Rusch, Claudia

Meine freie deutsche Jugend

Meine freie deutsche Jugend
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • Erscheinungsdatum: 2005-03
  • Bindung: Broschiert
  • Seitenzahl: 176
  • ISBN: 3596159865
  • EAN: 9783596159864
  • Amazon.de Verkaufsrang: 101.615
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Beschreibung von buecher.de

Wie fühlt man sich, wenn man in der Schule den schönsten Panzer gemalt hat, und die Eltern schreiben zu Hause 'Soldaten sind Mörder' drauf? Was passiert, wenn man in dem festen Glauben aufwächst, Kakerlaken seien Stasi-Spitzel? Und welche Folgen hat es, wenn man den anderen Kindern im 'Mathelager' Lieder von Wolf Biermann beibringt? Claudia Rusch, die im Umfeld der DDR-Bürgerrechtsbewegung aufgewachsen ist, weiß es. Sie erzählt hier, wie sie unter wenig glücklich zu nennenden Umständen eine glückliche Kindheit verlebte, auch wenn bittere Erfahrungen nicht ausblieben.

Aus der Amazon.de-Redaktion

So also war das, wenn man in der DDR aufwachsen musste und ohne rechte Überzeugung Mitglied in den staatstragenden Jugendorganisationen wurde, weil man einen höheren Schulabschluss machen wollte. Claudia Rusch berichtet sehr anschaulich von den Hindernissen, die man in der DDR zu überwinden hatte, als habe man beim Erwachsenwerden mit sich selbst nicht ohnehin schon genug zu tun. Und von der Langeweile, die die begabte Schülerin in den sozialistischen Bildungsanstalten ertragen musste (freilich: das gab es natürlich auch im Westen!). Manchen hätte das verbittert. Nicht so Claudia Rusch, die natürlich auch eine ganze Menge Glück gehabt hat. Ein Glück, das man sich selbst gewünscht hätte, war beispielsweise die Direktorin, die die Schullaufbahn der gelangweilten Querulantin rettete, indem sie ihr erlaubte, sich während des Unterrichts in ihre Privatlektüre zu vertiefen. Zuvor waren, wie die Autorin glaubhaft macht, "Heerscharen von Lehrern" an ihr gescheitert. "Meistens versuchten sie es durch Isolation: Sie setzten mich allein auf die hinterste Bank, sie setzten mich allein auf die vorderste Bank. Es half nicht. Ich quatschte, ich raschelte, ich störte. Natürlich -- ich langweilte mich. Es war ein Problem. Wir alle waren unzufrieden und ich hatte Schuld." Doch nicht nur aus der Schule plaudert Rusch. Ebenso unterhaltsam erzählt sie von dem Alltag in der DDR, von der Jugendweihe, vom schwierigen Verhältnis zur Banane und zu Schokoladenriegeln aus dem Westen, von der Stasi und deren Spitzeleien, von dem befreienden Gefühl gerade in dem Moment amtlich erwachsen zu werden, als der DDR-Spuk endlich ein Ende hat. "Es kommt nicht in jedem Programm vor, dass im Verlagshaus einhellige Begeisterung für ein neues Buch besteht", heißt es in einem Brief des Lektors an die Presse. Doch genau dies sei bei dem Buch von Claudia Rusch der Fall gewesen. Und tatsächlich -- auch wenn es nach einer abgegriffenen Floskel klingt: Meine freie deutsche Jugend ist ein wichtiges (und ein vergnügliches!) Buch über die Realität des Sozialismus in der DDR. --Andreas Vierecke

Audiobook-Rezensionen

Claudia Ruschs Debüt war monatelang auf der Spiegel Bestsellerliste. Eine Auswahl ihrer DDR-Erinnerungsgeschichten liest sie hier selbst. Diese Geschichten, die kein bisschen larmoyant über den Alltag in der DDR berichten, klingen authentisch und unverfälscht. Man bekommt das Gefühl, ja so könnte es wirklich gewesen sein. Ja, so könnte es sich zugetragen haben, dass ein Kind trotz Unterdrückung eine nahezu „normale“ Kindheit erlebt hat. Mit ihrer burschikosen, noch immer etwas frech klingenden Stimme schildert die Autorin, wie es sich anfühlte, als Tochter einer Bürgerrechtlerin in der räumlich und wohl auch geistig eingegrenzten DDR aufzuwachsen. Nicht weg zu können verdichtete sich für die Protagonistin zum eigentlichen Drama ihrer Jugend. Noch nach dem Mauerfall macht sich diese Projektion in der unstillbaren Sehnsucht nach Paris und dem Land der Revolution bemerkbar. Ein weiteres Problem, unter dem sie seit ihrer Kindheit litt, war der Eindruck, anders zu sein. Claudia Rusch erinnert sich an ihre früheste Kindheit, in der sie sich durch die Stasi-Autos bewacht fühlte. Da ihre Mutter zum Freundeskreis von Robert und Katja Havemann zählte, waren die Stasi und ihr Schutz für sie von Kindheit an Selbstverständlichkeiten. Dass Kakerlaken nicht nur die Stasi bezeichnen, sondern auch reales Ungeziefer, lernte sie allerdings erst nach dem Mauerfall. Anlässlich der Feier zu ihrer Jugendweihe saßen zwei Väter an ihrer Seite: ihr leiblicher in weißer Paradeuniform und der Mann, bei dem sie mit ihrer Mutter lebte, der lange Haare trug und ein „Verweigerer“ war. Nach dem Mauerfall, der sie davor bewahrte, ihre Eltern vielleicht für immer zu verlassen – hier richtet sie einen nicht zu überhörenden massiven Vorwurf an das Regime, es ist die Tatsache, dass Eltern und Kinder aus Oppositionskreisen zu einer schmerzlichen Trennung gezwungen wurden – ist sie überzeugt, dass alles zu früh passiert war. Es gibt für sie keine Zweifel, dass ihre Grundlagen die DDR als den besseren Staat auszeichneten. Eindrucksvoll macht die Autorin deutlich, dass nicht nur das Überwachungssystem, sondern auch die Mangelwirtschaft und die in ihrem Fall resultierende Leidenschaft für Raider die Menschen maßgeblich prägte. Neben komischen Alltagsepisoden und fast schon absurd zu nennenden Szenen wie etwa dem Badeausflug in Südfrankreich, der die FKK-Kultur der DDR zeigt, erzählt Claudia Rusch allerdings auch von Ereignissen, die weniger in die Kategorie „es war nur anders, aber alles nicht so schlimm“ eingereiht werden können: z.B. von der besten Freundin der Mutter, die sich als IM entpuppt, und vom Großvater, der in einem Stasi-Gefängnis gestorben ist. Claudia Rusch, 1971 in Stralsund geboren, wuchs in Rügen an der Ostsee auf. Später zog sie mit ihrer Mutter nach Brandenburg, 1982 dann nach Ostberlin. Da sie mitten in der DDR-Bürgerrechtsbewegung groß wurde, war die Stasi für sie nichts Besonderes. 1990 machte sie Abitur und studierte danach Germanistik und Romanistik. Sie arbeitete sechs Jahre lang als Redakteurin beim MDR in Magdeburg. Seit 2001 lebt sie als freie Autorin in Berlin. Alles in allem eine äußerst interessante Sammlung von Geschichten über das Alltagsleben in der DDR. Wer sich darüber informieren möchte, wird in dieser Quelle sicherlich fündig. Die Autorin, die die DDR-Geschichte keineswegs erklären will, trägt ihre komisch und gleichzeitig tragischen Erzählungen lebhaft, auch kritisch und in einem erfreulich „leichten“ Ton vor. Autorenlesung, Spieldauer: ca. 144 Minuten, 2 CD. Auch als MC erhältlich (389940369X). -- culture.text

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von H. Kunze fanden 31 von 37 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Claudia Rusch hält, was Jana Hensel verspricht

Eigentlich ist der Titel das einzige, was vom Kauf abhalten könnte: "Meine freie deutsche Jugend" klingt verdächtig nach einem Beitrag zur Ostalgie-Welle, zum allgemeinen "Wie schön war es doch, dass sich 14 JAhre nach der Wende nun breit macht.

Doch schon die ersten Seiten belehren den Leser eines besseren. Claudia Ruschs Buch ist ein gelungenes Gegenstück zu Jana Hensels "Zonenkinder". Nicht nur, weil die 25 Geschichten wirklich wundervoll aufgeschriebene Literatur sind und nicht wie in "zonenkinder" ein enzyklopädisch-sachlicher Zugang zur DDR versucht wird. Und dann, weil claudia Rusch die Seite zeigt, die Jana Hensel in der DDR wohl nie aufgefallen ist: Die Unfreiheit, die schon Kinder spürten, den alltäglichen Irrsinn des Bildungssystems. Die Langeweile der DDR, die vor allem denen aufstieß, die sich Individualismus gönnten. Dabei schreibt Claudia Rusch kein DDR-Buch aus der Sicht der "Bürgerbewegung", der ihre Mutter angehörte. Sie steht einfach zwischen den Stühlen, zur falschen Zeit am falschen Ort. Und dennoch weiß man nach dem Lesen, dass diese DDR-Generation Erfahrungen gemacht hat, die sie für kein Geld der Welt gegen eine West-Kindheit und -Jugend tauschen würden. Gesamturteil: unbedingt lesen.

Diese Rezension von reformflocke fanden 20 von 24 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Das wahre "Zonenkinder" - erfrischend jung, lebendig, echt.

Mit „Meine freie deutsche Jugend" legt Claudia Rusch das eigentliche „Zonenkinder" vor. Wo Jana Hensel aus „Weltall, Erde, Mensch" oder folgenden Jugendweihebüchern abgeschrieben zu haben scheint, erzählt Rusch in herzerfrischenden Anekdoten die Begebenheiten eines wahren Zonenkindes. Trotz der nur knapp 160 Seiten erlebt der Leser die Reise in eine Wahrheit der DDR, welche für die meisten galt. Zumindest für jene, die die Chuzpe und den Mut hatten, sich ihren eigenen Ahnungen, Beobachtungen und Gedanken zu stellen. Wenn Jana Hensel den Mangel jeglicher Reflektionen in „Zonenkinder" damit erklärte, dass ein Kind oder Jugendlicher eben nicht politisch sein könne, beweist Claudia Rusch glänzend, dass das Denken, auch ein politisches, schon in Kindheitstagen anfangen kann. Fast fühlt sich der Leser in eine Welt von Tom, Pipi und Anika versetzt - so kritisch wie fröhlich nähert und widersetzt sich die Autorin schon im Kindesalter der echten DDR. Dabei jedoch wirken die Schilderungen keineswegs tragisch, freudlos oder matt. Nein! Dieses Buch ist erfrischend lebendig. Die Erzählerin hat Mut zu Tränen, Schmerz, Liebe, Freude, ihren Gefühlen - zum Leben eben. Genau das macht „Meine freie deutsche Jugend" zu einem Werk, mit dem man sich einen Nachmittag versüßen kann, und dass nicht nur hinsichtlich irgendeiner Ostalgie. Wir lernen eine ganz normale Kindheit und Jugend kennen, eine mit Höhen und Tiefen. Ein junges Mädchen das Honeckerwitze öffentlich erzählt, aber auch den Vopo nett finden will. Warum nicht - so ist das Leben. Darum: Lesen!

Diese Rezension von Anke Hoffmann fanden 17 von 23 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen selbstgerecht sondersgleichen

ich muss sagen, das buch ist nicht schlichtweg schlecht. claudia rusch hat einen amüsanten, lockeren, satirischen erzählstil, der es möglich macht das buch in 2 stunden durchzulesen (da es ja nun nicht unbedingt tiefsinnige stellen im buch gibt, über die man selbst stundenlang grübeln müsste). was mir persönlich jedoch so bitter aufgestossen ist, und das obwohl ich selbst kaum noch in der ddr aufgewachsen bin, ist ihre selbstgerechte ader. als "ausgesprochen wissbegieriges" Kind, an dem "Heerscharen von Lehrern" gescheitert sind, weil keiner erkannt, wie intelligent sie doch ist, hatte sie unheimliches glück, dass eine lehrerin sie dann doch mochte und zum abitur mogelte. aber um welchen preis?

wie claudia rusch selbst betont, genießt sie ja nach der jugendweihe ihre "außenseiterrolle", obwohl sie ja gar nicht selbst die entscheidung ihrer mutter getroffen hat, in dissidentenkreise zu verkehren und die opposition in der ddr einzunehmen, hält es aber dennoch für toll, in die fdj einzutreten und fdj - sekretärin zu werden, selbstverständlich nur um abitur machen zu können... hallo??? da fängt es schon an, sie kritisiert in ihrem buch fortwährend menschen, die mit dem sozialistischen staat kollaborieren, auf welche art auch immer, aber wenn sie solche dinge tut, selbstverständlich nur, um nicht ins abseits zu geraten, ist das völlig okay. warum wohl werden es die anderen menschen getan haben, die sie so verurteilt? solche fragen lässt sie jedoch fein außen vor und stellt sich selbst ein wenig über alle... aber das ist schon okay, schließlich kommt sie ja aus kreisen, in die andere leute nie einblick hatten und das würde natürlich jeden zu was besonderem machen.Wer auf solche geschichten steht, kann das buch getrost lesen, allen anderen empfehle ich jens biskys autobiographie "geboren am 13. august".

Diese Rezension von Dieter Drafz fanden 15 von 31 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Meine freie deutsche Jugend

Ich halte dieses Buch für eine übetriebene und überflüsssige Art der Selbstdarstellung. Eine Privelegierte erzählt uns dass sie schon immer auf der richtigen Seite stand und nun da ihr der Übergang in den neuen deutschen Staat gelungen ist, alles toll ist. Seicht und kritiklos! Ich frage mich was mir die Autorin ausser Selbstbeweiräucherung zu erzählen hat. Die Mühe des Lesens kann man sich sparen. Ein Buch das von der Ostalgiewelle provetiert.

Diese Rezension von madmayer fanden 13 von 20 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen So war's gewesen*****Das Buch mit Wiedererkennungseffekt****

Als Ehemaliger natürlich an Literatur über die ehemalige DDR interessiert, habe ich mir natürlich sofort das Buch unter den Nagel gerissen, um zu sehen in welche Richtung diese tendiert. Ich war überrascht, ich erkannte mich wieder. Die kurzen Episoden aus dem Leben von Claudia Rusch spiegeln - aus meiner Sicht gesehen Bj. 1972 - vieles wieder über das was ich genauso erlebt und erfahren habe. Nichts wird verblümt oder in den Dreck gezogen - einfach nur erzählt aus der sicht einer heranwachsenden Frau. Eines der besten DDR-Bücher. Sollte jeder Deutsche mal gelesen haben!!!!! Fazit: Empfehlenswert!

Meine freie deutsche Jugend

Lexikalische Einträge zum Thema

Adelung-1793: Rusch, der · Jugend, die · Deutsche, der

Brockhaus-1809: Die freie Reichsstadt Nürnberg · Die deutsche Union · Der Deutsche Fürstenbund

Brockhaus-1837: Freie Bauern · Freie Städte · Deutsche Kaiser · Deutsche Kunst, Literatur und Wissenschaft

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