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Seit der berüchtigte Schwarzkünstler Faust sie in einer düsteren Gewitternacht von der Straße aufgelesen hat, zieht Hannah mit ihm durch die Lande. Als Junge verkleidet erlernt sie hinter Klostermauern magische Beschwörungen, trifft auf goldsuchende Alchimisten, aufständische Bauern und plündernde Raubritter. Aber wer sind die Bettler, die ihnen nach dem Leben trachten? Und was bedeutet Hannahs silbernes Amulett mit dem Löwen, der die Sonne frisst?
In der Zeit des ausgehenden Mittelalters erlebt ein Mädchen das Abenteuer seines Lebens.
unbedingt lesenswertUschi Flacke versucht nachzuforschen, wer wirklich hinter dem berühmten Dr. Faustus steckt, den Goethe so trefflich in seinem Drama verarbeitet hat. Dafür recherchiert sie bei Martin Luther, Ulrich von Hutten und anderen Zeitgenossen, um die Figur zu ergründen. Sie entwirft eine faszinierende Persönlichkeit, die dem Denken der damaligen Welt weit voraus war.
Mit sprachlichem Feingefühl gelingt es der Autorin ihre Leser in eine Epoche mitzunehmen, die noch sehr in wissenschaftlicher Unkenntnis und Aberglauben verhaftet ist. Sie benutzt dazu die Figur eines elternlosen Mädchens (Hannah), die ihn als Junge verkleidet auf seinem Weg begleitet. Sie entwickelt sich zur eifrigsten Schülerin des Magiers.
Unbedingt lesenswert und ein guter Zugang für Jugendliche zu dem mittelalterlichen Stoff.
Sehr interessant Im Jahr 1506 beginnt die Geschichte mit Hannahs Aufeinandertreffen mit Faust und beschreibt ab diesem Punkt Stationen ihres Lebens und Fausts Wirkens. Von Gelnhausen aus geht die Reise unter anderem nach Würzburg, Erfurt und Kreuznach.
In Rückblicken erfährt der Leser dabei langsam etwas über Hannahs Vergangenheit und wie es dazu kam, dass sie in einer düsteren Nacht mit der Postkutsche unterwegs und auf der Flucht war. Doch dieser Teil nimmt einen sehr kleinen, schon fast vernachlässigbaren Teil der Geschichte ein, was schade ist, da man da durchaus mehr hätte draus machen können. Auch, was es mit ihrem Amulett auf sich hat, einem Löwen, der eine Sonne frisst, bleibt ungeklärt. Man erfährt zwar, was dieses Zeichen aussagt, doch wie Hannah dazu kam und was es für sie persönlich bedeutet, das weiß man nicht. So bleibt nach der Lektüre doch ein gewisses Gefühl der Unzufriedenheit und Unvollständigkeit zurück. Nicht nur dem Amulett ergeht es so, auch andere Handlungsstränge wirken angefangen und nicht zu Ende geführt, so, als ob die Autorin zwar möglichst viele historisch belegbare Personen, Aussagen, Weissagungen unterbringen wollte, dabei aber nicht darauf geachtet hat, wie gut sich das alles in ihre ursprüngliche Geschichte einfügt.
Diese historischen Tatsachen und Worterklärungen finden sich zum größten Teil in einem Glossar am Ende des Buches.
Faust ist sehr interessant herausgearbeitet, seine Gier, die Welt zu begreifen und dafür alle Risiken einzugehen, ist direkt greifbar. Die Verzweiflung, die ihn befällt, wenn wieder ein Versuch misslingt, ist genauso direkt fühlbar wie seine Begeisterung für die alten Gelehrten oder seine Verachtung für die einfachen Menschen, die sich von der Kirche und den Reichen in einen Käfig aus Verboten und Gesetzen sperren lassen und es einfach als gottgegeben hinnehmen.
Für seine Person wurden intensive Nachforschungen bei Martin Luther, Ulrich von Hutten und anderen Zeitgenossen Fausts betrieben, die man dem Buch auch anmerkt. In vielen der erwähnten Städte erinnert heute das ein oder andere Schild daran, dass hier einst der Gelehrte lebte, der Goethe zu seinem berühmten Werk inspirierte.
Das Buch ist sehr interessant für alle, die sich in der ein oder anderen Weise für den Gelehrten Faust und seine Werke interessieren. Doch auch sogar ohne die faszinierende Beschreibung seiner Person wäre es ein spannender Roman über die junge Hannah, die lernen muss, ihren Weg zu gehen.