Strunk, Heinz

Fleisch ist mein Gemüse

Fleisch ist mein Gemüse
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • Erscheinungsdatum: 2004-10-01
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 256
  • ISBN: 3499237113
  • EAN: 9783499237119
  • Amazon.de Verkaufsrang: 2.434
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Beschreibung von buecher.de

Wie es ist, in Harburg aufzuwachsen, das weiß Heinz Strunk genau. Harburg, nicht Hamburg. Mitte der 80er ist Heinz volljährig und hat immer noch Akne, immer noch keinen Job, immer noch keinen Sex.
Doch dann wird er Bläser bei Tiffanys, einer Showband, die auf den Schützenfesten zwischen Elbe und Lüneburger Heide bald zu den größten gehört.
Aber auch das Musikerleben hat seine Schattenseiten: traurige Gaststars, heillose Frauengeschichten, sehr fettes Essen und Hochzeitsgesellschaften, die immer nur eins hören wollen: 'An der Nordseeküste' von Klaus und Klaus.

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wer beispielsweise über Populärmusik aus Vittula gelacht hat, dem kann auch Fleisch ist mein Gemüse wärmstens empfohlen werden: traurige Jugend in den 80ern, pubertäre Sexualnöte, schaurige Provinzgestalten und trotz allem der Traum von einer Musikerkarriere. Nur ist Fleisch ist mein Gemüse doch noch etwas härtere Kost. Weil erstens offenbar alles selbst erlebt ist. Und zweitens die Pubertät mit ihren Qualen überhaupt nicht enden will. Denn Heinz ist schon 23, hat immer noch schwere Akne, wohnt bei Muttern und „schraubt“ in seinem Heimstudio im Keller Playbacks zusammen, auf dem Weg zum Hitproduzenten. Und sein Erfolg bei Frauen rangiert auf einer Skala von 1 bis 10 eher im Minusbereich. Der Alltag ist geprägt vom Daddeln an Spielautomaten, exzessiver Selbstbefriedigung und Musikunterricht, bei dem Heinz seine Schüler mit Fragen nach der „enharmonischen Verwechslung von ges“ quält. Doch auch als der talentierte Hobby-Saxophonist einen Job bei der Tanzband „Tiffanys“ bekommt, ist das keineswegs die Wende zum Besseren. Statt „Sex, Drugs and Rock’n’Roll“ und willigen Groupies bedeutet das nächtelange Auftritte bei Hochzeiten, Dorfjugendveranstaltungen und Schützenfesten in Garlstorf oder Moorwerder: eine „drittklassige Rumpelband“ in erbarmungswürdig schlecht sitzenden Sakkos und mit einem grauenerregenden Repertoire von G.G. Anderson bis zur „Schützenliesel“. Ein Millionenpublikum brachte Heinz Strunk zum erstenmal bei seinen Gastauftritten in der SAT1-Wochenshow zum Lachen, mit seinen genial verhaspelten Beiträgen des „offenen Kanal Hamburg-Harburg“. Eigentlich heißt er Mathias Halfpape, trat zwischendurch auch als Jürgen Dose auf und verdutzte zuletzt die VIVA-Zuschauer mit seinem „Fleischmann TV“. Und mit seiner CD Einz -- absurde Songs und Minihörspiele -- muss man ihn zweifellos mit Helge Schneider vergleichen. Schräg ist Fleisch ist mein Gemüse auch, und sehr lustig, zugleich aber todtraurig. Dass seine Geschichte diese Balance zu halten vermag, ist vielleicht das Bemerkenswerteste an Heinz Strunks Buch. Und natürlich, dass eine fürchterliche „Landjugend mit Musik“ zumindest zum perfekten Stoff für ein tragikomisches Lesevergnügen taugt. --Christian Stahl

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Duncan Idaho fanden 10 von 10 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Mooaaaariiooouuss....

Fleisch ist mein Gemüse von Heinz Strunk ist ein herrlich komisches Buch über das Leben eines mittelmäßigen Musikers, der mit der noch mittelmäßigeren Live-Tanz-Musik-Band "Tiffanys" versucht, seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Vielleicht muss man in der norddeutschen Provinz aufgewachsen sein, um den ganz Umfang des Humors in diesem autobiografischen Werk begreifen zu können. Vieles erinnerte mich an meine aktive Zelt- und Scheunenparty-Zeit. Die Veranstaltungen hießen Landjugend-Scheunenfete, Heuhaufenfest oder Sommernacht am See. Die Bands waren Royal Flash oder die Yankees (wobei die Yankees wirklich klasse waren oder sind, weil die mucken immer noch). Aber ansonsten gab es doch deutliche Parallelen zu den im Buch geschilderten Ereignissen. Spätestens wenn die Jungbauern-Masse lautstark "Mooaaariioouss" forderte war klar: das wir ein herrliches Fest...

Diese Buch beschreibt mit voller Härte, wunderbare Komik, aber manchmal auch mit erstaunlicher Sentimentalität das Leben zwischen verstaubtem Reihenhaus Wohnzimmer, schmuddeliger Spielhalle und den unendlichen Weiten der ländlichen Wochenenden.

Danke Heinzer, für die Einblicke ins Leben eines "Muckers" vom Typ Versager, danke für die Sozialstudie über sie unbekannte Spezies "Mucker" und danke für die Auffrischung meiner Jugenderinnerungen. Es war nicht alles schlecht damals, aber vieles...

Diese Rezension fanden 29 von 31 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen All mein Respekt gilt den Tanzmuckern

Ich habe dieses Buch voller Abscheu dem Land und dessen Sitten gegenüber angefangen, und aufgehört habe ich mit einem großen Platz für das Land in meinem Herzen.

All die Schützenfeste, Hochzeiten und anderen Saufrituale könnte ich als junger niedersächsischer Dorfmensch miterlebt haben, die Atmosphäre, die Lieder, die Leute. Auch, wenn man meint, man hasse all das, dank Herrn Strunk lernt man es wieder schätzen. Diese brachiale Ironie, diese Absurdität, herrlich. Aber dieses Buch ist durch und durch ehrlich, man traut sich gar nicht zu denken, es sei erfunden, geschweige denn, seine Glaubwürdigkeit infrage zu stellen. Und eines ist noch wunderbar: Trotz Eigenleben entwickelnder Akne und schweren Problemen mit Frauen ist der gute Herr Strunk einer der lustigsten Menschen hierzulande geworden (wie gesagt, ich halte jedes Wort in diesem Buch für wahr, weil ich schlicht und ergreifend weiß, dass es stimmt).

Und endlich lache ich auch nicht mehr über all die schlechten Showbands, sondern zolle ihnen gewaltigen Respekt-diese armen Leute, die unterbezahlt doofe Schlager für noch dööfere Besoffene spielen müssen, jahrelang. Obwohl sie größeres könnten.Heinz Strunk, mein Leidensgefährte,...

er spricht mir von der Seele

Diese Rezension von H. Schwoch fanden 43 von 48 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Von Reihenhäuschen und Tanzcombos

Mein damaliger bester Freund wuchs in genau jener Vorstadtsiedlung auf, die der 1962 geborene Autor Heinz Strunk in diesem Buch beschreibt. Ich selbst empfand es dort damals immer als sehr angenehm, und wenn man ganz genau hinsieht, dann sind auch Strunks Reminiszenzen an dieses grüne und friedliche Wohnviertel gelegentlich von fast liebevoller Melancholie geprägt. Letzte Woche habe ich die Gegend für einen nostalgischen Spaziergang mal wieder aufgesucht und dabei festgestellt, dass sich zwischen Walsroder Ring, Bispinger Weg und Celler Weg äußerlich rein gar nichts verändert hat.

Im Wesentlichen spielt "Fleisch ist mein Gemüse" aber in einem Zeitraum von etwa zwölf Jahren, die der Autor als durchaus begabter Saxophonist einer ansonsten unsäglich schlechten Tanzcombo namens Tiffanys (bitte niemals 'Die Tiffanys' sagen!!) auf Hochzeiten, Schützenbällen und Silvesterfeiern im erweiterten Bereich des Landkreises Harburg verbracht hat. Heinz Strunk ist ein begnadeter Erzähler seiner eigenen Lebensgeschichte, und die unmittelbare Wucht dieses grandios geschriebenen Buches verdankt sich wohl ganz wesentlich dem Umstand, dass es sich hier gleichsam um einen Tatsachenbericht handelt. Es wäre interessant zu wissen, ob eine von ihm ausgedachte, also rein fiktive Story auch nur annähernd gleichartige Qualitäten aufweisen würde.

Wer in diesem Buch zu schmökern beginnt, der wird es nicht wieder aus den Händen legen, bis er es quasi in einem einzigen, nur von den wesentlichsten Dingen der Daseinserhaltung unterbrochenen Durchgang zu Ende gelesen hat. Es ist zum Brüllen komisch, ironisch und lakonisch, gleichzeitig aber auch geprägt von schmerzhaftester (Selbst-)Ehrlichkeit und maßloser Trauer über die tägliche Bürde einer jeden Durchschnittsexistenz. Zwischen ungebremsten Lachanfällen und allertiefstem Mitleiden liegt beim Lesen häufig nicht mehr als ein Augenaufschlag.

Für "Fleisch ist mein Gemüse", das inzwischen bereits in der 16. Auflage (!) vorliegt, gilt in jedem Fall meine allerhöchste Empfehlungsstufe. Und jenes Reihenhäuschen, in dem der Autor so viele Jahre vor sich hin wohnte, sollte eigentlich längst eine ausgewiesene Kultstätte zigtausender Heinz-Strunk-Anhänger sein!

Diese Rezension von S. Artmann fanden 43 von 48 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Heinzi goes Tiffany und ich war dabei

Ich habe "Fleisch ist mein Gemüse" während einer eigentlich langweiligen Fahrt von Münster zur Insel Fehmarn gehört. Gemeinsam mit einem Bandkumpel, mit dem ich seit mehreren Jahren Cover-Rockmusik mache und ebenfalls unzählige "Mucken" auf Geburtstagen und Hochzeiten bestritten habe, wollte ich mir zwei ruhige Tage auf der Insel gönnen.

Um es kurz zu machen. Die Fahrt verging wie im Flug. Das Hörbuch zog uns bereits nach kürzester Zeit in seinen Bann. Zwischenzeitlich lachten wir Tränen ("Ihr Schweine, Ihr. Was macht Ihr hier oben die ganze Zeit" oder "Neger beim Friseur") , zwischenzeitlich hörten wir einfach nur gebannt, ergriffen und bewegt zu.

Vielleicht war es deshalb so genial, weil vieles, was Heinz mit "Tiffanys" erlebt hat, aktuell noch unser Alltag ist. So kam uns vieles sehr vertraut vor (Muckerstarre, endloses Warten, verlassene Gasthöfe, Hochzeitsgesellschaften, endloses Auf- und Abbauen etc.)

Das Hörbuch hat uns so fasziniert, dass wir auf dem Rückweg mit Hilfe des Navigationssystemes in Hamburg-Harburg spontan eine Art private Stadtführung unternahmen und uns viele Orte des Hörbuches einfach einmal ansahen(Heinzes Wohnhaussiedlung incl. Zwergenhäuser, diverse Straßen und vor allem die PHÖNIX-Gummiwerke). Es war wie eine Fahrt durch unsere Phantasie und zugleich der Höhepunkt des Wochenendes. Das Hörbuch ist schlicht weg genial. Der Sprecher und Autor unendlich nett und echt und man wünscht sich fast, mit ihm einfach mal ein Stündchen zu quatschen. Denn natürlich will man wissen, wie es mit Heinzer nach dem Ausstieg bei "Tiffanys" weiterging. Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung, denn die ist er uns irgendwie schuldig.

Wir jedenfalls können "Fleisch ist mein Gemüse" nur wärmstens empfehlen.

Diese Rezension von Michael Menzel fanden 7 von 7 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Zu traurig und zu peinlich, um komisch zu sein

Hart an der Schmerzgrenze und zum Teil auch sehr weit darüber hinaus ist diese Selbstdarstellung eines wirklichen Losers, der aus seinem Leben aufgesetzt lustig dahererzählt.

Noch mit weit über 20 nicht von zuhause ausgezogen, keine Frauen und wenn, dann auf so peinliche Weise, dass einem schlecht wird, permanent mit den, nein, nur einfach Tiffanys, einer Oldie-Tanzkapelle, auf Mucke unterwegs, auf Tanzabenden der Schützenvereine, Hochzeiten oder einfach nur Spießergesellschaften mit einer vom Autor teilweise vorgesungenen (deshalb unbedingt das Hörbuch) Songliste, bestehend aus den blödesten Schlagerhits der 80er, 90er Jahre und auch noch deutlich früher, besoffenen zum Teil pöbelnden Zuhörern, Freude an Geldspielautomaten, verkörpert der Held und der Inhalt des Romans exakt dasjenige, was ich immer zutiefst verabscheut habe.

Das Ganze ist eigentlich weniger lustig als tieftraurig und höchst peinlich.

Dennoch wird man auf beschwingt lockere Weise in die Welt der Mucker eingeführt und trotz aller Peinlichkeit und Traurigkeit, schafft es Heinz Strunk mit seiner aufgesetzten Leichtigkeit, dass es mich durchgängig geschüttelt hat beim Anhören der 5 CDs; geschüttelt vor Lachen und geschüttelt vor Peinlichkeit, dass sich mir die Fußnägel aufgerollt haben.

Fazit: Auch wenn der Stoff der Story recht dünn ist, einige Leerläufe enthält, mir sehr Vieles eine deutliche Spur zu peinlich war, habe ich mich amüsiert und auch schallend gelacht, deshalb 4 Sterne. Aber ein zweites Mal werde ich mir das nicht antun.

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