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Nicht zuletzt die politische Krise um den Irak-Krieg hat gezeigt, wie tief das Zerwürfnis innerhalb der westlichen Staatengemeinschaft ist. Wolfgang Schäuble analysiert die Stellung Europas und besonders Deutschlands in einer Welt, in der der Westen, seine Traditionen und seine Wertvorstellungen zunehmend in Frage gestellt werden.
Ein Mut machendes Plädoyer für ein selbstbewußtes Deutschland in einem starken Europa.
Vor seiner Reanimation zum möglichen Unionskandidaten für das Präsidentenamt schien Wolfgang Schäuble schon fast weg vom Fenster. Seine griesgrämigen Kommentare zu Schröders Politik in Sachen Irak nahm man allenfalls noch peripher wahr. Zumal ihm Angela Merkel und Roland Koch in Washington die Schau stahlen. Obendrein roch seine wundersame Mutation vom innen- zum außen- und sicherheitspolitischen Experten doch ein wenig nach einer Verlegenheitslösung für den abgehalfterten CDU-Parteivorsitzenden. Was jetzt von konservativen Kreisen flugs zum Empfehlungsschreiben für das Amt des Staatsoberhauptes stilisiert wird, war deshalb wohl eher der Versuch, sich wenigstens schriftlich noch einmal Gehör zu verschaffen. Unterstützt von dem Finanzmanager Markus Kerber und dem evangelischen Theologen Nils Ole Oermann, die ihm als Stichwortgeber fungierten, bilanziert Schäuble in seinem Buch Scheitert der Westen? Deutschland und die neue Weltordnung noch einmal seine Weltanschauung. Doch auch wenn er es gerne hätte: Seine Rezepte für eine verantwortungsbewusstere Politik in Harmonie mit den europäischen Partnern und in Loyalität zum großen Bruder jenseits des Atlantiks, mit denen er uns in "Schicksalsgemeinschaft" wähnt, muten weniger visionär als reichlich binsenweise an. Nicht dass ihm Sensibilität und Problembewusstsein fehlen würden. Beispielsweise wenn er bei der Ursachenforschung für den wachsenden Hass und die Ablehnung, die dem Westen weltweit entgegen schlagen, zu dem Ergebnis kommt: "Zwischen dem 9.11. und dem 11.9." (Fall der Mauer 1989 und Terroranschläge auf die USA 2001) "liegt eine Phase der Universalisierung des westlichen Gesellschaftsbildes, die im Nachhinein wohl zu ambitioniert und auch zu rücksichtslos erscheint." Oder wenn er selbstkritisch die Ungerechtigkeiten der Globalisierung anprangert. Doch trotz mehrfacher Beteuerung, es gehe ihm nicht darum, die Welt am westlichen Wesen genesen zu lassen, würde die praktische Umsetzung der von ihm propagierten Vorstellungen genau darauf hinauslaufen. Leadership und Elitenpflege gehören zu den Lieblingsthemen Schäubles. Er vermisst sie auf allen Ebenen. Und was hat dies mit unserer Rolle in der Welt zu tun? "Wenn ein strauchelnder Westen, wenn ein reformunfähiges Deutschland mit all seiner Wirtschaftskraft und den damit verbundenen Ressourcen Vorbilder, Werte, Gestaltungsmöglichkeiten nicht mehr bieten könnte, dann wirken wir auf andere nicht mehr überzeugend. Und dann werden eben andere zu Vorbildern oder jedenfalls Gestaltern, und das muss nicht unbedingt unseren Interessen und unseren Vorstellungen globaler Ordnung entsprechen." --Roland Detsch
Sehr weiseSehr klug, vorsichtig, einwenig schwäbisch schlau vielleicht dieses Werk, jedoch nicht von der Hand zu weisen der Versuch, uns, den Lesern etwas mitzuteilen, wenn wir es nicht schon längst wüßten, was droht, was kommen wird und was ist.Haben doch Huntington und Kagan in ihren Büchern ( und andere mehr! ) den Finger in die Wunde gelegt: Weltordnung ist angesagt, Weltherrschaft gar? Das wäre dann nach Meinung micht unmaßgeblicher zeitgenössischer Autoren aber "Ursünde".So stehen die Dinge in momentaner Zeit und in Zukunft, die ja auch immer von Zeit beherrscht wird.Schicksal nennt Wolfgang Schäuble die Ursache unseres Seins und das scheint mir einerseits richtig, andererseits zu pessimistisch ausgedrückt zu sein. Sind doch Schicksal und Schicksalsgemeinschaft Termini einer schon etwas vergangenen Zeit und dieser Kult inmitten des 20. Jahrhunderts in Europa schien doch eher vorüber als gegenwärtig zu sein.
So ist denn auch das Vorwort von Henry Kissinger entsprechend einzuordnen: Hier kommt einer, seht es, der zeigt es uns und die Musik von Dvorak oder Beethoven ( da haben wir es! ) wird es schon richten?
Wo doch noch vor etwa 15 Jahren die Musik Beethovens in China verboten war wegen faschistischer oder ähnlicher Zuordnung.
Ja, hier schreibt einer, der es zwar gut meint (mit sich) und in der alten Bonner Art uns Bürgern etwas von der Bedeutung Deutschlands, Europas und der Welt vermitteln will.Herr Schäuble, ja, wir können lesen und wir sehen fern, außerdem gehen wir immer schön ins Internet und sind deshalb informiert, was passiert auf unserem Globus und deshalb sind wir eben auch global-player, um es einmal so auszudrücken.
Dieses Buch ist eher für diejenigen geeignet, die sich an bisher verdienstvollen Politikern halten und somit informieren wollen. Joschka Fischer hat deshalb in diesem Sinn das Buch gut vorgestellt.
Mittelmaß als Maß der Dinge.Wer in einer Bahnhofsbuchhandlung schon einmal einen Blick in ein Buch von Lafontaine oder Gysi geworfen hat, weiß, daß die Lieblinge der Talkshows nichts an Literatur produzieren, was über den Tag hinausreicht. Wer nun gern wissen möchte, auf welchem Niveau sich deutsche Spitzenpolitiker im allgemeinen bewegen, dem liefert Schäuble das geeignete Belegstück (das aus diesem Grund fünf Sterne verdient).
Der Verfasser beschäftigte für den Text - ohne Tabellen und Fußnoten - zwei Koautoren, denen er dankt. Am Schluß findet man ein Register: Die Stichwörter Bevölkerung, Demographie und Volk fehlen vollständig, Bildung erscheint einmal auf einer Seite. Wenn man, wie der Verfasser seit 1972 ununterbrochen Mitglied des Deutschen Bundestags ist, so scheint man dabei von den drängenden Problemen des Landes sehr wenig mitzubekommen, ist der Gesamteindruck. Doch rühmt sich Schäuble an einer Stelle, „Mitte der achtziger Jahre" auf die „demographischen Probleme" und die sich ausbreitende Kinderlosigkeit aufmerksam gemacht zu haben, wofür er viel Gegenwind geerntet hätte. (Dabei waren in Westdeutschland die Geburtenzahlen in Westdeutschland schon seit 1973 im Keller.) - Schwerpunkt des Buches sind die Probleme der Globalisierung. Aber auch dabei geht die Tiefe der Problemsicht nur wenig über das hinaus, die derjenige hat, der jeden Tag die „Tagesschau" sieht. Wer eine Analyse will, anstatt Allgemeinplätze, der sollte besser „Ist Deutschland noch zu retten?" von Hans-Werner Sinn lesen. Doch ist der Grundton des Buchs von Schäuble so freundlich, daß man es als eine Selbst-Empfehlung für ein sehr hohes Staatsamt auffassen kann.