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Kein Mensch ist unersetzlich - , aber die Wenigen, die es doch sind, sind groß.' Jacob Burckhardts Formel zum Prädikat der historischen Größe trifft auf keinen Staatsmann des 19. Jahrhunderts so zu wie auf Otto von Bismarck - denn ohne sein Wirken wäre die preußische, die deutsche und die europäische Geschichte der Jahre 1862 bis 1890 anders verlaufen.
Der Autor zeichnet den Aufstieg des ostelbischen Junkers nach und versucht, die Erfolge, aber auch die Grenzen von Bismarcks Wirken zu ergründen.
HervorragendEs gibt zahlreiche Bismarck-Biographien, unter anderem die voluminöse Lebensbeschreibung von Lothar Gall. Diese Biographie besticht insbesondere deshalb, weil sie Bismarcks, v.a. außenpolitisches, Wirken hervorhebt. Seine "Politik der Saturiertheit" sicherte dem deutschen Reich zwischen 1871 und 1890 Frieden und Sicherheit. Es war das Verlassen dieser "eindrucksvollen Friedenspolitik" (Sebastian Haffner in seinen Werk: "Von Bismarck zu Hitler")und die unter Wilhelm II. betriebene "Weltpolitik" der "freien Hand", die Deutschland in den Krieg führte. So ist keine größere Diskontinuität zwischen beiden Personen denkbar. Konsequent wurde daher Bismarck durch Wilhelm II. 1890 entlassen. "Wir haben keine kriegerischen Bedürfnisse" - diese Politik betrieb Bismarck. Schmidt portraitiert Bismarck als "Virtuosen der Macht" ohne ideologische Scheuklappen. Dieses Bild ist korrekt. Die - durchaus problematische - Innenpolitik wird - im Gegensatz zu den hervorragenden Darstellungen von Volker Ullrich oder Theo Schwarzmüller meiner Meinung nach etwas zu milde beurteilt. Aber insgesamt stimmen die Schlussbemerkungen dieses Werkes voll und ganz: Die Frage, ob Bismarcks Werk von Anbeginn an den Keim des Scheiterns, ja des Unglücks in sich trug, wird verneint.Es ist ganz klar festzustellen: Ein Bismarck und ein Wilhelm I. hätten es vor 1914 nicht zu der Selbstisolierung Deutschlands durch seine großspurige Außen- und Weltpolitik kommen lassen. Bismarck operierte - wie übrigens auch etwa Napoleon der Dritte oder der österreichisch-ungarische Außenminister Cavour auf einem "plebiszitären Element der Herrschaft, das in enier Zeit des Wandels und der Instabilität die Massen in den Dienst konservativer Politik nehmen wollte." Dies ist sicherlich zutreffend. Die beiden Alpträume Bismarcks, die Angst vor einer das deutsche Reich einkreisenden Koalition gegnerischer Großmächte ("cauchemar des coalitions") bzw. der vor Revolution ("cauchemar des révolutions) wird treffend herausgearbeitet. Diese Grundkonstanten der Bismarckschen Politik arbeitet Schmidt gut heraus, wenn auch - aufgrund der Kürze der Darstellung - die Reichskanzlerzeit insgesamt, die auf strikter Trennung der Innen- und Außenpolitik festhält, insgesamt eher kursorisch dargestellt wird.Insgesamt war - trotz problematischer Innenpolitik - nicht Bismarck, sondern Hitler der "Dämon der Deutschen". Dies verdeutlicht zu haben, darin liegt der Sinn der Biographie. Ich halte dies gerade heute für wichtig, wo in der Außenpolitik immer stärker eine Tendenz zum: "Wir sind wieder mehr" (Bestehen auf einem UNO-Sicherheitsratssitz mit Veto-Recht) zu beobachten ist. Daher kommt meines Erachtens diese Biographie gerade zur rechten Zeit.
Brockhaus-1809: Michael Ignaz Schmidt
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