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Das Kursbuch der russischen SeeleDieses Buch ist in Deutschland relativ unbekannt.Dass dies so ist,mag man bedauern,denn in diesem Buch geht es um nichts anderes,als die berühmte russische Seele.Eine andere Deutung sieht in Gontscharow's Buch die Anprangerung der adligen Klasse.In Russland gibt es ein Wort,die "oblamawtschina".Dies kennzeichnet den Zustand der völligen Phlegmatik,der Faulheit der Sinnverlorenheit.Der Held dieses Buches,wenn man so will,ist ein russischer Adliger,der mehr schlecht als Recht aus seinen Gütern ein Einkommen erhält.Er ist unverheiratet,wird aber von der treuen Seele Semjon,dem alten Diener umsorgt.Oblomov wurde in seiner Jugend derart verzärtelt,dass er selbst als erwachsener Mensch nicht vermag,sich selbst anzuziehen.Er liegt denn ganzen Tag auf dem Diwan,vor sich hinträumend.Aus diesem Zustand des Komas wird er nur kurz durch die Liebe zu einer Frau gerissen.Man fiebert mit ihm mit,man wünscht es Oblomov,dass er die Kraft findet,sein Leben durch die Liebe zu ändern-Allein,er schafft es nicht.Zum Schluss wird er mehr oder weniger an der oblamawtschina eingehen.Dieses Buch sollte-und wird-in keiner Bibliothek eines Russland zugeneigten fehlen.Darüberhinaus ist es ein elegant und unterhaltsam geschriebenes Buch.
Ein Klassiker der Weltliteratur..Oblomow ist das Buch,welches ich ohne Zögern,mit auf die berühmte
einsame Insel mitnehmen würde.
Und nach dem Fragebogen,angelehnt an Marcel Proust,ist Oblomow
mein Held der Literatur.
Oblomow ist vielschichtig,tiefgründig und irgendwie immer anders
bei erneuter Rezeption.Ein zerleseneres Buch besitze ich nicht.Allein die Tatsache,dass über die ersten 200 Seiten nichts
weiteres geschildert wird,als der Versuch diverser Personen,
Oblomow an einem Samstagvormittag aus dem Bett/Divan zu bewegen,
ist einfach nur köstlich und amüsant.Obwohl es an jeglicher
"Action" mangelt,sind diese 200 Seiten weitaus kurzweiliger als
manches "Action-epos".
Gedeutet und interpretiert wurde Oblomow allzu oft.Aber Oblomow
ist ein Buch,welches sich jeder Deutung verschliesst.
Hat man erst einmal mit der Lektüre begonnen,steht man unversehens
schon mittendrin im Geschehen.
Das kann kein Reality TV jemals bieten.
Oblomow ist zurecht ein Klassiker der Weltliteratur.Leider in
hiesigen Breiten nahezu unbekannt.Irgendwo steckt in uns allen ein Oblomow,ein Stolz,ein Sachar,
ein Tarantejew usw.....
Großartig!! (v. D. Loibl)Oblomow, eigentlich Adeliger und Gutsbesitzer, lebt in einer verwahrlosten Wohnung in Petersburg. Er liegt den ganzen Tag im Schlafrock auf dem Diwan, döst vor sich hin, empfängt Besucher, freut sich auf das nächste Essen und träumt von seiner Kindheit. Als gerade ein "zweifaches Unglück" über ihn hereinbricht (der Verwalt schreibt ihm wieder einmal vom chaotischen Zustand seines Gutes und er soll aus der Wohnung ausziehen), kommt ihn sein alter Jugendfreund Stolz besuchen. Stolz - selbst ein vor Fleiß, Interessen und Reiselust strahlender, erfolgreicher Mann - möchte Oblomow aus seiner Lethargie reißen, und erinnert ihn an die Ideale, die Pläne und den Wissensdurst von einst, um ihn wieder ins Leben zurückzuführen. Er stellt ihm, bevor er wider abreist, seiner jungen Bekannten Olga vor, die ihn durch ihr jugendliches Wesen und ihren Gesang verzaubert. Oblomow verliebt sich in sie und beginnt für sie wieder zu leben, zu lesen und zu hoffen. Mehr sei von der Handlung noch nicht verraten.Oblomow ist einerseits als Adeliger ein "überfüßiger Mensch", der Vertreter einer Klasse die sich überlebt hat. Vor allem aber ist ein Mensch von grenzenloser Bequemlichkeit; interesselos, anspruchslos, bewegungslos lebt er in den Tag hinein, während wie zufällig die Jahre an ihm vorbeifließen. Wenn sein Verwalter ihm schreibt, schrickt er kurz auf, denkt an seinen "großen Plan", der alle Probleme lösen soll und sinkt dann wieder zurück auf den Diwan. Auf einmal sieht er einen Weg zurück ins Leben: Stolz versucht, ihn zu Disziplin und Interesse an der Welt aufzurütteln und durch Olga lernt er Leidenschaft und vollkommene Hingabe kennen. Er steht auf der Kippe zwischen dem Luxus der ereignislosen, sorglosen Trägheit und dem aktiven, bewussten pulsierenden Leben - doch ob er es schafft? Lesen Sie selbst (und vielleicht werden auch Sie sich manchmal wiedererkennen).Dieses Buch ist ein wahres Meisterwerk, fesselnd und spannend auf eine Art, die sich gar nicht wirklich beschreiben lässt. Gontscharow schreibt psychologisch, beinahe wie Dostojewski, und dabei so mühelos fließend, dass man mitten im Geschehen ist.Sehr schöne Ausgabe.
Liebeserklärung an das Nichtstun!Ein Roman über das Nichtstun? Musste das denn nicht langweilig sein? Im Gegenteil! Gontscharow versteht es meisterhaft die geringsten Ereignisse und Gefühlsregungen in farbigen Bildern darzustellen.
Im ersten Drittel des Buches, das an einem einzigen Tag spielt, lernen wir Ilja Iljitsch Oblomow in all seinen Facetten kennen. Wir schmunzeln darüber, dass er es nicht schafft sich selbst die Strümpfe anzuziehen, einen einfachen Brief zu schreiben, oder auch nur sich vom Sofa zu erhaben, gleichzeitig erkennen wir aber auch, daß sich unter dem Schlafrock der Trägheit ein ganz besonderer Mensch verbirgt. Wir bewundern seine Offenheit, seine Ehrlichkeit gegenüber den Menschen, die seinen Weg kreuzen, seine neidlose Freude dem Glück seiner Freunde gegenüber. Gontscharow entwirft vor uns das Bild eines liebenswürdigen Menschen mit einem großen Herzen, mit einer kristallklaren Seele, wie er selbst es beschreibt. Gerade weil wir seinen Wert erkennen, macht es uns traurig, dass dieser Mensch sich weigert am Leben teilzunehmen. Dabei ist Oblomow nicht wirklich untätig. Er entwickelt laufend Pläne, entwirft seine Zukunft und träumt von seinem irdischen Paradies. Aber sobald er etwas für die Umsetzung seine Pläne tun muss, scheitert er und lässt alles wieder fallen.
Wir ahnen bereits im ersten Teil des Buches, dass alle Versuche ihn aus seiner Lethargie zu reissen von vorne herein zum Scheitern verurteilt sind. Auch wenn sein Freund Stolz immer wieder versucht in aufzurütteln, auch wenn Oblomows Liebe zu Oljga ihn für einen Sommer lang verwandeln, irgendwann zieht er sich wieder zurück.
Was mich dabei traurig stimmt, ist die Tatsache, dass Oblomow in seiner selbstgewählten Trägheit nicht glücklich werden kann. Er schämt sich seiner Untätigkeit, kann aber nichts dagegen machen.
Alles in allem ein wunderbares Buch über die Bedeutung des Innehaltens, des Nichtstuns, und so gesehen heute vielleicht aktueller als je zuvor.
Ein liebenswerter FaulpelzEr singt das Loblied auf das süße Nichtstun, das Bett ist ihm der liebste Platz auf Erden: Oblomow ist ein Bummelant, wie er im Buche steht. Lethargisch schlurft er vom Bett zum Tisch und vom Tisch wieder ins Bett. Wenn Freunde vorbeikommen, um ihn ins helle, grelle Leben zu stürzen, lehnt er dankend ab. Dabei gäbe es so viel zu tun: Sein verwahrlostes Landgut müsste dringend auf Vordermann gebracht werden. Die Liebe einer Frau, der entzückenden Oljga, gilt es zu erringen und zu festigen. Letzteres gelingt Oblomow sogar, kurzzeitig rafft er sich auf - aber dann folgt erneut die Erschlaffung: Schnell zieht er sich in sein Schneckenhaus zurück, erfindet tausend Ausreden, um nicht wieder auf die Straße gehen zu müssen - und verspielt die Liebe seines Lebens. Trotz allem ist dieser Oblomow doch ein ganz sympathischer Kerl. Literaturwissenschaftler und Leser haben sich seit der Veröffentlichung des Buches den Kopf zerbrochen, was sie von ihm halten sollen: Ihn für seinen Schlendrian verdammen, wie es Lenin noch 1922 tat (und damit das ganze russische Volk meinte), oder ihn als Ikone der Verweigerung feiern, als einen, der sich der Hektik und Geschäftigkeit der Welt entzieht? Auf jeden Fall muss man "Oblomow" lieben, den wichtigsten Roman des ansonsten weitgehend unbekannten russischen Romanciers Iwan Gontscharow.