Baker, Nicholson

Eine Schachtel Streichhölzer

Eine Schachtel Streichhölzer
  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • Erscheinungsdatum: 2005-06-01
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 160
  • ISBN: 3499239752
  • EAN: 9783499239755
  • Amazon.de Verkaufsrang: 254.165
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Beschreibung von buecher.de

33 Streichhölzer - 33 Skizzen über die kleinen Wunder des Alltags

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Carl-heinrich Bock fanden 22 von 29 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Ein Licht geht auf

„Eine Schachtel Streichhölzer" ist dieser eigenartige kurze Roman überschrieben und die dreiunddreißig Hölzchen, die diese Schachtel exakt enthält, geben den zeitlichen Rahmen für die Erzählung von Nicholson Baker vor.Morgens um vier ist die Welt noch in Ordnung und sie liegt noch im Dunklen. Das ist nun die Zeit, in der Emmett, Lektor für medizinische Fachbücher, aufsteht, ein Streichholz anreißt und den Kamin im großen Wohnraum anzündet. Nun dann spielt er nach den Regeln des alten Kinderspiels „Blinde Kuh", das heißt , mit geschlossenen Augen durch die Räume das Haus gehen, ohne sich an Tischen, Stühlen oder Schränken zu stoßen, einen Lichtschalter ertasten, ihn aber dann nicht einschalten. Er brüht sich im Dunkeln einen Kaffee, setzt sich in einen bequemen Sessel, denkt nach. Die Räume sind zu dieser fortgeschrittenen Nachtzeit von den Sternen und dem Mond schwach erleuchtet, so könnte man denn diese gespielte Blindheit, wenn es sein sollte, durch Öffnen der Augen schnell beenden. Warum Emmett all das tut, wissen wir bis jetzt noch nicht, wir werden es auch überhaupt nicht erfahren. Es spielt vielleicht auch gar keine Rolle in diesem Roman. Dafür erfahren wir aber viele andere Dinge, die uns eigentlich gar nichts angingen, wenn sie nicht aus den Gedankengängen des amerikanischen Autors Nicholson Baker stammten. So gewährt uns in hundertfünfzig kurzen aber sehr inhaltsvollen Seiten Einlass in das Bewusstsein seines neuen Helden. Denn Emmett hat beschlossen dreiunddreißig Tage so früh aufzustehen. Zu dieser Zeit schläft seine Frau Claire ebenso wie seine beiden Kinder, die vierzehnjährige Phoebe und der achtjährige Henry. Die Ehe funktioniert, die Kinder haben ihre kleinen Macken wie andere Kinder die auch von Fall zu Fall haben, das Jahreseinkommen von siebzigtausend Dollar ist ausreichend und gesichert. An Tieren gibt es eine Ente im Garten, und eine Katze im Haushalt. Das Leben des Vierundvierzigjährigen scheint also ohne jede gesundheitliche oder finanzielle Gefährdung, aber eben auch ohne irgendwelche Höhepunkte - man kann sagen, es ist eben dieser immer gleichmäßige Fluss des Daseins zwischen einerseits nicht mehr jung und andererseits noch nicht alt.Dann auf Seite 108, bei Streichholz zweiundzwanzig, lüftet Baker für einen kurzen Moment die Decke. „Mir geht's nicht so gut." Emmetts gequälte Aussage hat vordergründig mit einer Influenza zu tun. „ Ich hatte tatsächlich 38,4 Grad Fieber!"

Ohne es eigentlich richtig wahrhaben zu wollen ist er von jener Krankheit erfasst, die „Leben" heißt und die unweigerlich irgendwann einmal auch zum Tode führt. Er ist innerlich doch ein wenig aufgewühlt. Dann beweint er einmal die Sterne, Sterne, dann erzählt er, er habe nur nach dem Abspulen von konfusen Selbstmordphantasien einschlafen können. Gleichzeitig weigert er sich aber entschieden die Existenz des Todes anzuerkennen. Einmal fragt er sich doch tatsächlich "Wie viele Jahre sind es noch, bis ich kein Kind mehr habe, das so jung ist, dass ich ihm die Haare waschen kann? ....Der Verlust genügt, um darüber die Fassung zu verlieren - und das ist kein Scherz."Also fassen wir es auch nicht als Scherz auf und betrachten wir weitere Erkenntnisse und Abhandlungen, die uns dieser Emmett vermitteln will.Die Erinnerung ist bekanntlich der einzige Faktor der nicht von unserem Willen gesteuert werden kann, und sie bringt Bilder hervor, vor denen es kein Entrinnen gibt. Diese Erkenntnis ist in folgendem Zusammenhang zu sehen - Emmett hat gerade eine Spinne vor dem Verbrennen gerettet, da taucht die Ameise Fides auf, die die Leichen ihrer Artgenossen begräbt. Sie ist die „Letzte ihrer Art", Überlebende einer Ameisenfarm, die die kleine Phoebe einst an ihrem dritten Geburtstag geschenkt bekommen hatte. Sie war diesem Emmett Trost und Vorbild, denn er sagt:" Fides hielt sich durch Arbeit am Leben, daher war sie in ihrem gelebten Stoizismus ein gutes Beispiel."Nicholson Baker hat seinen Details exakt beobachtenden Schreibstil weiter entwickelt. In anhaltend lang gedehnten Zeitphasen kristallisiert er in schönster Genauigkeit die „Nachtgedanken" dieses wundersamen Frühaufstehers heraus. Da muss auch dem Leser „ein Licht aufgehen" Wir kennen die Komik Bakers aus anderen Werken. In „Eine Schachtel Streichhölzer" macht diese Komik einer erfrischenden Heiterkeit Platz, die etwas ganz Wichtiges vermeidet - den Protagonisten in keinerlei Form lächerlich zu machen.

Diesen doch irgendwie auf seine Art liebenswerten Emmett, der uns die Botschaft vermittelt - werdet wie die Ameisen und Euer Leben hat einen Sinn- wird man nicht so schnell vergessen, das gilt sicherlich ganz besonders dann, wenn man ihn von Zeit zu Zeit in kleinen „Appetithäppchen" zu sich nimmt.

Diese Rezension von Anita Gerlach fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen keine Zeit verschwenden

Oft liest man Bücher und denkt..ohweh was hätte ich alles machen können in der Zeit.

Dieses kleine Büchlein von Baker ist wohl der sinnvollste, unterhaltsamste und entzückenste Zeitvertreib, den ich seit Langem hatte.

Jede Geschichte, jeden neuen Morgen habe ich mit einem Lächeln erwartet.

Wer nicht immer nur an der menschlichen Oberfläche kratzen möchte, dem sei dieses Buch sehr empfohlen.

Kleine Lebensweisheiten und tiefgehende Gedanken, sowie ein Humor, der seinesgleichen sucht, werden dem aufmerksamen und wachen Leser geschenkt.

Diese Rezension von tinka626 fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Nachts um vier

Ein Mann beschließt Mitte Januar morgens sehr früh aufzustehen. Nicht, weil er zur Arbeit muss um diese Zeit oder irgendwas zu tun hat. Einfach so. Er steht auf, macht Kaffee - im dunkeln. Nimmt sich einen Apfel - im dunkeln. Und macht Feuer. Dann sitzt er vor dem Feuer und erzählt. Vom Feuermachen, von seiner Frau, der Tochter, dem Sohn, dem Kater und der Ente. Er erzählt von seinem Leben, dass mit Sicherheit nicht außergewöhnlich ist und doch hört man ihm zu am Feuer. Man lauscht und lächelt. Es ist kein Held, der da am Feuer sitzt. Nur ein einfacher Mann, der seine Familie liebt und das Leben und der uns daran Anteil haben lässt, bis das letzte Streichholz im Kamin landet.

Diese Rezension von mibeha fanden 3 von 6 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen zu banal, um interessant zu sein

ja gut, Alltags-Miniaturen, freier Fluss der Gedanken und Assoziationen beim frühmorgendlichen Kaminfeuer. Das ist zu oft jedoch schlichtweg banal: die Kaffeemaschine , brennendes Papier im Kamin (sind es die Sonderangebote aus der gestrigen Zeitung, oder ist es die Brötchentüte...?), eine Seite über Gähnen. Das ist ziemlich uninteressant, und ich weiß wirklich nicht, warum ich über anderer Leute Spülmaschine lange lesen soll, habe selber eine und benutze sie täglich. Ja, und sogar: die Fusseln in des Ich-Erzählers Bauchnabel, seine Strategie im Dunkeln die Kloschüssel zu treffen...hey, das will ich wirklich überhaupt nicht wissen! Es ist mir einfach auch zu intim, über das Dusch-und Pinkelverhalten eines mir fremden Mannes zu lesen.

Nur in ganz wenigen Momenten scheint etwas mehr durch sein wortreiches Geplauder hindurch: da bekommt man z.B. eine Ahnung von Familien-Beziehungen.

Allermeist aber sind die Ausführungen schlicht langweilig, und man möchte ihm zurufen: weniger reden, mehr sagen bitte!

Diese Rezension von Bobby Peru fanden 1 von 4 Kunden hilfreich:
1 von 5 Sternen Banal und langweilig...Gäääähn !

Dies ist wohl eins der langweiligsten und banalsten Bücher die ich je gelesen habe..Alltägliche banale Geschichten wie sie jeder von uns jeden Tag in seinem eigenen Heim erlebt.. Mußte das Buch nach ca. 40 Seiten weglegen, da ich sonst beim lesen eingeschlaffen wäre.

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