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Keinem, auch nicht Lucie, der schönen Klassenbesten, darf der dreizehnjährige Daniel sagen, wohin sein Vater ihn gleich bringen wird: nach Westberlin. Dort soll er das Gymnasium besuchen, weil das zu Hause, in der mitteldeutschen Kleinstadt, nicht möglich ist. Der neue Schuldirektor und der Pfarrer warnen vor Besuchen in der Heimatstadt: 'Es sei zu gefährlich, sagten sie, weil ich heimlich nach Westberlin gegangen sei. Ich hatte die Republik verraten und stand auf der Liste.' Mit den Mitteln einer fiktiven Autobiographie erzählt Christoph Hein von einer Jugend in der DDR der fünfziger Jahre.
'Was Christoph Hein hier vorgelegt hat, ist ein kleines Wunder an Unbeschwertheit, aber auch ein Kunstprodukt im Stadium der Vollkommenheit. Gelingt es ihm doch, die Wahrnehmungsperspektive eines Dreizehnjährigen in seinem Erwachsenwerden und gleichzeitig noch Kindlichsein so wunderbar in der Schwebe zu halten, daß einem Tränen der Rührung ins Auge schießen, während man gleichzeitig nicht umhinkommt, breit zu grinsen', schrieb Tilman Krause im Tagesspiegel.
Leben und Liebe lernenChristoph Heins Erzählung VON ALLEM ANFANG AN (1997) schildert mit verständlicher Erzählsprache die Kindheit des kleinen Daniels, der die Erwachsenenwelt mit all ihren Nachteilen aus einem naiven Blickwinkel heraus beobachtet.Unter dem Motto - man muss dem Leben von allem Anfang an ins Gesicht sehen - erlebt er erste erotische Abenteuer. Die kleinen Notlügen der Erwachsenen lernt er als Überlebenshilfen im Alltag kennen. Frei nach der Devise: Die Welt will betrogen werden.Wichtigste Erkenntnis des kleinen Daniels ist aber, dass es im Leben nicht immer Gewinner geben kann und man sich im Leben mit dem Zweitschönsten zufrieden geben muss.Wer seine eigene Kindheit und Jugend noch einmal erleben möchte, erlebt sie beim Lesen dieser unterhaltsamen Erzählung - inklusive dem Gefühl, wie es war, als man das erste Mal verliebt war...
Am Anfang die Abschiede...Der Junge, von dem in diesem Buch erzählt wird, heißt Daniel; er könnte auch Christoph heißen, denn Parallelen zur Biografie des Autors lassen sich leicht ziehen: Von der Kindheit in einer Kleinstadt wird erzählt, in der Daniel aufwächst, nachdem die Familie aus Polen hierher gezogen ist und von dem Wunsch und der Absicht, nach West-Berlin zu flüchten - das ist Heins Biografie in Reinform. Andere Passagen des Buches sind schwerer zu glauben - vielleicht spielt hier die literarische Freiheit eine größere Rolle; ich traue Hein solch ein gutes Gedächtnis in diesem Ausmaß ehrlich gesagt nicht zu.Alles in allem ist es aber ein interessanter Lesestoff, auch wenn man nicht erfährt, für wen Hein nun eigentlich schreibt: für Kinder in dem nämlichen Alter? Für Erwachsene, Junggebliebene? Ein kindlicher Erzählstil, der bewußt Wissenslücken betont, unsicher wirken kann, steht dem lyrischen Fluß der Erzählung, dem allumspannenden Band, der Dichte und der Weitsichtigkeit konträr gegenüber. Man hat den Eindruck, ein Kind von fünfzig Jahren hat hier die Hände im Spiel.Alles in allem durchaus zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)