Schiller, Friedrich von

Die Räuber

Die Räuber
  • Verlag: Suhrkamp
  • Erscheinungsdatum: 2009-09-09
  • Format: Taschenbuch
  • Umfang: 264
  • ISBN: 3518188674
  • EAN: 9783518188675
  • Amazon.de Verkaufsrang: 109.635
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Beschreibung von buecher.de

Maximilian, regierender Graf von Moor, hat zwei Söhne, Karl und Franz. Karl, der älteste, ist auf der Universität in Leipzig. Ein im Grund edler Charakter, begeht er doch mit leichtfertigen Genossen tolle Streiche. Sein jüngerer Bruder Franz, ebenso feige und hinterlistig, wie er tapfer und offen, täuscht durch falsche Briefe und durch seinen Spießgesellen, den Bastard Hermann, den alternden, kränklichen Vater, um Karl bei ihm schlecht zu machen und ihn überdies bei dem Fräulein Amalia von Edelreich, die Karl liebt, zu verleumden...

Rezensionen von Amazon.de-Kunden
Diese Rezension von Lilli Grünbein fanden 4 von 5 Kunden hilfreich:
3 von 5 Sternen Zu stark gekürzt

Ich bin etwas enttäuscht von dieser Aufnahme. Zwar wird sehr gut, sowie ausdrucksstark und verständlich gesprochen, jedoch ist sie meiner Meinung nach zu stark gekürzt und weicht an manchen Stellen vom Originaltext ab. Nicht nur in den einzelnen Szenen wurde einiges weggelassen, sondern halbe und sagar ganze Szenen wurden herausgenommen. Wer das Stück zuvor nie gelesen hat, für den mag es weniger von Nutzen sein, für Leute, die sich mit dem Text und Inhalt auskennen ist es vielleicht eher geeignet.

Diese Rezension von Helga König fanden 21 von 34 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen "...Verstand ist stets bei Wenigen nur gewesen." ( Schiller)

In den den "Räubern" geht es um die Brüder Franz und Karl Mohr. Sie stehen einander gegenüber wie das französische Freidenkertum (Franz) und deutscher Sturm und Drang (Karl). Der jüngere der beiden Brüder (Franz) betrügt den älteren (Karl) um dessen Erbe. Daraufhin sammelt Karl eine Reihe Gesetzloser um sich, geht in die Wälder und wird Räuberhauptmann....

Karl Moor gibt in den Räubern nichts mehr auf positives Recht. Sein Freiheits- und Gerechtigkeitspathos möchte die Gesetze selbst brechen, um auf diese Weise das Reich der Tugend auf Erden zu errichten. In Schillers Drama erhebt sich das Ideal der Tugend gegen alle Positivität geltenden Rechts, da es Gerechtigkeit so schwach und unvollkommennur realisiere. Tief fällt studentische Großmannssucht, die glaubte, nach den Sternen greifen zu können.

Am Schluss seiner furchterregenden Laufbahn gesteht sich Karl ein: "O über mich Narren, der ich wähnete die Welt durch Gräuel zu verschönern und die Gesetze durch Gesetzlosigkeit aufrechtzuerhalten. Ich nannte es Rache und Recht- (...) O eitle Kinderei - da steh ich am Rand eines entsetzlichen Lebens, und erfahre nun mit Zähneklappern und Heulen, dass zwei Menschen wie ich den ganzen Bau der sittlichen Welt zugrund richten würden."

Wer auf der Welt das Ideal der Tugend und Gerechtigkeit einführen möchte ist schlecht beraten dies über Terror zu versuchen. Karl maximiert die Gräuel, die er ein für alle mal beseitigen wollte, weil die abstrakten Begriffe gegen ihn selbst schlagen. Schiller versuchte das bürgerliche Tugendideal noch weiter zu treiben als Lessing. Der Dichter aus Marbach wollte es über das positive Recht siegen lassen. Denn wenn das positive Recht Günstlingswirtschaft, Ämterkauf und Pfaffenheuchelei duldet, oder wenigstens nicht verhindert, dann kann man es eben nicht verändern, sondern bloß abschaffen.

Dieser Aufstand gegen die Rechtsordnung speist sich aus der Quelle eines Familienzwistes, letzlich eines Missverständisses. Eine Intrige hat den alten Grafen Moor dazu verleitet den Erstgeborenen zu verstoßen und die Herrschaft dem Zweitgeborenen übertragen. Aufschlussreich ist es wie aus einer privaten Enttäuschung Rache an der Menschheit gefolgert wird: "Menschen haben Menschheit vor mir verborgen, da ich an Menschheit appellierte, weg von mir Sympathie und menschliche Schonung! Ich habe keinen Vater mehr, ich habe keine Liebe mehr, und Blut und Tod soll mich vergessen lehren, dass mir jemals etwas teuer war."

Glückt ein Einzelnes nicht (die Vaterliebe und das Erstgeburtsrecht) dann soll das Ganze(die Rechtsordnung) zum Teufel fahren. Schlagen Tugend und Rechtsordnung zu Anfang des Dramas hart aneinander, versucht Schiller am Ende ihre dialektische Vermittlung. Die Gesetze, denen zu Beginn die Ideale von Freiheit sowie Gerechtigkeit kontrastiert werden, fungieren zum Schluss als deren Garanten. Die sittliche Weltordnung soll erst über den Gesetzen und anschließend in den Gesetzen sein. Dass ein unaufgelöster Rest bleibt, ist unverkennbar.

Diese Rezension von Sarah Pally & Ursina Tschalèr fanden 14 von 25 Kunden hilfreich:
4 von 5 Sternen Heldenklima in den Böhmischen Wäldern

Friedrich Schiller, Die Räuber (1781)„Die Räuber“ gelten als ein Drama des Sturm und Drang, insbesondere wegen der typischen Motive (feindliche Brüder, Autorität des Vaters, Absage an Gott, die Familie und den Staat) und der wilden, kraftvollen, pathetischen Sprache.

Das Schauspiel handelt von den zerstrittenen Gebrüdern Karl und Franz Moor, ihrem Kampf gegen die Weltordnung und ihrem Scheitern.

Karl, der typische Sturm und Drang-Charakter, lässt sich bei seinem ideologischen Kampf vor allem von seinen Emotionen und nicht von der Vernunft leiten. Sein Wunsch ist es gegen die freiheitsraubenden Gesetze, gegen die Ungerechtigkeit in der Welt und gegen die Heuchelei der Kirche zu rebellieren, sein Widerstand ist jedoch zu individuell motiviert, als man aus dem Freiheitsroman ein Drama der Revolution hätte machen können.

Um seine übertriebene Sentimentalität, ein notwendiges Attribut jedes Sturm und Drang-Helden, nicht als Gefühlsduselei abzutun, ist seitens der Leser viel Verständnis oder ein mitfühlendes Herz erforderlich. Er muss seine edlen Taten, so zum Beispiel die Rettung eines Freundes aus den Fängen der Justiz, mit Kumpanen vollbringen, die eigentlich brutale Räuber und Mörder sind, und es kommt vor, dass bei seinen Unternehmungen auch Unschuldige leiden. So lädt er sich immer mehr Schuld auf, und verliert sich in einem Meer von Recht und Unrecht, aus dem er nicht mehr heraus weiss, und flieht in die Sehnsucht nach den guten alten Zeiten seiner Kindheit.

Die ebenso sentimentale Amalie, in der Rolle als naive aber treue Seele und ein Relikt der Empfindsamkeit, ist sich hingegen ihrer Gefühle sehr wohl bewusst und wirkt somit realistischer. Eine geradezu entspannende Starrheit im ganzen Gefühlschaos verkörpert Karls rachsüchtiger Bruder Franz, ist der doch der Einzige, der beinahe bis zum Schluss durchhält, ohne an seinen Gefühlen zu zweifeln. Er sinnt durch Intrigen nach Rache, da er der Zweitgeborene ist und hässlich dazu. Franz verkörpert eine radikale Seite der Aufklärung, die sich gegen jede religiöse oder philosophische Idee von der Freiheit des Menschen stellt. Dadurch, dass die Negativ-Figur Franz diese Lehre verkündet, wird sie vom Leser als falsch erkannt. Franz, der intellektuell rebelliert, im Gegensatz zu Karl, dem Herz und Gewissen das Wichtigste sind, ist damit der eigentliche Stürmer und Dränger. Unklar ist, warum die Brüder, aufgewachsen in einer harmonischen Familie, so verschieden sind: Franz ist ein Machtmensch, dem nichts heilig zu sein scheint, und Karl ist die idealistische Positiv-Figur.

Die Gesinnung der Brüder scheinen uns manchmal gar zu offensichtlich zu sein: zu böse und hinterhältig der eine, zu gut und edel in seinen Zielen der andere.

Die Gemütslage der handelnden Personen, mit Ausnahme von Franz, ändert schnell; im einen Moment sind sie noch „himmelhoch jauchzend“ und im nächsten schon „zu Tode betrübt“.

Das Durcheinander von Leidenschaft, unbedingter Liebe und abgrundtiefem Hass, von Freundschaft und Intrigen, von brutaler Gewalt und zarter Empfindung sowie die oft zerrissenen Handlungen und die scheinbar zufälligen Zusammenhänge verwirren den heutigen Leser unserer Meinung nach ungemein und sind meistens schlecht nachvollziehbar. Übertreibungen und oft schwülstige Bilder tragen das Ihre dazu bei.

Das Scheitern der Brüder scheint ein Phänomen der Epoche zu sein, muss doch auch im wirklichen Leben der Drang, die Welt im Sinne von Menschlichkeit und Gerechtigkeit zu verändern, scheitern. Andererseits ist das vollständige Scheitern des positiven Helden sehr ergreifend, raubt dem Leser etwas von seinem Optimismus, den er durch Karls heldenhaftes Auftreten gewonnen hat, und lässt ihn mit offenen Fragen zurück: Zählen nur unsere Taten und gar nicht die Motive, die ihnen zugrunde liegen?

Auf den ersten Blick scheint es, als gebe es in diesem Stück nichts anderes, Wichtigeres als diese an manchen Stellen schier unglaubliche und unlogische Räubergeschichte mit dem alten Mann und der jungen Frau, die beide so naiv sind, dass sie auf die dümmsten Tricks des bösartigen Franz hereinfallen. Bei genauerem Hinschauen, was einem grossen Teil der Leserschaft eher zu anstrengend sein dürfte, finden sich auch klare politische Aussagen Schillers wie die Kritik am Hof bei der Kosinsky-Geschichte oder an der korrupten hohen Obrigkeit bei der Auseinandersetzung Karls mit dem geifernden Pater. Das Stück liest sich um einiges interessanter im Bewusstsein, dass wie alle Figuren in Schillers Werk auch diese nicht individuell gemeinte Personen sind, sondern die Verkörperung von einer Idee, eines Prinzips, also auch dementsprechend schemenhaft. Schiller konfrontiert uns mit seiner Weltanschauung , die während mehrerer Jahre in ihm gereift ist und die für uns nicht ohne Weiteres einfach so angenommen werden kann.

Die Lebendigkeit, mit der Schiller schreibt, empfinden wir als sehr erfrischend, da hier doch jegliche Starrheit und Reserviertheit fehlt, die manchen klassischen Werken anhaftet.

Zum Studium der Epoche des Sturm und Drang ist diese Lektüre ein Muss. Wer auf Räubergeschichten steht, sollte „Robin Hood“ lesen. Für Pubertäts-Nostalgiker und Möchtegern-Helden kommt das Stück der Bibel gleich. Ursina Tschalèr und Sarah Pally, Kantonsschule Chur

Diese Rezension von S. Bernard fanden 1 von 1 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Bruderkrieg

Karl Moor hat alles, was sein Bruder Franz begehrt: er ist ein Bild von einem Mann, ihm gehört das Herz der schönen Amalia und als Erstgeborener wird er das Erbe seines Vaters antreten. Da entsinnt der listige Franz eine Intrige gegen Karl um seinen Platz einzunehmen. Karl wird verstoßen und gründet aus Protest eine Räuberbande.

Verkehrte Welt: Der moralisch verkommene Franz nistet sich in der Gesellschaft ein und der gutherzige Idealist Karl revoltiert gegen die bestehenden Zustände.

In einem tieferen Sinn wird in »Die Räuber« die Aufklärung hinterfragt: so benutzt Franz seine Aufgeklärtheit, um seine eigenen egoistischen Ziele zu verfolgen. Moralisches und aufgeklärtes Handeln fallen bei ihm nicht zusammen.

Dieses ganze Erstlingswerk Schillers ist ein einziger Protest: die Räuber werden zu Antihelden und auch sprachlich und formal hebt sich dieses Werk vom klassischen Drama ab. So ist »Die Räuber« nicht in wenig lebensnahen Versen verfasst, sondern in »gesprochenen Deutsch« als sehr kraftvolle Prosa (und mit ganz viel genialen Pathos).

Im Gymnasium mein Lieblingsschiller und an der Uni mein Lieblingsschiller. Ein absolutes Muss.

Diese Rezension von Adrian Kummer fanden 2 von 3 Kunden hilfreich:
5 von 5 Sternen Gelungen!

Die Hörspielversion dieses Schiller-Klassikers würde ich als sehr gelungen bezeichnen. Gute Schauspieler und markante, zutreffende Stimmen spielen die wichtigsten und für den Inhalt relevantesten Szenen nach. Schön ist auch die Untermalung mit elektrischer Gitarre, welche vor allem die intrigante Grundstimmung von Franzens Auftreten auf den Punkt trifft.

Speziell für Leute, die dieses Werk als Thema für das Abitur oder den Realschulabschluss behandeln, würde ich diese Version empfehlen. Vor allem, wenn man während der Vorbereitung nicht die Chance hatte, das Ganze "live" auf der Bühne zu sehen. Es ist eben noch einmal ein riesiger Unterschied, ob man den Text liest, oder er gut vorgetragen wird. Die relativ kurze Spielzeit von nur knapp über einer Stunde (!) sollte auch für Theatermuffel einfach zu meistern sein.

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