Sulzer, Alain Cl.

Ein perfekter Kellner

Ein perfekter Kellner
  • Verlag: Edition Epoca
  • Erscheinungsdatum: 2004-08
  • Format: Gebundene Ausgabe
  • Umfang: 216
  • ISBN: 3905513366
  • EAN: 9783905513363
  • Amazon.de Verkaufsrang: 631.994
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Beschreibung von buecher.de

Über das Begehren und die Leidenschaft
Der Roman beginnt in den dreißiger Jahren im vornehmen Parkhotel bei den Gießbachfällen hoch über dem Brienzersee im Berner Oberland. Erneste arbeitet als Kellner und soll den Neuankömmling Jakob unterweisen. Sie verlieben sich ineinander. Leider muß Erneste feststellen, daß Jakob ihn betrügt und sogar für einen älteren, zahlungswilligen Mann, einen berühmten Schriftsteller, verläßt. Tief verletzt geht Erneste seinen Weg und wird überraschend nach Jahrzehnten von seiner Lebensliebe um einen dreisten Gefallen gebeten. Alain Claude Sulzer hat ein stilistisch schnörkelloses Werk geschaffen: ein Lesebuch über die große Liebe und den Verrat.

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von B. Puchtinger fanden 13 von 13 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Aufgepasst, Frau Heidenreich!

„Ein perfekter Kellner“ ist genau das Buch, das ich mir als Tipp von einer Sendung wie „Lesen“ wünschen würde: atmosphärisch, spannend, melancholisch, schön. Und anspruchsvoll, ohne sich verkrampft darum zu bemühen. Soweit ich weiß, ist dieses Buch aber nie auf der Leseliste von Frau Heidenreich gelandet. Ein Grund mehr, es in diesem Forum möglichst vielen Lesern ans Herz zu legen.Alain Claude Sulzer erzählt vom Kellner Monsieur Erneste, der 1966 zu seiner großen Überraschung einen Brief erhält – ein Lebenszeichen von der großen (und natürlich unglücklich verlaufenen) Liebe seines Lebens, einem anderen Kellner, mit dem er vor 35 Jahren in einem Grandhotel gearbeitet hat. Ein Lebenszeichen und Hilferuf zugleich, denn Jakob braucht die Hilfe des alten Freundes. Aber ist der in der Lage, sein gleichsam schlichtes wie überorganisiertes Leben für so etwas zu unterbrechen? In Rückblicken lässt uns der Autor an Monsieur Ernestes Erinnerungen an den Sommer vor so vielen Jahren teilhaben. Das alte Grandhotel, die straffe Organisation desselben, die noblen Gäste, alles wird zu neuem Leben entdeckt, ohne dabei aber unpassend frisch zu wirken. Es ist, als würde Sulzer uns schöne, sepiastichige Fotographien betrachten lassen, die Platz für eigene Gedanken lassen (so darf man bei einem der Gäste sicher bewusst gesetzte Anklänge an Thomas Mann finden – muss es aber nicht). Und man kann gar nicht anders, als sich zu verlieben – natürlich in den unglücklichen Monsieur Erneste, der so in sich und den Konventionen gefangen ist, aber auch in Jakob, der für Erneste das Tor zur Welt sein könnte, letztendlich aber doch nur der Riegel ist, der jede Möglichkeit, das Glück zu finden, auf immer abschottet. 215 Seiten reichen für einen langen, vielleicht auch zwei gemütliche Lesenachmittage – doch die Geschichte, die Sulzer auf ihnen erzählt, wird noch lange im Kopf widerhallen. „Ein perfekter Kellner“ hat die seltene Gabe, unendlich traurig zu sein, aber ebenso glücklich zu machen. Deswegen sollte man dieses Buch unbedingt gelesen haben. (Und eine kleine Nachbemerkung, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, die davon abhalten könnten, jetzt auf „Bestellen“ zu klicken: Auch, wenn sich Monsieur Erneste in einen Mann verliebt, ist dies kein „schwuler“ Roman. Wenn man unbedingt ein Adjektiv gebrauchen möchte, dann sollte es „guter“ sein, oder „besonderer“.)

Diese Rezension von Reinhard Busse fanden 32 von 36 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Der Liebe seines Lebens hätte er alles verziehen.

Fazit 1: Ein wunderbares Buch über die Liebe und deren Umwege und Unwegbarkeiten ...

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* Fest eingehüllt in seinen dicken Mantel, blickte er hinaus auf den See, unmittelbar vor ihm zogen zwei Schwäne langsam ihre Kreise, tauchten unter und kamen wieder zum Vorschein, und wenn sie ihre Köpfe schüttelten, spritzte das Wasser von ihren weißen Hälsen, die aussahen, als wären sie nicht mit Federn, sondern mit Fell bedeckt. Es war kalt und windig, aber es schneite nicht mehr.

All die Jahre, in denen er in dieser Stadt schon lebte und arbeitete und fast täglich am See entlanggegangen war, hatte er nie innegehalten, jetzt aber blieb er stehen und blickte auf das Wasser, er setzte sich auf eine Bank und sah geradeaus, doch der Nebel verhinderte die Sicht auf das andere Ufer, es war nicht zu sehen, es war im Nebel verschwunden. In der Mitte des Sees, gerade noch erkennbar, fuhr ein kleiner weißer Dampfer, aus dessen schwarzem Schornstein weißer Rauch aufstieg ...*

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Zum Inhalt: Die Geschichte beginnt in den dreißiger Jahren im vornehmen Parkhotel bei den Giessbachfällen hoch über dem Brienzersee im Berner Oberland. Erneste arbeitet als Kellner und soll den Neuankömmling Jakob unterweisen. Sie verlieben sich ineinander. Doch dann stellt Erneste fest, daß Jakob ihn betrügt; schließlich verlässt er ihn für einen älteren, zahlungswilligen Mann, einen berühmten Schriftsteller. Tief verletzt geht Erneste seinen Weg und wird überraschend nach Jahrzehnten von seiner Lebensliebe um einen wahrlich dreisten Gefallen gebeten ...

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Fazit 2: Ein beeindruckender kleiner Roman über die große Liebe - und den Verrat.

Empfehlenswert - meint - Reinhard Busse

Diese Rezension von Dieter Heck fanden 3 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen absolut lesenswert!

Auch wenn es sich um eine homosexuelle Liebesgeschichte handelt, so ist dies doch kein "schwuler Roman" im herkömmlichen Sinne. Die Liebe mit ihren Freuden, Sehnsüchten, Schmerzen, Abhängigkeiten und Machtverhältnissen die hier beschrieben ist, ist zeitlos und nicht an eine sexuelle Orientierung gebunden.

Die Geschichte ist sehr einfühlsam und spannend. Wenn auch der Verlauf teilweise vorhersehbar, so bleibt das Ende doch eine Überraschung. Die Sprünge zwischen den Zeitebenen sind hervorragend gelungen und beim Aufbau des Spannungsbogens sehr hilfreich.

Erneste ist ein trauriger Mann, dessen Lebensinhalt darin besteht ein perfekter Kellner zu sein und der glaubt sich mit seinem Schicksal arrangiert zu haben; doch die im Keller versteckte Vergangenheit kommt zurück. Erneste weckt kein Mitleid sondern durch seine Gradlinigkeit und grenzenlose Liebe eine herzliche Sympathie.

Diese Rezension von D. Erdmann fanden 2 von 2 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Kabale und Liebe im Grandhotel

Nein, keine Hommage an Thomas Mann! Wie kommt man denn darauf? Alle Biographen sind sich einig: TM hat seine homoerotischen Neigungen nie ausgelebt, hat sich auch in Tagebüchern und gegenüber seinem hemmungslosen Sohn Klaus explizit dagegen ausgesprochen, den Trieben freien Lauf zu lassen (nicht ohne die Schmerzen zu notieren, die in ihm solche Askese bis ins hohe Alter hervorrief).

Es gab zwar den Kellner im Schweizer Grand Hotel, der später nach Amerika ging und sich nach der Veröffentlichung seiner Erwähnung in TMs Tagebuch zu Wort meldete. Aber der konnte nur Nobles und Ehrenhaftes über die Zeit des Umgangs mit dem berühmten Gast bezeugen.

Umso peinlicher ist es, die drastische Szene bei Sulzer zu lesen und dabei an den berühmten Schriftsteller denken zu müssen. Aber das ist das Problem des Lesers, nicht des Autors. Zum Glück gleitet wenigstens die Sprache Sulzers stilistisch dabei nicht zu sehr ab.

Am besten haben mir die Beschreibungen des Arbeitsalltags des Kellners Erneste gefallen, und die Ausführungen darüber, welche Eigenschaften ihn zum perfekten Kellner machen. Ein Lese-Genuss auch die Szene in der Kleiderkammer.

Insgesamt eine fast runde Geschichte, spannend und vergnüglich die ersten zwei Drittel des Buches. Die Skinhead-Episode war vielleicht dramaturgisch nötig, störte mich aber auch in der Grundstimmung der Erzählung. Und die Handlung in Amerika hätte, um glaubwürdig zu gelingen, ausführlicher, episch breiter geschildert werden müssen. In der Kürze wirkte das leider alles etwas zu plump.

Trotzdem ist Sulzer ein großartiger Erzähler und kann seiner Inspirationsquelle, dem großen Thomas, nicht nur das Wasser reichen. ;-)

Diese Rezension von meltpax fanden 4 von 5 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Eine gelungene Hommage an Thoma Mann

Der Autor versteht es, die Geschichte mit der Wortgewandtheit deutschsprachiger Ikonen einer scheinbar vergangenen Aera zu erzählen. Dabei kann man genüsslich die Zeit der großen Grand Hotels noch einmal miterleben, die dezente Aufmerksamkeit des Personals und die Freundschaft zweier Kellner, beginnend im klassischen Lehrer-Schüler Verhältnis, welche sich zu einer dramatischen Liebe entwickelt.

Beeindruckend ist vor allem, wie der Autor Thomas Mann in der Figur des Schriftstellers Klinger auftreten lässt, vor allem, wenn man sich mit der Geschichte der Fam. Mann etwas auseinandergesetzt hat. Es ist genau die Episode, in der Fam. Mann in einem Schweizer Hotel residiert, und bei Th. Mann, schwer beeindruckt von einem jungen Kellner aus Deutschland, seine immer unterdrückte und höchstens dem Tagebuch preisgegebene Zuneigung zu jungen Männern wieder aufblüht.

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