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Inhaltsverzeichnis:
Der neue Band der Ausgabe der Werke Siegfried Kracauers enthält mit den beiden autobiographisch geprägten Romanen Ginster und Georg zwei grundlegende Prosawerke der Moderne. Ginster, der 1928 anonym erschien und den literarischen Ruhm Siegfried Kracauers begründete, entwirft in Gestalt seiner Titelfigur, deren Name Kracauer vielfach als Pseudonym diente, einen literarischen Typus, der aufgrund seiner 'impassibilité' und ironischen Mimikry immer wieder mit Chaplin verglichen wurde; Georg, 1934 im französischen Exil fertiggestellt, aber erst 1973 veröffentlicht, verbindet die traditionellen Genres des Gesellschafts- und des Entwicklungsromans und erzählt von den Beschädigungen eines Lebens, das sich in jener Nachkriegszeit der zwanziger Jahre, die sich als Zwischenkriegszeit entpuppte, in der Moderne zu orientieren sucht.
Zusätzlich zu diesen beiden Romanen enthält der Band drei unbekannte Erzählungen Kracauers: die 1913 entstandene, aus dem Nachlaß edierte Novelle Die Gnade, die motivisch in verschiedener Weise auf Ginster vorausweist, die 1926 veröffentlichte Erzählung Der Gast, die das für Kracauer grundlegende Thema des Fremden variiert, sowie den als Ich-Erzählung verfaßten Prosatext Die kleine Stadt, der eine Vorstufe zu einem Kapitel des Ginster darstellt. Alle Texte sind für den Band, der mit einer editorischen Notiz und Nachbemerkung versehen ist, unter Rückgriff auf die Manuskripte durchgesehen und annotiert worden.
Was für eine Sprache!Einfach erfrischend anders! Dies ist mein erster Kontakt mit Siegfried Kracauer als Schriftsteller und gleich eine Offenbarung. Zwar wirkt seine Sprache anfangs etwas befremdlich, scheinbar antiquiert, aber der Schein Trügt. Unverkennbar schreibt da ein Mensch des beginnenden 20. Jahrhunderts. Aber man spürt eben auch die Brüche dieser Zeit und den Drang zur Veränderung. Das macht es für mich auch zum einmaligen Leseerlebnis. Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, wird man belohnt mit einer erfrischend anderen Art, die Welt zu betrachten, die sich gerade in dieser Sprache manifestiert und gerade dadurch in unsere Zeit passt, in der wir vor lauter Bilderflut verlernt haben, genauer hinzuschauen und uns einzulassen. Eine seltene literarische Insel, die glücklicherweise nicht verloren ging.Werke Bd 7: Romane und Erzählungen: u.a. Ginster. Georg.: Bd. 7