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Hitler und die monströsen Verbrechen der NS-Zeit werfen einen Schatten auf alles, was Deutsche sagen oder tun, auch noch fast sechzig Jahre nach dem Ende des Dritten Reichs. Prominente wie Helmut Schmidt, Joachim Fest, Margarete Mitscherlich und Richard von Weizsäcker sprechen über ihre Erlebnisse unter dem NS-Regime und über die Möglichkeit, Vergangenheit zu 'bewältigen'. Ian Kershaw, Peter Schneider, Richard Overy, Heinrich August Winkler und weitere international bekannte Autoren schreiben darüber, was die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet: über die stillen Helden, über neue Erkenntnisse zu Krieg und Holocaust, über deutsche Sonderwege und die Konflikte in der Nachkriegsgesellschaft.
HervorragendZum 60. Jahrestages des Kriegsendes ist die Zahl an Büchern, CDs und Filmen zum Dritten Reich fast unübersehbar. Der Kinofilm: "Der Untergang" - basierend auf Fests Darstellung - hat gezeigt, wie lang der Schatten des Dritten Reiches noch immer ist. Bereits 2004 haben die Spiegel-Autoren Stefan Aust und Gerhard Spörl Aufsätze verschiedenster Zeitzeugen, Historiker, Politiker, Schriftsteller herausgegeben, die sich mit dieser Frage auseinandersetzen. Insbesondere Hitler-Biograph Ian Kershaw geht in seinem Aufsatz: "Trauma der Deutschen" der Frage nach, warum Hitler singulär bleibt. Hitler sei - so Kershaw in Anlehnung an seine frühere Publikation: "Der Hitler-Mythos" vom Anfang bis zum Ende seiner Herrschaft populär gewesen. Sebastian Haffners Diktum, Hitler habe nach 1933 die "große Mehrheit der Mehrheit" für sich gewonnen, die 1933 noch gegen ihn gestimmt habe, stimmt. Auch der Antisemitismus Hitlers sei akzeptiert worden. Andreas Wirsching hat an anderer Stelle von der "Tiefenakzeptanz des Nationalsozialismus" gesprochen. "Warum der modernste Staat auf dem europäischen Kontinent den Mord an den Juden zu einer hochwichtigen Staatsaufgabe machte, fordert eine ständige Suche nach Antworten heraus. Und dass die Durchführung von Hitlers Ausrottungsabsicht gegen die Juden die Zusammenarbeit und Komplizenschaft von Intellektuellen, Ärzten und Juristen, wie auch von Generälen, Soldaten und Männern sowie Frauen aus allen Lebensbereichen erforderlich machte, erhöht für uns alle - nicht nur für die Deutschen - die Notwendigkeit, darüber nachzudenken, wie wir uns unter ähnlich extremen Umständen verhalten würden. "Bruder Hitler", wie eine berühmte Formulierung von Thomas Mann lautet, lässt solche Fragen bis heute aktuell sein." Kershaw zieht das Fazit: "In hundert Jahren wird Hitler...definitiv ein Teil der Geschichte, nicht der Gegenwart sein. Die "Historisierung" Hitlers wird abgeschlossen sein. Aber der Prozess der dahin führt, wird eine lange organische Entwicklung darstellen. Es wird keinen Punkt geben, an dem es möglich sein wird, aus politischen Motiven zu beschließen, aus dem Schatten Hitlers herauszutreten." (S. 103).
Dieses Fazit teilen auch die weiteren Autoren dieses hochinteressanten Werkes. Interviews finden sich mit noch lebenden Zeitzeugen, wie etwa Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, dessen Vater ja im Auswärtigen Amt unter Hitler diente und dessen Biographie beispielhaft den Zwiespalt aufzeigt, den das Leben unter der totalitären Diktatur erforderte und wie eigene moralische Wertvorstellungen durch die barbarische Realität des Regimes zurückgedrängt wurden. Größer kann in der Tat die Last nicht sein, wie Weizsäcker treffend in dem Interview bilanziert. Doch auch die anderen Interviews, etwa mit Altbundeskanzler Helmut Schmidt, dem Sozialhistoriker Ralf Dahrendorf, dem Historiker Walter Laqueur, das Gespräch mit der Psychoanalytikerin Margarete Mitscherlich, die zusammen mit ihrem Mann das Werk: "Die Unfähigkeit zu trauern" verfasst hat, sind sehr sehr interessant. Zum 60. Jahrestag des Kriegsendes sollte meines Erachtens gerade dieses Buch gelesen werden. Es ragt an Nachdenklichkeit, Intensität aus der Füller der angebotenen Bücher hervor. Unbedingt lesenswert. (447 Wörter)