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Metaphern sind integraler Bestandteil unserer alltäglichen Sprache, nicht bloß praktische oder rhethorische Mittel. Sie bestimmen unsere Wahrnehmung, unser Denken und Handeln und somit unsere Wirklichkeit. Die Lektüre dieses fesselnden und unterhaltsamen Buches führt dazu, dass man ganz neu über die Sprache und darüber, wie wir sie benutzen, denkt.
gar nicht so originellEs ist erfreulich, dass "Metaphors We Live By" nach knapp 20 Jahren in deutscher Übersetzung vorhanden ist. Aber für ein deutschsprachiges Publikum stellt es wohl weniger als für ein amerikanisches einen wirklichen Meilenstein dar, werden doch etwa die äußerst eloquenten Studien Harald Weinrichs (etwa zum Bildfeldbegriff abgedruckt in "Sprache in Texten" von 1976) gar nicht rezipiert. An der Westküste der USA findet eine Rezeption der europäischen Linguistik leider nicht statt, und auch die Traditionen des Metapherndiskurses werden - gelinde gesagt - sehr unzureichend zur Kenntnis genommen. Vom Standard wissenschaftlicher Lauterkeit sind Lakoff/Johnson daher leicht fragwürdig, sie verkaufen sehr alte Einsichten in die Metapher als Denkmodell mitunter sehr reißerisch als eigene Erfindungen. Dieser Gestus stößt etwas auf. Dennoch ist es ihnen nun einmal gelungen, breites Interesse am Thema des konzeptuellen Status von Metaphern zu wecken, und schon daher kommt man an ihnen kaum vorbei. Schade nur, dass sie den textfunktionalen Status der Metapher (Was leistet sie in der Kommunikation?) vollkommen vernachlässigen und die sprachlichen Beispiele ausschließlich ihrer Intuition, nicht aber einer empirisch ausgewerteten sprachlichen Wirklichkeit entnehmen. Lesen lohnt sich das Werk auf jedenfall, aber mit kritischer Distanz.
Ein Meilenstein der Sprachwissenschaft ...das ist dieses schmale Büchlein von Lakoff/Johnson alle mal, und gleichzeitig eine Bereicherung für jeden Laien. "Metaphern, das verwenden doch nur Rhetoriker und Literaten." - Mit diesem Vorurteil räumen die beiden Autoren auf, denn das Gegenteil ist der Fall: Metaphern sind überall und jeder verwendet fast täglich welche. Und es ist eben nicht nur bildhafte Sprache, wenn Menschen füreinander "entflammen", Argumente "in der Luft zerrissen werden" usw., Lakoff/Johnson zeigen, wie diese "Bilder" mit anderen zusammen hängen und so ganze Bereiche - besonders auch des abstrakten Denkens - durch diese Bilder erst Gestalt gewinnen. Und dies mit oft weitreichenden Konsequenzen, denn wer im Business hauptsächlich in Kriegs- und Kampfmetaphern denkt, wir sich letztlich auch so verhalten. Das Buch regt zum Nachdenken an, ist weder zu abstrakt noch zu oberflächlich und für angloamerikanische Populärwissenschaft von erfrischender Kürze. Vielleicht nicht gerade die ideale Lektüre für den Strand, aber sonst fast überall lesbar.