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Keiner seiner Zeitgenossen nahm an der Geschichte 'Venus im Pelz' des überaus angesehenen und erfolgreichen Autors Leopold von Sacher-Masoch Anstoß, bis im Jahre 1886 in einer Schrift Krafft-Ebings die Symptome einer bestimmten Peversion unter dem Namen Masochismus zusammengefasst wurden. Sacher-Masoch und seine Anhänger wehrten sich vergebens gegen diese Bezeichnung.
Sacher-Masoch geriet in Verruf, seine Literatur in Vergessenheit.
Die vergessene VenusAuf Leopold Sacher-Masoch, dem Autor der „Venus im Pelz", muss die Enttäuschung schwer gelastet haben. Nicht nur, dass man sich seines Namens bediente, um eine Perversion zu benennen(Masochismus), viel schlimmer dürfte für Sacher-Masoch gewesen sein, dass sein Name zwar zu einem bekannten Begriff wurde, sein Werk aber gleichzeitig in fast völlige Vergessenheit geriet. Dem Maquis de Sade, Namensgeber des Gegenbegriffes Sadismus, und seinen Werken fehlte es nie an Beachtung, aber wer kennt schon Sacher-Masoch und seine „Venus im Pelz"? Der Roman aus dem Jahre 1870 erzählt die Geschichte des Severin von Kusiemski, der das Verlangen hegt, von einer Frau gequält zu werden und mit seiner Geliebten Wanda einen Vertrag vereinbart, der ihn zu ihrem Sklaven macht. Mit immer größer werdender Grausamkeit quält und demütigt Wanda ihren Sklaven Severin, der die Erfüllung seiner Phantasien genießt - bis ein Rivale aus dem lustvolle Spiel bitteren Ernst macht... Die Sprache, der sich Sacher-Masoch dabei bedient, ist angenehm flüssig und dezent- keine Spur von Vulgärsprache. Ich habe persönlich keinerlei Neigung zum Masochismus und fand den Roman doch recht angenehm zu lesen. Wirkliche Spannung kommt zwar nicht auf, ungewöhnlich und faszinierend ist der Roman aber allemal. Die Vergessenheit haben Sacher-Masoch und seine „Venus im Pelz" sicher nicht verdient.
Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte-SM für die Sinne."Venus im Pelz",ein Roman,der Menschen,die in sich selbst "echte" Neigungen verspüren,faszinieren wird.Das Buch ist nichts für"Möchtegerndoms und-subs".Wer heiße Sex-und SMszenen erwartet,wird total enttäuscht sein.Dieses Buch wird nur verstehen,wer mit dem Herzen bei der Sache ist.Liebe und SM schließen einander nicht aus,im Gegenteil...
Sacher-Masoch versteht es,uns die Dualität der Gefühle nahezubringen.Zerissenheit,gepaart mit Leidenschaftlichkeit und Faszination,die Lust am Leiden,Demut aus Liebe,Schmerz und Zärtlichkeit...
Dem Romanhelden gelingt es diese Neigungen bei der schönen Wanda zu wecken..Er bringt ihre Fantasie zum Vibrieren...und die des Lesers gleich mit...
In meinen Augen ein einzigartiges,wirklich bewegendes Buch,das in die Tiefe geht...
JungleserMit knapp 20 Wintern hielt ich dieses Buch auf Empfehlung meines Vaters in Händen, der "mal wieder was für meine literarische Bildung" tun wollte.
Ein knappes Jahr zuvor hatte ich ein interressantes und aufschlussreiches Gespräch über die Empfindungen von "Gewaltanwendungen" in Beziehungen mit einer flüchtigen Bekanntschaft. Beim Lesen des Buches wurde dieses Gespräch immer wieder aus der Versenkung geholt; Masoch hat vormuliert, wozu mir die Ausdrücke und Wortgewantheit gefehlt haben: Die Befriedigung, wenn sich schöne Frauen einem annehmen und einen spüren lassen, dass sie sich voll und ganz mit einem beschäftigen.
Des öfteren, vor allem wenn die Hauptfigur des Romans Severin seine Angebetete Wanda erzieht, war ich der Meinung: "Ja; das ist es/so sollte es sein/richtig"
Zumindest was den Teil der Verehrung v. schönen Frauen angeht und der Bereitschaft ihnen zu dienen. Vom "Masochismus" selbst distanziere ich mich, und auch Masoch selbst schreibt am Schluss:
Wer es so weit kommen lässt, dass er von einer Frau geschlagen wird hat es verdient.
DIESES BUCH ENTHÄLT KEINE DETAILIERTEN FOLTERBESCHREIBUNGEN! Es ist mehr als Aufklärungsarbeit zu verstehen. Für kranke und ausschweifende Folterungen sollte man sich an Sade wenden (ein kranker Autor der zig Jahre im Knast saß)
Venus im Pelz ist angenehm flüssig zu lesen und recht gut als Vorbereitung für Werke Sades.
Eigentlich ein psychologischer Entwicklungsroman...Bei dem wohl bekanntesten Werk von Sacher-Masoch handelt es sich genaugenommen um einen psychologischen Entwicklungsromen. Der Held der Geschichte, Severin genannt (wohl nach "Servus", lat.:"der Sklave"), liefert sich einer von ihm begehrten Frau vollständig aus, wird gelockt und zurückgewiesen, erhält winzige Gunsterweise und wird brutal mißhandelt. Ich muss sagen, es war schon eine leicht masochistische Erfahrung, diesen Roman zu lesen, gerade weil die psychische Anatomie des Helden so feinnervig beschrieben wird. Empathische Leser, die sehr mit ihren Romanhelden mitfiebern, können also gleichsam eine literarisch-peinvolle Erfahrung machen. Allerdings wird wohl die Lust an der Demütigung für alle, die keine devote Neigung haben, auch während des Lesens dieses Buches eher ein Rätsel bleiben. Mehrmals während der Lektüre dachte ich mir jedenfalls: Weshalb läßt er das alles über sich ergehen? - Und der Erzähler liefert uns nur die eine für ihn gültige Erklärung: Aus Liebe!
Das Ende ist dann auch recht interessant, und wäre wohl für die meisten heute lebenden und praktizierenden Masochisten keine denkbare Alternative (lest es selbst!).
Insgesamt kann man feststellen, dass der Roman, als er geschrieben wurde, sich auf der Höhe der Zeit befand, und sich deshalb nahtlos einreihen läßt in die große psychologisch-deutende Erzähltradition des 19. Jahrhunderts.
Wer allerdings pornographisch-explizite Geschichten sucht, wird von der "Venus im Pelz" eher enttäuscht sein.
Vom „Erfinder“ des Masochismus*****
Leopold von Sacher-Masoch lebte im 19. Jh im damaligen Österreich-Ungarn. Er schrieb mit gewissem Erfolg Unterhaltungsliteratur, meist pikante Kurzgeschichten. In diesen Geschichten kommt oft das Thema Masochismus vor, aber meist in unterhaltsamer Form.
Nicht so bei der „Venus im Pelz“. Bei diesem Buch gibt es kaum eine normale Handlung, das ganze buch ist dem Masochismus gewidmet: ein Mann verfällt einer Frau, und fleht sie an, ihr Sklave sein zu dürfen. Zu einem großen Teil besteht das Buch aus Monologen des Ich-erzählers.Sacher-Masoch hatte genaue Vorstellungen von seiner Traumfrau: eher klein und zierlich gebaut, mit kleinen Händchen und zarten Füßchen, ein bißchen mollig, gleichzeitig aber sehr entschlossen, psychisch stark und energisch (in heutigen Worten: eine echte Powerfrau).
Mit Lack und Leder hatte er nichts am Hut, er war ein extremer Pelzfetischischt.
Sein Traumbild sah ungefähr so aus: auf einem Kanapee liegend, die zarte, nackte, rosige Haut gerade von einer Pelzstola oder einem Schlafpelz bedeckt, in einer Hand eine Peitsche, herrisch und unerbittlich...Damals war der Roman ein Skandal, das Verhalten des Mannes in dem Buch wurde als krankhaft eingestuft (abgeleitet von seinem Nachnamen „Masoch“ wurde das Wort „Masochismus“ von der Wissenschaft erfunden).
Ohne Zweifel war der Autor selber Masochist. Masochismus war aber vor allem eine geistige Haltung, etwa einer Frau zu verfallen und dann von der Frau zurückgewiesen und gedemütigt zu werden und das ganze auch noch zu genießen.
Das Buch hat eher eine blumige Sprache, wer sich derb-deftige Sexszenen erwartet wird enttäuscht werden.
Liebhaber der subtileren Erotikliteratur werden voll auf ihre Rechnung kommen!Das Buch hatte enormen Einfluss auf spätere Autoren und auf die Entstehung der Psychoanalyse.
Venus im Pelz ist Weltliteratur!
Adelung-1793: Pelz, der · Venus, die
Brockhaus-1809: Venus [2] · Venus · Die Mediceische Venus
Brockhaus-1911: Sacher-Masoch · Pelz · Venus · Venus [2] · Mediceische Venus · Fliegenfalle der Venus
DamenConvLex-1834: Venus, Frau · Venus (Mythologie) · Venus (Astronomie)
Meyers-1905: Sacher-Masoch · Pelz. · Pelz · Venus [2] · Venus [3] · Venus [4] · Venus [1] · Medicēische Venus · Fliegenfalle der Venus · Sine Cerĕre et Baccho friget Venus
Pataky-1898: Sacher-Masoch, Frau Aurora v. · Sacher-Masoch, Frau Hulda Edle v. · Pelz, Henriette
Pierer-1857: Ungarischer Pelz · Pelz · Venus Vulgivăga · Venus [2] · Venus [1] · Sine Cerĕre et Baccho friget Venus · Fliegenwedel der Venus · Durchgang der unteren Planeten Mercur u. Venus durch die Sonne · Nefanda Venus · Medicēische Venus