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Wie aus dem 'Dummbart' ein 'Schlauberger', aus dem Sprachlosen ein Dichter wird, wie ein 'Gefühlstauber' den Autismus durchbricht: Axel Brauns' Erinnerungen geben einen erstaunlichen Einblick in eine andersartige Welt. Faszinierend, aufregend, verstörend.
Buntschatten und Fledermäuse, so unterscheidet Axel Brauns die Menschen in seiner Umgebung. Buntschatten verhalten sich ruhiger und lassen ihm die Chance, Kontakt mit ihnen aufzunehmen. Fledermäuse hingegen flattern wild um ihn herum, und in ihrer Gegenwart fühlt er sich nicht wohl. Axel ist Autist und lebt in einer anderen Welt. Sein Buch gewährt uns einen tiefen Einblick in diese abgegrenzte, auf einer eigenen Ordnung beruhenden Welt, in der sich Axel wohl fühlt, die er aber gezwungenermaßen verlassen muss, um in unserer Gesellschaft nicht unter die Räder zu kommen. Im Alter von zwei Jahren bricht die Krankheit aus: Axels Wahrnehmung verblasst, er verliert die Fähigkeit, seine Mitmenschen zu erkennen und zu verstehen, sein Sprachvermögen versiegt. Doch die Eltern kämpfen unermüdlich dagegen an, dass ihr Sohn in der sozialen Isolation versinkt. Mit viel Mühe, Geduld sowie einigen Tricksereien gelingt es, Axel so "normal" wie möglich aufwachsen zu lassen. Er kommt in den Kindergarten, wird eingeschult und wechselt später sogar auf das "Geräusch" -- das Wort "Gymnasium" hat für Axel keinen Klang, und klanglose Worte sind für ihn nur "Geräusche". Doch trotz der vermittelten Normalität verbringt er die meiste Zeit in seiner Welt, weil dort vieles einfacher ist ("Es gibt Dinge, die man versteht, und es gibt Dinge, die man nicht versteht. Buntschatten gehörten zu den Dingen, die man nicht versteht.") Axel besteht das Abitur und beginnt ein BWL-Studium. Er hat dem System ein Schnippchen geschlagen: "Die einen bleiben sitzen, die anderen werden versetzt. Ich gehörte zu keiner der beiden Arten, ich hatte es geschafft, bereits vor der ersten Klasse sitzen zu bleiben, ohne dass es ein Lehrer gemerkt hatte." Trotz seines Arrangements mit der Normalität bleibt eine gewisse Tragik spürbar, denn die Gefühlswelt der Buntschatten bleibt Axel verschlossen. Die Bedeutung von Liebe, Tod, Mitleid und Humor erschließt sich ihm nur ansatzweise. Und dieses Unvermögen macht Axel wohl am meisten zu schaffen, wenn er am Ende bekennt: "Alle Jugendlichen spazierten mit Siebenmeilenstiefeln in das Leben hinaus. Niemals würde ich ihnen folgen können." Vielleicht gelingt es uns Buntschatten mithilfe dieses bewegenden Buches, Axel Brauns Welt ein bisschen besser zu verstehen. --Christoph Reudenbach
Wanderer auf einer GrenzlinieVielleicht läßt sich die Freude, die mich beim Lesen dieses Buches "besuchte", mit der heimlich-humorigen "Näpfchenfreude" des Autors vergleichen. Immer wieder mußte ich unvermittelt kichern. Von der ersten bis zur letzten Seite labten sich in mir Herz und Hirn an der Poesie und der blumigen Lebendigkeit dieser wieder und wieder überraschenden Sprach:bilder.
Des Autors auf den ersten Blick so fremdartigen Sinn für Ordnungen und Muster - hier ist durchaus nicht jene Ordnung gemeint, die so leicht(fertig) in einem Atemzug mit dem Unwort Zucht genannt wird - ist ein überaus poetisches Buch entsprungen. Der gekonnt spielerische Umgang mit Sprache verwirrt, amüsiert und ist doch einfühlbar bis ins Detail. Und diese sinnlich-betörenden Wortschöpfungen! Da wischelt es, bis es sich ausgewischelt hat, da schaut das geübte Teppichauge den stummelbeinigen Kleiderschrank fragend an, da kümmert sich eine lichtelschöne Buntschattenfrau in wolkenweißer Aufmachung um den Vierjährigen!
Wer nach dem Lesen dieses Buches noch ohne Einschränkung von Krankheit, Leidensgeschichte oder gar unglücklicher Kindheit spricht, hat nichts begriffen. Nie ist mir eine Kinderseele so ergreifend nahe gebracht worden.
Mir scheint, Autisten sind die einsam-verträumten Wanderer auf einer Grenzlinie, einer Grenzlinie, von deren Existenz wir "maren" (normalen) nur selten etwas ahnen. Axel Brauns läßt uns mit seinem Buch einen Blick werfen in jene andere Welt, eine Welt, in der es Momente gibt, die "Belohnung in sich selbst finden". Er hat die Gaben, die ihm in die Wiege gelegt wurden, zu nutzen gewußt. Denn er hat den schwierigen, viele Lebensjahre in Anspruch nehmenden Spagat auf dieser Grenzlinie gewagt und mit Bravour gemeistert. Um uns von seiner Welt zu erzählen. Dank dafür!
Kein Sachbuch - ein poetischer Roman!Nein - dieses Buch ist kein Sachbuch - eher ein durch und durchpoetischer Roman, mit einer federleichten Sprache, einer Ausdrucksweise, die von der ersten Seite an gefangen nimmt. Die begeistert. Ich habe nichts mit dem Thema Autismus zu tun, es gibt keinen Fall in der Familie - ich habe "trotzdem" dieses Buch gekauft. Und mich nur über eines geärgert: dass ich es trotz seiner Dicke so schnell ausgelesen hatte. Mein Wunsch: Mehr davon, mehr von diesem Autor. Einem, der - ENDLICH - als "Neuling" auf dem großen Buchmarkt wieder eine unverwechselbare, eine eigene Handschrift trägt. ein rundum faszinierendes Buch. Für jeden. Kaufen!
Buntschatten und FledermäuseIch habe den Autor in der NDR Talkshow gesehen, das Buch bestellt und innerhalb weniger Tage durchgelesen: ein tolles, zum Nachdenken anregendes Thema, eine wunderschöne Erzählweise, die einen Aussenstehenden einen wenn auch nur kleinen Einblick in die Welt des Autisten gewährt. Vor allem die ruhige Erzählweise, verbunden mit der bildlichen Sprache, fesselt den Leser. Auch nicht Betroffene wie ich sollten allein der Erzählweise wegen dieses Buch in die Hand nehmen.
Danke für dieses BuchUm nicht sämtliche vorhergehenden Rezensionen zu wiederholen, nur dies:Dieses Buch ist mir wie ein Fenster zum Kopf meines Sohnes. Jeder, der mit autistischen Menschen zu tun hat, weiß, wie wertvoll dies ist.
DankbarkeitDieses Buch von Axel Brauns hat mich sehr berührt. Es hat mich gefesselt und ich konnte es kaum aus der Hand legen. Oft musste ich schmunzeln, aber genau so oft traten mir die Tränen in die Augen, denn ich konnte einige Parallelen zu meinem 6jährigen Sohn spüren, der starke autistische Züge und Wahrnehmungs-
störungen hat. Axel Bauns hat mir geholfen meinen Sohn in manchen Situationen besser zu verstehen und dafür danke ich ihm sehr, denn mit einem autistischen Kind zu leben, muss man erstmal lernen, besonders wenn man erst sehr spät erfährt was dem eigenen Kind fehlt. Ich hoffe, das Axel Brauns irgendwann aus seinem weiteren Leben erzählt und er seine Geschichte für seine begeisterten Leser aufschreibt. Die ganzen Ratgeber, die es über Autismus gibt sind sicher sehr gut, aber wenn man durch einen Menschen wie Axel Brauns erfährt, wie es im Innern des eigenen Kindes aussieht, dann ist das was ganz besonderes. Nochmals vielen Dank lieber Axel für dieses Buch, das mir teilweise die Seele meines Kindes geöffnet hat.