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Ob in den entlegensten Winkeln der Welt oder in den Straßen der Metropolen, überall lauert das Unerwartete. Und wer wüsste mitreißender davon zu erzählen als Wladimir Kaminer, der die Leser auf abenteuerliche Reisen nach Sibirien und Dänemark, Moskau und Paris entführt. Und vieles, von dem er berichtet, dürfte selbst Experten völlig neu sein ...
Der in der ehemaligen Sowjetunion gepflegte schöne Brauch, verdienten Proletariern einen Ferienaufenthalt in den Kapitalistenhochburgen Paris oder London zu ermöglichen, ließ Onkel Boris' Herz hüpfen. Was unser Held der Arbeit nicht wusste: Um etwaigen Verlockungen im imperialistischen Ausland vorzubeugen, ließ das listige Sowjetregime in der südrussischen Steppe eine Art Potemkin'sches Geister-Paris aufbauen, das in der Herbstsaison mit wenigen Handgriffen in London umgestaltet werden konnte. Auch der merkwürdig vertraute Busfahrer, den Onkel Boris als Kollegen aus dem Arbeitslager identifizierte, trübte den Genuss in der Seine-Metropole nicht. Jahrelang noch sollte die Familie von den Montmarte-Eindrücken des lebenshungrigen Onkels zehren. Mit solchen und ähnlichen Schnurren über das Fernweh und die oftmalige Ernüchterung angesichts des Ziels vermeintlicher Träume, beweist Wladimir Kaminer erneut seinen lakonischen Scharfblick für den ganz alltäglichen Wahnsinn. Bekannt geworden durch den Erzählungsband Russendisko, durchstreift der witzige Exilrusse neuerdings für das ZDF-Morgenmagazin als stoischer Kommentator bundesdeutscher Befindlichkeiten seine Berliner Wahlheimat. Hier (im Ausländerwohnheim Marzahn) endete 1990 für's Erste auch Kaminers Traum von der großen Freiheit. Die titelspendende Reise nach Trulala unternahm ein befreundetes Künstlerpärchen auf seiner Spurensuche nach Joseph Beuys, der, im Krieg auf der Krim abgeschossen und von dortigen Tataren gesund gepflegt, fortan in Fett und Filz machte. Des Autors Warnung vor der Krim als tatarenfreiem Touri-Neppland stieß bei den Beuys-Jüngern auf taube Ohren. Noch heute erinnert sich Kaminer an ihren aufgeregten Anruf aus dem ominösen Krimtatarendorf Trulala. Tataren, so weit das Auge blickt? In Filz gewandet? Beuys' Sohn gar entdeckt? Spätestens hier dämmerte es Kaminer, dass die Krimbewohner ihrem Ruf erneut gerecht geworden waren. Ob wehmütige Post-Perestroiker im Reisefieber, Glücksritter auf Talfahrt, geheimnisvolle "Papstkinder", Wessi-Touristen, die in der Nähe von Stawropol Schweineställe mit Rundbogenfenstern bestaunen (siehe Onkel Boris) -- sie alle haben in Wladimir Kaminer ihren liebevollen Chronisten und Reisebegleiter gefunden. --Ravi Unger
Russischer Münchhausen auf Europareise ..."Die Parteibonzen sperre ich nackt in Käfige und stelle sie im Moskauer Zoo aus ... und Lenin hole ich eigenhändig aus dem Mausoleum und röste ihn auf dem Ewigen Feuer vor der Kremlmauer ..." - ganz so ernst ist der Inhalt der "Reise nach Trulala", wie der Titel schon andeutet, natürlich nicht. Wladimir Kaminer praktiziert mit seinem gelb weithin gut sichtbaren Buch ein weiteres Mal die Verhohnepipelung der Reste des einst mächtigen aber nun in viele Individualisten zerbröselnden Sowjetreichs. "Lass uns lieber nach Amsterdam trampen, dort stehen nackte Frauen jeden Kalibers in den Schaufenstern, und überall hängen Weihnachtsgirlanden, das ganze Jahr über" - mit solchen und ähnlichen Aufrufen bläst Kaminer die Fanfare, einen völkerverbindenden Tourismus anzuheizen, nun, da es keinen Eisernen Vorhang mehr gibt. Nach Dänemark wird getrampt (dort trinken dicke rothaarige Männer Bier aus Dosen, rülpsen und rauchen "Prinz"), natürlich nach Paris (dort Straßenmusik-Töne aus einer peruanischen Blockflöte, klangähnlich dem "Piepsen einer Katze, die unter die Räder eines Citroens gekommen war") - oder auch der umgekehrt einsetzende Erkundungsstrom wird auf die Schippe genommen: mit dem Fahrrad trotz fehlender Radwege nach Sibirien oder: Josef-Beuys-Verehrer auf der Suche nach der konkreten Absturzstelle seines Flugzeuges auf der Krim. Dort angekommen: Hinweisschilder in Richtung dreier miteinander konkurrierender Dörfer, Devotionalien-Handel mit Filz, Fett und Flugzeug-Ecken. Natürlich übertreibt hier Kaminer etwas die Geschäftstüchtigkeit seiner Landsleute ins Münchhausenhafte. Auch habe ich nicht geglaubt, dass die auf einer stillgelegten Potsdamer Sowjetkaserne hergstellte besonders fettarme Wurst russische "Jungsoldaten" beinhaltet: die Anekdoten Kaminers sind so sehr historisch oder politisch korrekt nicht - jedoch eine kabarettreife Verulkung vorhandener Klischees und Vorurteile. Gelangt man an das Ende des Buches, verlässt man es mit guter Laune - zumindest allein deshalb, weil man selbst nicht der Dumme war, der auf dem Grund des Brunnens im Jardin du Luxembourg nachts nach Münzen tauchte - und dann von der Polizei verhaftet wurde. "Auf Englisch fragte er einen der Polizisten, mit welcher Strafe er zu rechnen habe. MIT DER GUILLOTINE meinte der Polizist und fasste sich zur Bekräftigung an die Gurgel ..."
Angenehm erfrischender Humor für Russland-Freunde"Die Reise nach Trulala" zeigt bereits eine deutliche Steigerung gegenüber der "Russendisko", dir mir entsprechend auch einen Stern mehr Wert ist. Die liebenswerte Art, mit der Kaminer seine Geschichten erzählt, ist eine angenehm erfrischende Abwechslung gegenüber vielen anderen krampfhaft witzigen und lockeren Büchern.Im Gegensatz zur "Russendisko" hinterlassen die diversen Episoden bei mir auch nicht mehr den Eindruck der Unvollständigkeit und Enttäuschung.Für jemanden, der Russland ein bisschen näher kennt, erscheinen diese Erzählungen sogar glaubhaft. Beim Lesen dieses Buchs entsteht das gleiche Gefühl, wie bei einem (nicht nur urlaubsbedingten) Aufenthalt in Russland: unaufhörlich wird man mit den seltsamsten und skurrilsten Situationen und Begebenheiten konfrontiert, die man nicht glauben würde, wenn man sich nicht gerade selbst mittendrin befände.Auch in diesem Buch wird man (wie in der "Russendisko") nicht mit dem schon klischeehaften Tiefgang der russischen Seele konfrontiert. Aber definitiv mit einem Stück russischen Witzes und Humors, auch wenn diese nicht unbedingt so beabsichtigt waren, sondern manchmal eher in einer (für unsere Verhältnisse) etwas kindlicheren Sichtweise ihren Ursprung finden.
Erheiternd und kurzweiligParis, die Stadt der Liebe und des Eiffelturms, ist Traum vieler Russen. Wie einige von ihnen es anstellen, an das Ziel ihrer schlaflosen Nächte zu gelangen, was sie dabei erleben, ohne zu merken, daß ihnen die damalige Sowjetunion nur ein Potemkinsches Dorf dargeboten hat, erfahren wir in Wladimir Kaminers Reisebuch. In bewährter erheiternder Manier schildert uns der 37jährige in Berlin lebende Autor die kleineren und größeren Mißgeschicke und Abenteuer, die er, russische Verwandte und Landsleute oder deutsche Freunde bei Reisen auch in das echte Paris, die USA, nach Dänemark, auf der Krim oder in Sibirien erleben.Wladimir Kaminer, der russische Schwejk und Lebenskünstler, hat wieder zugeschlagen. Egal ob Berliner Touristen nun tatsächlich auf die angesengten Stiefel des angeblich im Krieg über der Krimhalbinsel abgeschossenen Joseph Beuys stoßen oder nicht, der Leser fiebert mit Kaminers Helden in tragigkomischen Reisesituationen mit und muß schmunzeln. Wer schlechte Laune hat, sollte Kaminer lesen, er wird sich bald besser fühlen. Da man von dieser Art der leichten Muse nicht genug bekommen kann, ist die kurzweilige Lektüre des 177 seitigen Büchleins nachdrücklichst zu empfehlen.
Wie erwartet!Die Reise nach Trulala! Allein der Titel sollte alle Nichtkenner Wladimir Kaminers neugierig machen. Das Buch verschafft einen guten Eindruck über die Ansichten und Träume, wenn auch meist Geplatzten, von Exilrussen. Kaminers bekannter, trockender Humor bleibt bei keiner Seite auf der Strecke und man liest das Buch wirklich mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Ich würde es als eine Erlebnissammlung betiteln, die auf russischdenkende Art, mit 187 Seiten genau zum Abschluss kommt.
Lesenswert, weil kurzweilig!
Einigermaßen amüsante GeschichtenNettes amüsantes Buch mit dem Anspruch, zu unterhalten. Das tut es einigermaßen. Wladimir Kaminer schreibt in einem entfernt an Kishon erinnernden Stil über ganz ohne Zweifel wahre Erlebnisse zum Thema Reise. Es geht nach Paris, Amerika, Dänemark, auf die Krim und nach Russland. Die 180 Seiten Großdruck Kleinformat hat man schnell durch, ist amüsiert und vergisst das Ganze ebenso schnell wieder, wie man es gelesen hat.
Leichte Kost, bei der man nicht viel falsch machen kann.
Adelung-1793: Reise-Altar, der · Reise, die · Reise-Apotheke, die · Reise-Furier, der · Reise-Capelle, die · Nach-trachten · Nach-Trag, der · Nach-traben · Nach · Nach-Trab, der · Nach-Trupp, der · Nach-treiben · Nach-tragen · Nach-treten · Nach-trillern · Nach-Trieb, der
Brockhaus-1911: Nach Sicht · Nach uns die Sintflut · Eulen nach Athen tragen · Nach Kanossa gehen wir nicht
Meyers-1905: Nach uns die Sündflut! · Zug nach dem Westen · Eulen nach Athen tragen · Nach Canossa gehen wir nicht
Pierer-1857: Reise nach Jerusalem · Reise · Nach Wechselrecht · Nach Sicht · Fortdauer nach dem Tode · Gestalter Sachen nach · Nach dato