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Noch einmal ist der erfolgreiche Langstreckenläufer Bert Buchner für die Europameisterschaft aufgestellt worden, noch einmal ist er vom Start weg an die Spitze gegangen, wie er es immer tat. Aber wird er noch einmal siegen? Auf der Tribüne verfolgt ein Reporter, einst Entdecker, Freund und Warner Buchners, den schweren Lauf über fünfundzwanzig quälende Runden. Und dabei werden Erinnerungen wach; an die erste Begegnung, die ersten Starts, die ersten Siege und Rekorde verknüpft und erkauft mit Verlegenheitsberufen, mit Enttäuschungen im privaten Leben und mit dem Verlust der menschlichen Integrität. Buchner hatte übersehen, daß sich mit sportlichem Ruhm kein Leben sichern läßt, daß er König nur am Wochenende ist und daß man ihm nur zujubelt, solange er siegt und keinen Augenblick länger. Sein Grundirrtum bestand darin daß er seine sportliche Karriere auch für eine menschliche und gesellschaftliche hielt. Noch einmal bäumt er sich zu einer letzten großen Anstrengung auf, und dieser Lau f wird zum Resümee seines Lebens, zum Sinnbild seiner Hoffnungen und Enttäuschungen.
Ein flüssig geschriebener SportromanDer Roman "Brot und Spiele" von Siegfried Lenz ist 1959 erschienen. Es handelt sich um einen Sportroman, der sehr gut aufgebaut und flüssig geschrieben ist. Lenz verwendet bei diesem Roman einen Aufbau, der mir bisher noch nicht begegnet ist. Der Text ist ohne Kapitel oder irgend einen Absatz geschrieben. Zu Beginn bereitete mir dies ein bisschen Mühe, doch als ich weiter las, bemerkte ich, dass dieser Aufbau völlig richtig ist.Die Hauptperson des Romans ist der Langstreckenläufer Bert Buchner. Er schafft durch seinen Erfolg im Sport den gesellschaftlichen Aufstieg, was ihn aber immer mehr in den moralischen Abgrund stösst. Als Gegenwartsebene des Romans dient der letzte 10'000-m-Lauf Buchners, welcher von einem Journalisten und ehemaligen Freund Buchners (gleichzeitig auch Ich-Erzähler) beobachtet und kommentiert wird. Der Leser erfährt die einzelnen Stationen von Buchners Karriere immer wieder als Rückblenden des Ich-Erzählers, der sich während des Laufs an die gemeinsamen Zeiten mit Buchner erinnert. Als Leser erfährt man bei jedem Rückblick wieder ein bisschen mehr über Buchners Karriere. Die Erzählform, die Lenz hier verwendet hat, könnte man als Aufzeichnug der Vergangenheit und ihre Konsequenzen auf das momentan Erlebte bezeichnen. Der Ich-Erzähler springt immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück. Diese Sprünge versteckt Lenz teilweise sehr geschickt, indem er Wörter oder Ausdrücke verwendet, die sozusagen als Brücken dienen. Buchners Aufstieg erfolgt in verschiedenen Etappen. Am Anfang steht die Entdeckung seines Talents und die Förderung durch einen kleinen Sportverein. Nach seinen ersten Erfolgen kann er dem Angebot eines noblen Sportklubs nicht widerstehen. Er macht erste Kontakte mit der neureichen Gesellschaft. Dieser Wechsel hat grossen Einfluss auf sein Verhalten gegenüber alten Bekannten. Er wird arrogant und verlässt schliesslich sogar seine Verlobte. Er entdeckt das Glücksspiel und gerät damit in ein noch tieferes Loch. Sein Leben erhält immer mehr die Form eines Laufs, eines Laufs um sein Leben. Infolge seiner ständigen Erfolge braucht er die Siege und den anschliessenden Applaus der Zuschauer wie eine Droge. Er wird süchtig danach. Und als er in einem Lauf bemerkt, dass er nicht gewinnen kann, hat er keine Skrupel, einen anderen Läufer schwer zu verletzen, damit dieser aufgeben muss. Dieses Ereignis führt dann auch zum Bruch mit seinem langjährigen Freund, dem Ich-Erzähler. Dieser hat als einziger die Absicht Buchners bemerkt. Durch diese Distanzierung von Buchner hat der Ich-Erzähler bei dessen letztem Lauf genügend Abstand, um den Lauf neutral zu kommentieren. Bisher war er schon vor dem Start davon überzeugt, dass Buchner gewinnen würde. Jetzt kann er realistisch beurteilen, ob Buchner eine Chance hat oder nicht. Buchner sei zu alt für diesen Lauf, meint er. Doch er wird von ihm überrascht. Diesen Lauf kann Buchner jedoch nicht gewinnen, denn er wird zum Spiegelbild seiner ganzen Karriere.Am Ende des Romans verstand ich dann auch die Verbindung zwischen dem Inhalt und dem Aufbau des Textes. Der Text ist an einem Stück geschrieben, weil die Läufer bei einem 10'000-m-Lauf ja auch keine Pausen machen. Der durchgehende Text steht hier also symbolisch für einen 10'000-m-Lauf. Es scheint fast so, als wolle Lenz dem Leser das Gefühl eines durchgehenden Laufs geben.Siegfried Lenz hat mit "Brot und Spiele" einen wirklich guten Roman geschrieben. Er stellt sehr gut dar, was mit einem Sportler geschehen kann, wenn er unter extremem Leistungsdruck steht. Ich könnte mir vorstellen, wenn Lenz diesen Roman zur heutigen Zeit geschrieben hätte, käme zusätzlich noch das Thema "Doping" zur Sprache.Philippe Holzner, Kantonsschule Chur
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