Baudelaire, Charles

Die Blumen des Bösen

Die Blumen des Bösen
  • Verlag: Patmos
  • Erscheinungsdatum: 2004-06-01
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 216
  • ISBN: 3491961335
  • EAN: 9783491961333
  • Amazon.de Verkaufsrang: 288.793
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Beschreibung von buecher.de

Das Widerwärtige uns seine Reize zeigt'
Als der Gedichtzyklus 'Die Blumen des Bösen' 1857 erschien, löste er einen Skandal aus, dem ein Gerichtsprozess wegen 'Verhöhnung der öffentlichen Moral und der guten Sitten' folgte. Auch heute noch fasziniert und provoziert Baudelaire durch die dichterische Entdeckung des Abnormen, Unheimlichen, Verfallenden, durch den Reiz des Bösen und den Abgrund sexueller Besessenheit.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Klaus Grunenberg fanden 103 von 105 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Einbruch in die Moderne

Wie ein Blitz mag dieses Werk seinerzeit eingeschlagen sein. In einer Zeit, da man sich nicht nur in Frankreich, aber dort schon sehr, nach "Vermenschlichung" der Verhältnisse sehnte, also der Aufklärung etwas weiter Raum gab, als bisher.

Damals, in einer Umgebung der wiedererstandenen religiösen Bigotterie, wie auch immer, erstand nun in jeder Beziehung Widerstand, so auch in der Literatur, wie z. B, der eines Beranger oder hier Baudelaires.In dieser Ausgabe von Reclam ist nun das ganze Werk unter der Bezeichnung "Les Fleurs du Mal" schon vor einiger Zeit erschienen, aber immer noch aktuell.

Wer auch immer sich mit Literatur, besonders der europäischen Lyrik beschäftigt, wird feststellen, daß das "alte" Europa im Stande war und (hoffentlich) weiterhin ist, Wege des Menschlichen aufzuzeigen.Aber die Wellen sind natürlich auch über den Teich geschwappt und so haben wir in der Folge erhebliche Beispiele literarischer Bemühungen gerade der Moderne und Postmoderne und Postpostmoderne bis hin zu mutigen Schriftstellern und Schriftstellerinnen heutiger Zeit aufgrund französischer Vorreiter aufzuweisen.D a s sollte uns zu denken geben und uns immer wieder erfreuen, denn hier ist der Hebel zu einem mitmenschlichen Verhältnis zu spüren, der vielleicht einmal wichtig für uns alle werden könnte.

Daher: nicht nur das Satanische bewundern (das in jedem von uns steckt)und vor allem nicht so tun, als wäre das nun unser über alles geliebtes: "Huch-wie schröcklich", sondern die zaghaften und trotzdem mutigen Bewegungen einer Emanzipation des Menschlichen bewundern auch in diesem Werk, das viele versteckte Kleinodien menschlicher Wärmebildung und Zuversicht in sich birgt.

Diese Rezension von M. Heine fanden 14 von 15 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen spleen et idéal

Der große französische Dichter des second empire wird uns hier in einer wunderbaren Übertragung angeboten. Alle Gedichte der Fleurs du mal, einschließlich der Unveröffentlichten und jenen, für die der Dichter und der Verleger wegen Verstoßes gegen Moral und Sitte verurteilt wurden, sind enthalten.

Baudelaire ist kein Mensch der Sachverhalte einfach ausgrdückt, seine Sprache ist vielmehr mehrschichtig, und dieses Phänomen versucht der Übersetzter auch beizubehalten, so lässt sich ein Gedicht auf den ersten Blick nicht immer leicht verstehen, jedoch bei jedem neuerlichen Lesen tuen sich neue Facetten auf. Ein Reichtum an Motiven und Begebenheiten droht den Leser zu verschlingen. Diese Lyriksammlung stellt einen Schatz fürs Lebens dar, aus dem man immer wieder darben kann, ohne jedoch etwas zum zweiten Male zu fühlen.

Schade ist nur, das der ungeübte und mit der Materie nicht vertraute Leser sofort ohne jede Einleitung den Sprachgewalten ausgeliefert wird, hier wäre eine schöne Einführung eines Fachmannes sehr hilfreich und schön gewesen.

Wie immer bleibt zu sagen, im Original ist eh alles besser, aber wenn man aufs deutsche zurückgreifen muss, dann doch bitte diese Übersetzung.

Diese Rezension von Werner Fletcher fanden 16 von 18 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Die Faszination der Medusenschönheit

Es ist das Grausige und Nekrotische, also das scheinbare Gegenteil vordergründiger Schönheit, das die seltsam makabre Anmut dieses wundervollen Straußes, den Baudelaire uns hier so kunstvoll gesteckt hat, erst richtig aufblühen läßt. Und es ist der in der Wonne und in der Liebe integrierte Schmerz, der als unverzichtbarer Bestandteil jeder tiefen Empfindung erst die große Synthese hervorzurufen vermag, die menschlichem Fühlen und Denken echte Tiefe verleiht, noch dazu besprenkelt mit den ebenfalls unerläßlichen Essenzen aus dem Flakon der Verderbtheit. Baudelaires teilweise herrlichen Blumen entfalten sich also unter dem Hauch der Verwesung, es entströmt ihnen ein die Sinne erregendes Gift. Des Dichters Schönheitsideal ist das der Medusa, und wie ein gewissermaßen botanisches, floristisch arrangiertes Medusenhaupt erblüht uns dieser Blumenstrauß des Bösen.Die, die Charles Baudelaire geprägt oder zumindest doch beeinflußt haben, waren E.TH.A. Hoffmann, Maturin, Edgar Allan Poe vor allem, Petrus Borel, der Marquis de Sade; Delacroix, was die Malerei betrifft, oder unter anderen auch Richard Wagner, was die Musik angeht. Durch die intensive Beschäftigung mit diesen Geistesgrößen hat Baudelaire das Gift schon früh in sich hinein gesogen, das später einmal seine Blumen des Bösen düngen sollte. Der Geist des Perversen schwebt über ihm von Jugend an und folgt ihm unerbittlich wie ein Schatten, was seiner Genialität natürlich keinen Abbruch tut. Seine Schwäche besteht vielleicht einzig und allein darin, daß er seiner Begabung kaum anders Ausdruck verliehen hat, als auf eine defätistische Art und Weise. Den Geschlechtsakt zum Beispiel verglich er einmal mit der Folter oder mit einem chirurgischen Eingriff, und Wollust konnte es für ihn nur geben im Bewußtsein, Böses zu tun. Er schwelgt in blasphemischen Worten, in antiklerikaler Hetzrede, obwohl er sich bewußt sein mußte, daß seine Blasphemien und Lästerungen doch lediglich diejenigen treffen können, die sich durch die Besudelung ihrer Überzeugungen bzw. ihres Glaubens verletzt fühlen, aber niemals den Gegenstand seiner Lästerungen selbst, ganz unabhängig davon, ob dieser nun überhaupt existieren mag oder nicht.Ein beeindruckendes Dokument menschlicher Geistesgeschichte und ein Exempel überragender Dichtkunst sind sie schon, die Blumen des Bösen, doch scheint es mir fraglich, ob sie allesamt dem Verwelkungsprozeß in der unerbittlich davon rinnenden Zeit werden trotzen können.

Diese Rezension von Lev Zturep fanden 5 von 5 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Hinweis

Zu den Qualitäten von Baudelaires Werk wurde bereits von meinen Vorgängern und in unzähligen anderen Publikationen ausreichend Stellung genommen. Sie dürften außer Frage stehen. Ich möchte an dieser Stelle nur darauf hinweisen, dass es sich bei der Insel-Taschenbuch-Ausgabe mit der ISBN 3-458-318208, um die Übersetzung von CARLO SCHMID (fertiggestellt 1941) handelt. Die oben angegebene Perlentaucher-Notiz mit der darin enthaltenen Kritik betrifft dagegen die Kalkreuth'sche Übersetzung, also mithin ein anderes Buch. Bislang konnte ich zwar nur bei einer Handvoll der Gedichte eingehend Original und (drei mir vorliegende) Übersetzungen vergleichen. Doch immerhin schnitt dabei - in meinen Augen - diese Übertragung von Herrn Schmid, indem sie sich inhaltlich dicht am Original hält, ohne zu sehr an Fluss und Lesbarkeit einzubüßen, stets am besten ab. Der Wert dieser Ausgabe wäre nur noch durch Beifügung des französischen Originals und ggf. eines fachlichen Kommentars o.ä. zu steigern. Doch auch so verdienen Baudelaire und Schmid an sich schon die volle Anzahl Sterne.»Nachtrag: Inzwischen habe ich nochmal nachgeschaut und festgestellt, dass es vom Insel-Verlag noch eine ganze Reihe weiterer Ausgaben der "Blumen des Bösen" gibt: u.a. eine sehr aufwendige, in zwei Bänden inklusive der "Der Spleen von Paris" (ISBN 3-458-161724) mit Übertragungen durch Sigmar Löffler, Fernand Nohr und Dieter Tauchmann, sowie eine Hardcover- (von 1986 ISBN 3-458-145362, ebenfalls Carlo Schmid) und eine Jubiläumsausgabe (ISBN 3-458-342710) - letztere offenbar mit besagter (und kritisierter) Übertragung durch Wolf von Kalckreuth. Leider wird bei Amazon nicht zwischen den einzelnen Büchern differenziert. Die verschiedenen Ausgaben aus dem Hause Insel werden schlicht über einen Kamm geschoren und erscheinen hier also mit denselben offiziellen und Kundenrezensionen. Nicht eben sehr hilfreich für den suchenden Laien. Wer sich daher verläßlich informieren will, sollte dazu lieber die Internet-Seiten der Deutschen Nationalbibliothek aufsuchen.

Diese Rezension fanden 9 von 10 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Lyrik in ihrer schönsten Form

"Ich vergleiche diese seltsamen Blumen mit den seltsamen Versen, die ein taktvoller Marquis de Sade schriebe, wenn er die Sprache der Engel beherrschte." (Paul Verlaine) Baudelaires 'Fleurs du Mal' wurde 1857 das erste Mal in Paris veröffentlicht -wenn auch nur die ersten 100 Gedichte davon- und schon bald darauf wurden die Verleger und der Dichter wegen Verletzung der Moral und der guten Sitten vor Gericht gezogen und zu Geldstrafen verurteilt. Baudelaire selbst sagte über sein Werk:"Dieses verfluchte Buch (auf das ich sehr stolz bin) muß wohl recht dunkel sein, recht unverständlich!Ich werde lange darunter zu leiden haben, daß ich das Böse mit einigem Talent darzustellen wagte." -Wie recht er damit hatte! Ein wundervolles Werk mit noch wundervolleren Gedichten, die mit ihren Metaphern und ihrer Symbolik den Geschmack eines blutigen Pfirsichs im Munde des Lesers hinterlassen.Ein Dichter, der seine Kunst verstand. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)




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