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Dieses Buch vereint, ganz unangestrengt, einige aktuelle Befunde aus Psychologie und Neurowissenschaften über die Verschiedenheit von Männern und Frauen und zeichnet so ein etwas anderes Bild als einige der jüngsten Bestseller. Jene haben sicher Hand und Fuß - doch dieses hier liefert den Kopf dazu. Auch wenn wir natürlich wissen, daß wir eigentlich nichts wissen, so gibt es doch einige eherne Wahrheiten, derer sind wir uns ebenso gewiß, wie sie uns immer wieder staunen lassen. Zum Beispiel, daß Frauen einfach nicht einparken können und Männer sich überall prima zurechtfinden. Was liegt also näher, als sich über diese und andere Merkwürdigkeiten durch die amüsanten Bestseller von Allan und Barbara Pease aufklären zu lassen. So auch die Autorinnen dieses Buches, die - von der Lektüre zunächst erheitert - zunehmend irritiert feststellten, daß hier, nun sagen wir, sehr frei mit Ergebnissen der Hirnforschung und Evolutionsbiologie umgegangen wird. Daraus ergab sich zwingend die hier vorgelegte, gut lesbare 'Richtigstellung'. Gerade am Beispiel der räumlichen Orientierung von Frauen und Männern läßt sich nämlich zeigen, daß die uns allen so vertrauten geschlechtsspezifischen Unterschiede keineswegs so eindeutig sind, wie es uns bei Pease beschrieben wird. Damit nicht genug: Es gibt viele Indizien dafür, daß die weibliche 'Einpark-Unfähigkeit' und das männliche 'Orientierungs-Genie' keineswegs Ausdruck beschränkter weiblicher bzw. befähigter männlicher Gehirne sind, sondern nur unterschiedliche Ausdrucksformen ein und derselben Denkvorgänge.
Mit anderen Worten: Sie dürfen sich auch dann als richtige Frau fühlen, wenn Sie gut einparken können, und sind auch dann ein richtiger Mann, wenn Sie nach dem Weg fragen.
Es ist eine deutliche Antwort auf "kommerziell so erfolgreiche Bücher", auf Bücher, die Frauen und Männer samt ihrem räumlichen Denken in zwei genetisch unterschiedliche Klassen einordnen wollen. So nicht, sagen die beiden Autoren, eine Neurobiologin und eine Psychologin, und wollen Mann und Frau nicht leichtfertig abgestempelt sehen. Fundiert und faktenreich kommt hier eine Replik, der man den gleichen Erfolg wünscht wie jenen Büchern, die -- frei nach Motto "eigentlich haben wir es schon immer gewusst" -- klarmachen, warum Frauen nicht einparken und Männer sich so hervorragend orientieren können. Das seien Bücher, denen es in "erster Linie um die Auffrischung banaler Geschlechterklischees" gehe, behaupten zwei Frauen, die zusammen mit 13 Kollegen eine "Reise durch die aktuellen Forschungsergebnisse zum "kleinen Unterschied" antraten. Erziehung, Umwelt, gesellschaftliche Einflüsse, Prägungen durch Elternhaus und Partnerschaft, das Verhältnis zum eigenen Ich, Gewohnheiten, es sind viele und unterschiedliche Faktoren, die mitspielen und bewirken, wie sich Mann oder Frau in einem Raum zurechtfindet. Dass es Ansätze gewisser geschlechterspezifischer Unterschiede gibt, das wollen die Autoren nicht leugnen und in Frage stellen, aber vehement und sachlich sehr überzeugend machen sie klar: Auch eine Frau, die gut einparken kann, ist eine Frau, so wie ein Mann, der mal den Überblick verliert, dennoch ein richtiger Mann sein kann. 13 Kapitel, alle nochmals übersichtlich untergliedert, versehen mit Zeichnungen, Skizzen, Testbeispielen und Statistiken machen das Lesen leicht und kurzweilig. Eine Tatsache, die für das Bemühen der Autoren spricht, "die trockene Sprache der Wissenschaft zu verlassen". Wen also Klischees über Mann und Frau weniger interessieren als etwa "brandneue wissenschaftliche Befunde aus Psychologie und Neurowissenschaften", der wird diese hochspannende Aufklärungslektüre nicht bereuen. --Barbara Wegmann
Wie es wirklich ist.....Haben Sie die Pease-Bestseller auch gelesen?
Diese lustigen Geschichten über den "Kampf der Geschlechter", gespickt mit zahlreichen wissenschaftlichen Erklärungen? Nun - die Autoren haben nicht nur die Bestseller-Listen sondern auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse auf den Kopf gestellt. Im Buch von Claudia Quaiser-Pohl und Kirsten Jordan kommen jetzt Wissenschaftler selbst zu Wort. Sie zeigen dem interessierten Leser verschiedenste Ansätze der Geschlechterforschung, korrigieren falsche Darstellungen namhafter Bestseller, stellen eigene Untersuchungen vor und laden zu kritischer Auseinandersetzung mit dem Thema des "großen kleinen Unterschiedes" ein.
Wer also fernab von Klischees und "hab ich doch schon immer gewußt"- Argumentationen die Lust hat, sich mit den Orientierungskünsten von Männern und Frauen auseinanderzusetzen und sich einen kritischen Blick für vermeintlich gesicherte Erkenntnisse über die Unterschiedlichkeit von Männern und Frauen anlesen möchte, dem sei dieses Büchlein empfohlen.
Wenn Sie eine Frau sind, die sich nicht in die Klischee-Ecke der einkaufswütigen Plaudertasche stellen lassen will oder aber ein Mann, der gerne der weiblichen Begleitung das Steuer überläßt - nur zu: lesen Sie, wie es wirklich ist......
Na Gott sei Dankwer sich über die Geschlechtsunterschiede ein wenig weiterbilden, jedoch nicht in hoch wissenschaftlichen und wahrscheinlich entsprechend trocken geschriebenen Abfassungen schmökern möchte, wird eventuell über die Bücher des australischen Schriftsteller-Paars Allan & Barbara Pease stolpern. "Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken" ist beispielsweise ein solch fragwürdiger Bestseller, der "wissenschaftlich fundiert" Klischees aufwärmt, die uns allen bekannt sind. Zu Fallbeispielen in denen wir uns wiedererkennen, wird mehr oder weniger humorvoll die viel berittene Wissenschaft zitiert und Peases liefern uns fertige unumstößliche aber schon auf den ersten Blick sehr einseitige Erklärungen zu unseren Schwächen.
Die Problematik dabei ist, daß nicht wirklich wissenschaftlich vorgegangen wurde, sondern nur Auszüge aus Forschungsergebnissen und Statistika so geformt und angewendet wurden, daß Peases Erklärungen plausibel erscheinen.
Claudia Quaiser-Pohl und Kirsten Jordan rücken Peases und ähnlichen Lektüren wissenschaftlich nahe. (So wie der erweiterte Titel nämlich auch "Über Schwächen die gar keine sind - Eine Antwort auf A. und B. Pease" lautet.)
Dort wo Peases wissenschaftliche Erklärungen und Ableitungen zu Ende sind - aufgrund manch eher zynisch geschriebenen Absatz in ihren Büchern neigt man zu glauben, dies passierte aus Absicht - gehen sie in den einzelnen Kapiteln dieses Buches weiter. So erscheinen Peases Erkenntnisse plötzlich in einem ganz anderern Licht.
Quaiser-Pohl scheut sich auch nicht darauf hinzuweisen, daß man bei einigen Erkenntnissen immer noch am Anfang steht, da viele Untersuchungen zu einem solchen wissenschaftlichen Thema zu einer Vielzahl unterschiedlicher Ergebnisse geführt hat, aus denen man noch nichts Definitives ableiten kann.
Corpus Callosum - die Brücke zwischen den beiden Hirnhälften wären so ein Thema. Peases weisen darauf hin, daß diese Nervenfaser-Verbindung bei Frauen wesentlich stärker ausgebildet ist als bei Männern (das Ergebnis einer Studie), und sie daher in gewissen geistigen Anforderungen wesentlich leistungsfähiger sind, als Männer. Während das Gehirn der Männer zwar größer wäre, dies aber keine wirklichen Auswirkungen hat.
Quaiser-Pohl weist auf viele Studien zu Corpus Callosum gibt, wobei man geschlechtsspezifische Unterschiede noch nicht definitiv annehmen kann - es also eher von Person zu Person verschieden ist, und das es eben allerlei Forschungen und Erkenntnisse (die in dem Buch auch angeführt werden) zu den unterschiedlichen Gehirngrößen gibt. Wenn etwas noch spekulativ ist, wird darauf hingewiesen.
Vielleicht weil die erwähnenswerten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu all den in Peases angesprochenen Themen für ein Taschenbuchformat zu umfangreich wären, wird in diesem Buch großteils die Fähigkeit der räumlichen Wahrnehmung durchleuchtet.
Die allgemein populäre Vorstellung, daß Männer räumlich besser denken als Frauen wird auseinandergefächert. Räumliches Denken und Vorstellungsvermögen in Theorie und Praxis ist mehr als nur Stadtpläne lesen, einparken oder Flugzeuge pilotieren. Männer und Frauen - pauschal gesehen - sind ähnlicher als man meint.
Man findet zur Auflockerung auch hier ein paar Tests (zum Beispiel zum räumlichen Vorstellungsvermögen) und humorvolle Beispiele, sodass dieses Buch ebenfalls locker zu lesen ist - vielleicht aber nicht ganz so leicht, wie jene der Peases. Auf trockene wissenschaftliche Ausdrucksweise verzichtet man soweit es möglich ist. (Ansonsten gibt es aber ausreichend Hinweise, wie etwas zu verstehen ist.)
Fern ab von Klischees, und vor allem - fern ab von Zynismus und fragwürdigem Humor, sind diese Themen neutral abgefasst. Nicht Frauen sind besser als Männer (die Kernaussage der Peases) noch ist es umgekehrt, sondern wir haben alle Vor- und Nachteile im Leben und diverse Strategien. und jene werden angesprochen.
Empfehlenswert - vor allem für jene die leichtgeschriebene Vergleichsmöglichkeiten suchen.
Die intelligente AntwortHier ist zwei Wissenschaftlerinnen über den Erfolg zweier unwissenschaftlicher Dampfplauderer der Kragen geplatzt. Die Covergestaltung wie der Titel sind ein Geniestreich des Verlages, der hoffentlich dazu führen wird, daß der eine oder andere zu diesem Buch greift. Es lohnt sich nämlich.
Jordan und Quaiser-Pohl unternehmen nicht weniger, als alteingesessene Vorurteile zu bekämpfen: Frauen können durchaus Karten lesen, Autos einparken und technische Zeichnungen verstehen - falls man ihnen Gelegenheit gibt, es zu lernen. Mindestens die Hälfte der angeblichen Unterschiede wurzeln im Selbstbild: während Frauen, die einmal nach dem Weg fragen müssen, sofort an ihrem Orientierungsvermögen zweifeln, halten sich Männer, auch wenn sie sich inzwischen völlig verfahren haben, für erstklassige Orientierungsspezialisten.
Man erfährt im Detail, wie die Autorinnen und ihre zahlreichen Mitstreiter zu ihren Ergebnissen kamen, wie die Probanden ausgewählt wurden, und wieviele es waren. Die Botschaft ist klar: wir betreiben transparente, ehrliche Wissenschaft. Das Problem dabei ist freilich, daß man dem Buch streckenweise deutlich die Ernsthaftigkeit anmerkt. Wer sich sich kurzweilige Lektüre von leichter Hand erwartet, wird enttäuscht sein, so daß die breite Masse wohl weiter den haltlosen, aber frech geschriebenen, dummen Bestseller vorziehen wird.
Trotzdem ist das Buch die Mühe wert. Wer wirklich wissen will, was es mit den Unterschieden zwischen Männern und Frauen auf sich hat, der sollte genau dieses lesen. Die Autorinnen behaupten nicht, für alles eine Patenterklärung zu haben, und genau das macht die Sache so sympathisch.
Und wer das Buch tatsächlich zu anstrengend findet, sollte wenigstens folgenden Rat beherzigen: wer eine Tochter hat, der drücke ihr bei nächstbester Gelegenheit den Stadtplan in die Hand und ernenne sie zum Navigator. Vielleicht klappt es nicht beim ersten Mal, aber die Chancen stehen gut, daß später ihren Weg allein findet - allen Vorurteilen zum Trotz. Sie wird Ihnen dankbar sein.
Diese Buch war eigentlich überfällig.Nach mehreren Jahrzehnten, in denen es politically incorrect war, sich zu Geschlechtsunterschieden zu äußern, scheint nun die Diskussion wieder aufzuflammen. Wenig tauglich dazu sind die Pease-Bücher. Hauptkritikpunkte: zu oberflächlich, zu stark vereinfachend, zu stark auf den Verkaufserfolg hin orientiert.
Dies zu verbessern sind die vielen Autorinnen und zwei Autoren (nicht sehr ausgewogene Geschlechterzusammensetzung!) angetreten.
Es ist ihnen sicher gelungen, Fakten auf den Tisch zu legen und dem Schwarzweiss-Bild über die Geschlechtsunterschiede der Peases viele Grautöne zu entlocken. Das ist gut und notwendig, aber es kommt noch kein Farbbild heraus. Die Schattenseiten liegen offen zutage. Da ist zum Einen der Stil. Viele deutsche Wissenschaftler tun sich noch sehr schwer mit laientauglicher Sprache. Fast rührend die offensichtlich nachträglich eingefügten Absätze, in denen versucht wird, durch die Namen zweier Paare Nähe zu schaffen. Aber die Autoren haben sich bemüht - das ist schon sehr viel wert, man ist sich eines Kommunikationsproblems bewusst. Das nächste Buch wird besser. Für den Laien ist es nicht sehr hilfreich, auf der einen Seite gesagt zu bekommen, "die Unterschiede sind da" und "statistisch relevant", im nächsten Absatz aber zu lesen "die Unterschiede sind nur graduell und vermutlich sozialisiert". Niemand erwartet ernsthaft, JEDE Frau sei so und JEDER Mann sei anders. Und: auch graduelle Unterschiede SIND Unterschiede.
Zum Anderen sind da die Fachgebiete. Sieht man sich die Personenbeschreibungen an, fällt auf, dass die Fraktion der empirischen Psychologen hauptsächlich vertreten ist, vermutlich sogar aus derselben Schule. Und die kann sich der vergangenen Prägung durch die Sozialisationstheorien nicht immer wissenschaftlich korrekt entziehen. Immerhin, es wird versucht. Vielleicht hätte man mehr männliche Verhaltensbiologen, Soziobiologen oder naturwissenschaftlich arbeitende Neurophysiologen dazunehmen können - sonst gucken ja Frauen sehr gerne auf den Geschlechterproporz.
Fazit: ein notwendiges Buch als Gegenpol zu allzu schnoddrigen Halbwahrheiten, aber es enthebt einen nicht der Bemühungen um noch mehr ausgewogene Information. Ich empfehle dazu "Linkes und Rechtes Gehirn" aus dem Spektrum-Verlag.
Antwort ist sinnvoll - doch das Buch ist langweilig!Das Buch ist der Versuch einer Antwort auf das Werk "Warum Frauen nicht einparken... etc.".Die Autoren sind Wissenschaftler aus dem Neuro-Bereich und durchleuchten in durchaus sinnvoller Weise die einzelnen Statements des Originalbuchs und geben wertvolle Hinweise zum Verständnis des Originalwerkes. Diese Schwerpunktsetzung ist jedoch auch gleichzeitig der Schwachpunkt des Buches. Aus psychologischer Sicht setzt sich ja die Tatsache durch, dass es letztes Endes eine Frage der inneren Einstellung und der Erwartungshaltung gegenüber sich selbst ist, wie wir die Dinge wahrnehmen, war wir uns zutrauen und was wir erreichen können. Und dies gilt natürlich auch im Bereich Einparken und Reden. Mit der inneren Einstellung "nicht einparken zu können" tut sich auch ein Mann schwer in eine Parklücke hineinzukommen. Es ist also nicht so sehr die linke oder die rechte Gehirnhälfte, sondern unsere Einschätzung zu unseren Fähigkeiten, die uns elegant in die Lücke kommen läßt. Dieser Aspekt kommt nur in sehr begrenztem Maße zur Sprache. Die neuro-biologischen Studien sind natürlich sehr interessant, doch für den Leser wäre doch interessant, wie man das Dilemma Mann-Frau lösen kann. Hier findet sich nur wenig Hilfreiches.Trotzdem: Das Originalwerk von Pease schreit geradezu nach einer Antwort - gut, dass hier eine erste Resonanz gegeben ist.