Geißler, Karlheinz A.

Alles. Gleichzeitig. Und zwar sofort.

Alles. Gleichzeitig. Und zwar sofort.
  • Verlag: Herder, Freiburg
  • Erscheinungsdatum: 2005
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 221
  • ISBN: 3451285401
  • EAN: 9783451285400
  • Amazon.de Verkaufsrang: 424.925
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Beschreibung von buecher.de

Mach mehr aus deiner Zeit!' Leben wird zum Nonstop-Programm, rund um die Uhr. Auch das gehört zu den Folgen der Globalisierung - die Entgrenzung von Raum und Zeit: Wenn Beschleunigung nicht mehr durch gesteigerte Schnelligkeit erreicht werden kann heißt die Devise: Beschleunigung durch Vergleichzeitigung und Verdichtung. Nicht mehr eins nach dem andern sondern: Simultan leben und arbeiten. Auf der pausenlosen Jagd nach Glück und Geld leben wir am Leben vorbei. Aber es gibt Erkenntnisse, Erfahrungen, Vergnügungen, die jenseits des Beschleunigungszwangs liegen.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von andreaszirnig@yahoo.com fanden 15 von 18 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Trocken-philosophische Gedanken zum Zeitgeist

Dieses Buch wird immer wieder in die Kategorie „Zeitmanagement" eingeordnet, in Wahrheit beschreibt es aber den aktuellen Zeitgeist und den Umgang der breiten Masse mit ihrer Zeit. Es ist ein schwer verdaulicher Brocken, den man tunlichst auf kleine Lese-Dosen von ein bis zwei Seiten aufteilen sollte. Die Einteilung in 13 Kapitel ist ohnehin willkürlich, denn der Text präsentiert sich als Endloswurst, bei der einige nette Histörchen (z.B. der Diebstahl einer Sonnenuhr durch die Römer, die wegen des entfernten Aufstellungsortes falsch anzeigte) und scharfe Alltagsbeobachtungen (z.B. die während der Fernsehnachrichten eingeblendeten Spruchbänder) in einer planlosen Aneinanderreihung von philosophischen Betrachtungen und Zitaten aus anderen "Zeit"-Büchern und literarischen Werken untergehen. Der hauptwortlastige, fremdwortüberfrachtete Schreibstil trägt noch zusätzlich zur schweren Lesbarkeit bei. Inhaltlich differenziert der Autor nicht zwischen verschiedenen Lebensstilen und Bevölkerungsgruppen. Für ihn scheint es nur eine einheitliche, gleichgeschaltete moderne Gesellschaft zu geben, die krampfhaft danach trachtet, alles sofort und gleichzeitig verfügbar zu haben, um sich nichts einteilen zu müssen - also das genaue Gegenteil von Zeitmanagement. Die Schilderung von Gegenstrategien und größeren sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhängen bleibt außen vor. Fazit: Um einige Denkanstöße zu bekommen, muss sich der Leser hier durch viele Seiten philosophischer Abhandlung durchkämpfen, um schließlich festzustellen, dass die Gesamtbilanz der Lektüre ziemlich mager ist.

Diese Rezension von Vielleser fanden 20 von 26 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Endloses Gejammer

Ich habe mich auf die Lektüre gefreut, weil ich die eine oder andere nützliche Einsicht zum Genuss der Zeit erwartete.Was ich fand, war ein literarisch und philosophisch verbrämtes Gejammer darüber, dass sich heute alles beschleunigt, dass man der Sklave der Beschleunigung, des Multitasking, und natürlich das Opfer von häufigen Computerabstürzen sei.Flüssig geschrieben, klaro, aber überflüssig. Die Zeit, welche die Lektüre kostet, nutzen Sie besser, indem Sie ein feines italienisches Gericht kochen.Mein Handy hat einen Aus-Knopf. (Eine der wenigen nützlichen Aussagen gegen Ende des Buches - aber das wusste ich schon lange.).

Dass immer schön eines nach dem anderen kommt, ist mir auch klar. Auch ein Computer macht das so, denn Multitasking kann der nur von aussen gesehen, drinnen ist er schön sequentiell.Wer etwas über die Hintergründe dieser Beschleunigung und die Massnahmen dagegen erfahren will, kauft sich besser The Paradox of Choice: Why More Is Less  von Barry Schwartz. (Die deutsche Ausgabe erscheint als "Anleitung zur Unzufriedenheit")

Diese Rezension von Stefan Schröder fanden 9 von 13 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Geißler stellt lediglich fest und beschreibt.

In einem kleinen Schlenker geht der Autor dieses Buches auf die Folgen dieser immer schneller werdenden Beschleunigung ein- da hätte ich mir mehr gewünscht. Wer hier (wie das Buchcover eigentlich suggeriert) eine spritzige, ironische Beobachtung der Menschen erwartet, die von Handy zu Handy hetzen, keinen Besprechungstermin verpassen wollen und währenddessen noch den Abend mit der Liebsten planen sowie die Sommerferien nächstes Jahr, wird gnadenlos enttäuscht. Denn Geißlers Stil ist trocken, analytisch und leider zu selten wirklich treffend ironisch und zynisch. Dieses Buch besteht aus endlosen Beschreibungen und immer neuen Umschreibungen der von Geißler "Simultanten" genannten "Multitasker", streift kurz die historisch gewachsene Tradition von Zeitmessung und bleibt überhaupt viel zu oft an der Oberfläche.

Das ist für meine Erwartungen zu wenig gewesen- dieses Buch ist eine knochentrockene, nüchterne, unspektakuläre Beschreibung (und noch nicht mal eine gute Analyse) dessen, was wir ohnehin alle bereits spüren: es muss, obwohl das gar nicht mehr möglich ist, noch schneller, noch höher, noch weiter gelebt werden, und dabei höhlt man sein Inneres aus. Für diese Feststellung brauche ich keinen Geißler zu lesen, der mir dieses Gefühl und meine Beobachtungen noch einmal altklug beschreibt, aber ich habe es nunmal getan.

War das nun Zeitverschwendung?

Diese Rezension von A.Thedorff fanden 8 von 12 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Zur Zeit viel Neues

Dieses Buch spricht einem aus der - meist ruhelosen - Seele. Früher musste einfach alles nur schneller gehen bis wir gemerkt haben, eigentlich stehen wir doch die meiste Zeit im Stau. Scheinbar sind wir am Ende der Beschleunigung angelangt und versuchen jetzt, in der gleichen Zeit immer noch mehr zu erledigen. Im Beruf haben wir uns längst daran gewöhnt, aber mittlerweile leiden wir sogar in unserer Freizeit unter Termindruck.

Karlheinz Geißler beschreibt die Prozesse der Verdichtung unseres Alltags in seinem Buch sehr genau, aber immer auch kurzweilig und amüsant. Z.B. wie wir seit der Erfindung der Uhr versucht haben, Ordnung in die Zeit zu bringen und wie uns in einer postmodernen und unsicheren Welt diese lieb gewonnenen Ordnungen langsam wieder abhanden kommen.

Dabei sind es nicht nur die historischen Beispiele, die Anlehnungen an Kunst und Literatur, die dieses Buch besonders lesenswert machen. Es ist auch der präzise Blick des Autors auf unseren Alltag, auf die kleinen und großen Ereignisse in Wirtschaft und Politik sowie Anregungen für unser zukünftiges Leben, für unser Arbeiten und Lernen.

Es empfiehlt sich daher, dieses Buch dann nicht zu lesen, wenn man gleichzeitig noch etwas anderes zu erledigen hat. Wenn man aber Zeit hat, empfiehlt es sich umso mehr. Und machen Sie dies nicht am Blick auf Ihre Uhr fest. Denn so viel ist sicher: Noch keine Uhr der Welt hat je die Zeit erklärt und es „gibt ... Erkenntnisse und Erfahrungen, die nur die Abwesenheit der Uhr und ihrer Zeitansage bieten können" (S. 77).

Diese Rezension von gjonas10 fanden 8 von 12 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Viel gelernt und viel gelacht.

Sie leben mitten unter uns. Sie hetzen und eilen, rasten nie und sind immer viel zu beschäftigt. Es werden täglich mehr. Simultanten und Simultantinnen. Das sind Menschen, die beim Sitzen schon wieder ans Aufstehen denken beim Zähneputzen Memos aufnehmen und beim Abendessen Nachrichten sehen, die mit den neuesten Aktienkursen unterlegt sind. Wir nennen das Multitasking. Leidet darunter die Qualität der Arbeit? Und wo ist bloß die Zeit geblieben, die wir damit sparen? "Alles. Gleichzeitig. Und zwar sofort" liefert die Antworten.Ich habe das Buch sehr genossen und es hat mir viel zu Denken gegeben. Geißler versteht es überaus gut, präzise und amüsant, gesellschaftliche Zeitphänomene kritisch unter die Lupe zu nehmen und Möglichkeiten eines sinnvollen Zeitumgangs darzulegen. Ohne zwanghaft belehrend zu wirken und mit durchaus optimistischer Grundstimmung sollte dieses Buch jeder lesen, der in diesen schnellen Zeiten lebt und sich darüber auch amüsieren möchte. Für mich trifft Kafkas schöner Satz aus einem Brief an Oskar Pollak perfekt auf dieses Buch zu: "Ich glaube, man sollte überhaupt nur solche Bücher lesen, die einen beißen und stechen. Wenn das Buch, das wir lesen, uns nicht mit einem Faustschlag auf den Schädel weckt, warum lesen wir dann das Buch?"


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