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Sie machte aus Mussolini den Duce und verlieh dem Faschismus ästhetischen Glanz: Margherita Sarfatti. Die wohlhabende Jüdin verliebte sich in den jungen Mussolini und wurde seine geheime Geliebte. Erst ihrem Einfluss verdankte er seine Verwandlung in den charismatischen Duce. Das dramatische Leben einer fast vergessenen Frau.
Für die Biografie eines jeden Mannes sind die Frauen und Geliebten, die "hinter ihm" stehen (oder auch nicht) Maß und Richtung gebende Größen. Das ist bei erfolgreichen und erfolglosen Männern so, bei treuen und untreuen, bei Künstlern und Bankangestellten ebenso, wie bei Dieben, Tenören oder Bäckern. Und natürlich ist das bei Diktatoren nicht anders. Indes ist es schon erstaunlich, wie groß bisweilen der Einfluss ausgerechnet der Frauen im Schatten der vermeintlichen Titanen an der Spitze diktatorischer Regime ist. In Erich Schaakes Die Frauen der Diktatoren konnte man etliche solcher Fall- und Lebensgeschichten nachlesen. Auch die über Clara Petacci, die "Muse" Mussolinis. Nun hat Karin Wieland eine hochinteressante und lesenswerte Monografie über das Leben einer anderen -- und historisch betrachtet vielleicht bedeutsameren -- Geliebten des "Duce" vorgelegt: Margherita Sarfatti. Darin behauptet die Autorin nicht weniger, als dass Mussolini seine Verwandlung vom politisch ambitionierten aber eher tölpelhaften Volksschullehrer zum charismatischen politischen Führer letztlich seiner heimlichen Gespielin zu verdanken gehabt habe. Demnach stünde Sarfatti nicht nur als Geliebte hinter dem Duce, sondern stecke als dessen "Erfinderin" auch hinter der Erfindung des italienischen Faschismus. Bei manchen der von Schaake in Die Frauen der Diktatoren porträtierten Frauen war die Partnerwahl auf einen möglichen Stellvertreter für den insgeheim eigenen Karrierewunsch gefallen, den sie für sich selbst als nicht realisierbar erkannt hatten. Dies trifft auf eine sublime Weise wohl auch auf Margherita Sarfatti zu, die darum ihre Liebes-, Lebens- und Leidensgeschichte am Ende als umso tragischer empfunden haben muss. Als nämlich der Duce sich wegen seiner "deutschen Freunde" eine jüdische Geliebte nicht mehr leisten zu können glaubte, verstieß er sie. Wie groß der Anteil der Sarfatti an der Erfindung des italienischen Faschismus auch tatsächlich gewesen sein mag: Ein außerordentliches Leben ist das der schillernden Venezianerin in jedem Fall gewesen. --Andreas Vierecke
Tragische Biographie über die jüdische PR-Beraterin des DuceKarin Wieland hat eine politische Biographie über eine Frau geschrieben, deren Wirken im Schnittpunkt von Kunstgeschichte und politischer Geschichte stattfand. Frauenemanzipation, Arbeiterbewegung und künstlerische Avantgarde prägten ihre Persönlichkeit. Kriegshetze, Nationalismus und der totalitäre Traum von einer Moderne als faschistischer Staatskunst waren ihre politischen Ziele. Sie stand immer im Schatten ihres Gefährten Benito Mussolini, konnte ihn zeitweilig aber stark beeinflussen. Entscheidende Dienste leistete die großbürgerliche Kunstsammlerin, -Kritikerin und Salonnière Margherita Sarfatti für den Faschismus, indem sie den linkischen Mussolini buchstäblich salonfähig machte, seine Biographie verfaßte, vor allem aber die moderne Kunst für das neue System einzuspannen versuchte. Wieland breitet ein weites Spektrum der künstlerischen und politischen Bewegungen Italiens in den Jahren zwischen 1870 und 1922 aus, verliert sich z. T. in etwas weitschweifigen Paraphrasen und Exkursen. Manche Passagen wirken redundant und man wünschte sich manchmal eine pointiertere und plastischere Darstellung. Überzeugend ist die Aufteilung des Buch in die drei prägenden Lebensstationen Sarfattis: Venedig steht für ihre Herkunft, Mailand für ihren Aufstieg, Rom für den Gipfel und den Verfall ihrer Karriere. Doch bei allem Faktenreichtum bleibt Wielands Protagonistin seltsam unpersönlich und leblos, wirkt maskenhaft, ohne emotionales Innenleben, ohne Zweifel und existenzielle Krisen. Sarfatti erscheint als herrischer und karrieristischer Charakter, sie scheint allein vom Streben nach Macht und öffentlicher Präsenz angetrieben zu werden. Dieses Bild ergibt sich aus Wielands Quellenauswahl. Sie hat hauptsächlich offizielle Publikationen und Erinnerungen Sarfattis verwendet, private Briefe, Tagebuchaufzeichnungen und Zeitzeugenberichte fehlen.
Brockhaus-1911: Wieland [2] · Wieland
DamenConvLex-1834: Laura, Petrarka's Geliebte · Wieland, Christoph Martin
Herder-1854: Duce et auspice · Wieland [2] · Wieland [1]
Meyers-1905: Wieland [2] · Wieland [1]
Pataky-1898: Wieland, Frl. Sophie B.
Pierer-1857: Duce et auspĭce · Wieland [2] · Wieland [1] · Wieland der Schmied