García Márquez, Gabriel

Laubsturm

Laubsturm
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 2004-03
  • Format: Broschiert
  • Umfang: 190
  • ISBN: 3596162610
  • EAN: 9783596162611
  • Amazon.de Verkaufsrang: 154.852
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Beschreibung von buecher.de

Macondo ist ein verfallendes Dorf, über das der Laubsturm hinweggegangen ist - Bürgerkrieg, Bananenboom, Naturkatastrophen. In der sengenden Hitze sind die Schwachen, die Gescheiterten zurückgeblieben. Eingeschlossen in ihre Erinnerungen und ihre Einsamkeit können sie nur noch vergeblich warten. Vor diesem Hintergrund erzählen der alte unbeugsame Oberst, seine Tochter Isabel und deren neunjähriger Sohn abwechselnd von der jahrzehntelangen, über den Tod hinausreichenden Fehde des Dorfes mit einem exzentrischen, Gras essenden französischen Arzt.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von ludwigwitzani fanden 49 von 50 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Der Erstling eines Nobelpreisträgers - alle Achtung!

Manchmal sind Bücher wie Wegweiser, die einen auf andere Bücher führen. An den "Laubsturm" kam ich durch die Lektüre des ersten Bandes von Garcia Marquez Autobiographie "Leben um davon zu erzählen", einer poetisch gestalteten Lebensbeschreibung, in der die dreißig ersten Lebensjahre des kolumbianischen Nobelpreisträger vorgestellt werden. Im letzten Teil dieses bemerkenswerten und ungemein unterhaltsamen Buches berichtet Garcia Marquez von seinem Werdegang als Schriftsteller, von der mühsamen Suche nach dem magischen Realismus, seinen Kafka- und Faulkner- Lektüren, und auf nicht weniger als fünfzig Seiten ( 456-510) wird der Leser zum Zaungast von Gesprächen des damals noch recht jungen Autors mit seinen literarischen Kumpanen über sein erstes wirkliches Buch - eben den "Laubsturm". Donnerwetter, dachte ich, erst gut zwanzig Jahre alt ist der künftige Nobelpreisträger, doch er schwadroniert über die Literatur bereits wie ein Großer. Kann sein Erstling "Laubsturm" diese Ambition auch wirklich decken? Eben das wollte ich wissen, und so marschierte ich, da das kleine Buch vergriffen war, ins Antiquariat und besorgte mir den 120- Seiten Roman in einer Insel-Ausgabe aus dem Jahre 1955 und begann zu lesen. "Laubsturm" ist die erste Geschichte in der Garcia Marquez das berühmte Macondo aus "Hundert Jahre Einsamkeit" entstehen lässt, die literarische Dublette seiner Heimatstadt Aratacata, die in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg durch die Aktivitäten einer Bananengesellschaft und den Bau der Eisenbahn vorübergehend zu ein wenig Wohlstand gekommen war, ehe sie im allgemeinen Niedergang des kolumbianischen Lebens wieder versank. Inmitten dieses kurzen Intermezzos einer kolumbianischen Erbaulichkeit kommt ein Fremder in die Stadt, ein vermeintlicher Arzt, der sich bei Obert Buenita ( Freunde von "Hundert Jahre Einsamkeit": aufgepasst!) niederlässt, nach und nach das ganze Dorf vergrault, jedermann, der ihm Gutes tut, vor den Kopf stößt und schließlich völlig vereinsamt sich das Leben nimmt. Der Oberst, seine Tochter und sein Enkel sind die einzigen, die dem Widerling ein christliches Begräbnis ausrichten wollen, was auf Unverständnis und Befremden bei der Nachbarschaft stößt, weil der Doktor selbst die Dorfgemeinde in einem entscheidenden Augenblick die Hilfe versagte. Aber das ist nur der Rahmen einer dreifach erzählten Geschichte von Macondo, seinen Menschen, Leidenschaften und Verhängnissen. Ganz gleich ob der Oberst, die Tochter oder der Enkel erzählen, ist es frappierend wie es der blutjunge Garcia Marquez versteht, eine üppige und zugleich morbide karibische Welt vor den Augen des Lebens in alle ihrer Größe und Verfallenheit entstehen zu lassen. Wie die Geschichte ausgeht, wird natürlich nicht verraten, aber soviel ist schon mal sicher: der junge "Gabito" aus "Leben, um davon zu erzählen" hat sein Handwerk schon in den frühen Zwanzigern beherrscht. Für alle Garcia Marquez Fans, insbesondere für die Leser der Autobiographie ein unbedingtes muss. Und der Leser von "Leben, um davon zu erzählen" kann beruhigt weiter lesen. Der junge Gabito weiß wovon er spricht.

Diese Rezension fanden 21 von 22 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Meisterhaft erzähltes Frühwerk des Autors

Laubsturm ist eines der früheren Werke von Garcia Marquez, erschienen, lange bevor der Autor mit Hundert Jahre Einsamkeit Weltruhm erlangte. Garcia Marquez' früher Stil ist nicht ganz so ausgereift und brilliant wie in seinen bekannten Meisterwerken, aber Laubsturm läßt das Talent des Autors zweifelsfrei erkennen und mag vielen Lesern sogar besser liegen als die umfangreichen und oft etwas unübersichtlichen Familiensagen späterer Werke. Zum Roman. Aus drei verschiedenen Sichten (Kind, Mutter, Großvater) wird dieselbe Szene beschrieben: die Beerdigung eines verhaßten Kleinstadtbürgers. Wir erfahren erst nach und nach und eben aus verschiedenen Perspektiven die Geschichte dieses Mannes und die der Familie, die bei dieser Beerdigung zugegen ist. Eine spannende, rührende und ausgeklügelt erzählte Geschichte, die zu lesen sich nicht nur für Fans des Autors lohnt.

4 von 5 Sternen Vergleich mit "Hundert Jahre Einsamkeit"

Laubsturm, der erste Roman von Gabriel García Márquez basiert hauptsächlich auf geschichtlichen Aspekten und Erinnerungen. Der Autor lässt den Leser miterleben, wie man eine einzige Situation aus verschiedenen Perspektiven sehen kann, und das obwohl es nur um einen Moment von 30 Minuten geht. Er verwendet eine kompliziertere Zeitstruktur als in Hundert Jahre Einsamkeit, beschränkt sich jedoch auf einen geringeren Raum und schreibt im Stil des kritischen Realismus.

Auf den ersten Blick erscheint Laubsturm im Vergleich einfacher und schlichter, doch auch dieser Roman ist ein ausgereiftes Werk mit eigenen Qualitäten. Er ist zwar kürzer, weist aber komplexere Strukturen auf. Trotzdem schafft es García Márquez auch mit diesem Werk den Leser an eine Handlung zu fesseln, die, im Gegensatz zu Hundert Jahre Einsamkeit, nur einen kleinen Augenblick im Leben dreier Menschen ausmacht. - (Auszug aus meiner Hausarbeit zu diesem Thema)

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