzt auch noch dies!

Diese Rezension von Max Schwurbel fanden 3 von 5 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Aphorismen für Pessimisten

Das erste Buch, das ich von Walser lese, und dann gleich so etwas! Eine Sammlung von Aphorismen für Lebensmüde! Ein fast wahllos herausgegriffenes Beispiel: "Unerträgliche Tage muß man loben, weil man froh sein kann, daß sie vergehen." (S. 67) Oder: "Wer nichts nützt, schadet." (S.151) Der größte Teil des Buches besteht aus solchen Gedanken, die man interessant finden kann oder banal. Hin und wieder blitzt ein wenig Poesie auf, z.B.: "Der Regen strickt diesem Tag mit leisen Nadeln ein graues Kleid." (S. 9) Handlung findet nur ansatzweise statt. Für Walser-Fans sicher ein Muss, denn man erfährt einiges über den Seelenzustand des Meisters. Für einen Walser-Neuling wie mich jedoch absolut belanglos. Gelesen und wieder vergessen.

Diese Rezension von vxlf fanden 2 von 3 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Man ist zwar Besseres von Martin Walser gewöhnt...

... aber diese Form von Literatur regt viel stärker zum nachdenken an. Das Buch ist in 3 Kapitel aufgeteilt: Das erste und das letzte Kapitel besteht aus Aphorismen, das mittlere ist im Grund genommen eine zusammenhängende Geschichte. Das schwere an dem ganzen Buch ist, dass man keinen Zusammenhang hat, diesen muss man sich selber erschließen... Ich denke, man lernt hier Martin Walser teilweise sehr intim kennen, ohne das man es eigentlich merkt.

Es ist kein Buch wie jedes andere, lohnt sich aber gerade deswegen zu lesen...

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